Gedächtnis der Stadt Neckarsulm am neuen Standort

Neckarsulm hat sein Stadtarchiv wieder in den Mittelpunkt des Stadtgeschehens gerückt. Nach zweieinhalb Jahren Umbau und Sanierung wurde jetzt das historische Gebäude Marktstraße 16 direkt neben dem Rathaus offiziell seiner Bestimmung übergeben. Der frühere Gasthof „Zur Rose“ ist die neue Heimat des Stadtarchivs Neckarsulm, das auf drei Stockwerken historische Dokumente und zeitgenössische Quellen unter optimalen Lagerbedingungen für die Nachwelt erhält und zu Forschungszwecken erschließt. In den klimatisierten Räumen werden derzeit 800 laufende Meter Archivgut sicher verwahrt. „Das Stadtarchiv hat eine tolle neue Heimat bekommen“, sagte Oberbürgermeister Joachim Scholz bei der Einweihung. „Dieses Gebäude ist wieder ortsbildprägend und eines der schönsten in unserer Stadt.“ Die 3,5 Millionen Euro für den „Totalumbau an der Grenze zum Neubau“ seien „außerordentlich gut und richtig investiert“, urteilte Joachim Scholz. Die Kombination von alter und neuer Bausubstanz sei herausragend und mache die Diensträume des Archivs zu den „mit Abstand schönsten in unserer Stadt“. Damit biete die Stadt auch einen neuen Bürgerservice: „Bürger, die das Archivgut einsehen wollen, können dies unter guten Rahmenbedingungen tun“, versicherte der OB.

Auch die Leiterin des Stadtarchivs, Barbara Löslein, verwies auf die „erhebliche Verbesserung für diejenigen, die das Stadtarchiv nutzen und dort arbeiten und für die historischen Dokumente“. Am neuen Standort könne das Stadtarchiv, das bislang im Notariatsgebäude in der Binswanger Straße untergebracht war, „seiner Aufgabe als Gedächtnis der Stadt besser gerecht werden“, erklärte die Archivleiterin. So sei der „Balanceakt“ gelungen, „in den historischen Mauern ein Archivgebäude zu errichten, das den Ansprüchen an Archive gerecht wird“. Der Lesesaal für Besucher mit angeschlossener Benutzerbibliothek befindet sich im ersten Obergeschoss. Das zweite Obergeschoss, das nur dem Archivpersonal zugänglich ist, dient als Hauptmagazin mit Verwaltungsakten von 1480 bis heute. Das dritte Obergeschoss wird als Magazinraum für städtebauliche Modelle und Gemälde genutzt. Im Erdgeschoss ist ein Bekleidungsfachgeschäft für Damen untergebracht. Am 16. Mai 2009 konnten sich bereits zahlreiche Besucher von dem gelungenen Umbau überzeugen und an Führungen durch das Stadtarchiv teilnehmen. Weitere Führungen sind im Juni und Juli geplant. Anmeldungen dafür nimmt das Stadtarchiv entgegen.

An die „sehr anspruchsvolle Bauaufgabe“ erinnerte Bürgermeister Klaus Grabbe. Das gesamte Gebäude musste ausgebeint und mit neuen Böden, Betondecken und -stützen ausgestattet werden, um die Last des Archivguts zu tragen. Die historische Sandsteinfassade aus dem 18. Jahrhundert, die seit 1967 hinter vorgesetzten Granitplatten verborgen war, wurde anhand von historischen Fotos originalgetreu rekonstruiert. „Eine Steinmetz-Meisterleistung“, so Klaus Grabbe. Auf der rückwärtigen Seite wurde die schöne Fachwerkfassade wieder hergestellt. Damit hat das Gebäude, das 1548 über einem älteren Gewölbekeller errichtet wurde, zwei Gesichter erhalten. „Die alte Neckarsulmer Rose ist wieder erblüht und strahlt prächtiger denn je“, lobte der Bürgermeister die gelungene Baumaßnahme, für die er dem ausführenden Architekten Roland Meister größte Anerkennung zollte. Im Magazin wurden drei mit Rosenornamenten verzierte Deckenbalken sorgfältig restauriert und erinnern an die ehemalige Bedeutung des Gebäudes.

Der Mitinhaber des Büros Meister + Wittich und Partner aus Stuttgart war am 22. April 2009 unerwartet gestorben und konnte so die Vollendung seines letzten Werkes nicht mehr miterleben. Gleichwohl hat sich Roland Meister mit der grundlegenden Sanierung des neuen Archivgebäudes in seiner Geburtsstadt ein besonderes Denkmal gesetzt. „Es ist eines der schönsten Gebäude in Neckarsulm geworden“, so Grabbe. „Nur wenige Gebäude atmen so eindrucksvoll die Neckarsulmer Vergangenheit.“ Dieser Tatsache war sich auch der Architekt voll bewusst. In seiner Eröffnungsrede, die er noch vor seinem Tod vorbereitet hatte, bemerkte Roland Meister: „Es lag uns am Herzen, dem alten Gasthof als einem der wenigen Gebäude im Stadtzentrum, das den Luftangriff im Zweiten Weltkrieg überstand, seine Würde zurückzugeben.“

Kontakt:
Stadtarchiv Neckarsulm
Marktstr. 16
74172 Neckarsulm
Tel.: 07132 / 35 – 331
Fax: 07132 / 3511 – 331
barbara.loeslein@neckarsulm.de

Quelle: Aktuelles Stadt Neckarsulm, 15.5.2009; Heilbronner Stimme, 15.5.2009

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