Archiv und Wirtschaft 2/2008

Das Heft 2/2008 der Zeitschrift Archiv und Wirtschaft enthält untenstehende Beiträge. Die Redaktion der Zeitschrift, die bisher in den Händen von Dr. Detlef Krause (Historisches Archiv, Commerzbank AG) lag, wechselt nun zu Dr. Helen Müller und Dr. Martin Münzel (Bertelsmann). 

Aufsätze:

Adrian Knoepfli: Die Schaffhauser Wirtschaft von 1800 bis heute

Alexander Lukas Bieri: Die Suche nach dem Wesentlichen im Zeitalter der Beliebigkeit

Thomas Inglin: E-Mail Archivierung bei einem multinationalen Unternehmen – das Beispiel Zurich Financial Services

Lisa Mundzeck: Die Henriettenstiftung und ihr Schwestern-Archiv

Berichte:

Lysann Goldbach: Fokus Schweiz und Wind of Change … Bericht zur Arbeitstagung der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V. (VdW) vom 4. bis 7. Mai 2008 in Schaffhausen/Schweiz

Richard Winkler: 6. Sitzung des Arbeitskreises Wirtschaftsarchive Bayern bei Audi Tradition in Ingolstadt

Rezensionen:

Schweizerisches Wirtschaftsarchiv u. Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare (Hrsg.): Unternehmensarchive – ein Kulturgut? Beiträge zur Arbeitstagung Unternehmensarchive und Unternehmensgeschichte (Sebastian Beck)

Hartmut Berghoff (Hrsg.): Marketinggeschichte. Die Genese einer modernen Sozialtechnik (Wilfried Reininghaus)

Christian Kleinschmidt: Technik und Wirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert (Ulrich Kirchner)

Rolf Walter (Hrsg.): Innovationsgeschichte. Erträge der 21. Arbeitstagung der Gesellschaft für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 30. März bis 2. April 2005 in Regensburg (Volker Beckmann)

Jürgen Lindenlaub: Die Finanzierung des Aufstiegs von Krupp. Die Personengesellschaft Krupp im Vergleich zu den Kapitalgesellschaften Bochumer Verein, Hoerder Verein und Phoenix 1850 bis 1880 (Horst A. Wessel)

Ralf Stremmel: Kammern der gewerblichen Wirtschaft im „Dritten Reich“. Allgemeine Entwicklungen und das Fallbeispiel Westfalen-Lippe (Thomas Mayer)

Axel Schildt: Die Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland bis 1989/90 (Horst A. Wessel)

Christoph Lingg: Stillgelegt. Industrieruinen im Osten. Mit Texten von Susanne Schaber, Richard Swartz u. Serhij Zhada (Evelyn Kroker)

Christian M. Zachlod: Die Staatsfinanzen des Hochstifts Hildesheim vom Ende des Siebenjährigen Kriegs bis zur Säkularisation (1763–1802/03) (Wilfried Reininghaus)

Manfred Daunke: Die nassauisch-preussische Weinbaudomäne im Rheingau 1806–1918 (Christoph Waldecker)

Horst A. Wessel (Hrsg.): Mülheimer Unternehmer: Pioniere der Wirtschaft. Unternehmergeschichte in der Stadt am Fluss seit dem Ende des 18. Jahrhunderts (Gerhard Neumeier)

Nachrichten

Impressum

Info:
Archiv und Wirtschaft, 41. Jg., 2008, H. 2
Jahresabonnement: 26 €
Einzelheft: 8 €
www.wirtschaftsarchive.de

Ausstellung über die Ortspolizei in Wedel

Ganoven und Gendarmen: Die Ortspolizei in Wedel – Dies ist der Titel einer kleinen Ausstellung im Foyer des Wedeler Rathauses, die Stadtarchivarin Anke Rannegger anlässlich des Tages der Landespolizei in Wedel, der am Sonntag, 14. September 2008, zwischen Strandbaddamm und Schulauer Fährhaus stattfindet, zusammengetragen hat. In mühsamer Kleinarbeit hat sie aus der Fülle der Unterlagen, die im Stadtarchiv Wedel liegen, einige Stellwände mit Informationen zur Geschichte der Ortspolizei gestaltet, die noch die Sommerferien über zu sehen sein werden. Dabei gibt es nicht nur historische Bilder von der Entwicklung der Polizeiarbeit vor Ort zu besichtigen, sondern man erfährt auch etwas über die Hintergründe einzelner Verbrechen sowie geschichtliche und persönliche Informationen zur Arbeit der Polizisten. Zum Tag der Landespolizei, werden die Stelltafeln auch am Schulauer Hafen zu sehen sein. Hier werden sie die historische Ausstellung zur Geschichte der Landespolizei, die vom Haseldorfer Polizeibeamten Michael Beutel zusammengestellt wird, ergänzen. Es werden Exponate aus der Sammlung von Wolfgang Kroker, dem ehemaligen Landesbeauftragten für die Polizeigeschichte gezeigt.

