Durch Amelsbürens Geschichte

Im Mittelpunkt der Themenabende des Stadtarchivs Münster stehen im Jahr 2009 die Stadtteile Münsters. Am 26. Februar, 18 Uhr, bietet Dr. Martin Berger in seinem Vortrag Einblicke in die Geschichte Amelsbürens. Dazu zeigt das Münsteraner Stadtarchiv in Coerde originale Akten und Karten mit detaillierten Informationen über Amelsbürens Vergangenheit und viele Bilder. 

Amelsbüren ist heute rein flächenmäßig der größte Stadtteil und gehört seit 1975 zu Münster. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird \“Amuluncburen\“ im Jahr 1137. Die Ortsbezeichnung geht vermutlich auf einen Mann namens Amulunc zurück, der seine Behausung (bur) auf dem Boden der Höfe Everding, Greving und Rahring gebaut hatte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Dorf wegen seines feuchten Bodens als \“beynahe uncultivirliches Land\“ beschrieben.

1928 erhielt Amelsbüren einen eigenen Bahnhof, der auch heute noch in Betrieb ist. Zu den berühmtesten Söhnen des Ortes zählt der Zentrumspolitiker Carl Herold (1848-1931), der sich im Reichstag stark für die landwirtschaftlichen Interessen des am stärksten dörflich geprägten Stadtteils von Münster einsetzte. Alte Einwohner erinnern sich aber auch an lokale Berühmtheiten, die ihre Kindheit prägten. Da wären der Buttenkasper, der Knochensammler aus Münster oder eine Dame, die durch ihre holländische Kopfbedeckung auffiel und einen Todesfall prophezeite, wenn die Glocke während der Wandlung schlüge.

Martin Berger hat die Vergangenheit Amelsbürens gemeinsam mit Ekkehard Enselein und Richard Vennemann bereits in mehreren Büchern aufgearbeitet. Dazu wurden unter anderem Dokumente des Archivs der Katholischen Pfarrgemeinde in Amelsbüren ausgewertet und dargestellt. Auch die Bürger von Amelsbüren steuerten Dokumente und zahlreiches Fotomaterial bei.

Info:
Durch Amelsbürens Geschichte – Themenabend im Stadtarchiv Münster
Donnerstag, 26. Februar 2009, 18:00 – 20:00 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Stadtarchiv Münster
An den Speichern 8
48157 Münster
Tel.: 02 51/4 92-47 01
Fax: 02 51/4 92-77 27
archiv@stadt-muenster.de
www.muenster.de/stadt/archiv

Quelle: Stadt Münster, Pressemitteilung, 19.2.2009

Stadtarchiv Mönchengladbach hilft englischem Ahnenforscher

Nickolas Ramaer Brookland, englischer Staatsangehöriger mit deutschen Wurzeln, nutzte eine dreimonatige Europareise, um nach seinen Vorfahren zu forschen. Nach erfolgreicher Suche des niederländischen Zweiges seiner Familie kam er jetzt ins Stadtarchiv der Stadt Mönchengladbach, um seine deutschen Vorfahren ausfindig zu machen. Die Mitarbeiter des Archivs konnten Brookland, dessen Familie ihren Namen vor dem Ersten Weltkrieg in England von Beckenbach in Brookland änderte, schnell bei seiner Suche helfen. So fand sich der Sterbeeintrag seines Ururgroßvaters, Johann Heinrich, und der Geburtseintrag seines Urgroßvaters Friedrich Wilhelm Beckenbachs. 

Dabei stellte sich zur Freude Brooklands heraus, dass eben dieser Ururahne Johann Heinrich Beckenbach war, der die erste Dampfmaschine 1827 in seiner Fabrik in Rheydt errichtete. Dem Ahnenforscher konnte das Archiv darüber hinaus aus seinen Unterlagen eine Portraitaufnahme zur Verfügung stellen und Wülfrath als Geburtsort des Firmengründers ermitteln, so dass dort weiter geforscht werden kann. 

