19 Projekte gewinnen im NRW-Landeswettbewerb Archiv und Jugend

Die nordrhein-westfälische Staatskanzlei teilt mit, dass 19 Projekte aus Nordrhein-Westfalen Sieger des Wettbewerbs „Archiv und Jugend“ seien. Der Wettbewerb ist in diesem Jahr erstmals ausgeschrieben worden. Die Archive bekommen Fördergelder in einer Höhe von insgesamt 100.000 Euro für Projekte, in denen Jugendliche an die Arbeit eines Archivs herangeführt werden sollen. Zehn Projekte kommen aus Westfalen und neun aus dem Rheinland. Der nordrhein-westfälische Staatssekretär für Kultur Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff gratulierte allen Gewinnern und sagte: „Archive dokumentieren unsere Vergangenheit in Wort und Bild. Ich wünsche allen Projekten, dass sie Kindern und Jugendlichen zeigen, wie spannend Archive wirklich sind und welche Schätze sich dort heben lassen.“

Auf den von Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff initiierten Wettbewerb "Archiv und Jugend" waren insgesamt 24 Anträge eingegangen. Dabei waren Anträge verschiedener Archivträger sowie Kooperationsprojekte. In einer Jurysitzung mit Fachvertretern der beiden Archivämter der Landschaftsverbände (WAA und RAMA) und unter Beteiligung der Staatskanzlei konnten nach eingehender Prüfung aller Anträge 19 Projekte für eine Landesförderung ausgewählt werden. Der Wettbewerb soll im nächsten Jahr fortgeschrieben werden.

Liste der Sieger:

Stadtarchiv Arnsberg: Arnsberger Bilder – damals und heute. Geschichten von Gebäuden und Familien

Stadtarchiv Lippstadt: DIGILEX – Ein digitales Lexikon von Jugendlichen für Jugendliche und andere Interessierte

Stadtarchiv Harsewinkel: Soziale und politische Konflikte in Harsewinkel im 19. und 20. Jahrhundert

Kreisarchiv u. Stadtarchiv Siegen: „Laurin. Jäger des versteckten Wissens“. Archivisches Computerspiel

Staatsarchiv Münster: Heessener Schlossgeschichte(n) in Szene gesetzt. Ein Schülerprojekt zur Erforschung und Präsentation der Geschichte von Schloss Heessen

Stadtarchiv Bad Berleburg: Lokalgeschichte am Wegesrand. Verknüpfung von archivischer Grundlagenrecherche mit touristischem Marketing – Ein integratives Projekt für Jugendliche

Stadtarchiv Bielefeld: Mach Dir ein Bild von Bielefeld. Jugendliche fotografieren für das Stadtarchiv

Stadtarchiv Münster: Von Jugendlichen für Jugendliche: Medial aufbereiteter Stadtrundgang zu Standorten in der Stadt mit dem Thema: Fremde in Münster

Landeskirchliches Archiv Bielefeld: Kirchenarchiv und Konfirmandenarbeit

Dokumentationsstelle f. kirchliche Jugendarbeit: Ein Verband zeigt seine Geschichte. Archiv und Ausstellungsprojekt in Koop. mit Mitgliedsverbänden des BDKJ im Erzbistum Paderborn

Stadtarchiv Dinslaken: Migration in Dinslaken und Umgebung

Fliedner Kulturstiftung: Die Kaiserswerther Diakonie im 2. Weltkrieg

Stadtarchiv Euskirchen: Wasser für die Region Euskirchen. Geschichte und Naturerlebnis

Stadtarchiv Essen: Ordnung und Auswertung des Schularchivs des Carl-Humann-Gymnasiums

Stadtarchiv Hilden: „In Hilden angekommen“

Stadtarchiv Neuss: „Schülerexperten“ – Schüler der Oberstufe erarbeiten Quellensammlungen zur Stadtgeschichte

Stadtarchiv Neuss: „Stadtteilführer“ – Schüler-Geschichtswerkstatt erforscht Geschichte vor Ort

