60 Jahre Deutsches Adelsarchiv

Das Deutsche Adelsarchiv mit Sitz in Marburg besteht seit 60 Jahren. Es widmet sich vorrangig der Erstellung, Bearbeitung und Herausgabe der Genealogischen Handbücher des Adels. Darüber hinaus werden Unterlagen zur Geschichte des Adels, regionaler Adelsvereinigungen sowie verschiedener Familien gesammelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aus Anlass des 60. Geburtstages wird es am Samstag einen Festakt im Marburger Rathaus geben.

Die Gründung des Deutschen Adelsarchivs ging auf eine private Initiative des aus Breslau geflüchteten Oberregierungsrates Hans Friedrich v. Ehrenkrook und des aus Mecklenburg vertriebenen Rechtsanwalts Jürgen v. Flotow zurück. Bis zur Währungsreform 1948 wurden sog. \“Flüchtlingslisten\“ mit Adressen und Suchanzeigen herausgegeben und im August 1948 erschien das erste Heft \“Deutsches Adelsarchiv\“. Parallel dazu begann v. Ehrenkrook zusammen mit dem 1946 in Görlitz enteigneten Verleger Hans Kretschmer die Fortsetzung der Gothischen Genealogischen Taschenbücher in einer neuen Reihe mit dem Titel \“Genealogisches Handbuch des Adels\“ vorzubereiten. Die seit 1951 erscheinende Reihe wird seit 1965 durch den Archivar des Deutschen Adelsarchivs herausgegeben. Dies war bis 1996 Dr. Walter v. Hueck, seither ist es der Sozial- und Wirtschaftshistoriker Dr. Christoph Franke. Die Arbeit des Adelsarchivs hatte auch den Sinn, falsche Grafen oder Fürsten zu enttarnen. Besonders in den Nachkriegswirren war das Schmücken mit einem falschen Adelstitel in Mode gekommen. Doch auch heutzutage gibt es noch manche Anfragen, ob Personen einen Adelstitel zu Recht tragen oder nicht.

Zwischen 1968, dem Todesjahr des Archivgründers v. Ehrenkrook, und 1984 wurde das Archiv aufgrund des Entgegenkommens der Hessischen Archivverwaltung in Räumen des Hessischen Staatsarchivs Marburg untergebracht. Seit 1984 kann das Deutsche Adelsarchiv ein städtisches Gebäude in der Schwanallee nutzen. Dabei handelt es sich beim Adelsarchiv nicht um ein Archiv im klassischen Sinne, da zu dem seit dem Kriegsende aufgebauten Bestand keine Akten oder andere schriftliche Quellen zählen, sondern vorwiegend 20.000 Bücher – vor allem Familiengeschichten und Nachschlagewerke zu Stammbäumen des Adels.

Kontakt:
Stiftung Deutsches Adelsarchiv
Dr. Christoph Franke
Schwanallee 21
35037 Marburg
Tel.: 06421-26162
Fax.: 06421-27529
adelsarchiv@t-online.de

Quelle: Manfred Hitzeroth, Oberhessische Presse, 13.11.2005

Archivpflege in Westfalen-Lippe 63/2005

Unter anderen mit den Referaten vom 57. Westfälischen Archivtag in Bad Lippspringe (15. und 16. März 2005) wartet die neue Ausgabe 63 der Zeitschrift "Archivpflege in Westfalen-Lippe" auf. Die damalige Fachtagung westfälischer Archivarinnen und Archivare hatte unter dem Oberthema "Archivarbeit unter veränderten Rahmenbedingungen. NKF – 1 € Jobs – Internetpublikationen" gestanden (siehe Tagungsbericht). 