Diese umfassende Hilfe kann das Stadtarchiv aber erst seit Beginn dieses Jahres leisten. Durch eine Änderung des Personenstandsrechts wurden unter anderem Aufbewahrungsfristen für die Personenstandsregister eingeführt. Seit Anfang des Jahres werden Geburtsregister 110, Heiratregister 80 und Sterberegister 30 Jahre beim Standesamt fortgeführt. Alle älteren Register wurden mit Beginn des Jahres an das Stadtarchiv zur weiteren Aufbewahrung abgegeben und können dort eingesehen werden. 

Nickolas Brookland ist zufällig der erste Nutzer, der die nun im Stadtarchiv aufbewahrten ehemaligen Personenstandsregister des Standesamtes einsehen und erfolgreich nach seinen Ahnen forschen konnte. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können die vom Stadtarchiv übernommenen Personstandsbücher dienstags und mittwochs jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr nach vorheriger Anmeldung einsehen. 

Kontakt:
Stadtarchiv Mönchengladbach
Aachener Str. 2
41050 Mönchengladbach
Telefon: 02161-253241
Telefax: 02161-253259
stadtarchiv@moenchengladbach.de

Quelle: Stadt Mönchengladbach, Pressemitteilung, 18.2.2009

Krankenakten zu NS-Zwangssterilisationen in Friesland entdeckt

Zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland wurden Hunderttausende Zwangssterilisationen durchgeführt, um so genannten erbkranken Nachwuchs zu verhindern. Unfruchtbar gemacht wurden vor allem diejenigen, die dem arischen Ideal der Nationalsozialisten nicht entsprachen, darunter Behinderte, Alkoholiker und homosexuelle Menschen.

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Friesland in Jever haben jetzt bei Umbauarbeiten zahlreiche Akten zu Zwangssterilisationen in der NS-Zeit entdeckt. Die Kranken- und Gerichtsakten wurden in sieben Umzugskisten auf dem Dachboden der Behörde gefunden. 

Die Akten dokumentieren Zwangssterilisierungen in Friesland zwischen 1934 und 1945. Neben Personendaten findet sich in den Unterlagen auch eine "erbbiologische Bestandsaufnahme" des Jeverlandes. Die Dokumente seien historisch bedeutend und ließen auch Rückschlüsse auf Praktiken im gesamten Oldenburger Land zu, meint der Wissenschaftler Dr. Ingo Harms, der am Institut für Sonderpädagogik der Universität Oldenburg die regionale nationalsozialistische Gesundheits- und Sozialpolitik erforscht. 

Bisher liege nur aus dem Gesundheitsamt der Wesermarsch ein umfassender Aktenbestand aus dem Dritten Reich vor. Die Akten des 1939 gegründeten Landkreises Friesland hätten bislang als verschollen gegolten

Die Kisten werden in dieser Woche dem Niedersächsischen Staatsarchiv in Oldenburg übergeben. Der stellvertretende Leiter des Staatsarchivs, Dr. Matthias Nistal, hat die Nazi-Akten über Zwangssterilisationen und „erbbiologische Bestandsaufnahmen“ bereits gesichtet. Laut Nistal lagerten bereits 3.000 bis 4.000 Dokumente zur NS-Medizin im Staatsarchiv. Die Dokumente aus Jever sollen zunächst ausgewertet und restauriert und dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Kontakt:
Niedersächsisches Landesarchiv 
– Staatsarchiv Oldenburg – 
Damm 43
26135 Oldenburg
Telefon: (0441) 92 44 100
Fax: (0441) 92 44 292
Oldenburg@nla.niedersachsen.de

Quelle: NWZ, 16.2.2009; ddp, 16.2.2009; NWZ, 18.2.2009

Ausstellung der originalen Baupläne von Auschwitz

Im Axel-Springer-Haus Berlin werden jetzt zum ersten Mal in der Bundesrepublik Deutschland originale Bauzeichnungen des größten nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz gezeigt. Zur Ausstellungseröffnung am 16. Februar 2009 mit zahlreichen Gästen aus Politik und Gesellschaft hielt der ehemalige polnische Außenminister und derzeitige Beauftragte des polnischen Premierministers für internationalen Dialog, Staatssekretär Wladyslaw Bartoszewski, die Eröffnungsrede. Bartoszewski ist einer der wenigen Überlebenden des KZ Auschwitz.