Stadtarchiv Pulheim: „Häuser haben Geschichte – Häuser haben Vergangenheit“

Stadtarchiv Ratingen: Projekt „Q19“ – Jugendliche erforschen Wohnquartiere um 1900 und heute

Quelle: Landesregierung NRW, Pressemitteilung, 25.10.2007

Ar-schiefe-Ausstellung jetzt in Siegen

Die Ausstellung \“Ar-schiefe, Fotografien zum Archivfinder des Kreises Siegen-Wittgenstein Oder: Warum gerade Archive und nicht schiefe Geraden?\“ des Siegener bzw. Aachener Fotografen Thomas Kleynen ist vom 26. Oktober bis 17. November 2007 im KrönchenCenter, 2. Obergeschoss, Markt 25, 57072 Siegen zu sehen.

Die Ausstellung wird am 26.10. um 19:00 eröffnet. Nach der Begrüßung durch die Siegener Bürgermeister Steffen Mues und einem Grußwort des Kreiskulturreferenten Wolfgang Suttner wird Dr. Clemens Rehm in die Ausstellung einführen.

Weitere Informationen zu Ausstellung finden Sie unter: http://www.siegen.de/standard/page.sys/details/eintrag_id=918/content_id=1138/465.htm

Niedersächsische Umweltgeschichte im Spiegel archivalischer Quellen

Bis in die jüngste Vergangenheit galt Niedersachsen als Agrarland mit zahlreichen Inseln gewerblich-industrieller Verdichtung sowie ausgedehnten Forsten. Wirtschaftliche und soziokulturelle Prozesse prägten seit jeher das Bild der Kulturlandschaft und das spezifische Mensch-Umwelt-Verhältnis in den verschiedenen Regionen des Landes.

Gegenstand der Umweltgeschichte sind die sich wandelnden Beziehungen zwischen menschlicher Gesellschaft und naturaler Umwelt. Extreme Witterungsereignisse oder der historische Klimawandel machen außerdem deutlich, in welchem Maße Umweltfaktoren auch ohne menschlichen Einfluss wirksam werden konnten (Sturmfluten, Ernteausfälle etc.).

In Niedersachsen bieten landschaftliche Vielfalt und eine außerordentlich facettenreiche Vergangenheit günstige Voraussetzungen, um die historischen Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt sowie die Bedeutung naturaler Ressourcen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zu analysieren.

In seinen über das ganze Land verteilten Archiven besitzt Niedersachsen einen einzigartigen Fundus an historisch-ökologischen Informationen. Um den Zugang zu diesen Informationen zu vereinfachen, wird im Rahmen des oben genannten Vorhabens eine kommentierte flächendeckende Übersicht der einschlägigen historischen Aktenbestände in den einzelnen niedersächsischen Staatsarchiven vorgelegt. Umwelthistorisch interessierte Wissenschaftler, aber auch Vertreter der Forst-, Umwelt- und Naturschutzverwaltung erhalten damit Gelegenheit, geschichtliche Faktoren als Zusatzkriterien bei der Beurteilung von Veränderungen unserer natürlichen Lebensgrundlagen mit einzubeziehen.

Kernstück des Vorhabens ist die Entwicklung einer Internet-Rechercheplattform, welche über die Homepage des Niedersächsischen Landesarchivs erreichbar sein wird. Durch die Eingabe von Suchbergriffen lassen sich vom heimischen PC aus die fraglichen Aktenbestände archivübergreifend rasch eingrenzen und ermitteln. Das untenstehende Diagramm illustriert mit seiner Darstellung der Baumartenentwicklung im niedersächsischen Harz die Potentiale einer auf Archivmaterial gestützten historischen Ökologie.

