Das Archiv in der Öffentlichkeit – die Öffentlichkeit im Archiv

Der 76. Deutsche Archivtag in Essen (26.-29. September 2006) fragt nach der Funktion und der Wahrnehmung der Archive in der Öffentlichkeit, wie der VdA in seiner Pressemitteilung zum Archivtag informiert:

Archiv und Öffentlichkeit – auf den ersten Blick erscheint das wie ein Gegensatzpaar. Denn nur den Wenigsten ist bewusst, dass der öffentliche Zugang zu Informationen gesetzlicher Auftrag und zentrale Aufgabe der Archive ist. Jedermann zugängliche Archive sind die Voraussetzung für historische Forschungen, in gleicher Weise aber auch für die Klärung von Rechtsfragen wie z.B. bei der Entschädigung von Zwangsarbeitern. Archive stehen nicht nur der professionellen Forschung offen, sondern allen Bürgerinnen und Bürgern, Studierenden und Schülern, Familienforschern und Freizeithistorikern jedweder Art.

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In den letzten Jahren sind die Archive verstärkt in die Öffentlichkeit getreten. Um sich als nutzbare Einrichtung des kulturellen Lebens zu positionieren, um auf sich aufmerksam zu machen, neue „Kunden“, Förderer und Fürsprecher zu gewinnen, nicht zuletzt auch um ihre Träger von der Bedeutung archivischer Arbeit zu überzeugen, haben die Archive seit den neunziger Jahren ihre Aktivitäten in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit verstärkt.

Dabei wurden und werden neue Formen der Präsentation – sowohl des Archivguts als auch des Archivs selbst als Institution – erprobt. Szenische Lesungen aus archivalischen Quellen beispielsweise wurden vielerorts eingesetzt. Die Beteiligung an Langen Nächten und an Kulturevents hat die Kreativität gefördert, zugleich aber auch die Frage aufgeworfen, wo die Grenzen liegen.

Öffentlichkeit bedeutet im Archivwesen aber sehr viel mehr als Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, denn die zentrale Funktion der Archive besteht eben darin, Unterlagen Öffentlichkeit zu verleihen. Im Archiv werden die Unterlagen einer staatlichen Verwaltung, einer Kommune, eines Wirtschaftsunternehmens oder kirchlicher Einrichtungen allgemein nutzbare historische Quellen.

Durch das Internet hat diese Funktion in den letzten Jahren ganz neue Dimensionen gewonnen. Informationen zu den Beständen der Archive, zum Teil auch die verwahrten Unterlagen selbst sind weltweit zugänglich, per Mausklick, sofort und unbürokratisch. Grenzen werden der Öffnung quasi nur noch rechtlich gesetzt. Welt- und europaweit stehen groß angelegte Digitalisierungsvorhaben von Archivgut an.

Vor dem Hintergrund diesen Entwicklungen setzt sich der 76. Deutsche Archivtag mit dem Archiv in der Öffentlichkeit auseinander. Letzten Endes geht es dabei um die Frage, welche Funktion die Archive heute in der Öffentlichkeit erfüllen sollen und wollen. In Verbindung damit soll aber auch darüber nachgedacht werden, wie die Archive in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und wie sie die Öffentlichkeit besser erreichen können. „Die Archive mit ihrer wichtigen Gedächtnisfunktion für die Gesellschaft müssen sich künftig aktiver positionieren“, so der Verbandsvorsitzende Robert Kretzschmar, „dafür müssen wir Strategien entwickeln.“

Eröffnungsvortrag und Abschlusspodium
Seinen Eröffnungsvortrag am 26. September wird Prof. Dr. Ulrich Raulff vom Literaturarchiv in Marbach – ausgehend von seiner persönlichen Biografie – unter das Thema stellen: "Archiv und Öffentlichkeit – aus der Perspektive der Wissenschaft, des Feuilletons und eine Literaturarchivs". Den Abschluss bildet eine international besetzte Podiumsdiskussion „Das Archiv in der Öffentlichkeit – Die Öffentlichkeit im Archiv. Erfahrungen und Perspektiven.“