„Die Pläne von Auschwitz lassen die Seele jedes denkenden und fühlenden Individuums erschüttern, weil sie Ausdruck einer von Menschen kreierten Unmenschlichkeit sind. Sie sind Baupläne der wahren – nicht der mythischen – Hölle\“, so Wladyslaw Bartoszewski. „Auschwitz verpflichtet uns alle zur Besinnung und zur Erziehung der neuen Generationen aller Völker im Geiste der Menschenachtung, im entschlossenen Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und negatives Pauschaldenken über die ‚Anderen’.\“

Die Planskizzen und Baupläne von Auschwitz entstammen einer Sammlung von 29 Dokumenten, die BILD erworben hat, um sie sowohl der Öffentlichkeit als auch der Forschung zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich um die einzigen Originale dieser Art, die in Deutschland bislang aufgetaucht sind. Das Bundesarchiv, das in einer Expertise die Echtheit bestätigte, spricht von einem bedeutsamen Fund. 

Vor der Ausstellung hatte das Bundesarchiv die 29 Pläne auf ihre Echtheit untersucht. Da Varianten und teilweise Kopien der meisten Stücke im Archiv der Gedenkstätte Auschwitz sowie in einem Sonderarchiv in Moskau liegen, sprach von vornherein viel für ihre Echtheit. Doch zusätzlich zog der Leiter der Abteilung Deutsches Reich im Bundesarchiv, Hans-Dieter Kreikamp, weitere Überlieferungen hinzu, ließ die Pläne auf ihre Materialien hin prüfen und nahm Schriftvergleiche vor: \“Die vorhandenen Unterschriften und Paraphen, insbesondere die Unterschrift des im SS-Wirtschaft- und Verwaltungshauptamtes für den Bau der KZ zuständigen SS-Oberführers Hans Kammler und des Reichsführers SS Heinrich Himmler, konnten durch Vergleich mit entsprechenden persönlichen Zeichnungen in anderen Aktenbeständen des Bundesarchivs verifiziert werden.\“ Kreikamps Urteil ist eindeutig: \“An der Authentizität der zeitgeschichtlichen Quellen besteht keinerlei Zweifel\“.

Info:
Die Ausstellung „Pläne von Auschwitz – Dokumente des systematisch organisierten Völkermordes\“ von BILD und DIE WELT in der Axel-Springer-Passage ist für Besucher vom 16. bis 28. Februar 2009 von 8 bis 22 Uhr geöffnet. Eingang: Markgrafenstraße 19a in Berlin Mitte/Kreuzberg. 

Link: www.axelspringer.de/auschwitzausstellung 

Quelle: Bild, Pressemitteilung, 16.2.2009; Sven Felix Kellerhoff, Die Welt, 16.2.2009

Österreich als Opfer Hitlerdeutschlands

Ein Rot-Weiß-Rot-Buch sollte 1946 belegen, dass Österreich ein Hitler-Opfer war und die Österreicher gegen die NS-Diktatur wirksam Widerstand geleistet haben. Der Jurist und Historiker Ulrich Nachbaur hat die Entstehung des Rot-Weiß-Rot-Buchs erforscht. Das Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz lädt für Mittwoch, den 18. Februar 2009, um 17.00 Uhr, alle Interessierten zur Buchpräsentation ein (Eintritt frei).

Im Vorfeld der Staatsvertragsverhandlungen veröffentlichte das österreichische Außenamt im Dezember 1946 ein Rot-Weiß-Rot-Buch. Es sollte dokumentieren, dass Österreich im Sinn der Moskauer Deklaration von 1943 tatsächlich als erster Staat Hitlers Aggressionspolitik zum Opfer gefallen ist und die Österreicher, wie gefordert, gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft Widerstand geleistet haben. Dem Rot-Weiß-Rot-Buch war kein nennenswerter politischer Erfolg beschieden. Größeres Interesse fand es erst wieder ab 1986 im Zuge der Waldheim-Debatte. Die Zeitgeschichtsschreibung wertet die Dokumentation heute überwiegend als eine Art \“Evangelium des österreichischen Opfermythos\“. 

