Münster nach 1945: Hunger nach Kultur

Mit dem kulturellen Neubeginn nach 1945 beschäftigt sich der letzte Themenabend des Jahres im Stadtarchiv Münster am 28. November um 18 Uhr. Zahlreiche Dokumente, die in den klimatisierten Magazinräumen des Archivs aufbewahrt werden, geben Auskunft über das immense Interesse, das die münstersche Bevölkerung an Kultur – besonders am Musik- und Theaterleben – trotz der großen Zerstörungen und Belastungen durch den Krieg hatte.

Rund 3.000 kulturhungrige Menschen etwa lauschten am 30. Juni 1945 im Schlossgarten der Musik des Städtischen Orchesters, als dieses zum ersten Konzert nach dem Zweiten Weltkrieg eingeladen hatte. Die Räumlichkeiten des Stadttheaters waren noch so zerstört, dass eine Freiluftveranstaltung unter der Leitung von Generalmusikdirektor Heinz Dressel angesetzt wurde. Werke von Händel, Grieg, Bizet und anderen standen zum Eintrittspreis von 1 Reichsmark auf dem Programm.

Der Nachlass des ehemaligen Kulturdezernenten Wilhelm Vernekohl, aber auch Plakate, Fotos und die ersten Zeitungen ermöglichen einen lebhaften und authentischen Eindruck von der Zeit. Prof. Dr. Franz-Josef Jakobi, bis Juni Leiter des Stadtarchivs, vermittelt, welchen Stellenwert die Kultur in jenen Jahren für die Menschen in Münster hatte. 

Die Teilnahme am Themenabend im Stadtarchiv, An den Speichern in Coerde ist kostenlos. Wegen der begrenzten Raumkapazität wird um telefonische Anmeldung gebeten: 0251/4 92-47 03, oder per E-Mail: linkr@stadt-muenster.de.

Quelle: Presse-Info, Münster 22.11.2005

Neues Ratinger Forum erschienen

Das Stadtarchiv Ratingen hat das neunte Heft des \“Ratinger Forums – Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte\“ veröffentlicht. Es ist ab sofort zum Preis von 10,00 € über das Stadtarchiv zu beziehen.

Aus dem Inhalt:

  • Erika Münster-Schröer/Josef Chwieralski, Kunst im öffentlichen Raum in Ratingen
  • Thomas Kreft, Wasserenergie für die Scherenindustrie – die Ratinger Schleifkotten im Mittelalter
  • Gerhard Bechthold, Die frühen Fabrikkinder. Aspekte der Lohnarbeit von Kindern in Baumwollspinnereien im 18. und 19. Jahrhundert in England, im Herzogtum Berg und in Neuengland
  • Bastian Fleermann, Ratingen in den Reise- und Landesbeschreibungen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts
  • Friedrich Ahrens, Franz Wisinger. „Gastwirth und Postexpeditor dazu“.
  • Hermann Tapken, Ratingen und der Erste Weltkrieg
  • Christa Wiglow, Die Kriegsgedichte aus dem Nachlass der Familie Baare
  • Nicola Antonia Peczynsky, Ein neuer Lebensstil? Das Frauenbild in der Weimarer Republik am Beispiel der „Ratinger Zeitung“
  • Gisela Schöttler, Die Rache des kleinen Bruders (Historische Fantasy)
  • dazu: Diskussionsforum, Buchbesprechungen, Ratinger Bibliographie

Kontakt:
Stadtarchiv Ratingen
Mülheimer Str. 47
40878 Ratingen
Fax: 02102/550-9419
stadtarchiv@ratingen.de

Bogengemeinschaft hinterlegt Dokumente im Kreisarchiv Warendorf

Vier bunte Kisten voller Geschichte übergab der Vorsitzende der Bogengemeinschaft Obere Brünebrede e.V. aus Warendorf, Ralf Sawukaytis, kürzlich dem Kreisarchiv Warendorf. Unter den Deckeln befinden sich wertvolle Unterlagen, die die Volksfrömmigkeit in Warendorf eindrucksvoll dokumentieren: Protokollbände, Rechnungen und Kassenbücher, aber auch Fotos und Plakate. Jetzt besiegelten Landrat Dr. Wolfgang Kirsch und Ralf Sawukaytis mit einem Depositalvertrag die Hinterlegung der historischen Dokumente im Kreisarchiv. 

Die neun Bogengemeinschaften sind für die Aufstellung der Bögen anlässlich Mariä Himmelfahrt in Warendorf zuständig, deren Vorbilder im Wien des 18. Jahrhunderts vermutet werden. Damals hatte der Warendorfer Schreiner Johann Hermann Budde bei den Krönungsfeierlichkeiten für Maria Theresia \“Triumpfbögen\“ bestaunt. Aus ersten Holzbögen auf dem Markt in Warendorf entwickelten sich weitere in den Straßen, durch die die Prozession führte. 