Bevor im Jahr 1947 die Landespolizei Schleswig-Holstein gegründet wurde, waren die Reviere im Lande kommunale Einrichtungen. So gab es auch in Wedel seit 1838 eine Ortspolizei, die außer für Wedel auch für Schulau, Spitzerdorf und Holm zuständig war. Oberster Dienstherr von Polizeisergeanten und Nachtwächtern war der Bürgermeister. Eine eigentliche Polizeiwache gab es zunächst nicht. Erst einmal war das Gefängnis im Keller des Hauses von Wilhelm Kühl in der Hinterstraße oder im Spritzenhaus untergebracht. Beim Neubau des Rathauses 1936 wurde im Keller eine Wache mit einem separaten Eingang eingerichtet. Es gab Büros für den Revierleiter und zwei Zellen. In der Regel waren es fünf Beamte und einige Hilfspolizisten, die in den 30er Jahren in Wedel Dienst taten und für Recht und Ordnung sorgten. Zahlreiche Akten zeugen noch von den politischen Auseinandersetzungen der 30er Jahre, von Hausdurchsuchungen auf der Spur nach dem verbotenen „Roten Roland“. Außergewöhnlich auch die Lebensläufe des Polizeibeamten Asmus Jepsen und des Revierleiters Claus Lassen. Jepsen wurde am 6. Mai 1945 in Flensburg-Mürwik hingerichtet, weil er sein Kommando nach der Teilkapitulation am 4. Mai 1945 aufgelöst hatte. Nach ihm ist heute dort eine Straße benannt. Gegen den Revierleiter Lassen hingegen gab es nach 1945 massive Proteste aus der Bevölkerung, so dass er gegen den Leiter des Polizeireviers Brunsbüttel eingewechselt werden musste.

Kontakt
Stadtarchiv Wedel
Frau Anke Rannegger
Rathausplatz 3-5
22880 Wedel
Tel.: 04103 / 707 – 215
Fax: 04103 / 707 – 88215
a.rannegger@stadt.wedel.de

Quelle: Ausstellung Stadt Wedel; Eveline Düstersiek, Wedel-Schulauer Tageblatt, 18.7.2008

Historische Gesundheitsfilme digital zugänglich

Das Projekt \“DEFA-Gesundheitsfilme als wichtige Quellen deutscher Geschichte – Sicherung und Erschließung des Filmbestands des Deutschen Hygiene-Museums Dresden\“ ist jetzt abgeschlossen worden. 218 historische Filme konnten digitalisiert werden und sind nun für Wissenschaftler, Medienvertreter und die interessierte Öffentlichkeit zugänglich. Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Abteilung Filmarchiv des Bundesarchivs durchgeführt und von der DEFA-Stiftung Berlin und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen Chemnitz gefördert. Ab Februar 2007 wurden die historischen Gesundheitsfilme aus der Sammlung des Deutschen Hygiene-Museums und dem Bundesarchiv-Filmarchiv gesichtet, dokumentiert und anschließend digitalisiert. Das Bundesarchiv und die DEFA-Stiftung unterstützten das Projekt bei Recherchen. Das Bundesarchiv wird künftig auch die konservatorische Betreuung der originalen Filmrollen übernehmen. 

Die Filme sind im Zeitraum zwischen 1915 bis 1990 entstanden, die meisten von ihnen in der DDR. Die Inhalte sowie die ästhetische und technische Qualität der Filme variieren stark. Die Filme aus der Zeit vor 1945 thematisieren in erster Linie drei Schwerpunkte: die Folgen des 1. Weltkriegs, die Krebs-Krankheit und das Deutsche Hygiene-Museum als Institution. Dagegen ist die inhaltliche Bandbreite der später entstandenen Filme wesentlich größer. Gesundheitsspots aus der Werbesendung \“Tausend Tele-Tipps\“ (1960 – 1976) gehören ebenso dazu wie der DDR-Aufklärungsklassiker \“Mann und Frau intim\“ (1984). Andere Filme beschäftigen sich mit der Förderung der Kindergesundheit oder dokumentieren wissenschaftliche Fortschritte der DDR bzw. der anderen sozialistischen Länder.