Von den über 30 Beiträgen aus und über Vorarlberg, die der Redaktion zugingen, fand im Rot-Weiß-Rot-Buch nur einer auszugsweise Verwendung. Die Berichte stammen größtenteils von Gemeinden, Bundesbehörden und Mittelschulen. Sie sind von unterschiedlicher Länge und Güte. Ein Bericht über Bartholomäberg gibt zum Beispiel Einblick in den Mikrokosmos einer Bergbauerngemeinde in den Jahren der Diktatur und des Krieges. Am Beispiel der Bergpfarre Brand wird der kleinliche Kirchenkampf nachvollziehbar. Mit Bescheidenheit berichtet der Bürser Bürgermeister Peter Winder über Bemühungen im Raum Bludenz, Widerstand zu leisten, der eigenen Weltanschauung treu zu bleiben und die Menschenwürde zu achten. Dramatisch, allerdings bereits im Wesentlichen bekannt, ist der Bericht über die Rettung der Illwerke im Montafon. Zum Teil sehr wertvoll sind die Statistiken, die das Landesgericht Feldkirch und das Bezirksgericht Dornbirn lieferten. Auch andere Beiträge bieten interessante Aspekte.

Ulrich Nachbaur hat diese Berichte nun unter dem Titel \“Österreich als Opfer Hitlerdeutschlands\“ veröffentlicht und kommentiert – zudem einschlägige Dokumente zum \“Rotbuchprojekt\“ selbst, das bisher noch kaum erforscht war. Deshalb zeichnete der Jurist und Historiker, der im Vorarlberger Landesarchiv arbeitet, auch dessen Entstehungs- und Wirkungsgeschichte nach.

Info:
Ulrich Nachbaur, Österreich als Opfer Hitlerdeutschlands. Das Rot-Weiß-Rot-Buch 1946 und die unveröffentlichten Vorarlberger Beiträge (Quellen zur Geschichte Vorarlbergs 11). Regensburg: Roderer Verlag, 473 Seiten, ISBN 978-3-89783-647-1, 38,00 Euro.

Kontakt:
Landesarchiv Vorarlberg
Kirchstraße 28
A-6900 Bregenz
Telefon+43 (0) 5574 / 511-45005
Telefax+43 (0) 5574 / 511-45095
landesarchiv@vorarlberg.at
www.landesarchiv.at

Quelle: Landespressestelle Vorarlberg, Pressemitteilung, 16.2.2009

20 Jahre Friedliche Revolution als Archivthema in Dessau

In den Jahren 2009 und 2010 jähren sich zum 20. Mal die Ereignisse der friedlichen Revolution in der DDR und der deutschen Vereinigung 1989/90. Die Geschichte vor Augen zu führen und daraus Demokratieverständnis zu entwickeln, hat die Landesregierung bereits 2008 ein umfängliches Handlungskonzept verabschiedet. Darin einbezogen ist das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt mit verschiedenen Projekten. Im Internet werden auf der Website des Archivs im Landesportal www.lha.sachsen-anhalt.de.

Zu den beiden DDR-Bezirken Halle und Magdeburg sowie zu ihrer Vor- und Nachgeschichte verwahrt das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt in Magdeburg nicht nur mehr als 18.000 laufende Meter Akten, sondern auch eine umfangreiche Überlieferung von Fotos, Filmen und Karten aus den Jahren 1945-90. Als zuständiges Archiv für die Überlieferung des Landes Sachsen-Anhalt (1945/47-1952) und der Bezirke Halle und Magdeburg (1952-90) archiviert es nicht nur die staatliche Überlieferung, sondern auch die Unterlagen der verstaatlichten Wirtschaft, der SED und des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB). Die Bestände des Landeshauptarchivs bieten damit die Grundlagen für zeitgeschichtliche Forschungsvorhaben, für die Aufarbeitung von SBZ-/DDR-Unrecht und für vielfältige Bürgeranliegen. Hierzu zählen die Regelung offener Vermögensfragen, Rehabilitierungsverfahren und der Nachweis von Zwangsaussiedlungen aus dem Grenzgebiet.