In der Oberen Brünebrede wurde der erste Bogen um 1850 errichtet. In Form und Struktur ist der Bogen der Oberen Brünebrede noch wie um 1900 und damit wohl der älteste in der Emsstadt. 1934 erhielt er vom Bildhauer Heinrich Friedrichs eine neue Gottesmutter-Doppelfigur – auch hierüber liegt noch eine Rechnung vor. Ebenfalls dokumentiert ist die nunmehr 75-jährige musikalische Begleitung durch Sendenhorster Feuerwehrkapelle, die seit einem ersten Schriftwechsel 1930 die Feierlichkeiten begleitet. Zahlreiche Skizzen von 1947 zeigen die aufwendigen technischen Vorbereitungen und statischen Überlegungen. Noch zu entdecken gilt ein Foto, das den Aufbau des Bogens zeigt, während im Vordergrund Kinder aus Legosteinen den Bogen akkurat nachbauen.

Im Warendorfer Kreisarchiv werden die Archivalien geordnet, in einer Datenbank inhaltlich erschlossen, unter geeigneten klimatischen Bedingungen aufbewahrt und der interessierten Öffentlichkeit für Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt, so Kreisarchivar Dr. Jochen Rath. Nachlässe und Sammlungen sind für das Kreisarchiv von besonderer Bedeutung, da sie das Behördenschriftgut ergänzen, das üblicherweise nur die offizielle Sicht der Dinge wiedergibt. Aus diesem Grund sammelt das Kreisarchiv aktiv Archive von Personen, Familien, Firmen, Vereinen und Verbänden.

Interessierte Vereine und Verbände aus dem Kreisgebiet können sich melden bei 

Dr. Jochen Rath
Kreisarchiv Warendorf
Waldenburger Str. 2 
48231 Warendorf
Tel.: 0 25 81/53 21 87
kreisarchiv@kreis-warendorf.de

Quelle: Presseinformation Kreis Warendorf, 17.11.2005

Dokumentation zu Zwangsarbeit in evangelischer Kirche und Diakonie 1939-1945

Die beiden großen Kirchen haben in der NS-Zeit nach Schätzungen von Historikern bis zu 15.000 Zwangsarbeiter beschäftigt. Dabei war der Anteil der evangelischen und der katholischen Kirche etwa gleich groß, so der Kirchenhistoriker Jochen-Christoph Kaiser. Er ist Herausgeber der Studie \“Zwangsarbeit in Kirche und Diakonie 1939-45\“. Darin sind die Ergebnisse fünfjähriger Forschungen zusammengefasst, die von der Kirche und der Diakonie in Auftrag gegeben wurden.

Durch Nachforschungen, durch Entschädigungen und durch Begegnungen mit den Betroffenen setze sich die evangelische Kirche mit der Geschichte der Zwangsarbeit in kirchlichen Einrichtungen während des 2. Weltkrieges auseinander, schreiben der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, und der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD, Jürgen Gohde, in ihrem Geleitwort zum gerade erschienenen Buch „Zwangsarbeit in Kirche und Diakonie 1939-45“. Der Band präsentiert Regionaluntersuchungen und Fallstudien, die im Auftrag von kirchlichen und diakonischen Einrichtungen durchgeführt worden sind. Er leiste einerseits einen wertvollen Beitrag zur Beschreibung kirchlichen Lebens im Krieg. Andererseits diene die Rekonstruktion und Dokumentation der historischen Tatsachen auch der Rechenschaft gegenüber den Opfern. „Um den Betroffenen zumindest teilweise und wenigstens im Nachhinein Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, müssen wir ihr Schicksal in all seinen Aspekten zur Kenntnis nehmen und die Erinnerung daran wach halten.“ Die Menschen, die mit Nummern versehen worden seien, müssten in ihrer individuellen Geschichte wahrgenommen werden. „An die Stelle von Zahlen müssen Gesichter treten.“

Die Deutschen hätten über viele Jahrzehnte vergessen und verdrängt, dass Millionen Frauen und Männern durch Verschleppung aus der Heimat und Zwangsarbeit großes Unrecht angetan wurde. Auch wenn die vorliegenden Ergebnisse kein „schnelles, pauschales Urteil“ zuließen, zeige sich, „dass Zwangsarbeit nicht nur in der Diakonie, sondern auch im Bereich einer Landeskirche erhebliche Ausmaße annehmen konnte.“ Zwangsarbeit sei mit der Würde des Menschen nicht vereinbar, erklären Huber und Gohde. „Indem evangelische Einrichtungen an dem nationalsozialistischen System der Zwangsarbeit partizipierten und davon profitierten, beteiligten sie sich an einem Zwangs- und Unrechtssystem und wurden mitschuldig an den zumeist jungen Menschen, denen durch Zwang, Entmündigung und Erniedrigung Unrecht und Leid zugefügt wurden.“

Die Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen Zwangsarbeiter beschäftigt wurden, habe an zahlreichen Orten zur Wahrnehmung der Opfer wie der Täter, zu wechselseitigen Besuchen, zur Errichtung von Mahnmalen und zu ersten Schritten der Versöhnung geführt. Über die Einzahlung von zehn Millionen Mark in die Stiftung zur Entschädigung der Zwangsarbeiter hinaus seien auch andere Wege der materiellen Hilfe gefunden worden. Dabei sei vor allem der persönliche Kontakt wichtig gewesen: „Nicht selten empfanden die Betroffenen es als außerordentlich wichtig, dass Vertreter der Einrichtungen, bei denen sie im Krieg Zwangsarbeit verrichten mussten, sie aufsuchten und ihr Leiden wahrnahmen und würdigten.“

