Hessischer Archivpreis 2009 für Archiv »Dokumentesammlung Herder-Institut« in Marburg

Der Hessische Archivpreis 2009 wurde dem Archiv "Dokumentesammlung Herder-Institut" in Marburg zuerkannt. Der von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gestiftete und gemeinsam mit dem Landesverband Hessen im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. – (VdA) ausgelobte Preis richtet sich an kleinere nichtstaatliche, insbesondere kommunale Archive in Hessen unter hauptamtlicher Leitung. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 5.000,00 Euro verbunden. Dieser Betrag muss für Zwecke des Archivs ausgegeben werden und darf Haushaltsmittel der Stadt nicht ersetzen. Mit dem jährlich vergebenen Archivpreis soll die Bedeutung von Archiven für die orts- und regionalgeschichtliche Forschung ebenso wie für die Aufarbeitung gesellschaftspolitischer Fragestellungen hervorgehoben werden.

Die Fachjury betont in ihrer Entscheidung insbesondere die außerordentlichen Leistungen auf dem Gebiet des Kulturgutschutzes durch die Übernahme und Erschließung umfangreicher Archivbestände aus privater Überlieferung. Hierzu gehören namentlich das 2006 übernommene Archiv der Baltischen Ritterschaften sowie die Bewahrung und Erschließung der 1939/40 in Riga verfilmten Archivbestände, die durch die Kriegsereignisse nur wenig später verloren gingen. Diese für die Geschichte der Deutschen im Baltikum unschätzbaren Quellen stellen hohe Anforderungen hinsichtlich der Bestandserhaltung. Die Preisverleihung soll am 26. November 2009 in Anwesenheit von Staatssekretär Gerd Krämer, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, in Marburg erfolgen.

Bisherige Preisträger des 2005 erstmals vergebenen Hessischen Archivpreises waren das Stadtarchiv Pfungstadt (2005), das Stadtarchiv Eschwege (2006), das Kreisarchiv Gießen (2007) und die "Stiftung Archiv der Deutschen Frauenbewegung“ Kassel (2008).

Mit dem Preis verbunden ist auch die Auszeichnung von Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise durch ehrenamtliche freiwillige Leistungen im Dienste der Kulturgutsicherung und Archivierung ausgezeichnet haben. Diese vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ausgelobten Auszeichnungen gehen in diesem Jahr an Frau Elisabeth Johann aus Altenstadt-Höchst für ihr jahrzehntelanges vielseitiges Engagement bei der Verzeichnung und Erschließung mehrerer Archive in Hessen, Herr Johann P. Moyzes für die Betreuung des Deutschen Pfadfinderarchivs im Archiv der Deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein und gemeinsam Herrn Gerd Velte und Herrn Helmut Fritz für die langjährige ehrenamtliche Betreuung des Stadtarchivs in Usingen. Auch ihnen wird die Auszeichnung, die mit jeweils 1.000 Euro verbunden ist, im Rahmen der Preisträgerverleihung in Marburg überreicht.

Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum begeht, ist eine Gemeinschaftsstiftung der Sparkassen. Sie wurde 1989 als "Hessische Sparkassenstiftung" errichtet und hat bereits 1990 ihre Arbeit in Thüringen aufgenommen. Neben ihr bestehen in Thüringen weitere 19 von Sparkassen errichtete Stiftungen, die vorwiegend örtliche kulturelle und gemeinnützige Zwecke fördern. Bundesweit gilt die Deutsche Sparkassenorganisation als größter nichtstaatlicher Förderer von Kunst und Kultur.

Kontakt:
Herder-Institut Marburg e.V.
Dokumentesammlung
Gisonenweg 5-7
D-35037 Marburg
Tel.: 06421 / 184-140
peter.woerster@herder-institut.de

Quelle: Pressemitteilung Dr. Thomas Wurzel, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Tel. 069/2175-511, Frankfurt/Marburg, 2. November 2009

Etablierung des Kreisarchivs Bitburg-Prüm

Die Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz veranstaltet zweimal jährlich die Fachtagung der rheinland-pfälzischen und saarländischen Archivarinnen und Archivare. Um sich der Vielfalt der Archive im Land bewusst zu werden bzw. zu bleiben findet diese immer an unterschiedlichen Orten statt. Am 9. November 2009 war das Kreisarchiv Bitburg Gastgeber und bestand die erste große Veranstaltung nach Aussage der Leiterin des Landeshauptarchivs Koblenz, Dr. Andre, so gut, dass sie gern „jeden November nach Bitburg kommen wolle“.

