Biografie über Marie Stritt aus dem Archiv der deutschen Frauenbewegung

Als Marie Stritt 1928 starb (siehe Siebenbürgische Zeitung Online), zeigten sich bedeutende Zeitgenossinnen überzeugt davon, dass ihr Name "nicht nur mit der Geschichte der deutschen Frauenbewegung, sondern mit der Geschichte des ganzen deutschen Volkes für immer verbunden" bleiben würde. Diese Erwartung erfüllte sich jedoch keineswegs: Heute weckt ihr Name nur bei Wenigen noch Assoziationen, und auch in der Forschung waren bisher nur einige karge Daten ihre Lebens bekannt. Dies zu ändern ist das Archiv der deutschen Frauenbewegung mit der Vorlage einer ersten Biographie von Marie Stritt angetreten. Wir waren neugierig geworden auf den außergewöhnlichen Lebensweg dieser eigenwilligen, klugen, bildungs- und lebenshungrigen jungen Frau aus Siebenbürgen, die zu einer der großen Führerinnen der bürgerlichen Frauenbewegung Deutschlands wurde und auch internationale Bedeutung erlangte.

Die biographische Arbeit erwies sich als außerordentlich spannend, denn sie ließ das schillernde Bild einer charismatischen Persönlichkeit lebendig werden, der ein scharfer Verstand und ein genialer Geist attestiert wurden und die einerseits – entgegen aller Klischees von der typischen Frauenrechtlerin – als überaus weibliche, auffallend schöne, stattliche und imposante Erscheinung mit einer nie versagenden Anmut beschrieben wurde, andererseits aber auch den Ruf einer "kampffrohen Streiterin" genoss, die Konflikten nicht aus dem Wege ging und der Kompromisse verhasst waren.

Das Faszinierende an Marie Stritt für mich als ihre Biographin ist, dass sie sich weder von den strengen Konventionen und geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen ihrer Zeit, noch von vielfältigen Anfeindungen davon abhalten ließ, ihren eigenen Weg zu gehen und sich unbeirrt, selbstsicher und vehement für ihre eigenen Rechte genauso wie für die Rechte aller Frauen einzusetzen. Und in diesem Sinne wäre es sehr wünschenswert, wenn Marie Stritt ins allgemeine Gedächtnis zurückgeholt werden könnte.

Quelle: Elke Schüller, Siebenbürgische Zeitung online, 20.2.2005

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