Stasi-Unterlagen und Bundesarchiv

Der Journalist und ehemalige Bürgerrechtler Roland Jahn wird neuer Stasiunterlagen-Beauftragter: Der Bundestag wählte den 57-Jährigen zum Nachfolger von Behördenleiterin Marianne Birthler. In Jahn hat die Stasiunterlagen-Behörde möglicherweise ihren letzten Leiter gefunden. Mittelfristig könnte der MfS-Aktenbestandes in das Bundesarchiv überführt werden.

Klaus Schroeder, Wissenschaftlicher Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin, begrüßte die Entscheidung der Wahl von Roland Jahn und äußerte sich dazu im Deutschlandfunk (DLF):

DLF: 20 Jahre nach der deutschen Einheit, brauchen wir eigentlich die Stasi-Unterlagenbehörde wirklich noch?
Schroeder: Das kann man sagen, man kann es aber auch abstreiten. Was wir aber auf jeden Fall brauchen, ist der Zugang zu den Akten der Stasi. Die wären vielleicht aus meiner Sicht im Bundesarchiv besser aufbewahrt, weil sie dort professioneller bearbeitet werden können und einsehbarer sind auch für viele Wissenschaftler. Aber da die Bundesregierung sich entschieden hat, die Behörde weiterzuführen, denke ich, muss sie jetzt professioneller arbeiten, muss die Schwächen, die sie ohne Frage noch hat, ausbügeln, und da hat Jahn eine Menge Arbeit vor sich. Denn wir dürfen nicht vergessen, es ist ein riesiger bürokratischer Apparat mit fast 2000 Beschäftigten. Also da wird Jahn sehr viel Arbeit haben, weil er keine Verwaltungserfahrung hat, und so eine Behörde zu leiten, ist mehr als nur sozusagen sie repräsentativ zu vertreten.

DLF: Das Weiterbestehen dieser Behörde ist aus Ihrer Sicht eine politische Entscheidung und keine wissenschaftlich begründbare?
Schroeder: Nein, es ist eine politische Entscheidung gewesen. Viele Wissenschaftler – ich gehöre dazu – haben dafür plädiert, zumindest die Akten, das Archiv sozusagen ins Bundesarchiv zu überführen und die anderen Aufgaben der Behörde zu überprüfen, Ausstellungen, Weiterbildung und so weiter, ob das professionell betrieben wird, ob es eine Wirkung auch hat. Das ist bisher noch nicht evaluiert, also untersucht worden, welche Wirkungen das hat. Aber es gibt überhaupt keinen Zweifel: Die Akten müssen weiter offen bleiben, der Zugang muss gesichert sein, ob in der Behörde, oder im Bundesarchiv. Die Bundesregierung hat entschieden, die Behörde bleibt erst mal noch bestehen die nächsten Jahre, und so ist es eben.

Quelle: Deutschlandfunk, 28.1.2011: "Eine untadelige Persönlichkeit, ein unbeugsamer Demokrat". SED-Forscher Klaus Schroeder hält Roland Jahn für geeigneten Stasiunterlagen-Chef. Klaus Schroeder im Gespräch mit Gerd Breker.

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