Die erste Badeanstalt in Uetersen

Die Tonkuhle von Ziegeleibesitzer J.P. Baas.

Ziegeleibesitzer Johann Baas hat für die erste Badeanstalt in der schleswig-holsteinischen Stadt Uetersen gesorgt: durch eingeleitetes Wasser von der Pinnau wurde eine Tonkuhle auf seinem Gelände in den Sommermonaten zu einem öffentlichen Schwimmbassin. Seit wann diese sommerliche Bademöglichkeit bestand, ist der vorliegenden Akte im Stadtarchiv Uetersen nicht zu entnehmen. Ein von Baas verfasstes Schreiben an die Stadtverwaltung vom Mai 1903 ist das älteste Dokument, das sich zu diesem privat organisierten Badevergnügen erhalten hat. Er machte darin das weitere Bestehen der Badeanstalt davon abhängig, dass er alljährlich 600 Mark Zuschuss von der Stadt erhalte; im Gegenzug werde er jedes Jahr 200 Karten an die Stadtvertretung zur Verteilung an Kinder „unbemittelter Eltern“ geben.

Doch die Verhandlungen mit Johann Baas verliefen zunächst erfolglos, so dass das Stadtverordnetenkollegium auf einer Sitzung im Juni 1903 die Wahl einer „Kommission für die Errichtung einer städtischen Badeanstalt“ vornahm, in die die Stadtverordneten Behr, Cölln, Stark und Dr. Kirchberg gewählt wurden. Im September des gleichen Jahres beschloss die Kommission, eine Ortsbegehung am städtischen Lösch und Ladeplatz am Klosterdeich vorzunehmen einem Platz, der für das Vorhaben geeignet erschien. Das Ergebnis dieser Begehung war ein Bauantrag mit Zeichnung, der bei dem königlichen Wasserbauinspektor in Glückstadt 1904 eingereicht wurde. Doch dieser schickte die Unterlagen umgehend zurück und verwies auf mehrere Mängel: der eingereichte Lageplan sei nicht „maßstäblich“ und es fehle „die Unterschrift des Antragstellers“. „Außerdem bemerke ich, daß auf dem 20 m breiten Schutzstreifen, der parallel zum Deichfuß läuft, selbstverständlich auch keine Gebäude errichtet werden dürfen“.

Während dieses Projekt einer städtischen Badeanstalt erst einmal im Sande verlief, tagte im Juni 1904 eine Kommission, die einen Vertrag mit Baas zur Wiedereröffnung seiner Badeanstalt ausarbeitete: „Herr Baas verpflichtet sich, die Badeanstalt bis zum 1sten Juli dieses Jahres in Stand zu setzen und ordnungsgemäß während der Badesaison stets mit frischem, reinen Wasser zu versehen. Er erhält von der Stadt Uetersen 1000 M, wofür das Königliche. Seminar frei badet, ebenso die Knaben der Seminar Übungsschule und der Dispensirschule, wie es in früheren Jahren auch geschehen ist. Die Schüler der Präparandenanstalt zahlen für das Baden während des Sommers 4 Mark pro Person.“ Dieser Vertrag wurde am 22. Juni 1904 auf fünf Jahre abgeschlossen.

Bürgermeister Muus erreichten während der Badesaison 1904 diverse Beschwerden: Es wurde Klage darüber geführt, dass Baas keine Einzelkarten für seine Bad eanstalt verkaufe; andere Benutzer wurden vom Badewärter sogar massiv am Baden gehindert, da sie nicht im Besitz von Dauerkarten waren. Auch wurde auf die Ungerechtigkeit hingewiesen, dass nur einige Schulklassen frei baden durften und andere Kinder notgedrungen in die Pinnau baden gingen und dort Gefahr liefen, zu ertrinken.