Themenschwerpunkte

  • Neue Herausforderungen an die Archive in ihrem Umfeld
  • Erwartungen der Politik an die Archive
  • Archive und ihre Träger
  • Sicherung und Zugänglichmachung von Unterlagen für die Gesellschaft
  • Das Netz als Öffentlichkeit
  • Traditionelle Öffentlichkeitsarbeit und modernes Marketing
  • Thema Open access: Freier Zugang zu Kulturgut in Archiv, Bibliothek und Museen

Zur Tagung
Der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare erwartet 600 Teilnehmer aus 20 Ländern. Mit dem Archivtag ist die „Archivistica“ verbunden, die in Europa größte Fachmesse zum Archivwesen. Dort werden 44 Aussteller ihre Produkte und Innovationen präsentieren.

Zum VdA
Der VdA wurde 1946 gegründet. Sein Zweck ist die Förderung und die Vertretung der Interessen des Archivwesens, insbesondere durch wissenschaftliche Forschung, Erfahrungsaustausch und fachliche Weiterbildung. Der VdA veranstaltet jährlich den Deutschen Archivtag und gibt Veröffentlichungen heraus. Seine Vereinsmitteilungen erscheinen in der Zeitschrift »Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen«. Um die Wahrnehmung der Archive in der Öffentlichkeit zu verbessern, hat der Verband 2001, 2004 und 2006 den „Tag der Archive“ initiiert.

Weitere Informationen und Bildmaterial zum Archivtag (Referenten, Vortragsthemen, Abstracts) unter www.vda.archiv.net bzw. www.archivtag.de oder bei der Geschäftsstelle des VdA:

VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. 
Geschäftsstelle 
Wörthstraße 3 
36037 Fulda 
Tel.: +49 661 / 29 109 72
Fax: +49 661 / 29 109 74 
info@vda.archiv.net

Tagungsbüro beim 76. Deutschen Archivtag (26.- 28. September 2006):
Congress-Center Essen (CC-West), 
Norbertstraße
45131 Essen
Tel. +49 201 / 8039302
Fax. +49 201 / 8039303

Quelle: VdA, Pressemitteilung, 18.9.2006

Widerstände gegen geplanten Handschriftenverkauf Badens

Bereits vor einem Jahrzehnt sorgte das Haus Baden, das bis 1918 die Staatsoberhäupter der Markgrafschaft Baden, des Kurfürstentums Baden sowie die Großherzöge von Baden stellte, für Aufsehen und Erregung, als es aus Finanznot das Inventar im Schloss Baden-Baden verkaufte. Nun hofft Bernhard, der Erbprinz des Hauses Baden, mit dem Verkauf wertvoller Handschriften aus der Sammlung der Markgrafen von Baden, erneut auf hohe Einnahmen. Mit diesen Mitteln, man rechnet beim Verkauf der sich in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe befindlichen Handschriften mit einem Erlös von 70 Millionen Euro, soll unter anderem die Sanierung der Schlossanlage Salem, Familiensitz des Hauses Baden am Bodensee, finanziert werden.

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Abb.: Stundenbuch des Markgrafen Christoph I. von Baden. Paris, um 1490. Badische Landesbibliothek, Cod. Durlach 1, Blatt 95v-96r, Faksimile und Kommentar: Stundenbuch des Markgrafen Christoph I. von Baden, © Badische Landesbibliothek Karlsruhe.