Inhaltsverzeichnis von Archivpflege in Westfalen-Lippe 63/2005:

Teske, Gunnar: Bericht vom 57. Westfälischen Archivtag in Bad Lippspringe (2)

Brebeck, Wulff E.: Wewelsburg 1933-1945. Anmerkungen zur Vermittlung von Zeitgeschichte (3-8)

Bockhorst, Wolfgang: Die Situation der westfälisch-lippischen Kommunalarchive. Ergebniss einer Umfrage (8-14)

Looz-Corswarem, Clemens von: Gewinnung personeller Ressourcen für ein Stadtarchiv – Zusatzkräfte und ehrenamtliche Mitarbeiter (15-21)

Greitemeier, Ferdinand: Schaffung von Arbeitsgelegenheiten auf der Basis von Ein-Euro-Jobs (21-24)

Zimmermann, Rüdiger: Zeitgeschichte auf einen Blick. Zur Digitalisierung sozialdemokratischer Pressedienste in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung (24-28)

Wohlgemuth, Anette: Erschließung, Digitalisierung und Internetpräsentation von Fotos – Das Beispiel Westfälischer Kunstverein (28-33)

Polley, Rainer: Rechtsfragen bei der Präsentation und Benutzung digitaler Publikationen im archivischen Kontext (33-39)

Sagemerten, Wolfgang: Der neue Aktenplan des Nordrhein-Westfälischen Städte- und Gemeindebundes (39-41)

Klander, Peter: Kommunaler Aktenplan der KGSt (41-45)

Rintelen, Bibiana: Sponsoring-Grundsätze und Auswahlkriterien am Beispiel der Westfälischen Provinzial Versicherung AG (45f.)

Wiech, Martina: Neue Ansätze der Zusammenarbeit von Landesarchiv und Kommunalarchiven auf dem Gebiet der Überlieferungsbildung (46-51)

Jakob, Volker: Filme im Archiv – Ein kooperatives Sicherungskonzept des Westfälischen Archivamtes und des Westfälischen Landesmedienzentrums (51-53)

Niklowitz, Fredy: Heute das Gestern für Morgen bewahren. 50 Jahre Stadtarchiv Lünen (53-55)

Worm, Peter: Archivische Aufgaben der Kommunen im digitalen Zeitalter (55-57)

Tiemann, Katharina: Neues Kommunales Finanzmanagement (NKF) (57f.)

Kurzberichte (59-71)

Bücher (72-78)

Infos (79)

Fortbildungen (80)

Info:
Archivpflege in Westfalen-Lippe
Heft 63
Oktober 2005
ISSN 0171-4058

http://www.archive.nrw.de/archivpflege/index.html (Online-Ausgabe der Zeitschrift)

Rückblick und Vorschau – Der TAG DER ARCHIVE

Zur Beteiligung am bundesweiten TAG DER ARCHIVE, der am 6. und/oder 7. Mai 2006 stattfinden wird, ruft der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare alle Archive in Deutschland auf. Das Motto des nach 2001 und 2004 nunmehr zum dritten Mal veranstalteten TAGES DER ARCHIVE soll in Anlehnung an die im Sommer 2006 in Deutschland stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft \“Der Ball ist rund\“ lauten.

Damit wurde erstmals ein Oberthema für diese Gemeinschaftsaktion der deutschen Archive gewählt, die ebenfalls zum ersten Mal an zwei Wochentagen, Sonnabend und Sonntag, stattfinden kann. Mit beiden Entscheidungen kommt der Vorstand des VdA dem Wunsch vieler Archive entgegen, ebenso wie mit der Entscheidung für einen zweijährigen Rhythmus der Veranstaltung, deren erklärtes Ziel es ist, den TAG DER ARCHIVE stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, \“ um einem breiteren Publikum und nicht zuletzt den Trägern der Archive die Bedeutung archivischer Arbeit zu vermitteln\“ (Aufruf des VdA-Vorsitzenden zur Beteiligung am 3. TAG DER ARCHIVE, 19.10.2005). Als Serviceleistung beabsichtigt der VdA die Erstellung eines Werbeplakates für den TAG DER ARCHIVE, das sich die teilnehmenden Archive als Datei aus dem Internet-Angebot des VdA www.tagderarchive.de herunterladen können. 

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Am zweiten TAG DER ARCHIVE im Herbst 2004 haben sich offiziell rund 380 Archive in Deutschland beteiligt, darunter viele in direkter Kooperation vor Ort, insbesondere in Großstädten wie München oder Köln. Der 2. TAG DER ARCHIVE hatte im grundsätzlichen Urteil seiner örtlichen Ausrichter die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen können und so den Wunsch nach einer Wiederholung aufkommen lassen. Gleichwohl konnte eine Umfrage unter den damals teilnehmenden Archiven deutlich machen, in welchen Punkten die Veranstaltung, ihre Planung und Durchführung, noch verbesserungsfähig ist (z.B. Presseberichterstattung, Unterstützung durch den Archivträger, örtliche Bewerbung der Veranstaltung).

