Wien, Venedig und der Hund von Venzone

Schon um 1200 lassen sich Handelsbeziehungen zwischen Wien und Venedig belegen, wo sie im "Kaufhaus der Deutschen", dem Fondaco dei Tedeschi, über eigene Niederlassungen verfügten. Unter den deutschsprachigen Händlern nahmen die Wiener eine führende Rolle ein. Umso wichtiger war die Absicherung der Route durch die vier großen Herrschaftsgebilde, nämlich Österreich, die Steiermark, Kärnten und schließlich das Patriarchat von Aquileia. Zwischenfälle auf der Strecke gab es immer wieder. Besonders dreist scheinen die Wiener Kaufleute in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts von den Bewohnern von Venzone (Peuschelsdorf) am Tagliamento-Übergang gestört worden zu sein. An der mautpflichtigen Brücke, die im Siegelbild des Ortes von einem gestrengen Hund bewacht wurde, dürften die Wiener über Gebühr behindert worden sein – sogar Arrestierungen wurden vorgenommen. Schließlich schritten die Gemeinde Wien und der österreichische Herzog gemeinsam ein. Es kam zur Streitbeilegung unter Androhung sehr hoher Strafen.

Am 13. Oktober 1343 wurde in Venzone (Peuschelsdorf), das in der Region Friaul-Julisch Venetien am Eingang zum Kanaltal liegt, eine bemerkenswerte Urkunde ausgestellt. Bürgermeister und Rat des Ortes verpflichteten sich gegenüber dem Bürgermeister, dem Rat und der Gemeinde von Wien, künftig keine Wiener Kaufleute mehr zu belästigen. Sollte es dennoch zu Übergriffen kommen, müssten 100 Mark in Silber als Buße gezahlt werden.

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv zeigt die Urkunde zur Streitbeilegung mit Venedig. Das Wiener Stadt- und Landesarchiv ist Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9.00 bis 15.30 Uhr und Donnerstag von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet.

Mehr Informationen:
www.wien.gv.at/kultur/archiv/geschichte/zeugnisse/venzone.html

Kontakt:
Magistratsabteilung 8
Wiener Stadt- und Landesarchiv
Telefon: 01 4000-84832
hristoph.sonnlechner@wien.gv.at
www.archiv.wien.at

Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv, Pressemitteilung, 24.1.2011

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