Als langfristige und in die Zukunft gerichtete Aufgabe bleibe die Versöhnung zwischen den Menschen der beteiligten Völker. „Indem wir die Erinnerung an geschehenes Unrecht wachrufen und damit Vergessenes und Verdrängtes sichtbar machen, tragen wir zu den Voraussetzungen für eine neue Partnerschaft mit den Menschen Osteuropas bei, die am meisten unter dem Unrechtssystem der Zwangsarbeit gelitten haben.“

Inhaltsverzeichnis:

  • Jürgen Gohde/Wolfgang Huber: Geleitwort (5)
  • Jochen-Christoph Kaiser: Zur Einführung (13)
  • Hans-Walter Schmuhl: Zwangsarbeit in Diakonie und Kirche (26)
  • Hans-Walter Schmuhl: Nordelbien (90)
  • Hans-Walter Schmuhl: Mecklenburg (113)
  • Hans-Walter Schmuhl: Pommern (136)
  • Ulrike Winkler: Der Zwangsarbeitereinsatz während des Zweiten Weltkrieges, die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen und ihre Innere Mission (153)
  • Ulrike Winkler: Der Zwangsarbeitereinsatz während des Zweiten Weltkrieges in der schlesischen Oberlausitz – Beispiele aus der Innere Mission und der Herrnhuter Brüder-Unität (189)
  • Ulrike Winkler: Der Zwangsarbeitereinsatz während des Zweiten Weltkrieges, die Ev.-Luth. Landeskirche Thüringen und ihre Innere Mission (205)
  • Jens Murken: Zwangsarbeit im Dienst der westfälischen Kirche (220)
  • Matthias Benad: Zwangsarbeit in den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel während des Zweiten Weltkrieges (235)
  • Uwe Kaminsky: "Ich machte alles, was von mir verlangt wurde" – Über das Dienen unter Zwang in Einrichtungen der Evangelischen Kirche und Inneren Mission im Rheinland (251)
  • Ulrike Winkler: Die medizinische Versorgung von Zwangsarbeitskräften in den Diakonie-Anstalten Bad Kreuznach (271)
  • Lorenz Wilkens: Drei Jahre Forschung zu Zwangsarbeit für Kirche und Diakonie in Berlin und Brandenburg (285)
  • Helmut Bräutigam: "Wir beherbergten Angehörige der Ostvölker, Männer vom Balkan …" Fremd- und Zwangsarbeit im Evangelischen Johannesstift 1939 bis 1945 (298)
  • Jan Cantow: Ausländereinsatz in den Hoffnungstaler Anstalten Lobetal (1939-1945) (316)
  • Jan Cantow: Wandererfürsorge im Bereich von Kirche und Diakonie in Hessen (338)
  • Annette Schäfer: Forschungsergebnisse zum Einsatz von Zwangsarbeitern in Einrichtungen der Evangelischen Landeskirche und Inneren Mission in Baden 1939-1945 (359)
  • Inga Bing-von Häfen: Zwangsarbeit in Diensten der Evangelischen Landeskirche und ihrer Diakonie in Württemberg (385)
  • Inga Bing-von Häfen: Die Beschäftigung von Zwangsarbeitskräften in den Diensten der Ev.-Luth. Kirche in Bayern während des Zweiten Weltkrieges (419)
  • Matthias Honold: Fremdarbeiter und Kriegsgefangene in der Diakonissenanstalt Neuendettelsau (429)
  • Claudius Fabian: Evangelische Kirche der Pfalz (439)
  • Klaus-Dieter Kaiser: Besuchen – Erinnern – Helfen (444)
  • Die Autorinnen und Autoren (458)
  • Abkürzungsverzeichnis (459)
  • Personenregister (461)

Das Buch „Zwangsarbeit in Kirche und Diakonie 1939-45“ wird herausgegeben vom Marburger Kirchenhistoriker Jochen-Christoph Kaiser und ist im Kohlhammer Verlag erschienen (464 Seiten). Es ist erhältlich unter der ISBN-Nummer 3-17-018347-8 und kostet 22 Euro.

Quelle: EKD-Pressemitteilung 246/2005, 18.11.2005; taz, 19.11.2005

Archivmitteilungen 15/2005 der Ev. Kirche von Westfalen

In der neuen Ausgabe der vom Landeskirchlichen Archiv Bielefeld herausgegebenen \“Archivmitteilungen\“ führen zwei Beiträge auch über die Grenzen Westfalens hinaus, und zwar nach Lippe. Matthias Rickling stellt die Ausstellung "reformieren – streiten – bekennen. 400 Jahre reformiertes Bekenntnis" vor und empfiehlt dabei neue Wege der Öffentlichkeitsarbeit. 

