Neue Broschüre »Mittelalterliche Schätze auf Pergament« des Stadtarchivs Bad Kreuznach

Jahrelang lagerten sie ohne besondere Beachtung in einem Kasten. Doch eine wissenschaftliche Anfrage brachte einen „kostbaren Schatz“ im Stadtarchiv Bad Kreuznach zu Tage. Handschriftenfragmente aus dem Mittelalter, die zum Teil älter sind als das Wahrzeichen unserer Stadt, die alte Nahebrücke mit ihren Brückenhäusern, und älter als die Kauzenburg.

Oberbürgermeister Andreas Ludwig präsentiert gemeinsam mit der Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann die Publikation „Mittelalterliche Schätze auf Pergament. Einige Kreuznacher Handschriftenfragmente.“ Ziel der neuen Schriftenreihe ist es, zum einen unbekannte, besondere oder herausragende Bestände des Stadtarchivs vorzustellen. „Zum anderen sollen bisher unerforschte Themen zur Bad Kreuznacher Stadtgeschichte einem interessierten Leserkreis näher gebracht werden; wissenschaftlich fundiert und mit interessanten Bildquellen illustriert“, so der OB.

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Abb.: Die kostbaren Schätze im Stadtarchiv präsentieren Oberbürgermeister Ludwig und Franziska Blum-Gabelmann (Foto: Stadt Bad Kreuznach)

Bei ihrer Recherche für die wissenschaftliche Erschließung und Katalogisierung von deutschen und lateinischen mittelalterlichen Schriften fragte Dr. Brigitte Pfeil im Jahr 2007 auch beim Stadtarchiv Bad Kreuznach an. Dort fand sich zunächst der gesuchte „Rennewart“, ein Werk in mittelhochdeutscher Sprache, das ursprünglich von Ulrich von Türheim, einem berühmten Dichter des Mittelalters, verfasst worden war. „Rennewart“ ist der „heidnische Königssohn aus dem Orient“. Erzählt wird sein Leben vom Aufstieg am karolingischen Königshof bis hin zu seinem Eintritt ins Kloster.

Gefunden wurden weitere handschriftlichen Fragmente aus dem 12. bis 15. Jahrhundert, mindestens eines aus dem 11. Jahrhundert. Herausragend dabei, da in dieser Form der Wissenschaft bis dato unbekannt, das „Speculum Virginum“. Der „Jungfrauenspiegel“ wurde um 1140 in lateinischer Sprache als Lehrtext für Klosterfrauen verfasst. Gemeinsam mit ihrem Doktorvater Universitätsprofessor (em.) Dr. Uwe Ruberg stellt Dr. Brigitte Pfeil in der Broschüre einige Handschriftenfragmente vor.

Die Broschüre, die vom Verlag Ess realisiert und gestaltet wurde, ist für 7,50 Euro im Buchhandel sowie im Stadthaus, Hochstraße 48, und im Stadtarchiv, Dessauer Straße 49, zu erwerben. Mit finanzieller Hilfe der Hans und Harry Staab Stiftung konnten die Pergamente restauriert werden. Dank gilt auch Dekanatskantor Klaus Evers, der im Graduale Romanum die Gesänge der Handschriften identifizieren konnte.

Aus diesen Ergebnissen leitete Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann die Idee „ mittelalterliches Hören und Sehen an einem authentischen Ort ab“. Am 29. März 2009 war die St. Nikolauskirche voll besetzt. Das „Chorale Augustiniense“ aus Pfaffen-Schwabenheim unter der Leitung von Martin Hindrichs sang Choräle. Ingo Espenschied präsentierte die Pergamentfragmente im Zusammenspiel mit den Referenten und dem „Chorale Augustiniense“. Für Oberbürgermeister Andreas Ludwig hat das Stadtarchiv einen hohen Stellenwert: „Das ist der Ort, an dem unsere historische Identität gewahrt und gepflegt wird.“ Mit dem Kauf des ehemaligen Hauses „Betten-Golling“ als neue Heimat für ein Stadtarchiv ist nach der Gründung der Stiftung Haus der Stadtgeschichte ein weiterer wichtiger Schritt getan.

Info:
Stadtarchiv Bad Kreuznach (Hg.),
Mittelalterliche Schätze auf Pergament, einige Kreuznacher Handschriftenfragmente,
Verlag Matthias Ess, Bad Kreuznach 2011,
32 S., 7,50 €, ISBN 978-3935516655

Kontakt:
Stadtarchiv Bad Kreuznach
Dessauerstraße 49
55545 Bad Kreuznach
Telefon: 0671 / 9201162
stadtarchiv-bad-kreuznach@t-online.de

Quelle: Stadtverwaltung Bad Kreuznach, Pressemitteilung, 17.6.2011

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