Viele dieser Gesundheitsfilme sind zwischen wissenschaftlichem Lehrfilm und populärem Unterhaltungsfilm angesiedelt. Es handelt sich dabei um interessante zeitgeschichtliche Dokumente, in denen sich das Alltagsleben und die gesellschaftlichen Probleme in der DDR ebenso widerspiegeln wie die propagandistischen Interessen einer staatlich gelenkten Gesundheitspolitik. Produziert wurden sie vorrangig im Auftrag des Deutschen Hygiene-Museums oder des Ministeriums für Gesundheitswesen in den verschiedenen DEFA-Studios, aber auch von Produzenten wie Gottfried Stejskal oder durch den Deutschen Fernsehfunk. 

Der Filmbestand bietet ein großes Potential für zeitgeschichtliche und filmhistorische Untersuchungen. Sowohl für Wissenschaftler und Journalisten als auch für die interessierte Öffentlichkeit sind die Filme nun im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden und im Bundesarchiv-Filmarchiv in Berlin zugänglich. Alle Filme sind über die Objektdatenbank des Deutschen Hygiene-Museums online recherchierbar. Die Datensätze zu den Filmen umfassen neben den Grunddaten wie Filmtitel, Mitwirkende sowie Datierungen, Filmtechnik und Schlagwort auch ausführliche inhaltliche Beschreibungen sowie weiterführende kontextualisierende Zusatzinformationen. 

Kontakt
Deutsches Hygiene-Museum 
Lingnerplatz 1 
01069 Dresden
Tel.: 0351 / 4846 – 400 
Fax: 0351 / 4846 – 402 
service@dhmd.de

Bundesarchiv
Potsdamer Str. 1
56075 Koblenz
Tel.: 0261 / 505 – 0
Fax: 0261 / 505 – 226
koblenz@barch.bund.de

Quelle: idw, 20.5.2008

Fotografien von Andreas Feininger im Bremer Focke-Museum

Die Ausstellung "That\’s Photography" im Bremer Focke-Museum, die am 20. Juli 2008 um 11.30 Uhr eröffnet wird, beinhaltet rund 300 Schwarzweiß-Fotografien des Meisterfotografen und Architekten Andreas Feininger. Wie Museumsdirektorin Frauke von der Haar erläuterte, soll die Ausstellung mit Stadtansichten, Architektur- und Landschaftsaufnahmen, Naturstudien und Porträts sowie Reportageserien aus seiner Tätigkeit als LIFE-Bildjournalist einen umfassenden Einblick in das Gesamtwerk Feiningers geben. Der 1906 in Paris geborene Andreas Feininger gehört zu einer Künstlergeneration, welche die Fotografie als künstlerisches Medium für sich entdeckte und eine neue fotografische Sehweise entwickelte. Viele der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten sind heute „Klassiker“ und haben Fotografiegeschichte geschrieben. Darunter sind Feiningers weltberühmte Stadtansichten seiner Wahlheimat New York ebenso vertreten wie seine faszinierenden Naturaufnahmen von Insekten, Blumen, Muscheln, Holz und Steinen sowie seine Landschaftsstudien. 

"Ein Fotograf muss an seinem Motiv wahrhaft interessiert sein." Für Andreas Feininger, Bauhausschüler, ältester Sohn von Lyonel Feininger, war dies die wichtigste Voraussetzung für gute Fotos. Andreas Feininger (1906-1999) gehörte einer Generation an, die glaubte, man könne die Wirklichkeit mit Hilfe eines unbestechlichen Apparates objektiv darstellen. Stationen seines Lebens sind das Bauhaus in Weimar und Dessau, Hamburg, Paris, Stockholm und New York. Zum Kunsttischler ausgebildet, arbeitet er zunächst selbständig als Architekt, später bei Le Corbusier im Büro und macht sich im Lauf der Zeit einen Namen als Architekturfotograf. Über 20 Jahre gehört er zu den wichtigen Fotografen beim Life Magazin und schreibt Standardwerke zur fotografischen Komposition und Technik. Andreas Feiningers Fotos sind arrangiert und durchgeplant, seine Motive sorgfältig analysiert und zergliedert. Straßenschluchten, Skylines, große Bauwerke, die Hochbahn New Yorks – hielt er in atmosphärisch dichten Bildern fest und hat damit unser Bild von New York geprägt.

