Neue Strukturen – bewährte Methoden? Was bleibt vom Archivwesen der DDR

Am 3. Oktober 1990 traten die Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der Bundesrepublik Deutschland bei und beendeten dadurch die Existenz der Deutschen Demokratischen Republik. Die damit verbundene grundlegende Veränderung des Gesellschaftsmodells und des Staatsaufbaus hatte weitreichende Folgen – auch für die Strukturen des Archivwesens. Die Archivschule Marburg nimmt das zwanzigjährige Jubiläum der Wiedervereinigung zum Anlass, am 23. und 24. November 2010 beim 15. Archivwissenschaftlichen Kolloquium das Archivwesen der DDR und seine Nachwirkung über das Jahr 1990 hinaus zu beleuchten.

Öffentliche Archive stehen traditionell in großer Nähe zum jeweiligen Staatswesen. Das war in der DDR so, das ist in der alten wie der neuen Bundesrepublik nicht anders. Die Archive der DDR waren mehr oder weniger stark den direkten Einflussnahmen des SED-Staates ausgesetzt, gleichwohl haben Leistungen des Archivwesens ihre Bedeutung über das Jahr 1990 hinaus behalten. Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung versucht die Archivschule Marburg jenseits von Abrechnung oder Verklärung eine kritische Würdigung.

Die Tagung "Neue Strukturen – bewährte Methoden? Was bleibt vom Archivwesen der DDR" widmet sich diesem Thema in drei Sektionen. In Sektion 1 werden die typischen Organisationsformen und Strukturen in verschiedenen Bereichen des Archivwesens der DDR vorgestellt, wobei die Referentinnen und Referenten sowohl auf die historischen Besonderheiten der ausgewählten Archivsparten wie auch auf deren Folgen für die Gegenwart eingehen werden.

Die zweite Sektion nimmt die Archivarsausbildung in den Blick. Die Qualitäten und Defizite der verschiedenen Ausbildungsgänge sollen herausgearbeitet sowie ihre Tauglichkeit für die Praxis vor und nach 1990 diskutiert werden.

In Sektion 3 stehen die archivischen Fachaufgaben im Mittelpunkt. An den Beispielen Überlieferungsbildung, Erschließung und Benutzung sollen die in der DDR entwickelten Methoden und Instrumente vorgestellt sowie ihr Nutzen für die Bewältigung damaliger wie heutiger fachlicher Anforderungen beurteilt werden.

Programm

Dienstag, 23. November 2010

11.00 Uhr Eröffnung und Grußworte

11:30 – 12:30 Eröffnungsvortrag
Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Berlin:
Vergangenheit für die Zukunft. Die Aufarbeitung der SED-Diktatur mit Hilfe der Stasi-Akten

12:30 – 14:00 Mittagspause

14:00 – 15:45
Sektion 1: Strukturen und Nachwirkungen in ausgewählten Archivsparten
Moderation: Dr. Volker Hirsch, Archivschule Marburg

Dr. Hermann Schreyer, Potsdam:
Das staatliche Archivwesen der DDR – ein Überblick unter besonderer Berücksichtigung der politischen und fachlichen Besonderheiten

Dr. Horst Henning Pahl, Bundesarchiv, SAPMO, Berlin:
„Archivierung von Archiven“ – der Umgang mit dem Schriftgut der Parteien und Massenorganisationen der DDR nach 1990

Birgit Salamon/Dr. Karsten Jedlitschka, BStU, Berlin:
Das archivische Erbe der Staatssicherheit

Pause

16:15 – 17:30
Dr. Katrin Verch, Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam:
Wirtschaftsarchivwesen der DDR – Praxis und Nachwirkungen

Dr. Gerald Kolditz, Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig:
„Kommunalarchive“ in der DDR – Spielräume im staatlichen Archivwesen?

17:30 – 18:45

Sektion 2: Die Archivarsausbildung zwischen Theorie und Praxis
Moderation: Dr. Irmgard Christa Becker, Archivschule Marburg

Lutz Schilling, Thüringisches Staatsarchiv, Gotha:
ius archivi – archivwissenschaftliche Ausbildung an der Humboldt-Universität zwischen Zwang und Wirklichkeit der 80er Jahre

Christine Gohsmann, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin:
Gut vorbereitet für die (Archiv-)Praxis? Struktur und Inhalte des Studiums zum/zur Diplom-Archivar/in (FH) in Potsdam vor und nach 1990

Sigrid Unger, Historisches Archiv des Vogtlandkreises, Oelsnitz:
Nur ein Assistent im Archiv? – Zur Archivassistenten-Ausbildung in der DDR

20:00 Gemeinsames Abendessen

Mittwoch, 24. November 2010

8:30 – 10:30
Sektion 3: Archivische Fachaufgaben im Wandel der Systeme
Moderation: Dr. Annegret Wenz-Haubfleisch, Hessisches Staatsarchiv Marburg

Kerstin Risse, Bundesarchiv, Abt. DDR, Berlin:
Schriftgutverwaltung und Archivierung in DDR-Ministerien – Anspruch und Realität der Verwaltungsarchive

Ilka Stahlberg, Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam:
Bewertungsinstrumente in Ost und West – ein Methodenvergleich

Gabriele Viertel, Stadtarchiv Chemnitz:
Überlieferungsbildung des Stadtarchivs Karl-Marx-Stadt/Chemnitz

Pause

11:00 – 12:15
Gisela Haker, Bundesarchiv, Abt. DDR, Berlin:
Erschließung in staatlichen Archiven der DDR – Regeln, Ergebnisse und Nachhall

Petra Rauschenbach, Bundesarchiv, Abt. DDR, Berlin:
Zugang zu Archivgut – Norm und Praxis

12:15 – 13:30
Zusammenfassung und Abschlussdiskussion
Leitung: Dr. Thekla Kluttig, Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig

Programm: http://www.archivschule.de/uploads/Forschung/kollo2010.pdf

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