Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hat heute in Brüssel Urkunden, die während des Zweiten Weltkriegs aus dem belgischen Staatsarchiv Arlon abhanden gekommen sind, an den belgischen Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Marc Verwilghen zurückgegeben.
Es handelt sich um 16 gesiegelte Pergamenturkunden aus der Zeit vom 13. bis zum 17. Jahrhundert, die auf ungeklärte Weise – vermutlich als private Kriegsbeute eines deutschen Soldaten – um 1942 von Arlon nach Deutschland gelangt sind und vor kurzem in einem verstaubten Koffer auf dem Dachboden eines Hauses in Hannover wieder aufgetaucht sind. Als die Finder vor einiger Zeit auf dem Dachboden ihres kurz vorher bezogenen Hauses in einem verschlossenen Koffer eine Anzahl von Pergamentschriftstücken mit Siegeln entdeckten, waren sie völlig überrascht und ratlos, was es mit diesen offensichtlich sehr alten \“Schweinshäuten\“ auf sich haben könnte. Sie baten daher das Hauptstaatsarchiv Hannover um Prüfung, bei der sich ergab, dass es sich um mittelalterliche und frühneuzeitliche Privaturkunden handelte. Wie die Urkunden nach Hannover gelangt sind und wer sie dorthin gebracht hat, ließ sich bis heute nicht aufklären. Immerhin konnte der Zeitpunkt des Geschehens eingegrenzt werden: Da die Urkunden in eine Zeitung aus dem Jahr 1942 eingepackt waren, liegt der Schluss nahe, dass es sich bei dem Fund um \“private Kriegsbeute\“ handelt.
Ministerpräsident Wulff wies in seiner Ansprache darauf hin, kriegsbedingt verlagertes Kulturgut ohne Wenn und Aber den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben, sei auch 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch immer von großer Bedeutung. Er sprach den Findern seinen Dank für ihre Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft aus.
Quelle: Europäisches Informations-Zentrum Niedersachsen, 2.2.2005