Das Land Baden-Württemberg hat sich mit dem badischen Markgrafenhaus bereits auf den Verkauf der wertvollen Handschriftensammlung, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, auf dem internationalen Kunstmarkt verständigt. Dabei ist der Besitz der Handschriften sowie weiterer Kunstwerke und Kulturgüter zwischen dem Haus Baden und der Landesregierung seit Jahrzehnten umstritten. Hintergrund ist die Frage, ob diese Kulturgüter, deren Gesamtwert sich auf 250 bis 300 Millionen Euro belaufen soll, mit der Auflösung des Großherzogtums Baden 1918/19 an den Staat fielen oder in der Familie verblieben. Eine juristische Auseinandersetzung wurde bislang vermieden. Die jetzt getroffene Vereinbarung über den Verlauf der Handschriften sieht vor, dass das Land Baden-Württemberg der Adelsfamilie gestattet, 70 Millionen Euro aus dem Verkauf der Handschriften aus der Landesbibliothek Karlsruhe zu schlagen. Im Gegenzug verzichtet Haus Baden ein für alle Mal auf alle Ansprüche auf den großen Rest des Kunst- und Kulturbesitzes zugunsten des Landes.

Der Direktor der Landesbibliothek Karlsruhe, Dr. Peter Michael Ehrle, befürchtet mit dem geplanten Verkauf der Handschriften und Kunstwerke \“von europäischem Rang\“ den Verlust \“unersetzlichen Kulturguts\“. Es bedeute für die Landesbibliothek das Ende als Forschungsbibliothek, wenn man dem Adelshaus nun rund 3.500 ihrer rund 4.200 Handschriften überlassen müsse. Dabei wären die Handschriften, so Ehrle gegenüber der Stuttgarter Zeitung, \“um ein Haar ins Weltkulturerbe aufgenommen worden\“. Nach den Berechnungen der Landesbibliothek müsste die gesamte alte Sammlung verkauft werden, um auf den gewünschten Erlös von 70 Millionen Euro zu kommen. Die Einigung zwischen der Landesregierung und dem badischen Adelshaus, wertvolle Kunstgegenstände dem Markgrafen zu überlassen, ist nicht nur bei der Badischen Landesbibliothek und bei der Badischen Bibliotheksgesellschaft, sondern bisher auch bei der SPD und bei Verbänden auf deutliche Kritik gestoßen…

Link: Presseberichte zum Ausverkauf badischer Handschriften

Kontakt:
Badische Landesbibliothek
Erbprinzenstraße 15
76133 Karlsruhe
(Postfach 1429, 76003 Karlsruhe)
(0721) 175 – 0 (Zentrale), – 22 22 (Informationszentrum)
(0721) 175 – 23 33
informationszentrum@blb-karlsruhe.de

Quelle: Reiner Ruf, Stuttgarter Zeitung, 21.9.2006; Heilbronner Stimme, 22.9.2006; FAZ, 21.9.2006, 38, und 22.9.2006, 33.

Neuer Mikrofilmscanner sichert Zugang zur Wittener Stadtgeschichte

Rund 14.000 Euro kostet der neue Mikrofilmscanner, der jetzt beim Stadtarchiv Witten in der Ruhrstraße 69 in Betrieb geht. Durch das digitale Gerät, mit dem auch Mikrofiches gelesen werden können, wird es über Jahre möglich sein, Schülerinnen und Schülern, Studenten, Laien- und Profiforschern und darüber hinaus auch allen anderen interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen zeitgemäßen Zugang zu Quellen der Wittener Stadtgeschichte zu gewährleisten. Die allgemeine Finanzlage der Stadt hätte die Beschaffung eines solchen Gerätes nicht zugelassen. Sie ist einem 30prozentigen Zuschuss des Westfälischen Archivamtes, in erster Linie aber einer Spende der Sparkasse Witten in fünfstelliger Höhe zu verdanken. Dazu Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchivs Witten: „Die Sparkasse Witten zeigt mit ihrem Förderbeitrag erneut Mitverantwortung für Werte, Werke und Güter in unserer Stadt, die unsere Herkunft und Entwicklung bezeugen.“