Und nachdem in der letzten Ausgabe 14/2004 der Archivmitteilungen die kirchengeschichtlichen Quellen im Staatsarchiv Münster vorgestellt worden sind, informiert diesmal Bettina Joergens über die Arbeit und die Quellen im Staats- und Personenstandsarchiv Detmold.

Inhalt:

  • Christine Koch: 13. Archivpflegertagung – Ein Tagungsbericht (4)
  • Claudia Brack / Johannes Burkardt: Lagerbücher als Quelle (11)
  • Matthias Rickling: "Die Mammutknochen haben mir sehr gefallen" oder wie in Lippe Kirchengeschichte lebendig wird; "reformieren – streiten – bekennen": eine Jubiläumsausstellung der Lippischen Landeskirche (23)
  • Herbert Brügge: Die erste Orgel in der Dorfkirche zu Ledde – ein Werk Thomas Houbens aus der Orgelbauerfamilie Weidtman? (35)
  • Bettina Joergens: Das Staats- und Personenstandsarchiv Detmold – ein Zentrum für die Familienforschung in Westfalen und Lippe (42)
  • Übersicht über die verfilmten Kirchenbücher im Landeskirchlichen Archiv, Teil 3 (50)
  • Neue Findbücher in der Evangelischen Kirche von Westfalen (76)
  • Neue Bücher (88)
  • Nachrichten, Recherchen, Personalia (94)
  • Autorinnen und Autoren (96)

Info:
Archivmitteilungen,
hg. vom Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen,
Nr. 15, 2005
ISSN 1614-6468

Bezug:
Evangelische Kirche von Westfalen
– Landeskirchliches Archiv –
Postfach 10 10 51
33510 Bielefeld
Tel.: 0521/594158
archiv@lka.ekvw.de

FAMI-Verstärkung im Hertener Stadtarchiv

Friedhelm Hahn heißt die neue Kraft, die ab 1. Dezember 2005 im Stadtarchiv Herten ihre Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste anfängt. Der Langzeitarbeitslose arbeitet schon seit über einem Jahr ehrenamtlich beim Stadtarchiv: „Ich hatte das Gefühl etwas Gutes zu tun, das auch Wert hat“, erklärte Friedhelm Hahn. 

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von links: Dr. Michael Hensle (Stadtarchivar), Friedhelm Hahn (Auszubildender), Christian Bugzel (ARGE), Horst Spiegelberg (Stadtarchivar); Foto: Stadt Herten

Der studierte technische Redakteur ist nun umso glücklicher, dass er nach einem Gespräch mit der ARGE (\“Arbeitsgemeinschaft zur Wahrnehmung der Aufgaben nach dem SGB II\“) die Möglichkeit bekommen hat eine Umschulung genau in diesem Archiv zu absolvieren. Für die Finanzierung der zweijährigen Umschulung kommt die ARGE auf.

Viel Zeit zum Einleben hat Friedhelm Hahn aber nicht, da er zweimal in der Woche zur Berufsschule nach Dortmund muss und bereits im Februar nächsten Jahres seine erste Zwischenprüfung ablegt. Seine Berufschancen nach der Ausbildung sind besonders gut, schätzt Stadtarchivar Dr. Michael Hensle, da seit dem Start des Ausbildungszweigs im Jahre 1998 jeder Absolvent mit Fachrichtung Archiv eine Anstellung in Deutschland bekommen hat.

Kontakt:
Stadtarchiv Herten
Gartenstr. 40
45699 Herten
Tel.: 0 23 66 / 303 233 
Fax: 0 23 66/ 303 630 
stadtarchiv@herten.de

Quelle: Pressestelle Stadt Herten, 18.11.2005

Alte Archive – Neue Technologien. Tagungsbericht

Vom 19. bis 22. Oktober 2005 fand in Wien und im Stift Göttweig die Konferenz „Alte Archive – Neue Technologien“ statt, deren Themenschwerpunkte mit den Schlagworten Neue Medien, Digitalisierung und Vernetzung grob umrissen werden können. Dem Institut zur Erschließung und Erforschung kirchlicher Quellen (IEEkQ) ging es als Veranstalter der Tagung darum, den gegenwärtigen Stand der praktischen Umsetzung von grenzüberschreitenden Möglichkeiten, welche durch die Datendigitalisierung einer interessierten europäischen Öffentlichkeit im allgemeinen und der historischen Forschung im speziellen geboten werden, aufzuzeigen.

\"Tagung

Über 170 gemeldete Teilnehmer sowie 25 Vortragende aus allen Teilen Europas boten ein umfassendes Bild über den jeweiligen Stand der Dinge in verschiedenen Staaten und Regionen Europas. Neben Vertretern aus den österreichischen Bundesländern (Wien, Niederösterreich, Salzburg, Steiermark) kamen Archivare, Bibliothekare und Historiker aus Deutschland, der Slowakei, Spanien, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Spanien, Italien, Dänemark, Bulgarien und Litauen zusammen. Die Staats- bzw. Nationalarchive von Italien, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Österreich und Slowenien waren ebenso vertreten, wie die unterschiedlichsten kirchlichen und weltlichen Institutionen Mitteleuropas (vgl. das detaillierte Tagungsprogramm bzw. die angeschlossene Referentenliste).

