Rückschau auf den TAG DER ARCHIVE

Mit einem Wort des Dankes hat sich der Vorsitzende des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare, Professor Volker Wahl, an die deutschen Archive gewandt, die in ihren Einrichtungen am Samstag, den 25. September den zweiten bundesweiten TAG DER ARCHIVE durchgeführt haben. Die Mühen der Vorbereitung und Durchführung wären allein schon deshalb nicht umsonst gewesen, "weil wir dadurch einmal mehr auf den hohen Stellenwert der Bewahrung des uns anvertrauten Kulturgutes hinweisen konnten", führte Wahl nicht zuletzt vor dem aktuellen Hintergrund des Brandes der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar aus.

Auch die diesjährigen Erfahrungen sollen für künftige öffentlichkeitswirksame Aktionen des Archivwesens nutzbar gemacht werden. Neben Planungen für einen dritten TAG DER ARCHIVE im Mai 2006 in Deutschland gehört dazu auch die auf dem XV. Internationalen Archivkongress in Wien entstandene Überlegung, künftig einen INTERNATIONALEN TAG DER ARCHIVE auszurufen. 

Die Zeitungen dokumentierten heute zahlreich die vielfältigen örtlichen Aktivitäten der Archive am TAG DER ARCHIVE; eine kurze Presseschau soll dies verdeutlichen:

Leutkirch: Das Schattendasein hat ein Ende
Archive stellt man sich düster, staubig, ruhig und langweilig vor. Dass dies zumindest auf das Leutkircher Stadtarchiv nicht zutrifft, hat Stadtarchivarin Nicola Siegloch am Samstag gezeigt: Im Rahmen des bundesweiten Archiv-Tages kamen etwa 50 Besucher zum Tag der offenen Tür ins Archiv.

Wolfenbüttel: Durch die Klimaschleuse zu den Kirchenschätzen
Hunderte Wolfenbütteler nutzten am Samstag die Gelegenheit, ansonsten nicht zugängliche Räume des Niedersächsischen Staatsarchivs und Landeskirchlichen Archivs zu beäugen. Bereits eine halbe Stunde vor der Öffnung hatten sich Besuchertrauben vor den Türen versammelt.

Celle: Gründungsurkunde ist ältestes Dokument – Stadtarchiv weckt Interesse bei Besuchern
In einem Archiv sei Ordnung das ganze Leben, sagte die Leiterin des Celler Stadtarchivs, Sabine Maehnert. Dennoch verschob sich das Programm beim Tag der Archive aufgrund des großen Andrangs. So teilten sich die gut 60 Besucher in zwei Gruppen. Eine verfolgte zunächst den eine Stunde später geplanten Stummfilm „1000 Jahre Westercelle“ (1951), die andere Gruppe machte sich unter Führung der Archivleiterin auf einen Rundgang durchs Archiv.

Bernburg: Schulen das Thema beim \“Tag der Archive\“
Kreis- und Stadtarchiv gaben zum \“Tag der Archive\“ Einblicke zum Thema Schulen im Kreis Bernburg. Die Archivräume selbst konnten von den Besuchern aber nicht besucht werden. Stattdessen hatten die Mitarbeiter alte Baupläne, Klassen- und Rechnungsbücher, Schulliteratur und Protokolle von Schulvorstandssitzungen ausgestellt. Für die Kinder interessant: eine alte lederne Schulmappe sowie eine Schiefertafel mit Griffel.

Borna: Die Papierflut der letzten 50 Jahre
Das Stadtarchiv Borna konnte zwar nur eine vergleichsweise geringe Zahl an Besuchern, dafür besonders interessierte Gäste zum bundesweiten Tag der Archive begrüßen. So schaute beispielsweise Sabine Raabe, die auch als Fremdenführerin arbeitet, herein, um neue Anregungen für ihre Stadtführungen zu bekommen. 

Bonn: Ratsherrensohn zog mit dem Kußbezirchen ins Kloster
Archiv zwei des Bonner Stadtarchivs gehört ganz allein den historischen Beständen von 1588 an, sortiert nach Kurfürstlicher, Französischer und Preußischer Zeit. Dabei sind, so Archivar Ottmar Prothmann bei der Führung durch die Katakomben des Stadthauses, die 200 privaten Nachlässe und Sammlungen in einem der Magazine das Spannendste. Besonders wertvoll für das Archiv seien sie, wenn sie Handschriftliches und Korrespondenzen enthalten, erklärte Archivar Tim Glander: "So lässt sich mehr über das Alltagsleben erfahren.\“

Magdeburg: Wohnen im alten Magdeburg und Weintrauben für 40 Pfennig
Im Stadtarchiv Magdeburg erzählte Frau Dr. Ballerstedt von der Geschichte des Archivs, von alten Zeiten und Berühmtheiten, von Bauakten alter Meister wie Bruno Taut und Johannes Göderitz. Spannend erzählt sie, als sei sie dabei gewesen, damals, als der berühmte Doktor Eisenbarth sich ein Haus in Magdeburg kaufte. 