Das Projekt stellt Basisinformationen und grundlegendes Wissen zu einem wichtigen Bereich der Landesgeschichte bereit. Es dient darüber hinaus der Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Institutionen in Niedersachsen sowie der Vermittlung wissenschaftlicher Erträge an eine breitere, interessierte Öffentlichkeit. Die Arbeiten begannen am 1. August 2007, sie haben eine Laufzeit von zwei Jahren und werden von den beiden Historikern Dr. Peter-M. Steinsiek und Dr. Johannes Laufer in Kooperation mit dem Institut für Historische Landesforschung der Universität Göttingen und dem Niedersächsischen Landesarchiv durchgeführt. Die Finanzierung erfolgt durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Reisemittel steuern die Niedersächsischen Landesforsten sowie die Göttinger Schünemann-Stiftung bei. Eine Zusammenarbeit besteht u.a. mit dem Göttinger DFG-Graduiertenkolleg \“Interdisziplinäre Umweltgeschichte".

Kontakt:
Niedersächsisches Landesarchiv
Am Archiv 1
30169 Hannover
Telefon: (0511) 120 66 01
Sabine.Graf@nla.niedersachsen.de

Quelle: Landesarchiv Niedersachsen, Projektmitteilung

Archivberatungsstelle für Hessen

Die Archivberatungsstelle für Hessen will die kommunalen Archive in Hessen bei der Sicherung des kulturellen Erbes Archivgut stärken, damit in Zukunft eine bessere Nutzung durch die Bürger möglich sein wird. 

Am 1. Januar 2008 wird die Archivberatungsstelle von Darmstadt aus ihre Arbeit aufnehmen. Bis auf Weiteres ist sie über die Poststelle des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt erreichbar.

Kontakt:
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt 
Karolinenplatz 3 
64289 Darmstadt 
Tel.: 06151 / 16 59 00 
Fax: 06151 / 16 59 01 
poststelle@stad.hessen.de 

Die Juden der vormodernen Zeit am Mittelrhein

Bis zum 30. November 2007 zeigt das Hessische Staatsarchiv Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Evenari-Forum für deutsch-jüdische Studien der Technischen Universität Darmstadt eine Ausstellung zur Geschichte der Juden am Mittelrhein in vormoderner Zeit. Dargestellt wird die wechselvolle Geschichte der Juden, besonders ihre Beziehungen zur christlichen Umwelt in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt ebenso wie in angrenzende Regionen in Mittelalter und Früher Neuzeit bis zum beginnenden 19. Jahrhundert. Dabei werden Besonderheiten des mittelrheinischen, aschkenasischen Judentums ebenso herausgestellt wie Übereinstimmungen mit der übrigen Entwicklung im Bereich des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das Konzept der Ausstellung wurde im Rahmen eines Seminars unter Leitung von Prof. Dr. Friedrich Battenberg und Dr. Anne Holtmann-Mares zusammen mit Studierenden der Geschichte erarbeitet und in Zusammenarbeit mit dem graphischen Büro Silke Berg/Frankfurt am Main ausgeführt. 

\"Ausstellungsplakat

Abb.: Ausstellungsplakat Gebraucht und doch verachtete: Vom Kammerknecht zum Landjuden

Gezeigt werden vor allem Originalquellen aus dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, das über eine bisher wenig bekannte, reichhaltige Dokumentation zur Geschichte der Juden verfügt. In insgesamt 30 Vitrinen, die im Vestibül, im Foyer und im historischen Treppenhaus des Staatsarchivs (Haus der Geschichte) aufgebaut sind, werden im Rahmen von sieben Abteilungen die folgenden Themen dargestellt: Ordnungen und Privilegien; Schutzrechte über die Juden; Gemeindeverfassung; Rabbinat; Landjudentum; Kultus und Gemeindeleben; Synagogen und Mikwen; Friedhofswesen; jüdische Siegel; kaiserliche Rechte; Schuldwesen; Darlehens- und Pfandwesen; Viehhandel; Fleischverkauf und Schächtungswesen; Gewerbe; Geschäfte und Salzmonopol der Hoffaktoren; Schicksal der Betteljuden; jüdische Wohltätigkeit; Judenvertreibungen; Diskriminierungen im Alltag; Siedlung als Einnahmequelle; Reformdebatte der Beamtenschaft; Schulische Erziehung; Jüdische Aufklärung; neues Selbstbewusstsein und Emanzipationsdiskurs. Nicht alle möglichen Themen zur Geschichte der Juden konnten angesprochen werden, vielmehr nur diejenigen, die über die Quellen des Staatsarchivs Darmstadt gut dokumentiert werden können. 