Viele Archivalien sind inzwischen „zerbrechliche“ Dokumente. „Papier wird im Laufe der Zeit brüchig und kann leicht zerstört werden“, weiß die Archivleiterin. Besonders wenn damit regelmäßig gearbeitet werden soll, sei die Erfassung auf Mikrofilm oder Mikrofiches unerlässlich. So stünden zum Beispiel Adressbücher seit 1875 und die Gewerbekartei als Arbeits- und Sicherungskopie auf Mikrofiches zur Verfügung. Dr. Kliner-Fruck: „2643 Mikrofiches umfasst allein die Meldekartei der Stadt Witten von 1871-1960, die für die Geschichte von Migration, Deportation und Vertreibung während der NS-Zeit, die Familienforschung, Nachlassermittlung und die Erforschung von Persönlichkeiten der Stadtgeschichte einen hohen historischen Wert darstellt. Ohne sie wären heutzutage zahllose Anfragen nicht mehr zu beantworten.“

Seit dem 1. Juli 1848 gibt es Zeitungen, die in Witten gedruckt und herausgegeben wurden. Die erste Zeitung war „Wittekind, der Sprecher an der Ruhr“, der mit einer Auflagenhöhe von rund 700 Exemplaren zweimal wöchentlich (mittwochs und samstags) im Groß-Quadrat-Format erschien. Sie wurde von einem Boten kostenlos ins Haus gebracht. Das Abonnement kostete im Vierteljahr 12 Silbergroschen und 6 Pfennig. Heute ist die mikroverfilmte Zeitungssammlung mit 21 verschiedenen lokalen Zeitungstiteln seit 1848 und 115 regionalen und überregionalen Zeitungstiteln ein besonderer Schatz des Stadtarchivs, dem „Gedächtnis der Stadt“. Seit 1999 ist das Stadtarchiv Witten übrigens auch Mitglied im Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse. Der Verein wurde 1965 von Bibliotheken und Archiven gegründet und hat 80 Mitglieder. In seinem benutzerorientierten Verbundsystem nutzt das Stadtarchiv Witten die gemeinsame Herausgabe eines Bestandsverzeichnisses, gegenseitige Ausleihe von Original- und Duplikatsfilmen sowie die regelmäßige kostengünstige und qualitätsvolle Verfilmung der Lokalzeitungen. Diese werden laufend als Ersatz- und Ergänzungsdokumentation zur Stadtgeschichte verfilmt.

Zum Fundus des Stadtarchivs gehören „historische“ Zeitungen wie etwa das Märkische Tageblatt, das in der Zeit von 1886 bis 1896 in Witten und Umgebung erschienen ist, aber natürlich auch alle derzeit auf dem Markt befindlichen Medien. Genauere Auskünfte zur folgenden Auflistung, die einen auszugsweisen Überblick über das Medienarchiv bietet,  gibt es beim Stadtarchiv.

Kontakt:
Stadtarchiv Witten
Ruhrstraße 69
58449 Witten
Fon: (02302) 581-2416
Fax: (02302) 581-2497
stadtarchiv@stadt-witten.de

Quelle: Pressemeldung Stadt Witten, 20.9.2006

Geschichte Dresdens in Moskauer Archivkellern

Wenn Dresden im Rahmen seiner 800-Jahrfeier am 9./10. Oktober 2006 den 6. Petersburger Dialog sowie die Preisverleihung der Europäischen Kulturstiftung durchführt, dann nimmt auch der russische Präsident Wladimir Putin daran teil (Programm). Dass noch ein Teil der Dresdner Stadtgeschichte in Moskau lagert, könnte dann auch zum Gesprächsthema werden.

Konkret geht es um eine ganze Menge Akten und Urkunden aus dem Dresdner Stadtarchiv, die seit sechzig Jahren im Moskauer Sonderarchiv lagern. Da es keine Findlisten gibt, weiß man jedoch nicht, um wie viel damaliges Registraturgut es sich handelt, erklärt Stadtarchivleiter Thomas Kübler. Allerdings führt eine sechsseitige russischsprachige Liste insgesamt 470 Teile und einzelne Dokumente auf. Auf der Liste ist immerhin die genaue Art zumindest eines Teils der Akten verzeichnet, die nach Kriegsende von der Roten Armee konfisziert wurden.