Auf über 800 qm Ausstellungsfläche gibt die Ausstellung im Focke-Museum, die in Kooperation mit dem Tübinger Andreas Feininger Archive entstand und noch bis zum 28. September 2008 zu besichtigen ist, einen umfangreichen Einblick in sein Werk. Das Andreas Feininger Archive bemüht sich, bei Recherchen, Fragen und Auskünften zum Thema Andreas Feininger, zu seinem fotografischen Werk, zu seinem Leben im Rahmen des Archivumfanges und der Quellenlage behilflich zu sein. Es sammelt alte Bücher und Ausstellungskataloge von und über Andreas Feininger, Artikel aus Zeitschriften und ist auch an sonstigen Materialien interessiert, die helfen, sein fotografisches Leben zu verdichten. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog von 320 Seiten in deutscher und englischer Sprache erschienen, der zum Preis von 24,00 Euro erworben werden kann. Am Dienstag, den 26. August 2008 hält außerdem Prof. Fritz Haase um 19 Uhr einen Vortrag über "Andreas Feininger – Eine späte Begegnung". Termine für öffentliche Führungen sind am Sonntag, 27. Juli 2008 um 11.30 Uhr, am Sonntag, 24. August um 11.30 Uhr, am Dienstag, 9. September um 19 Uhr, am Sonntag, 14., 21, und 28. September jeweils um 11.30 Uhr. 

Kontakt
Focke-Museum 
Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte 
Schwachhauser Heerstr. 240 
28213 Bremen 
Tel.: 0421 / 699 600 – 0
Fax: 0421 / 699 600 – 66 
post@focke-museum.de 

Andreas Feininger Archive
Buchsteiner Art Management GmbH 
Dr. Thomas Buchsteiner
Burgholzweg 151
72002 Tübingen 
Tel.: 07071 / 940 – 047
Fax: 07071 / 940 – 147
info@buchsteinerartmanagement.de
info@AndreasFeiningerArchive.com

Quelle: Pressemeldung Focke-Museum; Aktuelles Bauhaus-Archiv; Freie Presse, 17.7.2008; Ausstellungen Andreas Feininger Archive

Arbeitswelten in Oberbayern von 1830 bis in die Moderne

Die vom Bezirk Oberbayern als Wanderausstellung konzipierte Schau \“Hartes Brot – Gutes Leben? Arbeitswelten in Oberbayern von 1830 bis in die Moderne\“ ist vom 11. Juli bis zum 24. August 2008 im Stadtmuseum Neuötting zu besichtigen. Geöffnet ist die Ausstellung Dienstags bis Freitags von 10-12 Uhr und von 14-17 Uhr, Samstags und Sonntags von 14-17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Nicht nur an Ruhr und Saar entwickelten sich im 19. und 20. Jahrhundert Industriezweige, deren Schlote, Werkshallen und Stahlwerke noch heute sichtbar vom wirtschaftlichen Aufbruch künden. Auch in Oberbayern begann die Industrialisierung nicht erst in Zeiten von \“Laptop und Lederhose\“, sondern Schritt für Schritt im frühen 19. Jahrhundert. Bereits 1920 war mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in Bayern nicht mehr in der Landwirtschaft beschäftigt. Allerdings war die Arbeitswelt bis weit in die Nachkriegsjahre nach dem Zweiten Weltkrieg hinein vom Kontrast zwischen dem \“harten Brot\“ der Arbeiterschaft einerseits und dem \“guten Leben\“ der Unternehmer andererseits geprägt.

Auf 40 Ausstellungstafeln, einer Audiostation und einer interaktiven Computersäule werden die Arbeits- und Lebensbedingungen der neu entstehenden Arbeiterschaft genauso illustriert wie die komfortablen Verhältnisse der Fabrikanten und Industriellen. Mit den Errungenschaften des technischen Fortschritts und dem politischen Eintreten der Arbeiter für ihre Interessen rückte die Verwirklichung der Sehnsucht nach dem Wohlstand für alle in greifbare Nähe. Konzipiert wurde die Ausstellung von einer interfraktionellen Arbeitsgruppe rund um die Bezirksrätin Barbara Kuhn mit Unterstützung vieler Leihgeber und ehrenamtlicher Mitarbeiter in Kooperation mit dem Bayerischen Wirtschaftsarchiv und dem Archiv der Münchner Arbeiterbewegung.

Für Schulklassen wird zudem ein museumspädagogisches Rahmenprogramm angeboten. Nähere Auskünfte hierzu erteilt Heike Wienzl, Tel. 08671 / 88371-13. Die Schüler sollen durch das speziell entwickelte Projekt \“Die Wäscher und Wäscherinnen von Neuötting\“ an die Arbeitswelt herangeführt werden, wie sie vor hundert Jahren üblich war. Nach einer Führung durch die Ausstellung steht dann Wäsche waschen, schrubben und mangeln auf dem Programm. 