Im insgesamt vielfältigen Veranstaltungsprogramm der Archive zum vergangenen TAG DER ARCHIVE erfreuten sich die althergebrachten Bildungsformen der Führung und der Ausstellung auch bei den Besuchern der größten Beliebtheit. Gern wahrgenommen wurden zudem archivtechnische Präsentationen, Vorträge und Lesungen sowie Filmvorführungen. Die kontemplativ-konsumtiven Veranstaltungsangebote stießen auf die größte Gegenliebe beim Publikum; als Verkaufstag für archivische und historische Publikationen erwies sich der TAG DER ARCHIVE hingegen weniger geeignet – die Besucher wollten offenbar zwar Wissen erwerben, dies jedoch nicht unbedingt käuflich.

Die Umfrageergebnisse zum zweiten TAG DER ARCHIVE 2004 sind in eine am Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam angefertigte Diplomarbeit von Jens Murken eingeflossen. Die Arbeit unternimmt dabei den Versuch, den TAG DER ARCHIVE im Zusammenhang von Archivmarketing und archivischer Öffentlichkeitsarbeit zu betrachten. Mit einer stärkeren Nachfrageorientierung und Adressatenbezogenheit archivischen Handelns, einem Nachfrage-Management, argumentiert die Arbeit dabei unter anderen gegen das bestehende \“Vorbehalt-Dilemma\“. Dieses ergibt sich aus dem allgemein schlechten Image der Archive in Öffentlichkeit und Verwaltung sowie aus der gleichzeitig vorhandenen Auffassung, dass Marketing für Verwaltungen und Archive wegen deren Non-Profit-Charakters unseriös sei. Eine Marketingstrategie der Archive könnte hingegen an folgende, insbesondere von Gabriele Stüber wiederholt vorgetragene Prämisse anknüpfen, wonach Archive sinnvolle, unverzichtbare und von keiner anderen Institution gleichwertig zu ersetzende Arbeit leisten.

Info:
Jens Murken: Vom Nutzen und Nachteil des TAGES DER ARCHIVE für die Archive. Eine Evaluation, Diplomarbeit Fachhochschule Potsdam 2005 (http://www.augias.net/doc/murken_fhp2005.pdf).

Zugang zu Europas Archiven

In der Deutschlandfunksendung Campus & Karriere berichtete die Doktorandin Evelina Lampertis aus Vilnius (Litauen) über die Hindernisse bei ihrer Forschung im dortigen Stadtarchiv. Derartige Probleme bestehen in Mittel-/Osteuropa regelmäßig. Noch heute, fünfzehn Jahre nach der politischen Wende, unterstehen alle Archive den Innenministerien und damit den nationalen Sicherheitsdiensten. Es gibt weder direkten Zugang zu ihnen, noch eine Zusammenarbeit der Archive mit anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen. Vor allem in den baltischen Staaten und in der Slowakei ist das so, aber auch in Rumänien.

Hindernissen bei der Forschung in Archiven tritt die Europäische Kommission nun mit neuen Richtlinien entgegen. Ihr Ziel ist die Öffnung der Archive in allen EU-Staaten für Forschung, Bildungs- und Kulturarbeit. Nicht nur in Mittel- und Osteuropa, sondern auch in westeuropäischen Ländern bleibt noch einiges zu regeln – meint Charles Kecskeméti, der Generalsekretär des Internationalen Archivrates ICA. Er hat die neuen EU- Richtlinien in Zusammenarbeit mit der Central-European-University in Budapest für die Europäische Kommission ausgearbeitet.

Das Recht auf direkten Zugang zu den Archiven soll für alle EU-Länder verbindlich sein. Und in Zukunft sogar – im Rahmen der Richtlinien – über den europäischen Gerichtshof \“eingeklagt\“ werden können. Darüber hinaus ist jedoch noch eine gesamteuropäische Harmonisierung der Nutzungsregeln erforderlich. Was angesichts der unterschiedlichen Archivtraditionen keineswegs einfach und bei weitem noch nicht bis ins letzte Detail geregelt ist.