Parallel zu den Angeboten des Landeshauptarchivs in Magdeburg (dazu gehört u.a. eine monatliche Chronik der Ereignisse 1989/90) widmet sich die Dessauer Abteilung des Landeshauptarchivs in ihrer Reihe \“Kostproben aus dem Archiv\“ mit sieben Vitrinen den vierzig DDR-Jahren. Hier haben die Archivarinnen und Archivare, wie z.B. Ines Hildebrand und Anke Boeck, Überlieferungen aus verschiedenen Themenkreisen zusammengetragen. Die erste Vitrine zu den Nachkriegsjahren 1945 bis 1947 im Verwaltungsbezirk Dessau-Anhalt steht seit 16. Januar 2009 im Archiv-Foyer. Ines Hildebrand recherchiert derzeit für die zweite Vitrine zu den Schauprozessen in der DDR, die am 24. April 1950 im Anhaltischen Landestheater vor der Richterin Hilde Benjamin begannen.

Kontakt:
Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt
Abteilung Dessau
Heidestraße 21
06842 Dessau-Roßlau
Tel.: 0340/519896-0 (Zentrale)
Fax: 0340/519896-90
dessau@lha.mi.sachsen-anhalt.de
www.lha.sachsen-anhalt.de 

Quelle: Silvia Bürkmann, Mitteldeutsche Zeitung / Anhalt Kurier, 13.2.2009

Neue Leiterin des Archivverbundes Grünberg / Langgöns

Als Nachfolgerin von Mareike Hoff, die Ende 2008 ans Staatsarchiv Marburg wechselte, ist Marei Söhngen seit dem 1. Januar 2009 die neue Leiterin des Archivverbundes Grünberg / Langgöns. Marei Söhngen pendelt zwischen Grünberg und Langgöns hin- und her, um kommunale Überlieferungen, aber auch Nachlässe von Privatpersonen, Vereinen und Firmen zu sichten.

Die in Marburg geborene Historikerin mit den Studienschwerpunkten Mittlere und Neuere Geschichte, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie europäische Ethnologie arbeitet anteilig für beide Gemeinden: 24 Wochenstunden für Langgöns, 13 Stunden für Grünberg, wo sich das Archivbüro im ehemaligen Restaurant des Schwimmbades befindet.  

Zu den Aufgaben Söhngens gehört die Retrokonversion von Findmitteln, also die nachträgliche Digitalisierung vorhandener Archivkataloge. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den hessischen Staatsarchiven. Was die Arbeit besonders interessant mache, sei die Verbindung zwischen archivarischen und musealen Aufgaben sowie die Projektarbeit mit Vereinen, so die neue \’Verbundarchivarin\‘.

Die Öffnungszeiten sind in der Regel in Langgöns montags und dienstags 8.30 bis 12 Uhr und 12.30 bis 15.30 Uhr sowie in Grünberg donnerstags 9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr, freitags 9 bis 12 Uhr. Damit niemand vor verschlossenen Türen steht, bittet Marei Söhngen um vorherige Anmeldung. In Langgöns unter Tel. 06403/928108 oder 9020-0, E-Mail m.soehngen@langgoens.de, in Grünberg, unter Tel. 06401/8040, E-Mail m.soehngen@gruenberg.de.

Quelle: Gießener Allgemeine, 13.2.2009

Öffentlichkeitsarbeit und Kooperation in Lörrach

Der neue Lörracher Stadtarchivar Andreas Lauble hat bei seiner Amtsübernahme Anfang 2009 ein gut geordnetes Archiv mit Unterlagen vom 16. Jahrhundert bis ins Jahr 1953 vorgefunden (siehe Bericht vom 4.2.2009). Gleichwohl gebe es noch viel zu tun, zum Beispiel auf den Arbeitsfeldern der Digitalisierung und der Konservierung von historischen Unterlagen. 

Lauble will nicht zuletzt die Öffentlichkeitsarbeit ausbauen, bald schon Führungen, irgendwann auch Ausstellungen und Vorträge anbieten. Zwar sind dem Stadtarchiv Lörrach lediglich anderthalb Stellen zugeordnet, doch sei die Öffnung und Öffentlichkeitsarbeit wichtig, damit die Bürger und Steuerzahler wertschätzen könnten, was im Archiv aufbewahrt und wie dort gearbeitet werde.

