Ein Stausee für die Bochumer Bevölkerung

Im Dezember 1933 stellte der Bochumer Anzeiger einen neuen See im Ruhrtal vor: den Bochumer Stausee, oder auch Herbeder See genannt. Niemand sollte fortan mehr weit reisen müssen, um die Vorzüge eines Sees zu genießen – eine echte Bereicherung für die Freizeitgestaltung. Es sollte nicht nur eine einfache Erholung am Strand möglich sein, sondern auch Wassersportler und Wanderfreunde sollten auf ihre Kosten kommen.


Abb.: Artikel im Bochumer Anzeiger, Dez. 1933 (Quelle: Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte)

Der angekündigte See mit einer Länge von zwei Kilometern und einer Breite von 300 Metern, war seit Jahren geplant von den Städten Bochum, Hattingen, Herbede, Witten und dem Ruhrverband Essen und sollte nun endlich Wirklichkeit werden. Entwürfe und Gutachten, die jedoch nicht nur Positives beinhalteten, lagen schon seit den 1920er Jahren vor. In dem Zeitungsartikel vom Dezember 1933, den das Stadtarchiv Bochum in seiner monatlichen Reihe „Schaufenster Stadtgeschichte“ für Mai 2021 vorstellt, ist sogar der genaue Lageplan des Stausees abgebildet.

Lange war man sich jedoch nicht nur uneins über die Lage des Wehrs, sondern auch über den Einfluss auf den Bergbau gab es kontroverse Diskussionen. Und so gingen die Verhandlungen weiter. Am 30. Dezember 1933 hieß es dann: „Was die technische Seite des Seeprojekts angeht, so haben die bisherigen Verhandlungen leider kein positives Ergebnis gehabt.“ Das angekündigte Kleinod für die Bochumer Bevölkerung ließ also weiterhin auf sich warten. Noch 1942 wurden ohne Ergebnis Gutachten ausgetauscht, so dass das Seeprojekt schließlich förmlich ins Wasser fiel.

Aber manche Wunder dauern halt ein bisschen länger. Nach etlichen Jahren ist es schließlich im Jahre 1979 doch noch gelungen, der Bochumer Bevölkerung endlich das ersehnte und dringend notwendige Naherholungsgebiet zu verschaffen – den heutigen Kemnader Stausee.


Abb.: Bochum Kemnader See mit Blick nach Osten (Wikipedia, eigenes Bild)

Angelegt wurde er vom Ruhrverband, dem größten Wasserwirtschaftsverband in Nordrhein-Westfalen. Er umfasst neben einem Badestrand auch Wander- und Radwege. Offiziell eröffnet wurde der See am 18. September 1980 mit einem Fest und vielen Aktionen für Wassersportler. Mit seinen zahlreichen Freizeitmöglichkeiten und Festen ist der Kemnader See inzwischen das Highlight im Bochumer Süden.

Kontakt:
Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte
Wittener Straße 47
44789 Bochum
Tel.: 0234 / 9109501
Fax: 0234 / 9109504
stadtarchiv@bochum.de

Quelle: Schaufenster Stadtgeschichte, Archivale des Monats Mai 2021; Wikipedia: Kemnader Stausee.

 

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