Ergänzt werden die Originaldokumente der Vitrinen durch 12 Tafeln, mit denen Zusammenhänge und Vernetzungen zur Gesamtentwicklung hergestellt werden sollen. Exponate, wie die edel verarbeitete Schnupftabakdose, die laut Archivdirektor Battenberg vermutlich aus dem Besitz der Darmstädter Kaufmannsfamilie zur Kann stammt, veranschaulichen die unterschiedlichen Lebenssituationen der Judenschaft. 

Einerseits wirkte eine wohlhabende Elite in der Rolle von Hoffaktoren – wie etwa die Familie zur Kann, die um 1750 über ein Tabakmonopol in Darmstadt verfügte. Dies wurde möglich, weil sich die merkantilistisch orientierten Kleinstaaten des Mittelrheins für die Wirtschaftskraft ihrer Untertanen interessierten und Juden trotz Verachtung duldeten. Andererseits gehörten viele den Kategorien Land- und Betteljudentum an, weil sie durch ihr Anderssein in puncto Sprache, Kleidung und Tradition und ihren Mangel an finanziellem Potenzial an den Rand der Gesellschaft gerieten. 

Zur Ausstellung erscheint ein kleiner Katalog, der die ausgestellten Dokumente mit einigen wenigen Abbildungen beschreibt. Gleichzeitig wird die Ausstellung unter der Federführung des Archivpädagogen Dr. Thomas Lange mit ausführlichen Quellentexten und Erläuterungen im „Digitalen Archiv“ des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt präsentiert. 

Info:
Ausstellung Gebraucht und doch verachtete: Vom Kammerknecht zum Landjuden
„Die Juden der vormodernen Zeit am Mittelrhein“
Termin: 15.10.2007 – 30.11.2007

Kontakt:
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt 
Karolinenplatz 3 
64289 Darmstadt 
Tel.: 06151 / 16 59 00 
Fax: 06151 / 16 59 01 
poststelle@stad.hessen.de
www.staatsarchiv-darmstadt.hessen.de 

Quelle: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt; Echo Online, 13.10.2007

20 Jahre Frauengeschichtsladen Lippe

20 Jahre Frauengeschichtsladen, 20 Jahre Geschichtswerkstatt von und mit Mädchen und Frauen aus Lippe – das ist Anlass genug, um zu resümieren und zu feiern: 
Deshalb sind alle geschichtsinteressierten Frauen und Männer zum Symposion am 28.11.2007 um 14 Uhr und zum anschließenden Sektempfang im Landesarchiv NRW Staats- und Personenstandsarchiv Detmold eingeladen. 

\“Aus dem Nähkästchen geplaudert…: Brauchen wir noch \’Frauen\‘-Geschichte?" lautet das Motto der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung. Kooperationspartner und -partnerinnen des Frauengeschichtsladens sprechen und diskutieren aus der Sicht der Wissenschaft, des Museums, der Erwachsenenbildung, des Archivs und der Gleichstellungsstelle über den "weiblichen Blick" auf die Geschichte (Programm s.u.). 

Das Symposion steht am Ende des Jubiläumsjahrs als Forum für die Bestandsaufnahme der historischen Frauen- und Geschlechterforschung in und außerhalb der Universitäten und Kultureinrichtungen. Gefragt werden soll etwa, "Brauchen wir noch Frauenthemen im Museum"? oder "Wie funktioniert \’Gender\‘ im Archiv"? Warum sind Frauen häufig bei großen Jubiläen und Jahrestagen der Landesgeschichte oft nicht sichtbar – gab es sie nicht oder waren sie nicht relevant?