Das wohl spektakulärste Dokument darunter ist die vollständige Kartei der NSDAP-Mitglieder des Kreises Dresden. Auch die Chronik der NS-Frauenschaft im Kreis Dresden liegt noch im Moskauer Archivkeller wie Dokumente über profaschistische Organisationen, zum Beispiel der Gefolgschaft der Georgenknappen Dresden oder der Schriftwechsel der Organisation \“Konsul\“. Unter den Akten sind auch Adoptionsurkunden unehelicher Kinder. Des Weiteren befindet sich eine Sammlung von Briefen deutscher Soldaten an ihre Verwandten aus den Jahren 1941 bis 1943 in Moskau. Und von höchster Brisanz und Tragik sind sicher die Akten über die \“Rechtsfälle vor dem Strafsenat des OLG Sachsen in Dresden und dem Sondergericht beim Landgericht in Dresden\“. Zur Vollständigkeit gehören auch knapp 4.000 Urkunden, der größte Teil davon aus dem Mittelalter. – Viele haben sich bisher ohne Erfolg um die Rückgabe der Akten bemüht; ob der Besuch Putins daran etwas ändert, wird bezweifelt.

Link: www.dresden.de/800

Kontakt:
Stadtarchiv Dresden
Elisabeth-Boer-Straße 1 
01099 Dresden
Tel. 0351-4881515 
Fax: 0351-4881503 
stadtarchiv@dresden.de

Quelle: Heidrun Hannusch, Dresdner Neueste Nachrichten, 20.9.2006

Erstaufführung des historischen Dokumentarfilms »Der Ruhrkampf 1923 – La Bataille de la Ruhr«

Im Jahr 1995 hat das Musée departemental Albert Kahn im französischen Boulogne-Billancourt einen höchst bemerkenswerten Film veröffentlicht, der in einer Gesamtlänge von annähernd 55 Minuten ein Schlüsselereignis der politischen Geschichte des 20. Jahrhunderts thematisiert: Den „Ruhrkampf“ des Krisenjahres 1923. Die dieser historischen Dokumentation zugrunde liegenden Aufnahmen stammen von einem französischen Kamerateam, das das besetzte Ruhrgebiet seinerzeit im Auftrag des französischen Bankiers und Philantropen Albert Kahn bereiste und ein authentisches Bild nicht nur der politischen Vorgänge, sondern auch der sozialen Wirklichkeit vermittelt. 

Das Westfälische Landesmedienzentrum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe bringt dieses frühe und außerordentlich vielschichtige Porträt des Ruhrgebietes jetzt in Kooperation mit dem Musée Albert Kahn mit einer deutschen Kommentierung auf DVD (ergänzt durch ein ausführliches Booklet) dorthin zurück, wo die Bilder einst entstanden: ins Revier. Die Deutschland-Premiere des Films wird durch Grußworte des Oberbürgermeisters der Stadt Münster und von LWL-Kulturdezernent Prof. Dr. Karl Teppe sowie durch einen Vortrag des Düsseldorfer Historikers Joachim Schröder eingeführt.

Programm:

  • Begrüßung
    Frank Baranowski, Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen
  • Grußwort
    Prof. Dr. Karl Teppe, Landesrat, Kulturdezernent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
  • Der Schatten des Weltkriegs: Die Ruhrbesetzung 1923 Joachim Schröder, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Historisches Seminar II Pause
  • Präsentation des Films \“Der Ruhrkampf 1923 – La Bataille de la Ruhr\“
  • Nach der Veranstaltung wird zu einem kleinen Umtrunk gebeten.