Bad Kreuznach: Einblicke in eine Schatztruhe
Anne Wohlleben, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Stadtarchivs Bad Kreuznach, gab den Besuchern Gelegenheit, einen Blick auf die im Entstehen begriffenen Großprojekte \“Kreuznacher Datenbank\“ und \“Lexikon Kreuznacher Persönlichkeiten\“ zu werfen. Ihre Arbeitsgrundlage sind Familien- und Haushaltungsbögen, die sie in aufwändiger Kleinarbeit im Computer erfasst. Auf diese Weise entstehen zwei neue Datensammlungen, die einerseits den Bestand der angegriffenen historischen Dokumente schützen und diese Quellen andererseits für die Allgemeinheit verfügbar machen.

Wiesbaden: Beim Tag der offenen Tür rücken Archivare falsches Bild zurecht
Unter dem Motto \“Eine Stadt drei Archive\“ öffneten in Wiesbaden das Deutsche Rundfunkarchiv, das Hessische Hauptstaatsarchiv und das Stadtarchiv ihre Türen für die Öffentlichkeit. Die Mitarbeiter der Archive gaben einen Überblick über die Arbeit der Archivare und stellten dabei die Besonderheiten des jeweiligen Hauses vor.

Mainz: \“Tag der Archive\“ unter einem Generalthema im Proviant-Magazin
Im Mainzer Proviant-Magazin, das als Fastnachtsarchiv und -museum fungiert, hat die närrische Vergangenheit der Stadt einen sowohl historischen als auch hochmodernen Rahmen gefunden. Fastnacht als untrennbarer Bestandteil der Mainzer Kulturgeschichte war der Schwerpunkt des diesjährigen Tages der Mainzer Archive.

Plön: Plöner sind \“Feuer und Flamme\“
Im Obergeschoss des Kreismuseums Plön mit seinem reizvollen Rokokosaal und einem Nebenkabinett konnte die Sonderschau \“Feuer und Flamme\“ erstmals in ihrer ganzen Attraktivität dargestellt und erfasst werden. Mit der Eröffnung der Sonderausstellung, verbunden mit einem Auftritt der Plöner Feuerwehr auf dem Museumsvorplatz, leisteten Kreismuseum und das Archiv des Kreises Plön einen gemeinschaftlichen Beitrag zum \“Tag der Archive\“. 

Köln: Mythen und alte Akten
Nachdem sich die Kölner Archive beim ersten Tag der Archive vor drei Jahren in ihren eigenen Häusern präsentiert hatten, habe man sich in diesem Jahr für einen zentralen Veranstaltungsort entschieden, erklärte Dr. Ulrich Soénius, Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln. So konnten die Besucher einen Überblick über die breite Palette der Archive der Domstadt bekommen. Gleichzeitig zogen alle Archive an einem Strang, um den Wert der Einrichtungen als Kulturinstitutionen zu erhöhen. „Kölner Mythen“ lautete das diesjährige Motto, bei dem Themen vorgestellt wurden, um die sich viele Gerüchte und Legenden ranken, sagte Dr. Franz-Josef Verscharen vom Historischen Archiv der Stadt. 

Villingen: Gedächtnis der Stadt eingelagert
Den ganzen Tag über ohne Pause führten der Villinger Stadtarchivar Maulhard und Mitarbeiterin Ute Schulze die Besucher in kleinen Gruppen durch die Lagerräume, in denen das Gedächtnis der Stadt \“eingelagert\“ ist. Die Leute waren sehr interessiert und es habe richtig Spaß gemacht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie durch die Bestände auf den zwei Ebenen zu führen, zeigte sich Stadtarchivar Maulhardt beeindruckt. So sei es auch gelungen, auf die Leistungen des Archivs hinzuweisen, damit die Bürger wissen, wo sie was finden können.

Bad Oeynhausen: Einsicht in das \“Gedächtnis der Stadt\“
Das Tagesprogramm ließ keine Fragen offen: Bei den Führungen durch das umfangreiche Archiv, der Einführung in die Höfe- und Familienforschung, einer Ausstellung historischer Stadtansichten von Bad Oeynhausen aus der Zeit von 1890 bis 1940, einem Bücherflohmarkt und den Tipps zur Aufbewahrung von Archivgut wurde jeder Besucher umfassend informiert.

Ehingen: Einst dominierte die Noblesse
Die Gelegenheit, sich im Archiv der Stadt Ehingen im ehemaligen Franziskanerkloster umzusehen, gibt es selten. Seit der Einweihung vor einigen Jahren waren am Samstag beim \“Tag der Archive\“ erstmals wieder die Türen geöffnet. Der Besuch lohnte sich.

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