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Auch der scheidende Landrat Graef ließ es sich nicht nehmen, die von rund 50 Archivarinnen und Archivaren gut besuchte Tagung zu begrüßen und betonte die Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit ihrer Arbeit – denn Gegenwart erkläre sich ja zumeist erst schlüssig vor dem Hintergrund dessen, was uns von dem Vergangenen überliefert ist.

Thema der Herbsttagung war: Archivbau bei Kommunal-, Kreis- und Staatsarchiven. Allein deshalb bot sich Bitburg mit seinem Archivneubau hervorragend an und gab den Mitarbeitern der Kreisverwaltung die Möglichkeit, Konzept und Werdegang zu erläutern. Dies wurde durch eine Führung durch die neuen Räume von der Archivarin Tabea Skubski veranschaulicht und von den Besuchern mit großem Interesse verfolgt.

Weiterhin gab es Beiträge zu Konzepten des modernen Archiv- und Bibliothekbaus in Rheinland-Pfalz und dem Umbau des Duisburger Hofes des Bistumsarchivs Trier. Auch aktuelle Informationen zum Sachstand der archivrelevanten Gesetzgebung in Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie neues über das künftige rheinland-pfälzische Personenstandsarchiv in Koblenz wurden erläutert. „Alles in allem eine gelungene Veranstaltung für das noch junge Kreisarchiv“, so resümieren die Kreisarchivarin Skubski und ihr Mitarbeiter Joachim Löchl.

Kontakt:
Kreisarchiv des Eifelkreises Bitburg-Prüm
Amt 16 – Kultur, Schulen und Sport
Trierer Str. 3
D-54634 Bitburg
Tel: 06561/15-1660
Fax: 06561/15-1000
Zimmer D 166
kreisarchiv@bitburg-pruem.de
http://www.bitburg-pruem.de/cms/kreisarchiv

Odenwaldkreis mit Notfallboxen-Set ausgerüstet

Die Archivberatungsstelle Hessen, angesiedelt beim Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt, hat am 10. November 2009 in Erbach ein Notfallboxen-Set an das Archiv des Odenwaldkreises überreicht. Der Leiter der hessischen Archivberatung, Dr. Lars Adler, kam deshalb begleitet von seiner Mitarbeiterin Christiane Otto zur Kreisverwaltung, um Landrat Dietrich Kübler und Kreisarchivarin Anja Hering die Ausrüstung vorzustellen und deren Sinn und Zweck umfassend zu erläutern. Hessen strebt für die kommunalen Archive im Bundesland an, ein dichteres Netz mit den Notfallboxen für Fälle zu knüpfen, in denen schützenswertes Archivgut durch Naturkatastrophen oder Betriebsschäden gefährdet wird.

Wie Dr. Adler ausführte, machten nicht erst die Eindrücke des katastrophal anmutenden Einsturzes des Kölners Stadtarchivs, sondern bereits vorher manche Schadensereignisse in hessischen Archiven die Gefahren für das historische und kulturelle Erbe deutlich, so zum Beispiel das Hochwasser im Lahn-Dill-Kreis (Stadtarchiv Herborn, 1984). Mit den neuen Notfallboxen sei vor allem die Zielsetzung verbunden, das Bewusstsein für die Auseinandersetzung mit der Einrichtung einer frühzeitigen Notfallplanung zu schärfen.

Der Inhalt der Boxen ist auf den jeweiligen Schadensfall abgestimmt. Das aus vier Teilen bestehende Set umfasst Schutzausrüstung, Verpackungen und Materialien zur Erstversorgung der geschädigten Unterlagen. Mit diesen Komponenten kann das bedrohte Archivgut schnell – und vor allem fachgerecht – gesichert werden. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, eventuelle Folgeschäden wie beispielsweise einsetzenden Schimmelbefall aufzuhalten oder zumindest abzuschwächen.