Bis 2010 – so will es die Europäische Kommission – sollen alle europäischen Archive nach einem einheitlichen Nutzungsprinzip verwaltet werden. Das erfordert jedoch auch eine grundlegende Modernisierung der osteuropäischen Archive, die viel Zeit, vor allem aber auch viel Geld benötigt. Restaurierungen von Dokumenten, Übertragung auf Mikrofilmen und computergerechte Katalogisierung. Selbst wenn der direkte Zugang in den nächsten Jahren möglich wird, so dauert es noch lange, bis in den Ländern Mittel- und Osteuropas der Umgang mit der dokumentierten Geschichte die gleiche Selbstverständlichkeit erreicht, wie in Westeuropa, wo die Archive nur in Deutschland im letzten Jahr bundesweit rund 300.000 Benutzer zählten.

Link Empfehlung des Rates vom 14. November 2005 über vorangige Aktionen zur Stärkung der Zusammenarbeit im europäischen Archivwesen (Amtsblatt der EU, 29.11.2005)

Quelle: Anat Kalman, Deutschlandfunk (Campus und Karriere), 10.11.2005

75 Jahre Stadtarchiv Celle

Das Stadtarchiv Celle in seiner heutigen Form ist eine sehr junge Einrichtung. Am Alter der im Stadtarchiv verwahrten Unterlagen kann man allerdings feststellen, dass auch schon in vergangenen Zeiten Sorgfalt auf die Bewahrung der alten Dokumente verwandt wurde. So stammt das älteste im Celler Stadtarchiv erhaltene Schriftstück aus dem 13. Jahrhundert: die Stadtgründungsurkunde Celles vom 25. Mai 1292. Aber erst seit 1930 gibt es in Celle ein selbständiges und für die Öffentlichkeit benutzbares Stadtarchiv.

Sein 75-jähriges Bestehen feierte das Celler Stadtarchiv dieser Tage mit einer musikalisch-historischen Zeitreise durch seine Bestände: Eine Sängerin, eine Pianistin und eine Historikerin setzten Originelles und nachdenklich stimmendes aus Urkunden und Akten in Szene (siehe Veranstaltungen). Die promovierte Historikerin Karin Ehrich hat aus Anlass des Jubiläums das Celler Stadtarchiv systematisch durchforscht. Rund 500 der insgesamt 40.000 Akten hat sie gesichtet und aussagekräftige Passagen zu einer historischen Zeitreise zusammengestellt.

Karin Ehrich erläuterte in ihrem spannenden Vortrag zunächst die geschichtlichen Meilensteine des Celler Stadtarchivs, bevor sie die Chronisten beispielhaft zu Wort kommen ließ. Aufrufe zur „redlichen Lebensweise“ und Heiratsverordnungen aus dem 19. Jahrhundert regten eher zum Schmunzeln an, während der zwischen Aktendeckeln verborgene Zynismus des Nationalsozialismus immer noch ein Frösteln hervorrief. 

Während eines Tages der offenen Tür am 12. November haben die Besucher die Möglichkeit von 11 bis 16 Uhr das Stadtarchiv Celle und seine Bestände zu erkunden. Führungen durch das Aktenmagazin, durch die Bibliothek des Stadtarchivs und die verschiedenen Sammlungen sollen die Archivarbeit vorstellen. Aber auch eigene Nachforschungen sind möglich.

Kontakt:
Stadtarchiv Celle
Westerceller Straße 4
29227 Celle
Tel. 05141 – 936 00 11 o. 12343.
stadtarchiv@celle.de

Quelle: Rolf-Dieter Diehl, Cellesche Zeitung, 6.11.2005

Tagung deutschsprachiger Frauen/Lesbenarchive

In Frankfurt am Main trafen sich Ende Oktober 2005 zum 40. Mal Vertreterinnen der deutschsprachigen Frauen/Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen zu ihrer seit 1983 stattfindenden halbjährlichen Tagung. Die feministischen Archivarinnen, Bibliothekarinnen und Informationsvermittlerinnen aus rund drei Dutzend Einrichtungen in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz sorgen seit Beginn der Neuen Frauenbewegung nach 1968 dafür, dass auch die neuere Frauen(bewegungs)geschichte dokumentiert und die Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung zugänglich gemacht werden.

