Digitales Kreisarchiv Calw verfügt jetzt über 270.000 Dateien

Stöbern in 122 weiteren alten Zeitungsjahrgängen möglich

Im Sommer 2018 ist das „digitale Kreisarchiv“ des Landkreises Calw online gestellt worden (siehe Bericht vom 29.8.2019). Seit kurzem sind im digitalen Calwer Kreisarchiv sage und schreibe 150.000 weitere Dateien zugänglich. „Damit stehen nunmehr rund 270.000 Digitalisate zur Verfügung“, erklärt Kreisarchivar Martin Frieß mit berechtigtem Stolz. Für alle an der Heimatgeschichte Interessierten oder sonst nach alten Zusammenhängen Suchenden ist das eine riesige Hilfe beim Recherchieren. Neu hinzugekommen sind Seite für Seite 122 Zeitungsjahrgänge des „Gesellschafters“. Dieser spiegelt auch die Entwicklung des Zeitungswesens. Vom einmal wöchentlich herausgegebenen Intelligenzblatt für mehrere Oberämter in der Art eines Amtsblatts mit etwas Unterhaltung erfolgte der Wandel bis zur sechs Mal wöchentlich erscheinenden Tageszeitung mit Berichten aus dem Kreisgebiet und aus aller Welt.

Wie beim schon länger bereitgestellten, anfangs „Wöchentliche Nachrichten für die Oberamtsbezirke Calw und Neuenbürg“ genannten Vorgänger der Kreisnachrichten und des Schwarzwälder Boten ist das Auffinden des jetzt hinzugekommenen Gesellschafters – der 1822 als „Intelligenzblatt für die Oberamtsbezirke Tübingen, Rottenburg und Nagold“ startete – denkbar einfach. Über die Internetadresse https://digital.kreisarchiv-calw.de kann direkt in die Sammlung gestartet werden. Wer mit dem Internet umgehen kann findet sich leicht zurecht: Alle Zeitungen ab 1850 und jünger sind mit Volltexterkennung – auch 05.05.2020 10:09 als OCR bekannt – versehen. Es muss also nur ein Begriff oder Name eingegeben werden, und schon erscheinen die Ausgaben, in denen das Wort vorkommt.

Auch Kalender- und weitere Suchfunktionen vorhanden
Weitere Suchmöglichkeiten bietet bei den Zeitungen die Kalenderfunktion: Klickt man auf eine Jahreszahl, wird ein Kalender mit den Erscheinungstagen angezeigt. Jetzt muss nur das gesuchte Datum angeklickt werden, schon zeigt der Bildschirm die betreffende Tagesausgabe. Gesucht werden kann auch nach verschiedenen Themen, Autoren, Verlagen, Verlagsorten oder Erscheinungsjahren. Das Digitalarchiv hat noch mehr zu bieten als Zeitungen. So sind dort Oberamtsprotokolle und ältere Kreistags-Niederschriften bis 1997 zu finden. In historischer Literatur kann geblättert werden und auch 14 Adressbücher zeigen Entwicklungen im Altkreis Calw auf, der ja das ehemalige Oberamt Neuenbürg bis zur Kreisreform 1973 komplett mit umfasste. In Arbeit ist die Digitalisierung und Aufnahme vom „Enztäler“ mit Vorgänger-Blättern bis 1945.

Martin Frieß weist darauf hin, dass das Projekt auch ein wichtiger Beitrag zur Sicherung, Schonung und Erhaltung der Originale ist. Sie werden jetzt nur noch selten für Präsentationen oder bei Führungen gebraucht. Zeitungen wurden bekanntlich nicht für die Ewigkeit gemacht. Die Digitalisierung erhält jetzt die Informationen, solange sie auf dem alten Zeitungspapier noch lesbar sind. Die Sicherung der Daten erfolgt im elektronischen Langzeitarchiv des Landratsamts. Außerdem werden sie auf dem Server des Hochschulbibliothekszentrums Köln gespeichert, mit dem der Dienstleister des Calwer Kreisarchivs zusammenarbeitet.

Calw unter den Kommunalarchiven im Land führend
Bei der Digitalisierung von Archivalien ist Calw im Bereich der Kommunalarchive im Land führend und findet deutschlandweit Beachtung. „Immer wieder wird nachgefragt, wie man so was macht und was dabei zu beachten ist“, sagt Martin Frieß. Die meisten digitalisierten Archivalien kommen aus dem Bestand des Kreisarchivs Calw. Aber beim „Gesellschafter“ gab es Lücken. Diese konnten mit Hilfe des Stadtarchivs Nagold und der Druckerei Zaiser als einer ursprünglichen Herausgeberin in der ehemaligen Oberamtsstadt gefüllt werden. Auch beim zu 90 Prozent erfassten „Enztäler“ wird noch das eine oder andere Exemplar vom Neuenbürger Stadtarchiv benötigt, mit dem Kreisarchivar Martin Frieß in Verbindung steht.

Das Einscannen übernimmt eine zuverlässige Esslinger Firma, die Präsentation ein Unternehmen mit Hauptsitz in Bielefeld von seinem Betrieb in Aachen aus. Die jetzt neu aufgenommenen Daten haben 25.000 Euro Aufwand verursacht. Interessierten stehen sie kostenlos zur Verfügung. Das Interesse an dem digitalen Material unterstreicht die automatisch erfasste Statistik: 2019 erzeugten 13.055 unterschiedliche Nutzer 164.860 Zugriffe und luden sich 918 Dateien herunter. In diesem Jahr werden diese Zahlen wohl übertroffen, denn schon jetzt sind knapp über 90.000 Zugriffe registriert. Auch die Verweildauer der einzelnen Besucher wird erfasst: Im letzten Jahr waren dies 38 Minuten; 2020 liegt sie bei gut zweidreiviertel Stunden. „Das kann eventuell der Corona-Krise geschuldet sein“, meint Kreisarchivar Martin Frieß.

Linkhttps://digital.kreisarchiv-calw.de/

Kontakt:
Kreisarchiv Calw
– Schulen und Kultur
Kultur und Kreisarchiv –
Martin Frieß
Vogteistraße 42-46
75365 Calw
Telefon: 07051/160-314
Fax: 07051/795-314
Martin.Friess@kreis-calw.de

Quelle: Hans Schabert, 213. Nachrichtenbrief (2020), Kreisgeschichtsverein Calw e.V., S. 12; Schwarzwälder Bote, 19.5.2020

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