Kontakt
Stadtmuseum Neuötting
Ludwigstraße 12
84524 Neuötting
Tel.: 08671 / 8837 – 113
Fax: 08671 / 8837 – 120
museum@neuoetting.de 

Quelle: Veranstaltungen Stadt Neuötting; Chiemgau Online, 7.7.2008

Räumliche Planung in Theorie und Praxis

Aus Anlass des 80. Geburtstages von Prof. Dr. Joachim Bach findet vom 17. bis 18. Juli 2008 an der Bauhaus-Universität Weimar ein Kolloquium statt. Das Archiv der Moderne an der Bauhaus-Universität Weimar nimmt den 80. Geburtstag des Gründungsdekans zum Anlass, in einem ersten Schritt an die Vielseitigkeit der Ausbildung an der ehemaligen Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar zu erinnern und eine Plattform des Austausches anzubieten. In Anknüpfung an ihre Ausbildung in Weimar werden Absolventen aus verschiedenen Kontexten, in denen sie heute tätig sind, berichten. Die Themenvielfalt reicht dabei von theoretischen Betrachtungen zur Planungsgeschichte und Planungszukunft, über konkrete Sachberichte aus der aktuellen Regional- und Stadtplanung bis hin zu Betrachtungen von Bürgerprojekten im Stadtumbau. Die Tagung beginnt am 17. Juli 2008 um 14.30 Uhr im Hörsaal C, Marienstraße 13 C und endet am 18. Juli 2008 um 15.00 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Im Zuge der 3. Hochschulreform der DDR wurde im Oktober 1969 die Sektion Gebietsplanung und Städtebau gegründet, deren erster Leiter Joachim Bach war. Auf der Grundlage eines kooperativen Studiengangs wurden die Studierenden in den Fachrichtungen Städtebau, Regional-, Stadt- und Dorfplanung, Stadttechnik, Verkehrsplanung, Landschaftsplanung und Soziologie ausgebildet. Joachim Bach war von 1958 bis 1964 Baudirektor in Weimar, anschließend bis 1969 stellvertretender Chefarchitekt in Halle-Neustadt. In den Jahren 1969 bis 1992 hatte er den Lehrstuhl für Städtebau an der Vorgängereinrichtung der Bauhaus-Universität inne. Unter den Wirkungen des Gorbatschowschen „Neuen Denkens“ wagte Bach 1988 für die Städtebauwissenschaft einen Neuansatz, der starke Zweifel am damaligen Entwicklungsstand vortrug. Nach seiner Emeritierung zog es das Stadtplanerehepaar Joachim und Anita Bach an die Ostsee, wo sie in Prerow als freie Architekten tätig wurden. 

Kontakt:
Bauhaus-Universität Weimar
Archiv der Moderne: Universitätsarchiv und Sammlung für Architektur, Ingenieurbau, Kunst und Design
Dr. Christiane Wolf
Bauhausstraße 7b
99423 Weimar
Tel.: 03643 / 583120
archiv-moderne@uni-weimar.de
christiane.wolf@uni-weimar.de

Quelle: Pressemitteilung Bauhaus-Universität Weimar, 14.7.2008

Postkartenausstellung im Stift St. Florian

In den Archiven der oberösterreichischen Klöster gibt es nach wie vor viele wenig bekannte Schätze zu entdecken. Dazu gehört auch die umfangreiche Postkartensammlung aus dem Stift St. Florian, von der jetzt ein kleiner Teil in der Ausstellung \“Mit freundlichen Grüßen …\“ zu sehen ist, die am 19. Juli 2008 eröffnet wird. In Zusammenarbeit von Stift St. Florian, den Öberösterreichischen Landesmuseen und dem Oberösterreichischen Landesarchiv wird im Jubiläumsjahr \“90 Jahre Oberösterreich\“ eine spezielle Auswahl von 300 Postkarten in der Ausstellung im Stift St. Florian präsentiert. Die große Masse der Ortsansichten aber wird allen Interessierten digital im Internet bereit gestellt, da die Postkarten oft sehr wertvoll und auch empfindlich sind. Die sowohl reale als auch virtuelle Ausstellung lädt zu einem rund 100jährigen Zeitsprung in die Vergangenheit des oberösterreichischen Landes ein, vor allem in jene Zeit, als aus dem \“Kronland ob der Enns" das Bundesland Oberösterreich wurde. 