Ausgebaut werden soll auch die Zusammenarbeit mit dem Museum am Burghof. Diese war bereits unter Laubles Vorgängerin Danuta Thiel-Melerski eng. Doch gilt es zukünftig, noch genauer die Zuständigkeiten abzugrenzen und die Bestandsbildungen zu betreiben. Da beispielsweise im Archiv und im Museum jeweils Fotografien und Bücher gesammelt werden, wird mehr Transparenz angestrebt, u.a. mittels gemeinsamer Verzeichnisse und Findmittel. 

Die Frage einer Zusammenlegung von Museum und Archiv wird in Lörrach nicht weiterverfolgt, so Marco Muchenberger, der Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste. Eine enge Abstimmung mache jedoch Sinn. 

Kontakt:
Stadtarchiv Lörrach
Luisenstr. 16
79539 Lörrach 
Telefon: (07621) 415-218 
Fax: (07621) 415-308 
archiv@loerrach.de 

Quelle: Sabine Ehrentreich, Badische Zeitung, 12.2.2009

Ausstellung zur jüdischen Geschichte am Altrhein

Im Jüdischen Museum im Raschi-Haus in Worms findet bis zum 16. März 2009 eine Ausstellung über die Geschichte der Juden aus Alsheim, Eich, Gimbsheim, Hamm und Mettenheim statt. Worms Oberbürgermeister Michael Kissel eröffnete die Ausstellung am 10. Februar 2009. Der Historiker Dr. Gunter Mahlerwein (Gimbsheim) führte gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Christine Hach, in die Ausstellung ein.

Nicht nur die Stadt Worms hat über lange Zeiträume eine bedeutsame, aktive jüdische Gemeinde beherbergt, bis zum Völkermord der NS-Zeit haben auch zahlreiche Dörfer der Region traditionsreiche, ländlich geprägte jüdische Gemeinden besessen. Ihre Angehörigen haben seit dem 19. Jahrhundert in besonderem Maße an der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlich-kulturellen Blüte und dem Aufschwung Rheinhessens bis 1933 teilgenommen, ihre Familien schienen fest verwurzelt.

Dem verschütteten kulturell-religiösen Erbe, der hier lebenden Familien und ihrer Schicksale haben sich die Mitstreiter um den Historiker Dr. Mahlerwein für die Altrheingemeinden in der heutigen Verbandsgemeinde Eich 2008 angenommen und eine sehenswerte Ausstellung im dortigen Museum konzipiert, die nun in Worms im Raschi-Haus gezeigt wird.

Entwicklung der jüdischen Gemeinden
Den 70. Jahrestag des Novemberpogroms gegen die jüdische Bevölkerung Deutschlands am 9. November 2008 hatte das Museum der Verbandsgemeinde Eich im Gimbsheimer Storchenschulhaus zum Anlass genommen, eine lang geplante Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Einwohner der Gemeinden der heutigen Verbandsgemeinde Eich zu realisieren.

In 18 von Dr. Gunter Mahlerwein verfassten und von Christine Hach und Willi Herwig gestalteten Text-Bild-Tafeln wird die Entwicklung der jüdischen Gemeinden vom 16. Jahrhundert bis zu ihrer Vernichtung im NS-Regime dargestellt. Die Spurensuche brachte nicht nur Texte, schriftliche Quellen und Zeugenaussagen zu Tage, die Rückschlüsse auf das verschwundene jüdische Leben in den Dörfern zulassen, sondern auch (wenige) Bilder, mit denen an die Menschen erinnert werden kann, die dem Holocaust zum Opfer fielen.

Behandelt werden übergreifende Themen wie z.B. die jüdische Gemeindebildung im 18. Jahrhundert, der wirtschaftliche und soziale Aufstieg im 19. Jahrhundert, die Integration über Vereinswesen und Gemeindepolitik, die Situation in der Zwischenkriegszeit, das Schicksal der jüdischen Dorfbewohner im \“Dritten Reich\“, aber auch Einzelbiografien wie die des Alsheimer Lehrers Karl Marx oder des aus Gimbsheim stammenden Rabbiners Moritz David.