In dem seit 1983 bestehenden Netzwerk und dem gegründeten Dachverband i.d.a. (informieren – dokumentieren – archivieren) sind neben den Bibliotheken und Archiven der autonomen Frauen- und Lesbenbewegung auch Gender Studies-Bibliotheken wie etwa am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin vertreten.

Die \“Frauenarchive\“ fordern, dass gerade im Jahr des zweiten UN-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft (WSIS II), der vom 16.-18. November 2005 in Tunis stattfindet, Politikern und Politikerinnen klar ist, dass der Zugang zu Information und Wissen ein Menschenrecht ist – auch für Frauen. \“Die Fraueninformationseinrichtungen leisten schon seit über 20 Jahren einen großen Beitrag für eine demokratische Informationsgesellschaft, während staatliche Einrichtungen die Dokumente der Frauen- und Lesbenbewegung sowie die Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung nicht im Blick hatten und bis heute keine Strategie besteht, wie sie in die Bestände integriert werden können,\“ teilte der Dachverband mit.

Links:

Quelle: dieStandard, 7.11.2005

Zentrum für Geschichtswissenschaft in Würzburg gegründet

Das Institut für Geschichte der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg hat sich mit historisch orientierten Lehrstühlen aus anderen Bereichen zu einem Zentrum für Geschichtswissenschaft zusammengeschlossen. Der neuen Institution gehören außerdem das Stadtarchiv und das Staatsarchiv Würzburg sowie das Archiv und die Bibliothek der Diözese an.

Ihr gemeinsames Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Fächern zu intensivieren. Deren Ressourcen sollen verknüpft und künftig noch wirkungsvoller eingesetzt werden. Auch soll die Öffentlichkeit verstärkt über historische Projekte informiert werden. Eine grundsätzliche Aufgabe sehen die Verantwortlichen in einer verstärkten Kooperation zwischen Universität und Region. Darum will das Zentrum auch die Aufarbeitung der historischen Vergangenheit Frankens fördern. 

Gleichzeitig ist das Zentrum bestrebt, Wechselbeziehungen zwischen Franken und anderen europäischen Regionen historisch zu vergleichen und regelmäßig bei Tagungen, Vorträgen und in Publikationen zu diskutieren. 

Kontakt
Prof. Dr. Helmut Flachenecker
Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte

Tel. (0931) 888-5530
helmut.flachenecker@mail.uni-wuerzburg.de 

Quelle: Pressemitteilung, idw-online, 8.11.2005

Wie katholische Pfarrer das Kriegsende erlebten

Während zivile und militärische Strukturen am Ende des Zweiten Weltkriegs vor dem Zusammenbruch standen, verfügte die Kirche noch über ein funktionierendes Kommunikationsnetz. Am 31. Mai 1945, drei Wochen nach Kriegsende, rief der Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried alle 479 Seelsorgestellen in seinem Bistum dazu auf, schriftlich über die Ereignisse der letzten Kriegstage und die erste Zeit der Besatzung zu berichten. 

141 solcher Niederschriften liegen derzeit im Archiv der Diözese vor, und mit ihnen haben sich die drei Historikerinnen Verena von Wiczlinski, Petra Ney und Verena Spinnler am Würzburger Lehrstuhl für Neueste Geschichte (Professor Wolfgang Altgeld) im Auftrag des Würzburger Diözesanarchivs befasst. 36 Berichte wurden schließlich ausgewählt und jetzt in dem Buch "Kirche in Trümmern?" herausgegeben, das die Quellen auch in einen größeren historischen Zusammenhang einordnet.

Wie verarbeitete der katholische Klerus Krieg und Untergang, wie dachte er über die Geschehnisse, wie deutete er den Zusammenbruch? Auch hinsichtlich dieser Fragen bieten die teils sehr detaillierten Schilderungen der Geistlichen gute Einblicke. Joseph Balling, Pfarrer der seinerzeit stark umkämpften Gemeinde Rottendorf, gab zu, dass ihn das Niederschreiben des Berichts Überwindung koste, denn: "Es war genug, alles erlebt zu haben." Der Pfarrer von Klingenberg führte das "unbeschreibliche Leid" auf den "Abfall von Gott und von Christus, die Vergottung der Rasse und des Volkes, Lüge, Hass und Leidenschaft" zurück.

