Nach zweijähriger Renovierung wurde das Bistumsarchiv Münster, eines der größten seiner Art in Deutschland, am 8. September 2010 wiedereröffnet. Das Archiv mit seinen wertvollen Beständen und Nachlässen, die bis 1190 zurückreichen, habe für das Bistum auch im Hinblick auf gegenwärtige Herausforderungen enorme Bedeutung, sagte Ulrich Hörsting. Der Leiter der Hauptabteilung Verwaltung im Bischöflichen Generalvikariat dachte dabei nicht nur an die umfangreiche Sammlung von Urkunden und Schriften des Generalvikariats, der Klöster und Schulen. Auch die zahllosen hier lagernden historischen Zeugnisse aus den Pfarreien hätten Anteil daran, dass man von einer unverzichtbaren Institution reden könne. "Hier wird der Gesellschaft ein großer Dienst erwiesen", betonte Hörsting.
Thomas Scharf-Wrede, stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz der kirchlichen Archive Deutschlands, verwies auf die notwendige Kontinuität, für die ein gut geführtes Archiv Sorge trage. Er gratulierte dem Bistum zu dem weitreichend modernisierten Bau und fügte mit Blick auf die Vertreter der Bistumsleitung hinzu: "Sie haben damit ein Instrument für eine aufgeklärte Pastoral geschaffen."
Abb.: Neuer Flyer und neue Ausstattung im Lesesaal des Bistumsarchivs Münster
Den bisweilen unterschätzten pastoralen Nutzen des Bistumsarchivs führte auch Bischof Genn anlässlich der Wiedereröffnung des Archivs aus. Wenngleich er es bedauere, kaum Zeit zum Besuch und zum Studium in einem Archiv zu finden, seien diese Räume doch auch für ihn unentbehrlich. Die Aufgabe eines Archivs sei eng mit der eines Bischofs verknüpft, wenn es darum gehe, in einer facettenreichen Gegenwart Orientierungen zu schaffen. Nach seinem Grußwort segnete der Bischof die Räume und die neue Orgel der bischöflichen Kirchenmusikschule im selben Gebäude. An der zweiregistrigen Übungsorgel können sich künftig junge Kirchenmusiker auf ihre C-Prüfung vorbereiten.
Auch Archivdirektor Ulrich Helbach aus dem Erzbistum Köln legte in seinem Festvortrag den Schwerpunkt auf die pastorale Funktion kirchlicher Archive. Diese sei zuletzt 1997 in einem Schreiben der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter unterstrichen worden. "Die Kirche begreift sich – anders als staatliche Institutionen – maßgeblich durch den direkten Bezug auf ihre eigene Vergangenheit. Das gilt auch für den Bischof von Münster, der sich ganz bewusst als Nachfolger jener Bischöfe sieht, deren Wirken bis weit in die Geschichte zurückreicht", sagte Helbach.
Das Bistumsarchiv Münster steht nicht nur Wissenschaftlern, sondern auch Privatpersonen offen, die hier Ahnenforschung betreiben möchten. Im renovierten Lesesaal stehen 20 Nutzerplätze mit Computern zur Verfügung. Geöffnet ist das Bistumsarchiv montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr sowie montags und mittwochs von 13.30 bis 17 Uhr. Wegen der beschränkten Zahl der Plätze wird eine Reservierung empfohlen.
Kontakt:
Bistumsarchiv Münster
Georgskommende 19
48143 Münster
Telefon: 0251/495-518
Telefax: 0251/495-491
bistumsarchiv@bistum-muenster.de
Quelle: Tim Schlotmann, Bistum Münster, kirchensite.de, 9.9.2010; Martin Kalitschke, Ahlener Zeitung, 9.9.2010