Den Grundstock für die Sammlung hatte im Jahre 1897 der Chorherr Josef Ackerl gelegt, als er begann, Ansichtskarten zu sammeln. Zunächst handelte es sich nur um Motive aus den umliegenden Pfarreien des Chorstiftes. Doch nach und nach kamen nicht nur Ansichtskarten aus ganz Oberösterreich hinzu, sondern auch solche aus allen Teilen der Welt. Denn an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war es etwa eine Art \“Hobby\“ der Chorherren des Stiftes St. Florian geworden, ihren Mitbrüdern Ansichtskarten aus allen Gegenden der Welt, vor allem aus den umliegenden Ländern, zu senden und diese Karten dann dem Archiv zu übergeben. So entstand eine Sammlung von ungefähr 130 000 historischen Ortsansichten, die mit etwa 20 000 Motiven allein aus Oberösterreich einen umfassenden Eindruck, nicht nur von Land und Leuten, sondern auch vom Publikumsgeschmack und den Reproduktionstechniken jener Zeit vermittelt. Das Stift St. Florian hat diese Sammlung nun wieder entdeckt, bearbeitet und damit für das Publikum erschlossen. Die Ausstellung kann bis zum 5. Oktober 2008 Samstags und sonntags von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr besichtigt werden. Von angemeldeten Gruppen kann die Ausstellung jederzeit nach Absprache besucht werden.

Kontakt
Augustiner Chorherrenstift St. Florian
Stiftsstraße 1
A-4490 St. Florian
Tel.: +43 7224 / 8902 – 0
Fax.: +43 7224 / 8902 – 23
info@stift-st-florian.at

Oberösterreichisches Landesarchiv
Anzengruberstraße 19
4020 Linz
Tel.: +43 732 / 7720 – 146 01
Fax: +43 732 / 7720 – 146 19
landesarchiv@ooe.gv.at

Quelle: Sonderausstellung Stift St. Florian; derStandard, 15.7.2008

Stadtarchiv Dresden erhält zwei wichtige Sammlungen

Der Amtsleiter des Dresdner Stadtarchivs, Thomas Kübler konnte heute gleich zwei „höchstbewertete\“ Archive in den Bestand seines Hauses übernehmen. Die Nichte des Kapellmeisters Ernst Schicketanz, Margarete Schicketanz, schenkte dem Stadtarchiv Dresden eine Sammlung von Unterlagen ihres Onkels, darunter die Orchesterpartitur und das Textbuch der Kinderkomödie „Max und Moritz\“, Fotos, Briefe und Plakate. Die Geschäftsführung des Zirkus Sarrasani übergab alte Programmhefte, Werbung, Akten der Verwaltung und das vollständig erhaltene Archiv der Geschäftsführung. 

Ernst Schicketanz wurde 1890 in Reichenberg/ Nordböhmen (heute: Liberec) geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Prager und Wiener Konservatorium. Nach Verpflichtungen als Kapellmeister in verschiedenen deutschen Städten kam er 1919 an das Residenz – und Centraltheater. Hier nahm er auch Gesangsunterricht. 1925 gehörte Schicketanz zu den Mitbegründern des „Dresdner Senders\“ (Rundfunk), dem er bis 1933 als ständiger Gast zur Verfügung stand. Ab 1927 war er als musikalischer Leiter mit der großen russischen Primaballerina Anna Pawlowa auf Tournee. Nach ihrem Tod 1931 kehrte Schicketanz nach Dresden zurück. Tatsächlich war Dresden der Ort in seinem wechselvollen Leben, an dem er sich die längste Zeit – nämlich 14 Jahre – aufhielt. Von Ernst Schicketanz stammt die Musik zu vielen Bühnenstücken u. a. die Operette „Die 1002. Nacht\“, das Ballett „Struwelpeter\“ und das Ballett „Schwan kleb an!\“ sowie „Max und Moritz\“ und „Hänsel und Gretel\“. Schicketanz starb 1966 in Parchim /Mecklenburg. Der Theaterwissenschaftler Dr. Hansjörg Schneider schrieb zahlreiche Publikationen über Schicketanz und regte die Übergabe der Sammlung bei der Familie an. Das Stadtarchiv erhält ca. 200 Originale, darunter sein Realschulzeugnis, Briefe, Fotos, die Orchesterpartituren seiner Operetten, Plakate, Zeichnungen sowie Tondokumente und Notizen. Der Bestand ist eine Bereicherung der Dresdner Stadtgeschichte und wird für historische Forschungen zur Verfügung gestellt.