Darüber hinaus soll über die Idee des Geschichtsladens, der orts- und gegenwartsnahen Geschichtsforschung ("Grabe, wo Du stehst!") im Verhältnis zur akademischen Historiographie debattiert werden, z. B.: Was haben historisch forschende Frauen auf dem Land mit Historikerinnen gemeinsam? Welche Rolle spielen lokale Begebenheiten und Erfahrungen von Zeitzeuginnen in der postmodernen Geschlechterforschung?

Wie können die Erfahrungen einer Wirtin, Näherin, Arbeiterin, Wissenschaftlerin und Mutter in ein Museumskonzept oder einen VHS-Geschichtskurs einfließen? Und welchen Wert haben methodische Diskussionen für die Arbeit in Geschichtsläden, Museen und Archiven sowie für lokale geschlechterhistorische Projekte? – Wer schafft welches Wissen?

Symposion
Aus dem Nähkästchen geplaudert…: Brauchen wir noch "Frauen"-Geschichte?
Symposion zu 20 Jahre Frauengeschichtsladen Lippe e.V.
im Staats- und Personenstandsarchiv Detmold 
am 28. November 2007 um 14 Uhr

Programm

14 Uhr
Begrüßung: Prof. Dr. Jutta Prieur-Pohl, Leiterin des Staats- und Personenstandsarchivs Detmold

14.15 Uhr
1. Vortrag: Konzepte, Quellen, Forschungsergebnisse und PartnerInnen in 20 Jahren Frauengeschichtsladen Lippe 
von Ingrid Schäfer (FGL, Detmold)

14.45 Uhr: 
2. Vortrag: Einführung in die Entwicklung und den Stand der historischen Frauen- und Geschlechterforschung: Konzepte, Themen, Quellen und Netzwerke in NRW
von Dr. Julia Paulus (Westfälisches Institut für Regionalgeschichte, Münster)

15.15-15.30 Uhr: Kaffeepause

15.30 Uhr:
Podiumsdiskussion: Ingrid Schäfer, Dr. Julia Paulus, Jürgen Scheffler (Städtisches Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo), Bernd Racherbäumer (VHS Detmold), Dr. Bettina Joergens (Landesarchiv NRW), Regina Pramann (Gleichstellungsstelle des Kreises Lippe), 
Moderation: Bettina Rinke (Museumsinitiative OWL e.V.) 

17 Uhr: Sektempfang

Kontakt und Anmeldung unter:
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen 
Staats- und Personenstandsarchiv Detmold
Dr. Bettina Joergens
Willi-Hofmann -Str. 2
32756 Detmold
Tel. 05231 – 766-112, Fax 05231 – 766-114, 
bettina.joergens@lav.nrw.de 

AOK-Daten von Fremd- und Zwangsarbeitern für das Landesarchiv Baden-Württemberg

Die AOK Baden-Württemberg wird die ihr vorliegenden Unterlagen zu Fremd- und Zwangsarbeitern ab 2008 an das Landesarchiv Baden-Württemberg übergeben. Ein entsprechender Vertrag wurde am 12. September 2007 unterzeichnet. Die AOK ist im Besitz von Unterlagen, die bis in die dreißiger Jahre zurückreichen. Darin enthalten sind Daten über Fremd- und Zwangsarbeiter, die in der Zeit von 1939 bis 1945 von Amts wegen bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen versichert wurden.

„Mit der Übergabe der Unterlagen an die staatlichen Archive stehen diese Daten nun der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung. Auskünfte In Fällen der Entschädigung von Zwangsarbeitern sind selbstverständlich weiterhin möglich,“ sagt Professor Dr. Robert Kretzschmar, Präsident des Landesarchivs. „Diesen alten Unterlagen kommt eine große historische Bedeutung zu. Entsprechend den Bestimmungen des Landesarchivgesetzes werden wir diese Dokumente als Archivgut für die künftigen Generationen sichern.“

