Wittens Stadtgedächtnis zieht um

Im Keller des Saalbaus in Witten wurde in dieser Woche kräftig zugepackt: Mehr als 20.000 Akten, großformatige Archivalien und einzelne Sammlungen mussten aus mehreren Magazinräumen in einen neuen Archivraum umgelagert werden – genau genommen in die Rollregalanlage, die 1975 für das damalige Stadtarchiv Witten installierte wurde. „In den nächsten Monaten sollen auf diese Weise die zahlreichen Magazinstandorte des Stadtarchivs auf einige wenige archivgerechtere Räumlichkeiten konzentriert werden“, erklärt Stadtarchiv-Leiterin Dr. Martina Kliner-Fruck. Mit dem Umzug in das Endarchiv ist aktuell die erste Phase geschafft. Im neuen Archivraum lagert nun ein Großteil der archivwürdigen und elektronisch verzeichneten Unterlagen der Stadtverwaltung sowie Nachlässe und Schenkungen, die die stadtgeschichtliche Überlieferung ergänzen.

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Max Bäcker, der „Herr der Akten“ und langjähriger Mitarbeiter des Stadtarchivs, ist zufrieden, dass zehn Magazinstandorte auf momentan sechs zusammengezogen werden konnten. „Dies erleichtert meine Arbeit etwas bei der Aushebung der Unterlagen für unsere Nutzer.“ Für die Diplomarchivarin Ana Muro war es der erste Archiv(teil)umzug in ihrem Berufsleben: „Die mehrmonatigen Vorbereitungsarbeiten, die neben den laufenden Tagesgeschäften erledigt werden mussten, haben sich gelohnt. Ich konnte eine übersichtliche Bestandsordnung entwickeln und die Rollregalanlage ist – wenn auch 35 Jahre alt – archivgerechter als unsere früheren Standregale.“

Techniker des Saalbaus, Mitarbeiter des Museums und der Bücherei unterstützten die Transportarbeiten tageweise, während mehrere Aushilfskräfte des Kulturforums eine Woche lang täglich Archivkartons gestemmt haben. „Die Arbeit war aufwändig, anstrengend und hat bestimmt viel logistische Planung des Stadtarchivs erfordert. Alles sah am Anfang weniger aus als es dann wirklich war. Aber ich finde es wichtig, die Unterlagen zu erhalten, die noch gebraucht werden – und die Rollregalanlage ist zwar alt, aber echt Kult. So etwas habe ich bisher nur im Fernsehen gesehen“, berichtet der 19-jährige Schüler Florian Winkler. Mit von der Partie war auch Joschka Möller (20): „Das Stadtarchiv finde ich wichtig, weil man dort das Geschehen der Vergangenheit durch Einsicht in die Originale immer wieder aktuell abrufen kann.“ Die 19-jährige Anja Sieling, die derzeit ein Soziales Jahr im Kulturforum absolviert und der Archivleitung bei der Aussonderung von Archivgut zur Seite stand, erzählt: „Für mich war es sehr interessant, solche alten Akten zu sehen. Es ist spannend zu erfahren, was aufbewahrt werden muss und warum. Erstaunlich ist auch zu lesen, welche Kulturvereine es früher in Witten gegeben hat und welche heute noch existieren.“ Die Jahrespraktikantin konnte auch erste Ordnungsarbeiten in den Regalen der Kulturverwaltung begleiten: „Vielleicht kann mein neues Wissen helfen, die laufende Registratur des Kulturforums zugriffsschnell zu ordnen, ansonsten frage ich beim Stadtarchiv nach“, so Anja Sieling.

Dr. Martina Kliner-Fruck blickt bereits in die nächste Arbeitsphase: „Nachdem die Teams im Saalbau ihre Unterlagen umgezogen haben, können wir weitere Magazinräume aufgeben und endlich Vorarchivunterlagen bearbeiten.“ Das bedeutet: aussondern, magazintechnisch bearbeiten, elektronisch verzeichnen. Denn es lagern dort noch Quellen aus dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit des Wiederaufbaus Wittens, die für Forschung und amtliche Nachweise zugänglich gemacht werden müssen. „Mit unseren beiden größeren Standorten (Saalbau/Aktenmagazin und Vorarchiv), mit dem Dienstgebäude Ruhrstraße 69, mit Archivgut, das regelmäßig benötigt und in unseren Leseräumen eingesehen werden kann, und mit zwei Magazinen, die noch überführt werden müssen, werden wir – wenn auch nicht optimal – unsere Aufgabe schaffen“, ist sich Kliner-Fruck sicher. Und die Institutsleiterin sieht noch weitere Vorteile an der neuen Lösung: „Nach 15 Jahren können wir endlich wieder Schulklassen durch ein ‚echtes’ Magazin führen, was Erlebniswert hat. Dann im Theatersaal selbst auf der Bühne zu stehen und in ein Mikrofon über Stadtgeschichte & Co. zu sprechen wäre nicht nur eine spannende Lernerfahrung für Jugendliche, sondern gleichzeitig eine gute Werbung für das Veranstaltungszentrum des Kulturforums. Anmeldungen liegen uns schon vor.“

Kontakt:
Stadtarchiv Witten
Ruhrstraße 69
58452 Witten
Telefon: 02302-581-2415
Telefax: 02302-581-2497
stadtarchiv@stadt-witten.de

Quelle: Stadt Witten, News, 15.10.2010; Claudia Scholz, WAZ, 18.10.2010; Bild: Das Umzugsteam mit den studentischen Hilfskräften, v. vorne nach hinten: Ana Muro (Archivarin); Anja Sieling (19); Max Bäcker (Magaziner); Joschka Möller (20), Martina Kliner-Fruck (Leiterin Stadtarchiv) und Florian Winkler (19) (Fotos: Jörg Fruck)

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