Auch in den darauffolgenden Jahren blieb der sommerliche Badebetrieb auf dem Ziegeleigelände nicht ohne Schwierigkeiten: Insbesondere wurde das schmutzige Wasser von Schwimmern beklagt, die darin nicht baden mochten; aber auch die von Baas tageweise vorgenommene Schließung der Badestelle sorgte für Unmut. Er rechtfertigte dies damit, dass die Wasserqualität als auch der Wasserstand der Badeanstalt von der Pinnau abhängig sei (60) und es so bei Ostwind zu Niedrigwasser komme und eine Schließung unausweichlich sei. Am 3. April 1909 wurde ein neuer Vertrag unterzeichnet, in dem feste Badezeiten geregelt wurden:

Abb.: Lageplan des Ziegeleigrundstücks des Herrn F.W. Schinkel Klosterkoppel, J.P. Baas Nachfolger. Als Quadrat rechts unten eingezeichnet die Badeanstalt, 1909 (aus: Stadtarchiv Uetersen, A II 218)

Die Firma J.P. Baas Nachf. verpflichtete sich vom 1. Juni – 30. Sept. die Badeanstalt in ordnungsgemäßem Zustand täglich zur allgemeinen Benutzung geöffnet zu halten (§1). Die tägliche Badezeit dauerte von morgens 6 Uhr bis abends 9 Uhr, und zwar für männliche Personen von morgens 6-8 Uhr, mittags von 11-12, nachmittags von 5-7 Uhr; für weibliche Personen von morgens 8-10 Uhr und nachmittags von 3-5 Uhr (§2). Außerdem mussten Einzel und Abonnementskarten ausgegeben werden, … für Schüler hiesiger Schulen Karten für Einzelbäder zum Preis von 10 Pfg. und Abonnementskarten für die gesamt Badesaison für 3 Mark. (§4). 100 Karten wurden an die Kommission zur Verteilung an schulpflichtige Kinder ausgegeben (§5). Für alle nicht eingehaltenen Verpflichtungen wurde eine Konventionalstrafe festgelegt (§ 8).

Auch nach verbesserter Vertragsregelung mit J.P. Baas wurde von Stadtseite die Einrichtung einer neuen städtischen Badeanstalt weiterhin verfolgt. Ein zentraler Diskussionspunkt war dabei der geeignete Standort. Mehrere Plätze wurden einer baulichen Prüfung unterzogen. 1909 wurde der Mühlenteich als der günstigste und vorteilhafteste Platz zur Anlage einer Badeanstalt ausgewählt. Dieses Vorhaben wurde erst in Form des Planschbeckens beim Bau des Rosariums 1933/34 realisiert.

Schließlich ging die Badeanstalt 1910 in städtische Verwaltung über: J.P. Baas Nachfolger, Ziegeleibesitzer C. Baas und Mühlenbesitzer W. Schinckel vermieteten die ihnen gehörenden Badeanstalt an die Stadt Uetersen auf die Dauer von fünf Jahren für einen jährlichen Mietpreis von 1500 Mark. Die Stadt übernahm „die bauliche In standhaltung des Gebäudes der Badeanstalt und ihrer im Innern vorhandenen Einrichtungen“ und der Fußwege. Außerdem wurden nun die für den Betrieb erforderlichen Wärter und Wärterinnen von der Stadt eingestellt. Die Vermieter verpflichteten sich, das erforderliche Wasser von 1. Juni – 1. Oktober zu liefern; die Pumpzeiten waren durch den Vertrag genau festgelegt. – Wie lange die Tonkuhle auf dem Ziegelei Gelände den Uetersenern als Bademöglichkeit zur Verfügung stand, geht aus der Akte nicht hervor.

Das Stadtarchiv Uetersen befindet sich im Aufbau. Historische Akten und Dokumente bis 1950 sind bereits aufgenommen und nach Voranmeldung einzusehen. Auch ein umfangreicher, allerdings noch nicht vollständig bearbeiteter Fotobestand, steht für die Bildersucher von Häusern, Straßen, Plätzen, Personen und Ereignissen zur Verfügung. Nunmehr zieht das erst im Jahr 2017 ins Leben gerufene Stadtarchiv in Uetersen um. Der zugewiesene Raum im ehemaligen, 1959 eingerichteten Jugendzentrum an der Berliner Straße wird verlassen. Das neue Domizil befindet sich am Kleinen Sand.

Kontakt:
Stadtarchiv Uetersen
Dr. Ute Harms
Berliner Str. 17
25436 Uetersen
Tel.: 0160/7090304 (Do./Fr.)

Quelle: Dr. Ute Harms, Die Tonkuhle von Ziegeleibesitzer J.P. Baas die erste Badeanstalt in Uetersen (Akte: AII 218) aus der Serie: Aus dem Stadtarchiv (IV), 2021; Uetersener Nachrichten (SHZ), Ute Harms: Uetersen: Stadtarchiv zieht um und verlässt Käthe-Kollwitz-Heim, 4.7.2021

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