Anmeldung erforderlich:
Institut für Stadtgeschichte
Wissenschaftspark
Munscheidstr. 14
45886 Gelsenkirchen
isg@gelsenkirchen.de
www.institut-fuer-stadtgeschichte.de

Veranstaltungsort:
Bildungszentrum
Volkshochschule der Stadt Gelsenkirchen
1. Etage, Raum 207
Ebertstr. 19, 45889 Gelsenkirchen

Kontakt:
Westfälisches Landesmedienzentrum 
Dr. Volker Jakob 
Fürstenbergstraße 14 
48147 Münster 
Tel.: 0251 591-4718 
Volker.Jakob@lwl.org 

Historische Bildungsarbeit. Kompass für Archive?

Historische Bildungsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit werden inzwischen in Archiven aller Sparten als wesentliche Bereiche ihres Aufgaben- und Wirkungsfelds begriffen: Ausstellungen, Internetpräsentationen und Events gehören heute zum Standardrepertoire von Archiven. Aufgrund des herrschenden Kostendrucks werden dennoch zuerst in diesen Arbeitsfeldern die Angebote, damit die öffentliche Präsenz und letztlich in fataler Weise die eigene Bedeutung reduziert. Die Alternative ist eine nutzerorientierte Qualitätsoffensive. Der historischen Bildungsarbeit der Archive kommt in dieser Situation eine Schlüsselfunktion zu. Im vorliegenden Heft wird die archivische Bildungsarbeit mit den Augen der anderen gesehen. Es werden die Anforderungen an die Archivarinnen und Archivare formuliert, die sich aus der Zusammenarbeit mit denen ergibt, die an historisches Material herangeführt werden wollen.

Inhalt:

Clemens Rehm: Eröffnung (5)

Clemens Rehm: Einführung – Historische Bildungsarbeit. Kompass für Archive? (7)

Gabriele Stüber: Mit den Augen der anderen sehen. Vom pädagogischen Umgang mit Archivalien (13)

Claudia Tatsch: Zwischen Lust und Frust. Archivarbeit in der Wertung der Preisträger/innen des Geschichtswettbewerbs der Körber-Stiftung (25)

Wolfgang M. Gall: Historische Vereine zwischen traditionellem Ehrenamt und bürgerschaftlichem Engagement. Das Projekt "Der Traum von der Freiheit" des Historischen Vereins für Mittelbaden e.V. (35)

Michael Stephan: Das Projekt "Archiv und Schule" in Bayern (41)

Katharina Hoffmann: Was ist eigentlich ein Archivknoten? Ein Filmprojekt (51)

Johannes Grützmacher / Kai Naumann / Nicola Wurthmann: Tagungsbericht mit Diskussion (61)

Matthias Röschner: Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten in Baden-Württemberg. Eine Momentaufnahme (69)

Birgit Schneider-Bönninger / Anita Placenti: Ran an die Quellen! Praxis der Archivdidaktik. Das Wolfsburger Modell (81)

LEO – Landeskunde entdecken, erleben, erforschen online. Das vernetzte landeskundliche Informationssystem für Baden-Württemberg. Eine Projektskizze (91)

Die Autorinnen und Autoren (93)

Info:
Historische Bildungsarbeit. Kompass für Archive? Vorträge des 64. Südwestdeutschen Archivtags am 19. Juni 2003 in Weingarten
Herausgegeben von Clemens Rehm
94 Seiten mit 9 Abbildungen, kartoniert. € 9,50
ISBN 978-3-17-019483-0

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, 18.9.2006

Das Zeitgeschichtliche Archiv – ein zentrales Pressearchiv sucht weitere Nutzer

Das Zeitgeschichtliche Archiv (ZGA) verfügt mit mehr als neun Millionen Dokumenten über eine Quellensammlung, die im deutschsprachigen Raum zu den bedeutsamsten für die zeithistorische Forschung und tagesaktuelle Publizistik gehört. Derzeit wird es jedoch nicht im entferntesten in einem Umfang genutzt, der diesem Rang entspräche.

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Im Kern umfasst das ZGA das frühere zentrale Pressearchiv der DDR, damals mit Standort im Verlag des \“Neuen Deutschland\“. Zwischen 1946 und 1992 sammelten etwa 80 Mitarbeiter unterschiedlichster Qualifikation systematisch Artikel aus deutschsprachigen Periodika, die nach Sachgebieten geordnet sowie formal und inhaltlich erschlossen wurden. 

