Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird 65

Er regiert über ein Reich von 17 Museen, über die Berliner Staatsbibliothek, Preußens Geheimes Staatsarchiv und einige Forschungseinrichtungen – Klaus-Dieter Lehmann gilt als einer der mächtigsten Kulturmanager Deutschlands. Als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat er die Aufsicht über Nofretete und Museumsinsel, über Pergamonaltar und Flick-Sammlung. Der Naturwissenschaftler, der Feinsinn und Organisationstalent verbindet, wird an einem Tag, den es dieses Jahr gar nicht gibt, am 29. Februar, 65 Jahre alt.

In Berlin habe er seinen Traumjob gefunden, äußert Lehmann in seinem Licht durchfluteten Zimmer in der Gründerzeit-Villa der Stiftung im Tiergarten. Von dort aus hat er in den vergangenen fünf Jahren ein enormes Pensum absolviert. Geschickt hat Lehmann den Stiftungskomplex mit einem Etat von 260 Millionen Euro durch den Streit von Bund und Ländern um Geld und Zuständigkeiten manövriert, die Sanierung des Weltkulturerbes Museumsinsel angestoßen und wichtige Sammlungen gewonnen. Mit 4,655 Millionen Besuchern, dem Riesenerfolg der MoMA-Ausstellung, den Eröffnungen der «Friedrich-Christian-Flick-Collection» und der Newton-Sammlung hat die Stiftung 2004 ein Rekordjahr gefeiert.

Bereits in seinen beiden früheren Positionen zeigte der gebürtige Breslauer Gespür für Publikumsnähe. Als er mit 38 Jahren Direktor der Universitätsbibliothek in Frankfurt wurde, baute er das Haus zu einer der benutzerstärksten deutschen Wissenschaftsbibliotheken aus.

Zehn Jahre später, als er die Leitung der Deutschen Bibliothek übernahm, bewies Lehmann Gefühl für Befindlichkeiten. Nach dem Mauerfall vermittelte er bei der Zusammenführung der Häuser in Frankfurt und Leipzig zwischen den deutsch-deutschen Stimmungslagen. «Organisieren und Vermitteln» – hier sieht Lehmann seine Stärken. In einem zunehmend von Bildern geprägten Alltag will er mit den Museen und Bibliotheken Text- und Bildkulturen zusammenführen, um neue Blickachsen und Erfahrungen zu schaffen. Trotz kritischer Stimmen hält er an dem Plan für eine «archäologische Promenade» auf der Museumsinsel fest. Die Touristen mit wenig Zeit sollen auf einfachem Weg zu den Hauptsehenswürdigkeiten gelangen und die anderen Besucher wenig beeinträchtigen. Es ist wohl diese Begeisterung und Leidenschaft, die Lehmann auch bei der Werbung von Sponsoren hilft. Angesichts der Finanzlöcher braucht die Stiftung auch private Unterstützung. Mit etwa drei Millionen Euro hat Lehmann im vergangenen Jahr das Spendenvolumen verdoppelt und die Eigeneinnahmen um ein Drittel gesteigert. Dass ausgerechnet zu Lehmanns Geburtstag Nofretete nach rund 40 Jahren ihr Nachkriegs-Domizil in Charlottenburg verlässt, ist Zufall. Der Umzug ist ein Meilenstein im Jahrhundertprojekt Museumsinsel. Nach Zwischenstation im Kulturforum am Potsdamer Platz wird am 3. August die königliche Schönheit auf die Museumsinsel zurückkehren.

Quelle: Frankfurter Neue Presse, 28.2.2005

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