Kontakt:
Jüdisches Museum im Raschi-Haus Worms
Hintere Judengasse 6
67547 Worms
Tel.: 06241/853-4701 und 4707
Fax: 06241/853-4710
stadtarchiv@worms.de

Quelle: Stadt Worms, Pressemitteilung, 6.2.2009

Die Tagebücher von Ludwig Freiherr Vincke 1789-1844

Der erste Oberpräsident der Provinz Westfalen, Ludwig Freiherr Vincke (1774-1844), schrieb von früher Jugend bis kurz vor seinem Tod Tagebücher. Er zeichnete auf, was er sah und erlebte, wen er traf und welche Gedanken er hegte. Die 24 Bände, die heute im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen verwahrt werden, spiegeln Vinckes berufliches und privates Leben in Tausenden von Details:

Die Schulzeit im Pädagogium Halle im Schatten der Französischen Revolution, wiederholte Besuche in Berlin, sein Studium in Marburg, Erlangen und Göttingen, die Reise zum umlagerten Mainz 1793 und nach Spanien, Portugal und England im Auftrag Preußens, seine vergebliche Jugendliebe zu Marianne von Cronenberg und zwei glückliche Ehen, seine ausgiebigen Lektüren von Diderot bis zur Klassik, seine Vorlieben für Leibesübungen beim Schlittschuhlaufen und Reiten, sein amtliches Wirken in Minden, Aurich und Münster.

Einzelne Tagebücher wurden bereits durch Ludger Graf von Westphalen, Wolfgang Knackstedt und Wolfgang Henninger ediert. Die komplette Edition aller Tagebücher hat nun der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster, in Kooperation mit der Historischen Kommission für Westfalen und dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen initiiert. Gemeinsame Herausgeber der Reihe sind Prof. Dr. Hans-Joachim Behr, Dr. Mechthild Black-Veldtrup, Prof. Dr. Franz-Josef Jakobi und Prof. Dr. Wilfried Reininghaus.

Mit der Edition wird der Öffentlichkeit eine Quelle zugänglich gemacht, die aufgrund der schwer lesbaren Handschrift und grammatikalischer Tücken nur mühsam rezipiert werden kann. Der edierte Text ist mit sachkundigen Kommentaren der Bearbeiterinnen und Bearbeiter versehen, wodurch ein für jeden verständlicher Text entsteht. Die Leitlinie bei der Edition ist es, den Text detailgetreu wiederzugeben und dem Leser das Verständnis – etwa durch moderne Interpunktion – zu ermöglichen.

Der jetzt vorliegende erste Band der Edition umfasst die Tagebücher von 1789 bis 1792 und wird durch ältere Reiseberichte und Vinckes Abituraufsatz ergänzt. Vincke war zu der Zeit Schüler des Pädagogiums in Halle, wo er 1792 das Abitur absolvierte. Die Tagebücher dokumentieren u. a. Vinckes Reisen nach Göttingen und Kassel, seinen Aufenthalt in den Franke\’schen Anstalten in Halle sowie Besuche in Potsdam und Berlin. Die Tagebucheinträge vermitteln ein lebendiges Bild des jugendlichen Vincke, den sie als politisch, wirtschaftlich und kulturell höchst interessierten jungen Menschen zeigen. Bearbeitet wurden die Tagebücher von Prof. Dr. Wilfried Reininghaus und Dr. Hertha Sagebiel.

Die Reihe wird fortgesetzt mit den Tagebücher der Jahre 1804-1810. Der Bearbeiter Prof. Dr. Hans-Joachim Behr ediert Vinckes erste Zeit in Münster, die geprägt war von den ersten Reformen unter Friedrich Wilhelm III., vor allem aber vom Kampf Preußens gegen Napoleon und dem Zusammenbruch des Staates 1806.

Die Edition wendet sich an alle Freunde der westfälischen Landesgeschichte, an interessierte Laien wie an Historiker mit Interesse an der bewegten Zeit zwischen Französischer Revolution und Vormärz.

Info:
Die Tagebücher des Ludwig Freiherrn Vincke 1789-1844, hg. v. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster, die Historische Kommission für Westfalen und Landesarchiv NRW, Bd. 1: 1789-1792, bearbeitet von Wilfried Reininghaus und Hertha Sagebiel, Münster 2009, ISBN 978-3-402-15740-4, 214 Seiten, 29,80 Euro

Kontakt:
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster
Fürstenbergstraße 15
48147 Münster
Tel.: 0251-591 5972
Fax: 0251-591 6820
www.altertumsverein-muenster.de