„Das ist gut, wenn vorgesorgt werden kann“, sagte Landrat Kübler, der den Besuch der Archivberater begrüßte und nach dem Gespräch beim Ausladen der Notfallboxen aus dem Auto der Gäste gleich mit anpackte. Er freute sich darüber, dass der Odenwaldkreis zu den ersten Anlaufstellen des Staatsarchivs zählte, als es um die Ausrüstung mit den Boxen ging. Das Kreisarchiv übernimmt in diesem Zusammenhang auch die Rolle des direkten Ansprechpartners, wenn sich städtische oder gemeindliche Archive in Notfällen auf das Set angewiesen sehen. Die vier Boxen im Wert von jeweils rund 850 Euro (die Kosten trägt das Land) ergänzen sich in ihrer Ausstattung gegenseitig so, dass sie eine praktische Soforthilfe nach Wasser- oder Brandschäden ermöglichen. Zu den wichtigsten Stücken zählen Stretchfolien zur Vorbeugung gegen den Verfall von Schriftgut und anderen Archivmaterialien.

Die Archivberatungsstelle Hessen mit Sitz in Darmstadt ist mit Beginn des Jahres 2008 als Projektstelle eingerichtet worden mit der Aufgabe die mehr als 420 hessischen Städte und Gemeinden in Fragen der fachkundigen Archivierung zu beraten und zu unterstützen. So steht die Stelle als Dienstleister für Betreuer kommunaler Archive, kommunaler Archivträger sowie für Bürger mit Fragen zum Archivwesen zur Verfügung. Nähere Informationen bietet ihr Internetauftritt unter http://www.stad.hessen.de/archivberatung

Kontakt:
Archivberatungsstelle Hessen
am Hessischen Staatsarchiv Darmstadt
Dr. Lars Adler
Telefon 06151 165910
Christiane Otto
Telefon 06151 165911
Karolinenplatz 3
64289 Darmstadt
Telefax: +49 (0) 6151 16 59 01
archivberatung@stad.hessen.de

Quelle: Odenwaldkreis, Pressemitteilung, 11.11.2009

Unternehmen digitalisiert Kriegsstammrollen für das Bayerische Kriegsarchiv

Was es bislang im Original im Kriegsarchiv des Bayerischen Hauptstaatsarchivs gab, soll es fortan online "exklusiv auf Ancestry" geben, wie der im US-amerikanischen Utah ansässige Genealogie-Dienstleister auf seiner Webseite mitteilt. Die Firma Ancestry, die früher den Namen The Generations Network GmbH trug, bemüht sich seit einigen Jahren um die Nutzung von Archivquellen zum Aufbau ihres internationalen Internetangebots für familiengeschichtlich relevante Daten. Sie digitalisiert diese Quellen, überträgt die genealogischen Daten in ihre Datenbanken und bietet diese zur kostenpflichtigen Nutzung auf ihrer Webseite an.

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Neben dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv führt Ancestry eine Reihe weiterer Archive in seiner Partnerliste an, so das deutsche Bundesarchiv und das Schweizerische Bundesarchiv, die Staatsarchive Bremen und Hamburg sowie das Archiv der Hansestadt Lübeck. Das Landeshauptarchiv Schwerin wird nicht genannt, obwohl Ancestry von den Mecklenburgern vor zwei Jahren die Volkszählungsdaten von 1819 zur Nutzung erhalten hat (siehe Pressemitteilung vom 16.7.2007).

Dass die Zusammenarbeit von öffentlichen Archiven mit privatwirtschaftlichen Unternehmen, wie Ancestry, denen exklusive Verwertungsrechte von digitalisiertem Archivgut vertraglich eingeräumt werden, in der Archivszene nicht unumstritten ist, berichtet ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung ("Mein Urgroßonkel, der Gebirgsschütze") über den nächsten Coup des Unternehmens nicht.

Seit Frühjahr 2008 bereitete Ancestry im Bayerischen Kriegsarchiv die Digitalisierung der 23.000 Bände mit bayerischen Kriegsstammrollen vor – Akten also, die die königlich bayerische Armee während des Ersten Weltkriegs 1914 bis 1918 über ihre Soldaten anfertigte. Die ersten knapp 5.000 digitalisierten Bände will Ancestry nun am 11. November 2009 in sein Online-Angebot einfügen.