\"Tagung

Tagungsorte waren der Prälatensaal des Schottenstiftes in Wien und am 21. Oktober das Benediktinerstift Göttweig. Am Ende des Eröffnungstages (Mittwoch, 19. Oktober) lud das Institut für Österreichische Geschichtsforschung (IÖG) zu einem abendlichen Empfang in die Räumlichkeiten des Instituts im Universitätshauptgebäude. Die Tagung war in ihrem thematischen Ablauf in fünf Sektionen gegliedert, deren Inhalte und Grundaussagen im Folgenden zusammengefasst werden sollen.

\"Tagung

1) Archive und Bibliotheken im Netz

Im Eröffnungsabschnitt der Tagung sollte ein Überblick über das in verschiedenen Teilen Europas bereits im Netz verfügbare Quellenangebot gegeben werden. Vorgestellt wurde das sehr ambitionierte AER- Projekt (Archivos Espanoles en Red; www.aer.es), das sich zum Ziel gesetzt hat, die Bestände der wichtigsten spanischen Archive in Wort und Bild online zur Verfügung zu stellen. Neben den Archiven in Europa sind als Zukunftsvision auch die Erfassung der Bestände in Lateinamerika im Fokus des Projektes.

\"Tagung

Das stetig ansteigende Interesse am kulturellem Erbe einer Region führte zwangsläufig zu der Bestrebung, die Inhalte der unterschiedlichen bewahrenden Institutionen in einer gemeinsamen Datenbank zusammenzufassen. In diesem Zusammenhang bietet das NOKS-Projekt (Nordjyllands kulturhistoriske Sogebase; www.noks.dk) in Dänemark einen beeindruckenden Lösungsvorschlag, indem Bestände von Archiven, Bibliotheken und Museen einer dänischen Region zusammengeführt und erschließbar gemacht werden (ALM-Kooperationen). Die große Herausforderung besteht darin, die sehr unterschiedlichen Formate, in welchen Bücher, Flugblätter, Zeitungen, Tondokumente, Filme, Videos, Fotografien, Museumsgegenstände etc. vorliegen, zu vereinheitlichen. Zur Beschreibung der über 100.000 Einzelobjekte aus 9 verschiedenen Institutionen hat man sich projektintern entschlossen, die Syntax des Metadaten-Schema Dublin Core (http://dublincore.org) zu verwenden. Diese Auszeichnung sowie eine erweitertes Angebot durch die Integrierung der Bestände weiterer Regionen Dänemarks werden im Rahmen einer in Kürze neu aufgesetzten Version der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Wie heterogen die Situation der digitalen Aufarbeitung historischen Materials in den verschiedenen Teilen Europas sein kann, zeigte die Vorstellung der diesbezüglichen Bestrebungen in Bulgarien. Das Fehlen einer einheitlichen nationalen Strategie machen systematische Digitalisierungen unmöglich. So sind Digitalisierungen nur im Rahmen von Einzelprojekte beschränkt. In verschiedenen CD-ROM Ausgaben wurden u.a. zwei Handschriften der Nationalbibliothek digitalisiert sowie eine computeranimiertes 3D Modell der Boyana-Kirche erstellt. Größere Vorhaben können nur im Rahmen kooperativer Programme, wie dem „Knowledge Transfer for the Digitisation of Cultural and Scientific Heritage in Bulgaria“ (KT-DigiCULT-BG), welches von dem Marie Curie Programm des FP6 Programms der EU unterstützt wird, durchgeführt werden.

Das in Klöstern verwahrte kulturelle Erbe war auch Gegenstand von Digitalisierungsbemühungen in Litauen, wo bis in das Jahr 2000 die Bestände von 75 litauischen Stiften und Klöstern in der Form von CD-ROMs der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Dabei war man bemüht, die Rolle der Klöster im kulturellen Leben des Landes umfassend darzustellen, indem neben Urkundenbeständen auch Themenkreise wie Architektur und monastische Musik Aufnahme gefunden haben.

2) Erfahrungen im Umgang mit dem digitalen Medium

Im Rahmen der Tagung zeigte sich der unterschiedliche Stand der Digitalisierung in den Staaten Mitteleuropas sehr deutlich, was nicht zuletzt auf die unterschiedliche Zugangsweise der Entscheidungsträger innerhalb der verschiedenen Institutionen zurückzuführen ist. Das Slowenische Nationalarchiv in Laibach zog im Zusammenhang mit der Digitalisierung des Franziszeischen Katasters sowohl in konservatorischer Hinsicht als auch bezüglich der Benutzbarkeit eine sehr positive Bilanz der online-Stellung. Ausgehend von diesen positiven Erfahrungen, wurde auch die Digitalisierung des Urkundenbestandes bereits in Angriff genommen, welche bis ins Jahr 2007 abgeschlossen sein sollte.
Vollkommen anders präsentiert sich das Bild zur Zeit im ungarischen Staatsarchiv, wo Digitalisierungen von Quellen und Quelleneditionen zwar vorgenommen worden aber über das Stadium von CD-Editionen nicht hinausgekommen sind.

