175 Jahre Staatsarchiv Münster

Seit dem 1. Januar 2004 ist das Staatsarchiv Münster als Abteilung 5 Bestandteil des neu eingerichteten Landesarchivs Nordrhein-Westfalen (LAV). Nicht aber der anstehende erste Geburtstag im neuen institutionellen Gewande wurde am Dienstag gefeiert, sondern das 175-jährige Bestehen des nunmehrigen Landesarchivs NRW Staatsarchiv Münster. Als bald nach der Schaffung der preußischen Provinz Westfalen damit begonnen wurde, das während der französischen Fremdherrschaft vernachlässigte Archivgut der vormaligen westfälischen Territorien und aufgehobenen Klöster und Stifte systematisch zu sammeln, entstanden zu diesem Zweck 1821 auf Anweisung des Staatskanzlers Hardenberg vier \“Archivdepots\“ in Arnsberg, Höxter, Münster und Paderborn, später noch ein fünftes in Minden. 1829, vor nunmehr 175 Jahren, wurden die übrigen Depots dem in Münster unterstellt, das seit 1831 die Bezeichnung \“Königliches Provinzialarchiv\“ führte bzw. seit 1867 \“Königlich Preußisches Staatsarchiv Münster\“ hieß.

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Dass die Jubiläumsveranstaltung mit annähernd 200 Gästen in der neuen \“zweiten Heimat des Staatsarchivs Münster\“ (Mechthild Black-Veldtrup), der Speicherstadt Coerde, wo das technische Zentrum des LAV entsteht und wo auch das Münstersche Stadtarchiv seit kurzer Zeit residiert, durchgeführt wurde, versinnbildlichte den institutionellen Umbruch im nordrhein-westfälischen staatlichen Archivwesen in jüngster Zeit. Gleichwohl sei auch nach Eingliederung in das neue Landesarchiv die regionale und fachliche Zuständigkeit des Staatsarchivs Münster bewahrt und gewährleistet, wie der Präsident des LAV, Wilfried Reininghaus, in seinem Grußwort betonte. Dabei hob Reininghaus, der ja zwischen 1996 und 2003 selbst Leiter des Staatsarchivs Münster gewesen ist, einmal mehr die Notwendigkeit der archivischen Präsenz bei den aktenproduzierenden Stellen hervor und wies angesichts der besonderen und ertragreichen Nähe von Universität und Staatsarchiv in Münster darauf hin, dass es dem neuen Landesarchiv auch weiterhin um eine enge Zusammenarbeit mit der Forschung gehe.

Diese Kooperation sei, wie auch Regierungsvizepräsident Alfred Wirtz in seinem Grußwort hervorhob, eine Grundlage dafür, dass das Staatsarchiv Münster ein Garant für den Gedächtniserhalt auch in der Informationsgesellschaft bleibe, dabei aber auch, wie Norbert Reimann, der Direktor des Westfälischen Archivamtes, unterstrich, seine traditionelle und hervorragende Bedeutung für die lokalgeschichtliche Forschung beibehalte. Die Vermittlung der kulturellen Identität des Landes, wie sie in besonderem Maße durch das Staatsarchiv Münster geschehe, ist nach Reimanns Worten gerade in schwierigen Zeiten der öffentlichen Verwaltung eine elementare Aufgabe. Reimann wies in seinem Grußwort dabei auf die langjährigen Beziehungen und in diesem Punkte vergleichbaren Zielsetzungen zwischen dem Staatsarchiv Münster und der rund hundert Jahre jüngeren Archivberatungsstelle, der Vorläuferin des heutigen Westfälischen Archivamtes, hin, wenngleich es in Fragen der kommunalen Archivpflege früher wie auch wohl zukünftig durchaus zu Konkurrenzen zwischen beiden westfälischen Archiveinrichtungen kommen konnte und kommen könnte.

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Auch ihren Festvortrag unter dem Titel \“Memoiren einer Akte\“ nutzte die Leiterin des Staatsarchivs Münster, Mechthild Black-Veldtrup, zu einem Rückblick in die Geschichte, einen Einblick in die Gegenwart und einen Ausblick in die Zukunft der Institution Staatsarchiv. Archiv(bau)geschichte präsentierte sie dabei originell als Aktengeschichte und bediente sich dafür des 300 Jahre alten Katasters der kontribuablen Güter in der Grafschaft Mark, das durch die Zeitläufte sämtliche archivarischen Bearbeitungsformen – mit Ausnahme der Kassation – von der Verzeichnung über die Edition (Willy Timm: Kataster der kontribuablen Güter in der Grafschaft Mark, 1705. 1980) bis hin zur wissenschaftlichen Auswertung (Gisela Lange: Schatzpflichtige Güter in der Grafschaft Mark 1705. Münster 1988) erfahren habe. Die Akte mit den rund 7.000 aufgeführten kontribuablen Gütern findet sich heute im Bestand der Kleve-Märkischen Regierung (Landessachen 117), wird aber im nächsten Jahr auch im Rahmen des dann überarbeiteten und u.a. mit einer Findbuchrecherche- und einer Aktenbestellfunktion erweiterten Informationssystems der Archive in NRW zu finden sein. Bis dahin darf man sich mit der pünktlich zum gestrigen Festakt in Buchform erschienenen, nach 14 Jahren aktualisierten Beständeübersicht des Staatsarchivs Münster trösten.

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