Dr. Lothar Saupe, der Leiter des Kriegsarchivs, hätte lange erfolglos nach Sponsoren für die Digitalisierung gesucht, berichtet die SZ. Inwieweit der konservatorische Zustand dieser Unterlagen es notwendig macht, sie jetzt zu digitalisieren, geht aus dem Beitrag nicht hervor. Der neue VdA-Vorsitzende Michael Diefenbacher wird hingegen mit der zutreffenden Aussage zitiert "Familienforscher sind eine Geldeinnahmequelle für Archive". In den staatlichen Archiven Bayerns dürften Familienforscher jedoch kostenlos arbeiten. Anders sei das freilich für ein kommerzielles Internetportal, so die SZ weiter: "Zwar fließt nicht unmittelbar Geld. Allerdings stellt eben Ancestry das Personal, das noch bis Mitte 2010 mit zudem hohem technischen Aufwand die restlichen Kriegsstammrollen digitalisiert. Das Portal darf sie danach für seine Zwecke nutzen, das Archiv bekommt Kopien der Daten". Wenn das Kriegsarchiv diese Aufgaben selbst erledigen müssten, "würde das Jahrzehnte dauern", so Archivleiter Saupe erleichtert gegenüber der SZ.

Kontakt:
Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Abt. IV Kriegsarchiv
Leonrodstr. 57
80636 München
Tel. 089/18951680
Tel. 089/18951680
kriegsarchiv@bayhsta.bayern.de

Quelle: Michael Tibudd, SZ, 6.11.2009

10 Jahre VKA und die Umsetzung des Landesarchivgesetzes in Schleswig-Holstein

Der Verband schleswig-holsteinischer Kommunalarchivarinnen und -archivare (VKA) hatte am 30. Oktober 2009 anlässlich seines 10-jährigen Bestehens in das Kieler Schifffahrtsmuseum geladen. In dem schönen Rahmen des Museums wurde den etwa 40 interessierten Gästen ein anregender, informativer und genussvoller Abend geboten. Die Beauftragte für Minderheiten und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, Frau Caroline Schwarz, überbrachte die Grüße des Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und des neuen Kultur- und Bildungsministers Dr. Ekkehard Klug. Ihre persönliche Ansprache offenbarte, dass sie sich unter Archivarinnen und Archivaren wohl und vertraut fühlt.

Katharina Tiemann aus Münster, Vertreterin des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) hatte einen bunten Strauß an guten Wünschen mitgebracht. Sie betonte, dass die erfolgreiche Aktivität des VKA auch über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen wird und auch in den übrigen Bundesländern noch viel Arbeit für die Stärkung des kommunalen Archivwesens nötig ist. Der Direktor des Landesarchivs Schleswig-Holstein, Professor Rainer Hering, zeigte sich in seinem Grußwort erstaunt über das jugendliche Alter des Geburtstagskindes. Mit einigen Beispielen belegte er die enge Verbindung und ausgezeichnete Zusammenarbeit des Landesarchivs mit den Kommunalarchiven.

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Abb. 1: Dem Gedächtnisschwund begegnen: Archivare Tiemann und Hering diskutieren mit den Landtagsabgeordneten Spoorendonk und Weber, moderiert von Journalist Dahmen (von links) (Foto: VKA)

Anke Rannegger, Stadtarchiv Wedel und 2. Vorsitzende des VKA, konnte in ihrem Rückblick unter dem Titel „Topps und Flops aus 10 Jahren Arbeit des VKA“ die Kreativität und Vielfältigkeit des Engagements für das schleswig-holsteinische Archivwesen herausstreichen. Erst in der Rückschau wurde deutlich, dass in den 10 Jahren viel erreicht werden konnte und die Bandbreite der Zusammenarbeit mit anderen Berufen, wie z.B. Journalisten, Informatikern, Datenschützern und Fundraisern erstaunlich groß war. Einige größere Projekte floppten und stellten die Zähigkeit des ehrenamtlichen Vorstands des VKA auf die Probe. – Anschließend durften sich die Teilnehmer an einem phantasievollen und leckeren schleswig-holsteinische Buffet stärken und die persönlichen Kontakte pflegen.

Einleitend zum eigentlichen Höhepunkt der Veranstaltung stellte die 1. Vorsitzende des VKA, Jutta Briel vom Stadtarchiv Kiel, in ihrem Vortrag „Vom Ist zum Soll. Perspektiven für die s-h Archivlandschaft“ dar, woran es konkret hapert. Rund 40 Prozent der Kommunen in Schleswig-Holstein, darunter drei Kreise haben trotz gesetzlicher Verpflichtung noch keine Archivlösung. Auch die bestehenden Archive können ihr Potential nicht ausschöpfen, da es oft an Professionalität und personellen Kapazitäten mangelt.