Gegliedert ist die Sammlung nach den Ländern der Erde dieser Jahre. Der unikate Charakter ergibt sich daher vor allem aus der thematischen Bandbreite dieses in mehr als drei Millionen Dokumenten vergegenständlichten Gedächtnis.

Unter den Bedingungen des Marktes geriet auch diese Sammlung in schwere Turbulenzen, die Arbeit an diesem extensiven Archiv konnte nicht weiter geführt werden. Es war dem Eingreifen einer Bürgerinitiative zu verdanken, dass der für die zeithistorische Forschung enorm bedeutsame Quellenbestand vor der Vernichtung bewahrt wurde.

Vor einigen Wochen wurde der 1-Mio-Datensatz angelegt, der nach Quelle, Überschrift, Verfasser und Deskriptoren elektronisch recherchierbar ist. – Erst ein Neuntel?, so könnte man erstaunt einwenden. Berücksichtigt man freilich, unter welchen Bedingungen die Erschließung der Archivbestände vonstatten geht bzw. gehen muss, so wird man eher geneigt sein, das Erreichte als ein kleines Wunder zu bezeichnen. 

Die gesamte Arbeit der Archivpflege und der Erschließung ist durch Kolleginnen und Kollegen, geleistet, die hier in arbeitsmarktpolitischen Projekten die Möglichkeit eines arbeitsweltlichen Anschlusses haben, darunter vor allem schwerbehinderte Menschen.

Wir sind derzeit bestrebt, die Kluft zwischen der objektiven Relevanz unserer Archivbestände für Wissenschaft und Publizistik einerseits, dem Schattendasein unseres Archivs andererseits zu schließen. Sollten Sie an dessen Nutzung interessiert sein, so stehen wir gerne für weitere Informationen zur Verfügung. Auskunft über die Möglichkeiten eigenständiger Recherche, Suchmaske und Suchsyntax sowie über unseren Recherchedienst finden Sie auf unseren Web-Seiten, die unter der folgenden URL verfügbar sind: www.zeitgeschichte.de.

Kontakt:
Achim Arzt
Premnitzer Straße 12
12681 Berlin
+49-30-934 95 526

Münsters Oberbürgermeister Georg Sperlich (1920-1932)

Der Aasee in Münster sollte zunächst „Himmelreich-See“ heißen. Seine Entstehung war von ungestümen Debatten begleitet. Dass die attraktive Freizeitanlage am Ende doch realisiert wurde, hängt mit einer Hochwasserkatastrophe 1925 zusammen und vor allem mit dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Georg Sperlich. Mit beeindruckender Beharrlichkeit trieb er das Bauvorhaben gegen alle Widerstände voran. 

Um das streitbare und für Münster so wichtige Stadtoberhaupt dreht sich der Themenabend am Montag, 25. September, im Stadtarchiv. Münsters früherer Oberstadtdirektor und Sperlich-Kenner Dr. Tilman Pünder lässt die Ära des Kommunalpolitikers in der Weimarer Republik Revue passieren. Der Buchautor schöpft dabei auch aus dem Nachlass Sperlich, der im Stadtarchiv aufbewahrt wird. Akten, Fotos und Dokumente werden den Vortrag veranschaulichen. Sie erinnern an die Weitsicht Sperlichs. Entstanden doch unter dessen Initiative von 1920 bis 1932 zahlreiche Einrichtungen und Gebäude in dieser Stadt, darunter das Preußen-Stadion und das Freibad Coburg, der Friedhof Lauheide, die Halle Münsterland und eben auch der Aasee.

Der Themenabend beginnt um 18 Uhr bei freiem Eintritt. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl bittet das Stadtarchiv um Anmeldung.