Für Deutschland vermittelten exemplarische Fälle einen hohen Entwicklungsstand der digitalen Online-Bereitstellung mit einer sehr benutzerfreundlichen Oberfläche, wie es die Beispiele des Landesarchivs Baden-Württemberg für den archivarischen und das Konzept der Bayerischen Staatsbibliothek für den bibliothekarischen Bereich zeigten.

In Österreich gibt es von Seiten der Landesarchive von Salzburg und der Steiermark konkrete Digitalisierungsprojekte. Besonders im Fall Salzburg (virtuelles Urkundenarchiv) zeigte sich, bedingt durch den Umstand, dass die Salzburger Urkundenbestände bereits seit fast 200 Jahren in Wien gelagert werden (Haus- Hof- und Staatsarchiv), ganz deutlich die Notwendigkeit der institutionellen Zusammenarbeit. Die Salzburger Urkunden (ca. 13.000 Stück) werden zur Zeit in einem ersten Schritt in Wien mikroverfilmt und im selben Arbeitsgang im Rahmen des Monasterium-Projekts auch digitalisiert. Das Österreichische Staatsarchiv selbst hat nunmehr die Verzeichnung seiner Bestände abgeschlossen, was den Benutzern ein zeitsparendes Recherchieren innerhalb der sehr umfangreichen Beständen aller fünf Abteilungen des Staatsarchivs ermöglicht.

3) Werkzeuge für die digitale Erschließung

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium zwischen einer gedruckten Urkundenedition und virtuellen Datenbanken ist die ständige Erweiterbarkeit des Datenmaterials sowie dessen sukzessive Verbesserung. Der Gedanke, Erweiterungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht von einer (ausgesuchten) Allgemeinheit, unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort vornehmen zu lassen, ist der Ausgangspunkt eines Redaktionssystems, das für das Monasterium-Projekt im Entstehen begriffen ist. Dass kollaboratives Arbeiten durchaus hochwertige Ergebnisse liefern kann, zeigt das Beispiel von online-Enzyklopädien, wie Wikipedia. Der Versuch der speziellen Umsetzung dieser Idee im Bereich der diplomatischen Erschließung ist ebenso zur Sprache gekommen, wie die Fortschritte bei den Standardisierungsbestrebungen durch die Entwicklung eines speziell auf die diplomatische Anforderungen abgestimmten, auf XML basierenden Auszeichnungssystems (CEI).

4) Geistliche Netzwerke in Mitteleuropa

Einen weiteren Schwerpunkt der Tagung stellte die im Raum stehende Wiederherstellung des im Mittelalter funktionierenden Netzwerkes geistlicher Institutionen im Rahmen des Monasterium-Projektes dar, als dessen Träger das IEEkQ fungiert, was durch die digitale Vernetzung möglichst vieler geistlicher Urkundenbestände Mitteleuropas bewerkstelligt werden soll. Die Vorträge dieser Sektion, die im Prälatensaal des Stiftes Göttweig abgehalten wurde, gaben einen guten Überblick über das bevorstehende Ausmaß der Arbeiten, indem die geistlichen Bestände in den Nationalarchiven in Pressburg und Prag sowie die sich noch an Ort und Stelle befindlichen Sammlungen der ungarischen Erzabtei Pannonhalma und des Erzbistums Esztergom (Gran) ausführlich und detailliert vorgestellt wurden. Die verantwortlichen Archivare bekannten sich bei dieser Gelegenheit einhellig zur Digitalisierung und stellten auch den jeweiligen Stand der einschlägigen Arbeiten vor.

Nach Abschluss dieser Sektion erfolgte – gleichsam der Tagung inkorporiert – am Nachmittag des 21. Oktobers die Präsentation des digitalisierten Urkundenbestandes von Stift Göttweig, welche den Abschluss der ersten Arbeitsphase des Monasterium-Projektes bildete. Unter großem Publikumsinteresse und in Anwesenheit politischer und institutioneller Entscheidungsträger und vieler Tagungsteilnehmer wurde gleichzeitig die nächste Projektphase vorgestellt, deren erklärtes Ziel die Schaffung eines allgemein zugänglichen, mitteleuropäischen Urkundennetzwerkes ist.

5) Archive im Zeitalter der Informationstechnologien

Die letzte Sektion befasste sich mit dem im Umbruch befindliche Berufsbild des Archivars und den neuen Aufgabenbereichen, denen sich die Archive angesichts der Herausforderungen des Informationszeitalters gegenüber sehen. Hohe Erwartungen der Benutzer stehen den immer knapper werdenden zeitlichen Ressourcen der Archivmitarbeiter gegenüber. Das Internet scheint hier eine Möglichkeit zu bieten, diesen Widerspruch aufzulösen. Konkret wurde dies im Deutschen Bundesarchiv umgesetzt, das seine Bilddatenbank (200.000 Bilder) in nächster Zukunft via Internet allgemein verfügbar machen wird.

