Ausstellung »Rote Kapelle« in Dortmund

Intellektuelle, Künstler, Arbeiter, Angestellte, Studenten, Professoren, Soldaten, Offiziere, Marxisten, Christen – Frauen und Männer unterschiedlicher sozialer Herkunft mit verschiedenen politischen und weltanschaulichen Ansichten schlossen sich in sieben Berliner Widerstandskreisen zusammen. Ihr Widerstand gegen das Naziregime äußert sich in vielfältigen Formen. Neben der Diskussion politischer, philosophischer und künstlerischer Fragen helfen sie Verfolgten, dokumentieren NS-Gewaltverbrechen, rufen in Flugschriften zu aktivem und passivem Widerstand auf und verbreiten Klebezettel gegen die antisowjetische Propagandaausstellung \“Das Sowjetparadies\“. Es bestehen Kontakte zu Widerstandsgruppen in Berlin und Hamburg, zu Zwangsarbeitern und Vertretern der amerikanischen und sowjetischen Botschaft in Berlin. Durch freundschaftliche Verbindungen überschneiden sich die Freundes- und Widerstandskreise. Anfang der vierziger Jahre entsteht eines der größten Netzwerke des deutschen Widerstandes.

Die von der Gestapo mit dem Fahndungsnamen \“Rote Kapelle\“ bezeichnete kommunistische Spionage- und Widerstandsorganisation entfaltet ihre Haupttätigkeit nach Beginn des Russlandfeldzuges 1941/1942 mit Harro Schulze-Boysen und Arvid von Harnack an der Spitze. Im Herbst 1942 verhaftet die Gestapo über 120 Frauen und Männer und ordnet sie dem Ermittlungs- und Verfolgungskomplex \“Rote Kapelle\“ zu. 92 der Verhafteten werden vor dem Reichsgericht und dem Volksgerichtshof angeklagt, 49 von ihnen hingerichtet, darunter 19 Frauen. Aus dem Ruhrgebiet stammen der in Duisburg aufgewachsene Harro Schulze-Boysen, der Journalist Erwin Gehrts, bis 1932 Chefredakteur des Oberhausener Generalanzeigers sowie Wilhelm Schürmann-Horster, bis 1933 Schauspieler und Dramaturg in Düsseldorf. Zum Widerstandskreis zählten auch Erika Gräfin von Brockdorff sowie der Funker Hans Coppi und dessen Frau.

In der Bundesrepublik blieb die \“Rote Kapelle\“, in Kontinuität zu den Deutungsmustern von Gestapo und Reichskriegsgericht, lange Jahre ein von außen gesteuertes sowjetisches Spionagenetz. In der DDR werden aus den heterogenen und lose verbundenen Widerstandskreisen eine unter Führung der KPD deutschland- und europaweit operierende Widerstandsorganisation und Kundschaftergruppe für die Sowjetunion gedeutet.

Die von Dr. Hans Coppi, freier Mitarbeiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, konzipierte und von Karl-Heinz Lehmann gestaltete Ausstellung zeigt auf zehn Tafeln die Berliner Widerstandskreise um den Referenten im Generalstab der Luftwaffe, Harro Schulze-Boysen und den Oberregierungsrat im Wirtschaftsministerium, Arvid von Harnack.

Info:
Ausstellung \“Rote Kapelle\“ bis einschließlich Donnerstag, 31. Mai 2007
Eine Ausstellung des Stadtarchivs Dortmund in Kooperation mit dem Internationalen Rombergpark-Komitee.

Ort:
Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
Steinstr. 50
44147 Dortmund

Kontakt:
Stadtarchiv Dortmund
Märkische Str. 14
D-44122 Dortmund
Telefon: 0231-5022156
Telefax: 0231-5026011
stadtarchiv-dortmund@stadtdo.de

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