„Für die AOK Baden-Württemberg ist es wichtig, ihren Teil dazu beizutragen, dass die Unterlagen für die Nachwelt erhalten bleiben“ sagt der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Rolf Hoberg. „Wir waren uns der Verantwortung für die betroffenen Menschen und deren Daten immer bewusst und haben die Unterlagen geschützt aufbewahrt.“

Das Landesarchivgesetz verpflichtet auch die Krankenkassen, Unterlagen von historischen Bedeutung an das Landesarchiv abzugeben, sobald sie für die Wahrnehmung der gesetzlichen Aufgaben nicht mehr erforderlich sind. Dies kann jetzt umgesetzt werden.

„Bisher hat die AOK diese Daten für die Entschädigung der Zwangsarbeiter im Einzelfall zugänglich gemacht“, erklärt Wolfgang Stütz, Datenschutzbeauftragter der AOK Baden-Württemberg. Stütz weiter: „Um den Datenschutz sicher zu stellen, wurden sowohl das Amt des Landesdatenschutzbeauftragten als auch das Ministerium für Arbeit und Soziales eingebunden.“

Die Unterlagen sollen ab Januar 2008 an das jeweilige Staatsarchiv übergeben werden, wenn sie für die Aufgaben der AOK nicht mehr erforderlich sind. Es wird davon ausgegangen, dass die Aktion bis Ende 2009 abgeschlossen sein wird.

Kontakt:
AOK Baden-Württemberg, Pressestelle, Tel.: 0711 2593-231, presse@bw.aok.de
Landesarchiv Baden-Württemberg,Dr. Clemens Rehm, Tel.: 0711 212 4288, clemens-rehm@la-bw.de 

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Pressemitteilung, 19.9.2007

Ruhender Pol im Stadtarchiv Neumarkt-Sankt Veit

Das Stadtarchiv im oberbayerischen Neumarkt-St. Veit versteht sich als ein Zentrum der Dokumentation und Information mit Unterlagen vom Spätmittelalter bis heute. Mit seinen vielfältigen Aufgaben zwischen Verwaltung, wissenschaftlicher Forschung, historisch-politischer Bildungsarbeit und Heimatgeschichte gilt es als eine besondere kulturelle Einrichtung. Das Stadtarchiv ist das „historische Gedächtnis der Stadt Neumarkt-Sankt Veit“ und heute ein Teil der Dienstleistungsbehörde der Stadt, die allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern, aber auch Vereinen, Schulen etc. zur Verfügung steht.

Die Archivbestände wurden in den 1980er Jahren sporadisch vorsortiert und im Schloß Adlstein zwischengelagert. Ab 1998 wurden diese unter Anleitung vom ehemaligen Stadtarchivar von Mühldorf und Kreisarchivpfleger Rudolf Angermeier von den beiden Archiv-Helfern Siegfried Huber und Walter Jani soweit aufgearbeitet, dass sie der Öffentlichkeit in den ehemaligen Räumen des Bauhofes provisorisch zugänglich gemacht werden konnten. Das Ziel der jahrelangen Vorarbeiten war die Einrichtung des Stadtarchivs im neu geplanten Rathaus Schloß Adlstein. Seit Spätherbst 2001 steht nun das neue Stadtarchiv, dass in drei Räumen im 2. Stock untergebracht ist, zu den Öffnungszeiten zur Verfügung.

Der Archivbetreuer, Politiker und Heimatforscher Rudolf Angermeier hat die Stadtgeschichte in den letzten vierzig Jahren wie kein Zweiter geprägt. Anlässlich seines 80. Geburtstages durfte sich der Archivar im Rathaus nunmehr ins Goldene Buch eintragen. Vor fünf Jahren bereits hatte Angermeier die Neumarkter Medaille für besondere Verdienste überreicht bekommen. Er habe sich in den vergangenen fünf Jahren diese Anerkennung weiter verdient und sei \“ weiterhin der ruhende Pol im Stadtarchiv, sozusagen der Seniorpartner unter unseren Stadtarchivaren\“, betonte Bürgermeister Erwin Baumgartner in einer Feierstunde. Als \“Vater des Stadtarchivs\“ bezeichnete Walter Jani seinen Mentor, der auch heute noch jeden Mittwochvormittag während der Öffnungszeit des Archivs mit seinem Wissen zur Verfügung stehe.