Das Archiv des Bistums Passau zeigte eindrucksvoll, wie durch den Einsatz moderner Technologien vollkommen neue Aufgabenbereiche in den Archiven entwickelt werden können. Seit 1997 entstand eine auf den Einträgen in den diversen Matrikelbüchern (16.-Ende 19. Jahrhundert) basierende, demographische Datenbank des Bistums Passau, welche Informationen zu rund 750.000 Personen enthält. Dieses so aufbereitete Datenmaterial erleichtert nunmehr nicht nur klassische genealogische Recherchen, sondern wurde in jüngster Vergangenheit in ein Kooperationsprojekt mit medizinischen Forschungsstellen eingebracht, das die große Häufigkeit der Alzheimer-Erkrankung innerhalb einer bestimmten Region zu erklären ermöglichte. 

Zusammenfassung

Inhaltliches Ziel der Tagung war es, in den Vorträgen der einzelnen Sektionen die europäische Forschergemeinschaft über den jeweiligen Stand der Digitalisierungsbestrebungen in den verschiedenen Staaten Europas zu unterrichten und die breite Palette der Kooperations- und Vernetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dabei bildeten die Staaten Ostmitteleuropas einen besonderen Schwerpunkt, deren Repräsentanten auch ihre Zusammenarbeit im Rahmen des Monasterium-Projektes zur Urkundendigitalisierung vorgestellt haben. Eines der Hauptdesiderata stellt im Zusammenhang mit den neuen Technologien die Entwicklung einheitlicher und allgemein anerkannter Erfassungsstandards dar, um die volle und komplikationslose Kompatibilität der digitalen Bestände zu gewährleisten. Daneben kam auch klar zum Ausdruck, dass mit der Anwendung der neuen Technologien den Archiven auch neue Aufgaben erwachsen werden, wodurch das Berufsbild und das Selbstverständnis des Archivars einer nachhaltigen Änderung unterzogen wird. 

Referentenliste

Paolo Buonora, Römisches Stadtarchiv; buonora@asrm.archivi.beniculturali.it
Benjamin Burkard, benburkard@gmx.de
Tamás Dénesi, Erzabtei Pannonhalma; denesi@osb.hu
Milena Dobreva, Institut für Mathematik, Bulgarische Akademie der Wissenschaften; dobreva@ufal.ms.mff.cuni.cz
Géza Érszegi, Ungarisches Staatsarchiv; gerszegi@hotmail.com
Thomas Fricke, Landesarchiv Baden-Württemberg; thomas.fricke@la-bw.de
Ruth Hedegaard, Historisches Museum Vendsyssel; rhe@stofanet.dk
András Hegedüs, Primatialarchiv Esztergom; hegedus@primarch.hu
Nikola Ikonomov, Institut für die bulgarische Sprache, Bulgarische Akademie der Wissenschaften; nikonomov@ibl.bas.bg
Thomas Just, Haus- Hof- und Staatsarchiv, thomas.just@oesta.gv.at 
Stephan Kellner, Bayerische Staatsbibliothek; kellner@bsb-muenchen.de
Nerute Kligiene, Institut für Mathematik und Informatik Vilnius; nerute@ktl.mii.lt
Jitka Køeèková, Nationalarchiv Prag; sua@mver.cz
Alfonso Sánches Mairena, Spanisches Staatsarchiv Madrid; alfonso.sanchez@dglab.mcu.es
Marta Melníková, Slowakisches Nationalarchiv, melnikova.marta@sna.vs.sk
Josef Riegler, Steiermärkisches Landesarchiv; josef.riegler@stmk.gv.at
Oliver Sander, Dt. Bundesarchiv; o.sander@historismus.net
Hubert Schopf, Salzburger Landesarchiv; hubert.schopf@salzburg.gv.at
Juraj Šedivy, Lehrstuhl für Archivwesen und Historische Hilfswissenschaften an der Phil. Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava; sedivy@fphil.uniba.sk
Miklós Sölch, Ungarisches Staatsarchiv; solch.miklos@mol.gov.hu
Manfred Thaller, Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung, Universität Köln; manfred.thaller@uni-koeln.de
Zdenĕk Uhlíø, Nationalbibliothek der Tschechischen Republik; Zdenek.Uhlir@nkp.cz
Georg Vogeler, Historisches Seminar – Abt. Geschichtliche Hilfswissenschaften; G.Vogeler@lrz.uni-muenchen.de
Jure Volèjak, Archiv der Republik Slowenien; Jure.Volcjak@gov.si
Herbert Wurster, Archiv des Bistums Passau; dr.herbert.wurster@bistum-passau.de

Karl Heinz (karl.heinz@monasterium.net)

EDV gegen Feuchtigkeit im Archiv

Ein Raumüberwachungssystem für das Salzburger Landesarchiv entwickelten im Rahmen eines Projektes drei Absolventen der Sparte Informationstechnik & Systemmanagement an der HTL Salzburg. Landesarchivar Fritz Koller ist von der einstweilen nur in einem Magazin eingebauten Einrichtung angetan, weil sie ermöglicht, die Luftfeuchtigkeit in dem Speicher auf dem Bildschirm des Restaurators zu überprüfen. Noch fehle das Geld, das Überwachungssystem in allen zehn Magazinen zu installieren.