Kontakt:
Stadtarchiv Münster
An den Speichern 8
48157 Münster
Telefon: 0251-492-4701
Telefax: 0251-492-7727
archiv@stadt-muenster.de 

Quelle: Presseinformation Stadt Münster, 19.9.2006

Schüler erarbeiten digitalen Stadtführer für Wittenburg

An der aktuellen Schulaktion für 2006/2007 der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit dem Thema „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“ beteiligt sich auch das Wittenburger Liscow-Gymnasium. Die Idee, die hinter der bundesweiten Aktion steckt, ist die, dass Schüler sich in einer Projektarbeit für ein Kulturdenkmal in ihrer Umgebung engagieren. Gemeinsam mit Experten der Denkmalbehörden, Restauratoren und Architekten erhalten sie Einblick in die Aufgaben der Denkmalpflege. Ergänzend dazu gestalten die Lehrer den Unterricht, indem z.B. Baustile erörtert und geschichtliche, sozial- und naturwissenschaftliche Hintergründe thematisiert werden. Gemeinsam mit den Schülern der 12. Klassen des Liscow-Gymnasiums erarbeiten die Lehrerin und Projektleiterin Ilka Hennigs sowie Magret Hacker, Leiterin des Wittenburger Stadtarchivs und Michael Baehr, Mitarbeiter der Kreis-Denkmalschutzbehörde die Grundlagen für den geplanten digitalen Stadtführer. Ergänzend dazu soll noch eine CD-Power-Point-Präsentation entstehen und ein Konzept für eine Stadtralley durch Wittenburg ausgearbeitet werden. Reichlich Informationsmaterial dazu gibt es im Stadtarchiv, wo die Schüler auf alle historischen Daten der Stadt Zugriff haben. Ziel dieses Projektes, das mit EU-Mitteln gefördert wird, ist es, das Interesse der jungen Generation am Erhalt des geschichtlichen Kulturgutes zu fördern. Nach Abschluss des Projektes zum Ende des  Schuljahrs sollen dann Besucher Wittenburgs ( Landkreis Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern) die Möglichkeit haben, über den digitalen Stadtführer die wichtigsten Informationen über die Stadt zu erhalten

Kontakt:
Stadtarchiv Wittenburg
Molkereistraße 4
19243 Wittenburg
Telefon:038852 / 33104
Fax:038852 / 3333
hacker@amt-wittenburg.de

Quelle: Schweriner Volkszeitung online, 19.9.2006

Fotodokumentation ans Stadtarchiv Höxter übergeben

Nach dem Explosionsunglück in Höxter vor einem Jahr hatte der Redakteur Harald Iding eine umfangreiche Fotodokumentation darüber erstellt. Am 19. September 2006 jährt sich die schreckliche Katastrophe, die  nicht nur drei Menschen das Leben gekostet und viele weitere verletzt hat, sondern auch zahlreiche Gebäude (darunter auch die Kilianikirche aus dem 11. Jahrhundert) zerstört bzw. schwer beschädigt hat (siehe WDR-Bericht). 

In verschiedenen Filialen der Volksbank Paderborn-Höxter, die die Kosten für die Dokumentation übernommen hatte, wurden die Fotos in einer Wanderausstellung einem breiten Publikum gezeigt. H.-Hermann Doninger von der Volksbank: "Mehrere Tausend Besucher haben die Fotos gesehen. Die Ausstellung war wichtig, um diese Katastrophe aufzuarbeiten.\“ Nun übergaben die Volksbank und Harald Iding die Fotos dem Stadtarchiv Höxter. Bürgermeister Hermann Hecker und Archivar Michael Koch dankten für die 50 Objekte und versprachen, dass sie der Nachwelt im Stadtarchiv langfristig erhalten bleiben. 

Kontakt
Stadtarchiv Höxter
Stadthaus am Petritor
Westerbachstr. 45
37671 Höxter
Tel. 05271-963123
m.koch@hoexter.de

Quelle: Pressemeldung, Stadt Höxter, 18.9.2006