Die Michelsburg bei St. Lorenzen

Archivale des Monats Mai 2020 im Südtiroler Landesarchiv.

Die Michelsburg, eigentlich St. Michaelsburg, wurde im späten 12. Jahrhundert als Lehen der Bischöfe von Brixen vermutlich von den Grafen von Andechs errichtet. Nach deren Entmachtung fiel sie um 1210 an die Grafen von Tirol und anschließend an die Görz-Tiroler. Seit dem 13. Jahrhundert war die Burg auch Sitz des gleichnamigen Gerichts, das zunächst an Dienstleute (Ministerialen) ausgegeben wurde, ab dem 14. Jahrhundert wurden eigene Pfleger mit der Verwaltung von Burg und Gericht betraut, die ihrerseits Richter einsetzten oder selbst als Burghauptmann und Richter fungierten.

Die Michelsburg, 1941 (Bildarchiv Mario und Benjamin Geat, Nr. 1008, Südtiroler Landesarchiv)

Im Jahr 1500 fiel das Görzer Erbe im Erbweg an die Habsburger und wurde territorial mit der Grafschaft Tirol vereinigt. Wenige Jahre später verpfändete Maximilian I. jedoch die Burgen Michelsburg, Schöneck, Uttenheim und Heinfels für 24.000 Gulden an den Bischof von Brixen. Doch blieb es nicht dabei: Die Burg und das Landgericht Michelsburg, das seinen Sitz zu dem Zeitpunkt jedoch bereits in einem eigenen Gerichtsgebäude in St. Lorenzen hatte, durchlebten im 16. und 17. Jahrhundert zahlreiche Besitzerwechsel; zeitweise wurde die Burg wieder vom Landesfürsten übernommen, an verschiedene Adelsfamilien zu Lehen ausgegeben, einige Zeit auch vom Damenstift in Hall genutzt, fiel dann wieder an das Hochstift Brixen und wurde schließlich wiederum vom Tiroler Landesfürsten übernommen. 1678 wurden Burg und Gericht an die Freiherren von Künigl verpfändet, 1810 wurden die Gerichte Michelsburg, Schöneck, Bruneck und Sonnenburg unter bayerischer Herrschaft zum Landgericht Bruneck vereinigt. Wieder unter österreichischer Herrschaft wurden die Rechte der Grafen Künigl 1827 endgültig abgelöst, das Gericht ging in die staatliche Verwaltung über und wurde endgültig in das Landgericht Bruneck einverleibt, während die im Wesentlichen funktionslose Burg ins Eigentum der Künigl überging, die sie schließlich 1969 verkauften.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Michelsburg, hier in einer Aufnahme von Mario Geat aus dem Jahr 1941, bereits stark von Verfall gekennzeichnet, Teile der Burg waren eingestürzt. Erst in den 1960er Jahren wurden erste Sicherungsmaßnahmen eingeleitet, in den 1990er Jahren folgten durch den aktuellen Eigentümer umfangreiche Sanierungsmaßnahmen, die der Burg ihr altes, beeindruckendes Gepräge wiedergegeben haben.

Quelle: Südtiroler Landesarchiv, Archivale des Monats, 6.5.2020

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