Zirkus Sarrasani – fragt man einen Dresdner nach den bekanntesten Sehenswürdigkeiten, Personen oder Institutionen, diese Antwort ist fast immer dabei. Umso größer ist die Freude nun im Dresdner Stadtarchiv, hier einen großen Teil dieser Geschichte mit ca. acht laufenden Metern Unterlagen übernehmen zu können. Das gesamte Archiv des Zirkus Sarrasani ist erhalten. Von Briefen Hans Stosch-Sarrasanis an das Schulamt, über eine Sammlung von Programmheften bis zu Plakaten und Zeitungsartikeln des Zirkus ist alles dabei. Das Dresdner Stadtarchiv wird die Archivalien registrieren, teilweise restaurieren und anschließend der öffentlichen Nutzung zur Verfügung stellen. Das Unternehmen Zirkus Sarrasani gründete Hans Stosch, der ursprünglich als Dressurclown „Sarrasani\“ auftrat. 1901 baute er in Radebeul den eigenen Zirkus auf, mit dem er sich im März 1902 in einem 3 600 Personen fassenden Zelt in Meißen vorstellte. Dieser Zirkus entwickelte sich zur größten und berühmtesten Wanderschau Europas. 1910 erwarb Stosch ein Gelände am Carolaplatz, um hier den modernsten Zirkusbau Europas zu errichten. Besonders berühmt wurde Stosch mit Schauen großer Gruppen von Menschen und Tieren. Der nach dem Tode des Gründers von Hans Stosch jun. (1897 bis 1941) und später von dessen Ehefrau Trude geleitete Zirkus spielte noch am 13. Februar 1945, bis der Bombenhagel seine Dresdner Existenz auslöschte. In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Gebäudereste abgebrochen. Ehemalige Mitarbeiter agierten 1946/48 im Zirkus Aeros auf dem Alaunplatz, der aus dem restlichen Sarrasani-Material bestand. Seit Juni 1990 ist Zirkus Sarrasani zurück in Dresden. 

Kontakt
Stadtarchiv Dresden
Elisabeth-Boer-Straße 1 
01099 Dresden 
Tel.: 0351 / 488 – 1515 
Fax: 0351 / 488 – 1503 
stadtarchiv@dresden.de

Quelle: Pressemitteilung Stadt Dresden, 14.7.2008

Ausstellung zum Weltjugendtag 2005 im Stadtarchiv Frechen

Mit der Ausstellung „Der Weltjugendtag in Frechen und auf dem Marienfeld“, die am 13. Juli 2008 eröffnet wurde, dokumentiert die Stadt Frechen die Ereignisse des Weltjugendtages 2005 in Köln, dessen Abschlussmesse Papst Benedikt XVI. am 21. August 2005 auf dem zum Stadtgebiet gehörenden Marienfeld feierte. Außer dem Papst versammelten sich dort mehr als eine Million Pilger, 10 000 Priester, 800 Bischöfe sowie 40 Kardinäle. Das Gelände des heutigen Marienfeldes diente von 1952 bis 1986 dem Braunkohletagebau. Mehrere komplette Dörfer mussten während dieser Zeit umgesiedelt werden. Heute ist das ehemalige Abbaufeld wieder vollständig verfüllt und landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Seinen Namen erhielt das Marienfeld nach einer 1420 aus französischem Kalkstein geschaffenen Marienstatue. Sie ließ ein 1150 von Zisterzienserinnen gegründetes und später von Zisterziensern übernommenes Kloster zu einem berühmten Wallfahrtsort werden. Nach mehreren durch den Braunkohletagebau bedingten Umzügen steht die Statue der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß heute in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Frechen. 

 In über einjähriger Vorbereitungszeit hat das Stadtarchiv Frechen mit tatkräftiger Unterstützung vieler Ehrenamtlicher und zahlreicher Frechener Bürger umfangreiches Material gesammelt und aufbereitet. Stadtarchivar Hans Richartz, der die Idee zur Ausstellung hatte, betonte aber, dass die Umsetzung ohne die tatkräftige Mitarbeit vieler Ehrenamtlicher kaum zu schaffen gewesen wäre. In der Ausstellung werden neben 300 ausgewählten Fotos auch persönliche Erinnerungsstücke von Teilnehmern, Briefe, Fahnen und zahlreiche Zeitungsartikel präsentiert. Ergänzend zur Ausstellung gibt das Stadtarchiv Frechen auch ein umfangreiches Buch mit Erlebnisschilderungen und Bilddokumentationen sowie eine Doppel – DVD mit teilweise bisher unveröffentlichtem Filmmaterial und mit Interviews von Teilnehmern heraus. Auf Einladung von Bürgermeister Hans-Willi Meier hat Erzbischof Joachim Kardinal Meisner bereits zugesagt, die Ausstellung zu besuchen, wenn er vom diesjährigen Weltjugendtag in Sydney zurückgekehrt ist. Die Ausstellung ist noch bis zum 28. September 2008 montags bis donnerstags von 10 bis 19 Uhr, freitags von 10 bis 13 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Kontakt
Stadtarchiv Frechen
Johann-Schmitz-Platz 1-3
50226 Frechen
Tel.:: 02234 / 501 – 238
Fax: 02234 / 501 – 219
hans.richartz@stadt-frechen.de

