Neuer Professor für Thüringische Landesgeschichte an der Uni Jena

Wenn nicht in seinem Büro, dann ist Prof. Dr. Uwe Schirmer sicher im Archiv zu finden. Seit fast 20 Jahren geht er in den Archiven Mitteldeutschlands ein und aus. Er kennt die Bestände und ahnt, welche Schätze an Akten und Urkunden dort heute noch unentdeckt schlummern. Der neue Professor für Thüringische Landesgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena erwartet auch von seinen Studenten eine Aufgeschlossenheit gegenüber Archivarbeit. „Mir ist es wichtig, dass sie in die Archive gehen und mit unbekannten Quellen arbeiten“, so der ehemalige Leiter des Leipziger Universitätsarchivs

„Bekanntes abschreiben, das kann jeder.“ Der 47-Jährige stürzt sich viel lieber auf Unbekanntes. So hat er sich für seine Habilitation (2003) durch Unmengen alter Akten gearbeitet, um Licht ins Dunkel der kursächsischen Staatsfinanzen zwischen 1456 und 1656 zu bringen. Acht Jahre hat er gebraucht, die Fülle an Daten zu sichten und einzuordnen. Fündig wurde der im sächsischen Grimma geborene Historiker vor allem im Weimarer Staatsarchiv. Die dortigen Bestände hatte er nach dem Diplomlehrerstudium in Leipzig schon für seine Promotion (1994) genutzt, um die Geschichte des Amtes Grimma von 1485 bis 1548 näher zu untersuchen. „Eine Mischung aus Verfassungs-, Sozial-, Wirtschafts- und Alltagsgeschichte“ war es, mit der sich Uwe Schirmer damals beschäftigt hat. „Im Endeffekt ging es um die Frage, wie sich eine Gesellschaft in einem relativ engen geografischen Raum innerhalb von rund 70 Jahren verändert“, fasst der Tierliebhaber den Inhalt der Arbeit zusammen, für die er von der TU Dresden ausgezeichnet wurde. 

Unbestrittener Forschungsschwerpunkt von Uwe Schirmer ist die Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des mitteldeutschen Raumes vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit. Seine Expertise auf diesem Gebiet will er auch in die Jenaer Forschung im Rahmen der „Lutherdekade 2017“ einbringen. Wie die Reformation in den ländlichen Gebieten abgelaufen ist, interessiert ihn dabei besonders. „Immerhin lebte damals der größte Teil der Bevölkerung auf dem Land und konnte meist weder lesen noch schreiben. Waren diese Leute passiv oder eher aktiv am Reformationsprozess beteiligt“, fragt sich Schirmer, der in seiner Freizeit ehrenamtlich als Domdechant des Domkapitels Meißen tätig ist. 

Ein Atlas zur Geschichte und Landeskunde, ein historisches Ortsverzeichnis, ein Ortsnamenbuch – Schirmers Vorhaben für sein Wirken in Thüringen prophezeien intensive interdisziplinäre Arbeit. Viel Zeit für den großen Bauernhof, auf dem er aufgewachsen ist, bleibt dem gelernten Landwirt da nicht. Die Arbeit sei es jedoch wert, „denn die Stelle in Jena ist für ihn wie ein Sechser im Lotto“, so Prof. Dr. Uwe Schirmer, der eigentlich Landwirtschaft studieren wollte. Schließlich gebe es in ganz Mitteldeutschland nur noch insgesamt drei Professuren für Landesgeschichte an Universitäten. 

Kontakt:
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Prof. Dr. Uwe Schirmer
Fürstengraben 13
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944420
uwe.schirmer@uni-jena.de

Quelle: Aktuelles Friedrich-Schiller-Universität Jena, 23.4.2009

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