Das neue System meldet derzeit die Luftfeuchtigkeit im Magazin mit den bedeutendsten Archivalien des Landes, den mittelalterlichen Urbaren und den Grundbüchern der Gegenwart. Die Luftfeuchtigkeit in den Depots des Landesarchivs liegt im Idealfall bei 50 bis 60 Prozent. An etwa zehn Tagen im Sommer muss eine Entfeuchtung vorgenommen werden.

Wird die Luftfeuchtigkeit derzeit bei Rundgängen vom Restaurator kontrolliert, so könnte dies bei einem vollständigem System per Mausklick vom Bildschirm aus geschehen. An das System könnten auch Be- und Entfeuchtungsgeräte angeschlossen werden.

Kontakt:
Salzburger Landesarchiv
Michael-Pacher-Str. 40
A-5020 Salzburg 
Tel. 0662/8042/4521 oder 4527 
Fax 0662/8042/4661 
landesarchiv@salzburg

Quelle: Salzburger Nachrichten, 16.11.2005

Neue Ratinger Kulturamtsleiterin

Dr. Inge Röhnelt hat am 14. November 2005 ihre neue Stelle als Leiterin des Kultur- und Verkehrsamtes der Stadt Ratingen angetreten. Bürgermeister Harald Birkenkamp hieß die 48-Jährige an ihrem ersten Tag herzlich willkommen: „Ich freue mich, dass das Kultur- und Verkehrsamt nach gut einem Jahr nun wieder unter kompetenter Leitung steht. Ich bin sicher, Frau Dr. Röhnelt wird diesem Amt ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken.“

Dr. phil. Inge Röhnelt hat Germanistik, Philosophie und Pädagogik studiert. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. In den vergangenen 18 Jahren war sie Kulturverantwortliche und Fachbereichsleiterin der Volkshochschule Ratingen.

Zu ihrem neuen Amt gehören neben der allgemeinen Kulturverwaltung die „Abteilungen“ Museum, Medienzentrum und Stadtarchiv. „Kultur für Herz und Verstand“, so lautet in aller Kürze Dr. Röhnelts Ziel ihrer zukünftigen Arbeit.

Quelle: Pressedienst der Stadt Ratingen, Büro des Bürgermeisters, 14.11.2005

Neue Impulse für die Biberacher Kreiskultur- und Archivarbeit

Das Kreisarchiv Biberach sichert nicht nur die Überlieferung zur Geschichte des Landkreises Biberach, es unterhält auch eine derzeit rund 6.300 Bände umfassende Bibliothek zur Kreis- und Ortsgeschichte, zur Landesgeschichte und allgemeinen Geschichte, zur Archivwissenschaft mit historischen Hilfswissenschaften sowie zur Volkskunde und Kunst. Hinzu kommen die Amts- und Gesetzesblätter, die Repertorien des Kreisarchivs, der Stadt- und Gemeindearchive des Landkreises so wie Bestandsverzeichnisse und Einzelrepertorien staatlicher und anderer Archive. Zu den Aufgaben des Kreisarchivs zählt die kommunale Archivpflege, d.h. die Betreuung der Archive der Gemeinden des Landkreises Biberach, soweit sie nicht über eigenes fachliches Personal verfügen.

Seit Anfang November 2005 leitet Dr. Bernd Holtwick das Biberacher Kreiskultur- und Archivamt. Unter mehr als 200 Bewerbern setzte sich der 37-Jährige durch. Nach dem Studium der Geschichte, Germanistik und Soziologie an der Universität Bielefeld verfasste Holtwick dort seine 1999 abgeschlossene Doktorarbeit über Handwerker in der Weimarer Republik und im Dritten Reich (Bernd Holtwick: Der zerstrittene Berufsstand. Handwerker und ihre Organisationen in Ostwestfalen-Lippe 1929-1953, Forschungen zur Regionalgeschichte Bd. 36, Paderborn 2000). Am renommierten Haus der Geschichte Baden-Württembergs in Stuttgart erhielt Holtwick dann im Jahr 2000 eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter. 

Durch seine Forschungen ist der Historiker mit dem Bereich Archiv vertraut. Innerhalb seines breiten Aufgabenspektrums im Kreiskultur- und Archivamt will Holtwick einen Akzent auf das Kreisfreilichtmuseum Kürnbach setzen. Die Kombination aus Archivarbeit, die sich eher im Hintergrund vollzieht, und Kulturarbeit, die nach außen geht, sieht er dabei nicht als Spagat. Holtwick will die Zusammenarbeit mit Schulen und Vereinen stärken, Angebote im Ferienbereich ausbauen, aber auch die älteren Besucher ansprechen. Die breite Kulturarbeit sei eine Stärke der Region, so Holtwick.

Kontakt:
Kreiskultur- und Archivamt 
Rollinstr. 9
88400 Biberach
Telefon: 07351/52204
Fax: 07351/52405
Kreisarchiv@biberach.de
http://www.biberach.de/

Quelle: Birgit van Laak, Schwäbische Zeitung online, 12.11.2005

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