Kontakt
Stadtarchiv Neumarkt-Sankt Veit
Johannesstr. 9
84494 Neumarkt St. Veit
Tel. 08639-9888-29
karin.hirtelreiter@vgnsv.de

Quelle: OVB-Online, 18.10.2007

Wie die Insel Rügen Zugang zum Festland fand

Deutschlands größte Insel Rügen ist über eine neue Brücke erreichbar. Nach dreijähriger Bauzeit gab Bundeskanzlerin Merkel das mit 4,1 Kilometern längste Brückenbauwerk der Bundesrepublik am 20. Oktober 2007 in Stralsund frei. – Wie aber fand Rügen bisher Zugang zum Festland?

Eine Urkunde von Fürst Witzlaw I. von Rügen aus dem Jahre 1240 belegt, dass es bereits lange vor der Stadtgründung von Stralsund eine regelmäßige Fährverbindung vom benachbarten Fährdorf Strahlow zur Insel Rügen gab. Im Stadtarchiv Stralsund belegt ein 1314 veröffentlichtes Register, dass ein Ratsmann für eine Überfahrt 120 Rebhühner und elf Mark zu berappen hatte. Über Jahrhunderte hinweg blieben die Fährpreise von Stralsund, Glewitz und Grahlhof nach Rügen üppig.

Einen Boom erlebte das Fährgeschäft mit der Aufnahme des Postschiffsverkehrs nach Schweden. Mit dem Siegeszug der Eisenbahn wurde 1883 schließlich mit der "Prinz Heinrich" eine der ersten Eisenbahnfähren in Deutschland in Betrieb genommen. Als die Postdampferlinie nach Schweden in eine Eisenbahnfährlinie über Sassnitz umgewandelt wurde, wurde der Ruf nach einer festen Anbindung über den Strelasund immer lauter.

Verbürgt ist die tatsächlich erste feste Verbindung von Stralsund nach Rügen: Schon vor der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ließen die Schweden eine Brücke aus miteinander verketteten Schiffen über den Sund errichten, um den zügigen Nachschub zu sichern. 1933 dann begann in Stralsund der Bau des 2.540 Meter langen und mit 25,9 Millionen Reichsmark veranschlagten Rügendamms. Mehr als 100 Firmen waren daran beteiligt. Das Projekt schloss auch die völlige Umgestaltung der angrenzenden Straßenanlagen, den Bau eines 3,8 Kilometer langen zweigleisigen Bahndamms zum Stralsunder Hauptbahnhof mit sieben Über- und Unterführungen sowie die Errichtung zweier neuer Bahnhöfe am Rügendamm und bei Altefähr ein.

Am 5. Oktober 1936 um 13.52 Uhr stampfte eine Lok 03137 über den festlich geschmückten Rügendamm, im Schlepp einen Sonderzug mit 1300 in- und ausländischen Ehrengästen. Zum Pfingstwochenende 1937 wurde dann auch die Straßenbrücke des Rügendamms für den Verkehr freigegeben. Doch die neue Verbindung hielt gerade mal neun Jahre. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Brücken gesprengt.

Im Jahr 1947 befahl die sowjetische Militäradministration den Wiederaufbau des Rügendamms, ein Jahr später wurde der internationale Reiseverkehr nach Schweden wieder aufgenommen. Im Mai 1990 wurden die defekten Überbauten der Eisenbahnbrücke gegen neue Konstruktionen ausgetauscht. Markantester Teil der jetzt eingeweihten neuen Straßenverbindung neben dem 71 Jahre alten Rügendamm ist eine Seilbrücke mit einem 128 Meter hohen Pfeiler.

