Luxemburgs nationales Literaturarchiv

20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt residiert seit 1995 das Luxemburger Literatur-Nationalarchiv im kleinen Ort Mersch. Das „Centre national de littérature“ (CNL) kann für sich beanspruchen, das Zentrum der oft unterschätzten Literatur des Großherzogtums zu sein. Aber auch das wohlständige Großherzogtum und damit auch das CNL hat die Krise erreicht. Dessen Leiterin Germaine Goetzinger berichtet beispielsweise, dass zu den vorhandenen siebendreiviertel Planstellen weitere dringend benötigte Planstellen wegen eines nahezu totalen Einstellungsstops im öffentlichen Dienst nicht geschaffen werden.

Daher hat nun jeder Mitarbeitende alles zu machen: Archivieren, Katalogisieren, Auswerten der Presse, Forschen, Publizieren. Dennoch ist heute viel mehr zu leisten als vor zehn Jahren möglich erschien. Ehe das CNL im Oktober 1995 öffnete, gab es im Staatsarchiv eine bescheidene Arbeitstelle für luxemburgische Literatur. Erst mit dem CNL, das sich nicht nur als Archiv versteht, sondern ob seiner Lesungen, Vorträge und Ausstellungen auch als Literaturhaus, begann die systematische Erforschung der lange marginalisierten Literatur des Großherzogtums. Weiß man, dass das Land erst seit Ende 2003 eine Uni hat, wundert man sich nicht länger, dass die Erforschung seiner Literatur derart spärlich war.

Weil sich das Letzeburgische überhaupt erst seit dem 19. Jahrhundert als Literatursprache nach und nach etabliert hat, ist die im Großherzogtum von jeher verbreitete Dreisprachigkeit auch für dessen Literatur kennzeichnend. Mit einem Bestand von 12.000 Büchern hat man in Mersch angefangen, mittlerweile sind es gut doppelt so viele. Allenfalls ein Fünftel davon sind auf Letzeburgisch, das erst 1984 Nationalsprache wurde. Das Magazin des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Hauses quillt über, weshalb im Herbst mit dem Umbau eines Nebengebäudes begonnen werden soll. Das aus allen Nähten platzende Schmuckstück in Mersch braucht weitere Depot- und Büroräume. Etwa 200 Nachlässe (und einige Vorlässe) luxemburgischer Autoren – etwa 100 sind im Schriftstellerverband organisiert – werden nicht nur verwahrt, sondern auch erforscht, sofern die Personallage dies zulässt.

Auf drei Etagen umfasst das „Servais-Haus“, wie das CNL im Volksmund genannt wird, im Parterre fünf Ausstellungskabinette sowie im ersten Geschoss Verwaltungs- und Magazinräume und einen Lesesaal sowie im zweiten Geschoss Vortragssaal und Foyer. Ab Herbst sollen in einem zweiten Nebengebäude neue Büro- und Magazinräume entstehen.

Kontakt:
Centre national de littérature
2, rue Emmanuel Servais 
L-7565 Mersch 
CNL@cnl.etat.lu
Tél: 32 69 55-1
Fax: 32 70 90
www.literaturarchiv.lu

Quelle: Christoph Schreiner, Saarbrücker Zeitung, 18.6.2004

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