Krupp: Geschichte als Unternehmensziel

Das jüngste Werk über die Geschichte des Krupp-Konzerns, der großformatige Bildband "Krupp bleibt doch Krupp" von Klaus Tenfelde, macht einmal mehr deutlich, von welchen Schätzen aus dem Historischen Archiv Krupp die Forschung profitieren kann. Wie ein nie versiegendes Füllhorn hat die bereits 1905 gegründete Institution dem Bochumer Historiker Tenfelde Dokumente und vor allem Fotos zur Verfügung gestellt, darunter eine ganze Reihe noch nie gezeigter. 

Die Geschichte dieses ältesten, wohl auch wichtigsten und sehr gut sortierten historischen Wirtschaftsarchivs ist nun aber auch selbst Gegenstand eines Buches geworden. Vorgelegt hat es Archivleiter Ralf Stremmel, der im Jahr 2003 die langjährige Chefin Renate Köhne-Lindenlaub ablöste. Stremmel beschreibt griffig und allgemein verständlich die Notwendigkeit und die Aufgaben des Krupp-Archivs. Er gewährt dabei einen Einblick in die Arbeitsweise sowie in die teils wertvollen Bestände. Schon der eigentliche Firmen-Gründer Alfred Krupp wusste um die Bedeutung der historischen Überlieferung. Schließlich schafft Geschichte Identität nach innen und außen, ein Anliegen, das im Kruppschen \“Staat im Staate\“ seit jeher hoch im Kurs stand. Es gibt aber auch eine praktische Dimension. In Streitfällen zum Beispiel patentrechtlicher Art kann ein gut sortiertes Archiv über Wohl oder Wehe eines Unternehmens entscheiden.

Das Krupp-Archiv hat auch schwere Zeiten erlebt. So nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Alliierten Beweismaterial für den Krupp-Prozess suchten und die Bestände regelrecht fledderten, ohne an die Rückgabe zu denken. Noch heute tauchen Dokumente auf dem Schwarzmarkt auf. Bis in die 1980er Jahre hinein betrieb das Archiv eine recht restriktive Abschottungspolitik. Mit diesem Generalmisstrauen, das die damals typische Krupp-Mentalität widerspiegelte, räumte bereits Stremmels Vorgängerin nach und nach auf. Inzwischen dürfte der Hügel deutschlandweit eine der ergiebigsten Adressen für die sozial- und wirtschaftshistorische Forschung sein.

Kontakt:
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
Historisches Archiv Krupp
Villa Hügel
Hügel 1
D-45133 Essen 
Telefon: +49 201 188 48 21
Fax: +49 201 188 48 59
archiv@hak-krupp-stiftung.de

Quelle: Frank Stenglein, NRZ Essen, 27.7.2005

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