Konfirmanden lernten Gedächtnis der Landeskirche kennen

Kurz nach dem Tag der Archive 2008 besuchten am 10. März zum ersten Mal Konfirmanden das Landeskirchliche Archiv Kassel. Zwanzig Jugendliche unter der Leitung des Pfarrerehepaars Knoth aus Oberaula waren im Rahmen ihrer Konfirmandenfreizeit zu Gast in der Lessingstraße 15 A. Die Konfirmanden füllten einen eigens für sie konzipierten „Antrag zur Benutzung“ aus, der dann wie bei den Erwachsenen genehmigt wurde. 

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Abb.: Die Konfirmanden testen die Lesegeräte im Benutzerraum. Sie benutzen Mikrofiches des ältesten Kirchenbuchs aus Oberaula (Foto: LkA, 319-1966 Ausschnitt)

Erfahren wollten die 13- und 14-Jährigen, was in einem Archiv passiert. So wurden sie befragt, wie sie selbst mit Papier umgehen. Schnell wurde klar, dass im Archiv ähnlich wie in ihrem Alltag zwischen wichtigem und unwichtigem Papier unterschieden wird und dass die Archivmitarbeiter dafür zuständig sind, diese Unterscheidung zu treffen. Dass Archive letztlich nur einen kleinen Teil der anfallenden Überlieferung aufbewahren, nämlich ein bis zehn Prozent, begriffen die Konfirmanden während der "Fütterung" des Aktenvernichters mit bereit gestelltem Kassationsgut. Nächste Station war die Werkbank – hier wurden archivwürdige Kirchenrechnungen mit Mundschutz und Gummihandschuhen gereinigt. 

Danach ging es in das Allerheiligste – das Magazin, in dem das Gedächtnis der Landeskirche aufbewahrt wird. Die Konfirmanden kurbelten an den Rollregalanlagen, testeten, wie schwer ein Archivkarton ist und erfuhren, warum das Magazin ganz dicke Wände und gar keine Fenster hat. Sie lernten, dass Archivgut wertvoll und besonders vor Feuer zu schützen ist. Vorgeführt wurden dann einige Schätze wie Pergamenteinbände von Kirchenbüchern, die mit weißen Stoffhandschuhen vorsichtig angefasst werden durften. Nun ging es in den Schulungsraum, um sich zu stärken und um gerade Erfahrenes auf dem 2. Teil des Benutzerantrags zu vermerken – "So sieht es in einem Archiv aus (hinterher auszufüllen)". 

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Abb.: Ausgefüllter Antrag auf Benutzung einer Konfirmandin aus Oberaula (Foto: LkA)

Die Auswertung der Anträge zeigte, dass die Rollregalanlage mit ihren vielen Archivkartons besonders beeindruckt hatte. Zum Schluss erforschten die Konfirmanden im Benutzerraum ihre Wurzeln. Sie nahmen an den Lesegeräten Platz und ließen sich per Mikrofiches aus dem ältesten Kirchenbuch Oberaulas von 1575 vorlesen. Zur Erinnerung konnten die Jugendlichen den Archivbleistift aus Altpapier, mit dem sie ihre Anträge zur Benutzung ausgefüllt hatten, und ein Lesezeichen mit Motiven aus Einbandfragmenten mit nach Hause nehmen. 

Eine von Schwellenängsten freie, erste Berührung mit der Erlebniswelt Archiv ging für die Konfirmanden zu Ende. Die Jugendlichen waren fasziniert von der besonderen Atmosphäre im Archiv. 

Bettina Wischhöfer

Info
B. Wischhöfer, Lernort Landeskirchliches Archiv Kassel, Darmstadt und Kassel 2005, 26 Seiten, €2,50,
zu beziehen über www.ekkw.de/archiv, mailto archiv@ekkw.de

Kontakt:
Landeskirchliches Archiv der 
Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck
Lessingstraße 15A
34119 Kassel
Tel.: (0561) 78876 – 0
Fax: (0561) 78876 – 11
archiv@ekkw.de
www.ekkw.de/archiv

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