Dresdner Bank im Dritten Reich

Die Dresdner Bank unterhielt während des Dritten Reiches enge Geschäftsbeziehungen zum nationalsozialistischen Regime. So lautet das Ergebnis der fast 2.400 Seiten umfassenden Forschungsarbeit \“Die Dresdner Bank im Dritten Reich\“, die dieser Tage in Berlin vorgestellt wurde.

Seit Ende 1997 hatte eine unabhängige Historikerkommission die Archive der Dresdner Bank gesichtet, ausgewertet und in der Studie zusammengefasst. \“Die Ergebnisse der Forschungsarbeit konfrontieren uns mit historischen Tatsachen, welche die Geschichte unserer Bank in der NS-Zeit in einem überaus kritischen Licht erscheinen lassen\“, sagt Wulf Meier, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank. \“Sie nennt die Dinge beim Namen. Wir akzeptieren diese Wahrheiten, auch wenn sie wehtun. Mit dieser umfassenden Aufarbeitung der Vergangenheit übernimmt die Bank die moralische Verantwortung für ihr Handeln.\“ 

Die Forschungsarbeit beleuchtet die geschäftlichen und politischen Verbindungen der Dresdner Bank zum NS-Staat. Im Zuge der Bankenkrise von 1931 mehrheitlich in den Besitz des Deutschen Reiches gekommen, wurde in der Dresdner Bank nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 die antisemitische Politik durchgesetzt. Mit Karl Rasche und Emil Meyer rückten zwei überzeugte Nationalsozialisten in den Vorstand auf. In den folgenden Jahren war die Bank an der Verdrängung der Juden aus dem öffentlichen Leben sowie der so genannten \“Arisierung\“ jüdischer Vermögen beteiligt und unterhielt eine enge Verbindung zur SS. Sie finanzierte Rüstungsunternehmen und hielt 26 Prozent an der Breslauer Huta AG, einem damals führenden Baukonzern, der Baumaßnahmen im Vernichtungslager Auschwitz ausführte. Dazu gehörte auch die Errichtung von Krematorien. 

Meier: \“Nach 1945 sind viele Menschen und Institutionen der Frage nach der eigenen Rolle in der NS-Zeit zunächst aus dem Weg gegangen. Das galt für viele deutsche Unternehmen – auch für die Dresdner Bank. Mit dieser Forschungsarbeit haben wir nun die Geschichte der Bank im Nationalsozialismus besonders sorgfältig und detailliert aufarbeiten lassen.\“ 

Der Vorstand der Bank hatte 1997 das Hannah-Arendt-Institut unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus-Dietmar Henke mit der Forschungsarbeit beauftragt. 2002 wechselte Henke auf den Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der TU Dresden und nahm das Projekt mit. Verfasst wurde die Forschungsarbeit von den Wissenschaftlern Johannes Bähr, Dieter Ziegler und Harald Wixforth. Herausgeber ist Klaus-Dietmar Henke.

Für die Untersuchung hat die Dresdner Bank in Frankfurt am Main ein Historisches Archiv aufgebaut. Die Historiker hatten uneingeschränkten Zugang zu allen Dokumenten. Der Zeitraum der Forschungsarbeit beginnt mit dem Jahr 1931, als das Deutsche Reich im Zuge der Bankenkrise 91 Prozent der Dresdner Bank übernommen hatte. Die Untersuchung endet mit dem Zusammenbruch des NS-Regimes im Jahr 1945. Insgesamt sichteten und erschlossen die Wissenschaftler rund zwölf Regalkilometer Akten. Die Gesamtkosten des Forschungsprojektes belaufen sich auf 1,6 Millionen Euro.

Info:
Klaus-Dietmar Henke (Herausgeber): Die Dresdner Bank im Dritten Reich. R. Oldenbourg Verlag, München 2006, vier Bände, 2376 Seiten, 79,80 Euro.

Link: http://www.eugen-gutmann-gesellschaft.de/

Quelle: INar, 17.2.2006

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