Unter dem Titel „Das ausgebremste Archiv. Die Umsetzung des Landesarchivgesetzes in Schleswig-Holstein“ stellten sich anschließend die fünf Landtagsabgeordneten Christine Musculus-Stahnke (FDP), Anke Spoorendonk (SSW), Ines Strehlau (Bündnis 90/ Die Grünen), Jürgen Weber (SPD) und Wilfried Wengler (CDU) gemeinsam mit den Archivaren Katharina Tiemann, Rainer Hering und Kirsten Puymann (VKA) den Fragen des NDR-Redakteurs Karl Dahmen.

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Abb. 2.: Gesprächsthema Archiv: Journalist Dahmen mit den Landtagsabgeordneten Strehlau und Musculus-Stahnke, Archivarin Puymann und dem Abgeordneten Wengler (von links) (Foto: VKA)

In der Diskussion wurde einmal mehr deutlich, dass Archive nicht nur für die Geschichtsforschung, sondern auch für eine lebendige Demokratie und eine effiziente Verwaltung unentbehrlich sind. Festgestellt wurde, dass der durch die mangelnde Archivausstattung ausgelöste Gedächtnisschwund im Lande vor allem auf die starke Lobbyarbeit der kommunalen Landesverbände zurückzuführen sei. Leider wird dort die Archivierung des kommunalen Schrift-gutes eher als Last, denn als Chance begriffen. Vor allem die Oppositionsparteien stellten klar, dass es nicht allein Sache der Archivare und des VKA sein kann, für die Einrichtung von Archiven zu werben.

Zudem kann nicht akzeptiert werden, dass ein Gesetz von öffentlichen Verwaltungen nicht befolgt wird. Hier besteht deutlich Handlungsbedarf. Verschiedene Modelle, wie die Einrichtung einer zentralen Archivberatungsstelle und/oder der Ausbau der Kreisarchive zu regionalen Archivkompetenzzentren wurden diskutiert. Solche erstrebenswerten Hilfeleistungen für kleinere Kommunen sind allerdings nicht ohne Umverteilung von Finanzmitteln realisierbar. Die Diskussion endete mit dem Ausblick, dass sich der Landtag auf Initiative des SSW demnächst noch einmal mit der Problematik befassen wird.
Die Archivarinnen und Archivare und der VKA freuen sich über eine öffentliche Diskussion und werden sich aktiv beteiligen. – Mit anregenden Gesprächen bei einem Glas Wein oder Bier klang die Jubiläumsfeier des VKA aus.

Jutta Briel 5.11.2009

Kontakt:
Verband schleswig-holsteinischer Kommunalarchivarinnen und -archivare e.V
Geschäftsstelle:
Jutta Briel
Stadtarchiv Kiel
Fleethörn 9-17
24103 Kiel
www.vka-sh.de

Gründung eines Notfallverbundes Archivwesen für den Hochtaunuskreis

Das Kreisarchiv des Hochtaunuskreises hat gemeinsam mit den hauptamtlich besetzten Stadtarchiven der Städte Bad Homburg, Königstein, Kronberg und Oberursel den „Notfallverbund Archivwesen für den Hochtaunuskreis“ gegründet. Hierzu unterzeichneten heute Landrat Ulrich Krebs, Oberbürgermeister Michael Korwisi, Bürgermeister Leonhard Helm, Bürgermeister Klaus Temmen und Bürgermeister Hans-Georg Brum die Notfallvereinbarung. Sie hat zum Ziel, alle bestehenden Ressourcen zum Schutz des Kulturgutes zusammenschließen und sich gegenseitig in dieser Arbeit zu unterstützen. „Das Hochwasser an der Oder und an der Elbe, die Brandkatastrophe in der Herzogin Anna Amalia-Bibliothek in Weimar oder der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln zeigen, welche Gefahren dem Archivgut unerwartet drohen können. Schäden durch Wasserrohrbrüche, Grundwassereintritt und Brände können auch bei uns auftreten und sind nicht immer zu verhindern. Durch eine entsprechende Vorsorge kann jedoch die Ausbreitung der Schäden in Grenzen gehalten werden. Genau das wollen wir mit dem Notfallverbund erreichen“, erklärt Landrat Ulrich Krebs.