Quelle: ad-hoc-news, Pressemitteilung, 20.10.2007

Archiv für Theaterpädagogik in Lingen

Hervorgegangen ist die Gründung des "Archivs für Theaterpädagogik" in Lingen aus dem Anliegen, sich in internationalen Maßstab mit der eignen Fachgeschichte auseinander zu setzen und Vertreter der verschiedenen Generationen in ihren unterschiedlichen Konzepten, Ansätzen, Lehrmeinungen und Erfahrungen miteinander ins Gespräch zu bringen und Zeugnisse aus der Geschichte des Fachs zu sichern, aufzuarbeiten und sie für die Forschung bereitzustellen. Die Leiterin Frau Prof. Dr. Marianne Streisand und ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Bernd Oevermann sind sich jedoch sicher, \“die Regale werden nicht lange leerstehen.\“ Das Archiv ist dem Institut für Theaterpädagogik der FH Osnabrück in Lingen angegliedert. 

Wussten vor 15 Jahren in Deutschland nur wenige Spezialisten etwas mit dem Begriff Theaterpädagogik anzufangen, so gibt es heute kaum noch ein Stadt- und Staatstheater oder kulturelles Zentrum, das nicht eine theaterpädagogische Abteilung unter seinem Dach beheimatet. 

Als Archiv im Aufbau mit seinen kerntechnischen Aufgaben, Übernahme, Bewertung, Verzeichnung und Bewahrung, sieht sich das Archiv als Ort des lebendigen Dialogs zwischen den \“Generationen der Theaterpädagogik\“. Es möchte in seiner Außenwirkung Fundstelle für Ausstellungen, Informationsquelle für Seminarplanung und Forschungsstelle für Seminar-, Abschluss oder wissenschaftliche Arbeiten in Lehre und Forschung sein.

Seine vorläufige Heimat hat das Archiv in den Räumen der Stadt- und Hochschulpolitik gefunden. \“Wobei schon jetzt absehbar ist, dass es damit schon bald aus allen Nähten platzen wird\“, so die Leiterin Prof. Dr. Marianne Streisand. Die bereits zugesagten Vorlässe der ersten Generation von Theaterpädagogen ergeben schon einen Umfang von weit über 100 laufende Meter. Als deutschlandweit einziges Archiv auf diesem Spezialgebiet wird Lingen auch in den kommenden Jahren Anlaufstelle für attraktive Sammlungen sein und sich um den weiteren Aufbau keine Gedanken machen müssen.

Die ersten Archivbestände durften die Mitarbeiter jetzt aus Brockhöfen bei Uelzen abholen: Die Vorlassstifterin Prof. Eva Brandes, Jahrgang 1938, war bis vor wenigen Jahren Professorin an der Fachhochschule Hamburg, Fachbereich Sozialwesen, wo sie den Studienschwerpunkt \“Freizeit und Kulturarbeit\“ und \“Ästhetik und Kommunikation\“ aufgebaut hat. Die Schauspielerin, Germanistin und Pädagogin hat am Beginn der 70er Jahre gemeinsam mit Prof. Wolfgang Nickel an der damaligen Pädagogischen Hochschule Berlin das erste Curriculum der Spiel- und Theaterpädagogik in Deutschland überhaupt entwickelt und auch das Amateurtheaterfestival in Recklinghausen mit ins Leben gerufen.

Aus all diesen Arbeitsphasen und aus unzähligen theaterpädagogischen Arbeiten, Projekten und Lehrveranstaltungen befinden sich spannende Zeugnisse unter den Dokumenten, die nun den ersten Baustein des Archivs für Theaterpädagogik bilden.

Kontakt:
Prof. Dr. Marianne Streisand
FH Osnabrück – Hochschulstandort Lingen 
Institut für Theaterpädagogik 
Baccumer Straße 3 
49808 Lingen (Ems) 
Tel: (0591) 80098 – 411 o. -429 (Direktwahl)
M.Streisand@fh-osnabrueck.de 

Quelle: idw-online/Uni-Protokolle, 18.10.2007

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