Norddeutsche Mission übergibt Archiv

Das nach Auffassung von Experten in seinem Bestand einmalige Archiv der Norddeutschen Mission (NM) geht endgültig in den Besitz der öffentlichen Hand über. Das Missionswerk übergab mehrere tausend Schriftquellen, Bilder, Zeichnungen und seine Bibliothek dem Staatsarchiv Bremen. Damit sei das in Deutschland einmalige Material auf einfache Weise zugänglich, sagte der Direktor des Staatsarchivs, Konrad Elmshäuser. 

Die Dokumente gehören zur Liste der national bedeutenden Archivbestände in Deutschland und werden seit 1968 größtenteils im Staatsarchiv verwahrt. Ein Teil war im Missionshaus untergebracht. Mit der Übergabe sei das Archiv nun optimal verwahrt und an einem Ort verfügbar. Interessenten kommen u.a. aus der Wissenschaft: So ist erst im Mai ein dreijähriges Forschungsprojekt zur Arbeit der Norddeutschen Mission zwischen 1847 und 1939 abgeschlossen worden. Datenquelle für das Projekt (Transkulturationen. Eine Mikrogeschichte der Norddeutschen Mission in Westafrika, 1847-1939), das der Bremer Kulturwissenschaftler Rainer Alsheimer leitete, waren Berichte, Protokolle, Briefe und Broschüren des Missionswerkes aus dem 19. und 20. Jahrhundert. 

Anhand des Kulturkontaktes zwischen Afrikanern und Europäern dokumentiert und analysiert das Projekt individuelle und kollektive Veränderungen kultureller Verhaltensformen und Identitätskonstruktionen. Bisherige Missionsforschung geht davon aus, dass die nationalstaatlichen Europäer im 19. Jahrhundert fremde Kulturen in den Kolonialländern \“domestizierten\“. Mission wird in dem von der VW-Stiftung finanzierten Projekt innerhalb von struktur-historischen Untersuchungen in der Regel als Teil des kolonialen Machtsystems beschrieben. Eine solche Sichtweise verstellt den Blick dafür, dass die Kontakte zwischen den Bevölkerungen der Kolonien und den Europäern zu gegenseitigen Veränderungen der individuellen Verhaltensweisen und der kulturellen Normen geführt haben müssen. Unter Einsatz eines EDV-Dokumentationssystems wurde ein vernetztes Korpus von Quellentexten (Auszüge, Regesten, Kategorisierungen) erstellt. Die Dokumentation erfasste sowohl Textquellen als auch Bilder (2.500 Fotos). Quellenbasis war das Archiv der NM und der dort vorhandene Quellenbestand aus dem 19. und 20. Jahrhundert (Egodokumente, Berichte, Protokolle, Korrespondenzen, Regularien, Broschüren der Missionspresse). 

Alle historisch und volkskundlich wertvolle Bestände des Missionswerks lagern nun im Staatsarchiv Bremen und sollen mit der Zeit digitalisiert werden. Die Norddeutsche Mission wurde vor mehr als 150 Jahren gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss von vier deutschen und zwei afrikanischen Kirchen. Nach anfänglichen Aktivitäten in Neuseeland und Ostindien entsandte das Werk ab 1847 Missionare nach Westafrika. Aus dieser Arbeit gingen zwei selbstständige Kirchen in Togo und Ghana hervor.

Kontakt:
Staatsarchiv Bremen
Am Staatsarchiv 1
28203 Bremen 
Fon: 0421 / 361-6221 
Fax: 0421 / 361-10247 
zentrale@staatsarchiv.bremen.de 

Quelle: Kreiszeitung Syke, 19.11.2005

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