Im Rahmen der Unterzeichnung der Notfallvereinbarung übergab Dr. Lars Adler, Leiter der Archivberatungsstelle Hessen, dem Kreisarchiv als Grundstein für die Arbeit des Verbundes ein so genanntes Notfallboxenset. Dieses enthält Materialien, um im Notfall erste Maßnahmen zur Rettung geschädigter Archivalien durchführen zu können. So finden sich darin Einweg-Schutzanzüge, Mundschutz und Handschuhe, aber auch Stifte, Block und Etiketten, um den Schaden aufzunehmen und die Archivalien zu kennzeichnen. Praktische Gegenstände wie ein Werkzeugkoffer, eine Lampe und ein Mehrfachstecker sollen die Bergung der Archivgegenstände erleichtern.

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Abb.: Die Archivarinnen Dr. Astrid Krüger (Stadtarchiv Bad Homburg v.d.H.; 2. v.l.) und Maria Kobold (Kreisarchiv des Hochtaunuskreises; 1. v.r.) präsentieren mit ihren Kolleginnen eine Notfallbox (Foto: Hochtaunuskreis).

Adler lobte die Gründung des neuen Verbundes und betonte deren Bedeutung mit hessenweitem Modellcharakter vor allem für kleinere Kommunalarchive. Landrat Krebs sieht in dem neuen Zusammenschluss eine große Chance für die Sicherstellung des Archivguts. Der Aufwand an Zeit und Geldmitteln (Erwerb des Notfallboxensets) sei nicht sonderlich groß, bringe jedoch einen enormen Nutzen durch die gemeinsame Arbeit und gegenseitige Hilfestellung der Verbundmitglieder.

Die verabschiedete Notfallvereinbarung sieht nicht nur die detaillierte Planung präventiver Maßnahmen, sondern auch die Übungen für den Notfall vor. Im Rahmen regelmäßiger Schulungen soll der Ernstfall geübt und gedanklich durchgespielt werden. Erste Erfahrungen sammelten die Archivare bereits im April bei der Bergung der Archivalien des Historischen Archivs der Stadt Köln (vgl. den Bericht der Kreisarchivarin) und im Oktober bei einer Notfallübung im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden.

Das Hessische Hauptstaatsarchiv entwickelt derzeit mit einigen kulturellen Einrichtungen der Stadt Wiesbaden ebenfalls einen Notfallverbund. An einer ersten Schulung durfte der Notfallverbund des Hochtaunuskreises teilnehmen. Die Teilnehmenden wurden im Umgang mit geschädigten Materialien zunächst theoretisch geschult und setzten diese Kenntnisse danach praktisch um. Durchnässte Archivalien wurden in Folie eingewickelt und für die Schockgefrierung vorbereitet. Aus den Regalen herausgefallene, trockene Archivalien wurden fachgerecht in Umzugskisten gepackt. Für diese Übung stellte das Hauptstaatsarchiv eine Notfallbox zur Verfügung. Die Teilnehmer bekamen so einen guten Einstieg zur Handhabung der Notfallboxen sowie der Arbeitsabläufe im Notfall.

Kontakt:
Kreisarchiv Hochtaunuskreis
Ludwig-Erhard-Anlage 1-5
61352 Bad Homburg v.d. Höhe
Tel.: 06172-999-4613
Fax: 06172-999-9800
kreisarchiv@hochtaunuskreis.de

Quelle: Hochtaunuskreis, Pressemitteilung 180/2009, 5.11.2009

Profilierung der Kommunalarchive durch Historische Bildungsarbeit

Vom 9.-11. November 2009 ist die Stadt Wolfsburg Gastgeberin für die Fortbildung "Profilierung der Kommunalarchive durch Historische Bildungsarbeit" der Bundeskonferenz der Kommunalarchivare (BKK) beim Deutschen Städtetag. Über 70 Teilnehmer aus den neuen und alten Bundesländern werden erwartet. Mit der Wahl des Tagungsortes werden die besonderen Leistungen des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (ehemaliges Stadtarchiv Wolfsburg), insbesondere in archivpädagogischer Hinsicht, honoriert.

Jährlich, in diesem Jahr zum 18. Mal, veranstalten das LWL-Archivamt für Westfalen, der Unterausschuss Aus- und Fortbildung der Bundeskonferenz der Kommunalarchive (BKK) beim Deutschen Städtetag und die Fachgruppe Kommunalarchive im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. (VdA) ein dreitägiges Fortbildungsseminar.

Es richtet sich vor allem an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kommunalarchiven und nimmt zentrale Themen archivischer Tätigkeit in den Blick, in diesem Jahr die historische Bildungsarbeit im Archiv. Die BKK-Seminare sollen den bundesweiten fachlichen Austausch von Kommunalarchiven fördern.