Quelle: Veranstaltungen Stadt Frechen; Pressemitteilung Weltjugendtag, 20.8.2005; Uta Böker, Kölner Stadtanzeiger, 11.7.2008; Sonntags-Post, 11.7.2008

Gütersloh und Soest im 19. Jahrhundert

Seit rund zehn Jahren beschäftigt sich Dr. Heike Vieregge mit der Geschichte und Verwaltungsgeschichte von Gütersloh. Sie wirft in ihrem Buch einen Blick auf die Entwicklung kleinerer Städte. Da die Forschung häufig nur die Großstädte betrachtet, wollte sie herausfinden, ob Kleinstädte tatsächlich so rückständig seien, wie immer behauptet würde. Sie stellte fest, dass Kleinstädte keineswegs in jeder Hinsicht rückständig waren. Dies zeigt die Untersuchung der Städte Gütersloh und Soest, die Dr. Heike Vieregge jetzt in ihrer Doktorarbeit mit dem Titel „Gütersloh und Soest im 19. Jahrhundert – Vom lokalen Engagement der Bürger zur kommunalen Leistungsverwaltung“, vorgelegt hat. 

Ausgehend von einem auf die Großstädte zugeschnittenen Idealtypus beleuchtet sie die Entstehung der sozialen Daseinsvorsorge mit Sparkasse, Pfandleihanstalt, Krankenhaus und sozialem Wohnungsbau und der technischen Daseinsvorsorge mit Gaswerk, Elektrizitätswerk, Wasserwerk, Kanalisation und Schlachthof sowie die Entwicklungen des Stadtraums und der Stadtplanung. Dabei konnte die Verwaltung in eigener Regie tätig werden oder auf privates oder kirchliches Engagement zurückgreifen. Zudem konnte sie defensiv agieren, d.h. auf Notlagen oder Missstände reagieren, jedoch ebenso offensiv und vorausschauend handeln. Zu berücksichtigen ist jedoch auch die Einbindung der Städte in die preußische Verwaltungshierarchie. So konnten die Städte auf der einen Seite ins Visier der staatlichen Behörden geraten und den staatlichen Druck zu spüren bekommen. Auf der anderen Seite eröffnete sich den städtischen Verwaltungen die Möglichkeit, Unterstützung für ihre Interessen durch staatliche Instanzen zu erhalten. In dieser Hinsicht gerät vor allem die Person des Landrats in den Blick, der als Scharnier zwischen städtischen und staatlichen Behörden fungierte. 

Im Zuge ihrer Arbeit recherchierte Dr. Heike Vieregge auch einen Großteil ihrer Fakten im Kreisarchiv Gütersloh in Rheda-Wiedenbrück. Deshalb hob auch Kreisarchivar Dr. Günter Brüning :hervor, dass noch nie über eine Kommune des Kreises so viel zusammengetragen worden sei. Landrat Sven-Georg Adenauer verwies bei der Buchpräsentation im Kreisarchiv Gütersloh auf den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts. Zurzeit versuche man eher das Rad zurückzudrehen: Dr. Heike Vieregge habe sich mit einer Zeit beschäftigt, in der die Kommunen immer mehr Aufgaben wahrnehmen, heute sei die Tendenz genau umgekehrt. 

Info
Heike Vieregge: Gütersloh und Soest im 19. Jahrhundert – Vom lokalen Engagement der Bürger zur kommunalen Leistungsverwaltung. Veröffentlichungen aus dem Kreisarchiv Gütersloh 11. Verlag für Regionalgeschichte. Bielefeld 2008. ISBN 978-3-89534-731-3. 416 Seiten. 24,00 €. 

Kontakt
Kreisarchiv Gütersloh 
Haus des Bauern
Bielefelder Straße 47 
33378 Rheda-Wiedenbrück
Tel.: 05241 / 85 – 2003 
Fax: 05241 / 85 – 2000
Guenter.Bruening@gt-net.de 

Quelle: Pressemeldung Kreis Gütersloh, 10.7.2008

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