Historische Matrikelbände und Lehrtafeln der Universität Halle restauriert

Unterschriften von Georg Friedrich Händel oder Kurt Schumacher: Jeder Matrikelband der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) ist ein Unikat. Zehntausende Studenten schrieben sich seit 1694 in die 76 Bände der halleschen Universität oftmals eigenhändig ein. Einmalig in Deutschland ist auch die Sammlung historischer Lehrtafeln. Die MLU besitzt über 1.600 Stück aus den Naturwissenschaften, darunter zahlreiche handgezeichnete Einzelstücke. Mit Unterstützung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) konnten diese wertvollen Überlieferungen restauriert werden. Damit sind sie auch wieder für Forschung und Lehre zugänglich.

Die 70 Matrikel- und sechs zugehörigen Registerbände sind das Gedächtnis der Universität. Sie gehören zu den am häufigsten genutzten Beständen des Universitätsarchivs Halle-Wittenberg. Jeder Band ist ein Unikat, der hunderte, zum Teil auch tausende Einträge aufweist und wertvolle Aussagen über einzelne Studenten, aber auch über die Entwicklung und Attraktivität der Hochschule oder einzelner Fächer zulässt. Die Einträge wurden von den Studenten meist eigenhändig verfasst. Darunter befinden sich die Handschriften von Persönlichkeiten wie Georg Friedrich Händel, Carl Gotthard Langhans, Anton Wilhelm Amo, Johann Joachim Winckelmann, Clemens Brentano, Friedrich August Conrad Mühlenberg oder Kurt Schumacher. Über die Jahrhunderte hinweg hatten die Matrikelbände Schaden genommen, unter anderem auch durch intensive Nutzung und nicht immer ideale Lagerbedingungen. Zusätzlich waren sie verschmutzt. Mit der Unterstützung durch die KEK konnten alle Bände gereinigt, zum Teil neu gebunden und gefestigt werden. Anschließend wurden sie in speziellen Schutzumschlägen neu verpackt, so dass sie stehend und damit platzsparend gelagert werden können. „Die zentrale Überlieferung zu allen Studierenden Halles, ein äußerst bedeutender Fundus zur Universitätsgeschichte konnte so bewahrt werden“, sagt Dr. Michael Ruprecht, Leiter des Universitätsarchivs.

Auch die deutschlandweit nahezu einmalige Sammlung an Lehrtafeln aus den Naturwissenschaften aus den Jahren 1875 bis 1970 kann nun wieder genutzt werden. Jahrzehntelang beachtete man sie kaum, da sie im Hörsaal zur Ausbildung von Studierenden der Naturwissenschaften – seitdem digitale Medien verwendet werden – nicht mehr gebraucht wurden. „Wir holen die über 1.600 im Projekt berücksichtigten Lehrtafeln nun in die Lehre zurück“, sagt Dr. Frank Steinheimer, Leiter des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen. „Benutzt werden können sie nun etwa durch Kulturwissenschaftler, die die Tafeln museologisch und kulturhistorisch bewerten.“ Rund 60 Prozent der Tafeln sind handgezeichnete Unikate, die für bestimmte Professuren angefertigt wurden – auch das hat in diesem Umfang Seltenheitswert an deutschen Universitäten. Mit der Unterstützung der KEK konnten nicht nur wichtige Tafeln restauriert und erhalten werden. Der gesamte Bestand wurde auch digitalisiert und soll in Zukunft über das neue Web-Portal für Lehrtafeln am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik in Berlin frei zugänglich gemacht werden.

„Vorsorge im Großformat“ – so lautete das diesjährige Motto der Modellprojektförderung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK). Finanziert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Kulturstiftung der Länder konnten Projekte Unterstützung erhalten, die innovativ, modellhaft und öffentlichkeitswirksam zum Erhalt des schriftlichen Kulturerbes beitragen. Die MLU erhielt für die Projekte aus dem Archiv und dem Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen eine Förderung.

Ansprechpartner:
Dr. Frank D. Steinheimer
Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen (ZNS)
Tel.: 0345 55 21437
frank.steinheimer@zns.uni-halle.de
www.naturkundemuseum.uni-halle.de

Dr. Michael Ruprecht
Leiter des Universitätsarchivs
Telefon: 0345 120 11 66
archiv@uni-halle.de
www.archiv.uni-halle.de 

Quelle: Manuela Bank-Zillmann Pressestelle, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Pressemitteilung, 28.11.2013

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