Interessiert Bürgerinnen und Bürger können an nachfolgenden Vorträgen im Hörsaal 1 im Aalto-Kulturhaus teilnehmen:

  • Montag, 09.11.2009, 16:00 Uhr – Dr. Ulrike Gutzmann (Historischen Kommunikation der Volkswagen AG, Wolfsburg) referiert zum Thema …und läuft, und läuft, und läuft…Audiovisuelle Medien im Unternehmensarchiv der Volkswagen AG
  • Dienstag, 10.11.2009, 9:30 Uhr – Christian Heuer (Wolfsburg) referiert zum Thema Schule und Archiv in der Praxis
  • Mittwoch, 11.11.2009, 9:00 Uhr – Dr. Birgit Schneider-Bönninger (Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation) referiert zum Thema Archive und Stadtmarketing

Kontakt:
Stadtarchiv Wolfsburg
Goethestraße 10a (Goetheschule, Eingang C)
38440 Wolfsburg
Telefon: 05361 – 275739
Telefax: 05361 – 275757
birgit.schneider-boenninger@stadt.wolfsburg.de

Quelle: Stadt Wolfsburg, Pressemitteilung, 5.11.2009

Fürsten, Macht und Krieg. Der Jülich-Klevische Erbfolgestreit

Der Tod des letzten kinderlosen Herzogs Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg löste vor 400 Jahren eine dramatische Krise um die Nachfolge am Niederrhein aus. In ihren europäischen Dimensionen waren die politischen und militärischen Ereignisse das Vorspiel zum Dreißigjährigen Krieg. Die Teilung des Landes und die daraus resultierenden politischen und religiösen Weichenstellungen zeigen Wirkung bis in die heutige Zeit.

Die Ausstellung "Fürsten, Macht und Krieg. Der Jülich-Klevische Erbfolgestreit" ist vom Stadtmuseum Düsseldorf in Kooperation mit dem Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, konzipiert worden und erinnert an eine bedeutende Epoche der Landesgeschichte. Neben Ölgemälden, Graphiken und Karten werden erstmalig kostbare Urkunden und Handschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert präsentiert.

Info:
Fürsten, Macht und Krieg.
Der Jülich-Klevische Erbfolgestreit
7.11.2009 – 3.1.2010
Stadtmuseum Düsseldorf, Berger Allee 2, 40213 Düsseldorf
Eröffnung: Freitag, 06. November um 19:30 Uhr

Kontakt:
Stadtmuseum Düsseldorf
ehemals Palais Spee
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf
Telefon 0211 89-96170
Telefax 0211 89-94019
stadtmuseum@duesseldorf.de

Museumsnacht auf den Spuren des Stadtarchivs Köln

"Das Vergessen kommt immer sehr schnell", so Michael Euler-Schmidt vom Kölnischen Stadtmuseum. Damit dies nicht geschieht, stellen gleich mehrere Häuser Archivalien und Materialien rund um das verschüttete Stadtarchiv zur Langen Nacht der Kölner Museen am Samstag, 7. November 2009, aus.

Der Verbundbrief konnte gerettet werden. Die Siegel wurden allerdings durch den Druck beschädigt. Das Stadtmuseum zeigt so innerhalb der Ausstellung "Heimatkunde" von Koken Nomura geborgene und teilweise auch schon restaurierte Schätze aus dem ehemaligen Stadtarchiv. So etwa den "Verbundbrief", die Verfassung Kölns, die von 1396 bis 1794 Gültigkeit besaß. Es ist eines der wichtigsten Dokumente des Mittelalters. Das ausgestellte Exemplar überlebte den Einsturz relativ unbeschadet, da es sich zum Unglückszeitpunkt nicht im Keller befand.

"Je mehr Last auf die Archivalien gefallen ist, desto größer sind natürlich auch die Beschädigungen", erläutert Max Plassmann, Archivar des Historischen Archivs der Stadt Köln. Glück hätten auch Stücke gehabt, die gut verpackt gewesen waren. Dass allerdings viele Papiere der Kölner Vergangenheit das Unglück nicht so gut überstanden haben, bezeugen weitere Ausstellungsstücke, wie etwa die "Kölnflocken". Gemeint sind damit die Papierschnipsel, die zahlreich aus den Trümmern geborgen wurden. Weit über drei Millionen dieser "Puzzleteile" bedeuten jede Menge Arbeit für die Archivare, Restaurateure und Helfer.