Das neue Buch enthält unter anderem thematische Abrisse über die letzten Kriegsereignisse, die Eroberung Unterfrankens durch die Amerikaner, die Einrichtung von Militärregierungen und die Einsetzung der ersten deutschen Verwaltungen. Es informiert auch näher über die Lage der katholischen Kirche in Bayern und Franken am Ende des Kriegs und ihre Neupositionierung in der Zeit danach.

Info:
Verena von Wiczlinski (Hrsg.:) "Kirche in Trümmern? Krieg und Zusammenbruch 1945 in der Berichterstattung von Pfarrern des Bistums Würzburg", Echter-Verlag, Würzburg 2005, 325 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 3-429-02717-9.

Kontakt:
Verena von Wiczlinski
Tel. (0931) 888-5537
Fax (0931) 888-4617
v.wiczlinski@mail.uni-wuerzburg.de 

Quelle: pressrelations.de, Pressemitteilung, Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 8.11.2005

Moskauer Sonder-Archiv war sehr ergiebig

Die Geschichte des Versicherungskonzerns Allianz in der Zeit des Nationalsozialismus ist erst nach 1990 aufgearbeitet worden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hatten die Forscher Zugang zu den Archiven in Ost-Europa. Als sehr ergiebig erwies sich das Sonder-Archiv in Moskau, in dem mehr als 13.400 Akten über die Arbeit des Reichswirtschaftsministeriums lagerten. 

Seitdem ist klar, dass die Allianz-Führung den Wünschen der NSDAP mit vorauseilendem Gehorsam sehr entgegen kam. Der frühere Allianz-Chef Kurt Schmitt und Eduard Hilgard, der Reichsgruppenführer Versicherungen, hielten enge Verbindungen zum Regime, Schmitt war gar 1933 für gut ein Jahr Wirtschaftsminister in Hitlers Kabinett. Nach der Pogromnacht 1938 spielte die Allianz erfolgreich mit dem Antisemitismus, um möglichst wenig an die Geschädigten zahlen zu müssen.

Mittlerweile haben wohl nur wenige deutsche Versicherungsunternehmen so öffentlich wie die Allianz ihre Verstrickungen in den Nationalsozialismus dargestellt. Trotz jahrelanger Arbeit und einer ungeheuren Fülle an Dokumenten und Daten ist für Barbara Eggenkämper, Leiterin des Archivs der Allianz, und ihre Kollegen jedoch noch kein Ende der Arbeit in Sicht, wenngleich aufgrund von Quellenverlusten auch etliche Lücken bleiben müssen.

Links:

Kontakt:
Barbara Eggenkaemper
Allianz AG, Firmenhistorisches Archiv
Fon: +49.89.3800-6695
Fax: +49.89.3800-7277 
barbara.eggenkaemper@allianz.de

Quelle: Die WELT, 9.11.2005

Die jüdischen Einwohner Peines im Nationalsozialismus

Im Stadtarchiv Peine ist erstmals ein Gesamtverzeichnis der jüdischen Einwohner Peines in der Zeit des Nationalsozialismus entstanden. Laut Stadtarchivar Michael Utecht wurden 122 Namen von 38 Familien erfasst – mit Geburtsort und Geburtstag, Wohnort und Verfolgungsschicksal. Es soll sich um eine nahezu komplette Liste über die jüdische Gemeinde handeln. Die Mehrzahl der Peiner Bürger jüdischen Glaubens ist 1942 deportiert worden.

Anlass war das Projekte \“Liste der Juden in Deutschland 1933 bis 1945\“ des Bundesarchivs. In Zusammenarbeit mit der Stiftung \“Erinnerung, Verantwortung und Zukunft\“, die beauftragt ist mit der Abwicklung der Zwangsarbeiterentschädigung, wurden sämtliche Orte, in denen eine jüdische Gemeinde existiert hat, angeschrieben. Das Stadtarchiv Peine hat daraufhin verschiedene Veröffentlichungen ausgewertet, die Quellen gesichtet und vor allem die Meldekarteien anhand der bekannten Familiennamen überprüft und fotografiert.

Kontakt:
Stadtarchiv Peine
Windmühlenwall 26
31224 Peine
Tel.: 05171/49-538
Fax: 05171/49-951 
stadtarchiv@peine.de

Quelle: newsclick.de, 8.11.2005

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