Zu sehen sind aber auch ungewöhnliche Fundstücke. Erstaunt waren die Archivare zum Beispiel als bei den Aufräumarbeiten der Schlüssel zur Severinstorburg auftauchte. Ein Objekt der Kölner Stadtgeschichte auf das der Direktor des Stadtmuseums gleichwohl ein Auge geworfen hat. "Das gehört ja eingentlich ins Stadtmuseum", stellt Euler-Schmidt verschmitzt fest. "Vielleicht kann man da ein Tauschgeschäft arrangieren."

Neben dem Kölnischen Stadtmuseum zeigt auch das Wallraf-Richartz-Museum gerettetes Material. Im Museum Ludwig dokumentiert eine Foto-Ausstellung die Arbeit an dem beschädigten Archivgut, das Museum für Angewandte Kunst zeigt Baupläne des zerstörten Monuments.

Link: Weitere Informationen zur Langen Nacht der Kölner Museen

Quelle: Kerstin Bernards, Koeln.de, 3.11.2009

Lippstädter Unternehmerinnen zu Gast im Stadtarchiv

Das (Langzeit-)Gedächtnis der Stadt Lippstadt war vergangene Woche Ziel des Luna-Herbsttreffens (LUNA = Lippstädter Unternehmerinnen). 16 Unternehmerinnen stellte Dr. Claudia Becker, Fachdienstleiterin Archiv und Museum der Stadt Lippstadt, zunächst den klassischen Ausbildungs- und Werdegang einer Archivarin vor. Immer wieder seien Archive und ihre Bediensteten auch Gegenstand von Darstellungen in Film und Fernsehen, wo die bekannten Klischees wie „langweiliger Archivar mit Ärmelschonern im verstaubten Keller“ o. ä. gern bedient würden.

Dass dies mit einem modernen Stadtarchiv nichts zu tun hat, wurde im Zuge der professionellen und lebendigen Erläuterungen durch die Lippstädter Chefarchivarin schnell klar. Die Unterhaltung eines Archivs sei keine freiwillige Aufgabe einer Kommune, wie etwa die Bereitstellung eines Museums, sondern dazu sei die Stadt qua Archivgesetz verpflichtet. Dieses enthalte zahlreiche Aufgaben öffentlicher Archive, von der Auswahl ("Bewertung") der zu archivierenden Dokumente über ihre Verpackung, Verzeichnung und Bereitstellung für die Benutzung. Die Auswahl liegt demnach allein beim Archiv. „Da nur ca. 5% des gesamten Dokumentenaufkommens aus der Stadtverwaltung archiviert werden, ist die Auswahl des archivwürdigen Materials eine Herkulesaufgabe.“, so Dr. Claudia Becker, über deren gute Erfüllung oft erst die Zeit entscheidet. Aktuell sei die Übernahme und Archivierung elektronischer Daten eins der größten Probleme.

Neben dem Archivgut aus der Stadtverwaltung gibt es im Stadtarchiv Lippstadt allerdings auch noch Material aus privater Herkunft, etwa von Familien, Firmen oder Vereinen. Derartiges Material wurde dem Archiv entweder komplett überlassen oder hier als Leihgabe hinterlegt. Wichtig sind solche Dokumente und Bilder immer dann, wenn sie auch eine breite Öffentlichkeit interessieren und für die Stadtgeschichte von besonderem historischen Wert sind. Das Stadtarchiv sei immer bemüht, möglichst viele dieser Archivalien dann auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, versicherte Frau Dr. Becker. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die komplette Sammlung der Ausgaben der Lippstädter Tageszeitung „Der Patriot“ seit der ersten Ausgabe 1848. Gefragt nach dem größten Schatz des Archivs zeigte Frau Dr. Becker, nun doch mit den obligatorischen weißen Handschuhen, den Unternehmerinnen das erste Stadtrecht von Lippstadt, das Graf Bernhard persönlich seiner Stadt um 1220 gewährt hat.

Kontakt:
Stadtarchiv Lippstadt
Soeststr.8
59553 Lippstadt
Telefon: 02941-980 262
Telefax: 02941-980 261
stadtarchiv@stadt-lippstadt.de

Quelle: Stadt Lippstadt, Pressemeldung, 3.11.2009

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