In 15 Jahren 25 Archive geordnet. Gemeinden nutzen Dienstleistungsangebot des Enzkreises rege

Seit 15 Jahren ordnen und erschließen Mitarbeiter des Kreisarchivs des Enzkreises im Auftrag der Städte und Gemeinden in der Region deren Archive. Sie machen auf diese Weise „das Gedächtnis“ der Kommunen für die Allgemeinheit abrufbar und bringen längst vergessene historische Begebenheiten ans Tageslicht.

Die meisten Gemeinden besitzen selbst kein archivisch ausgebildetes Personal, um diesen Aufgaben nachzukommen. Deshalb beauftragt man gerne das Kreisarchiv mit seinen Fachleuten. Dabei es handelt sich bei Archiven – im Gegensatz etwa zu Bibliotheken oder Museen – keinesfalls um eine freiwillige Aufgabe oder gar um Luxus, den sich eine Gemeinde leisten kann – oder auch nicht. Denn das Landesarchivgesetz verpflichtet die Kommunen dazu, ihre Unterlagen von bleibendem Wert zu sichern, zu erhalten und zu erschließen. Die Frage ist höchstens, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist.

In den vergangenen 15 Jahren haben Kreisarchivar Konstantin Huber und seine Mitarbeiter 25 von rund 60 Archiven ihres Zuständigkeitsbereiches bearbeitet. Allein über die Hälfte dieser Maßnahmen hat Diplom-Archivarin Heike Sartorius, mit deren Einstellung am 1. Oktober 1996 das Dienstleistungsangebot begann, allein oder maßgeblich abgewickelt.

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Abb.: Alle Hände voll zu tun haben die Diplom-Archivarinnen des Enzkreises, Maria Hecht (links) und Heike Sartorius. (enz)

Jedes Archiv hat seinen eigenen Charakter und Charme, über die Jahrhunderte geformt vom Zeitgeschehen, von der Registraturführung und von den Gemeindemitarbeitern, vor allem früher besonders von den Bürgermeistern. Darum beginnt mit jedem Gemeindearchiv – trotz aller Wiederholungen und Routinearbeiten – jedes mal eine "neues Kapitel" mit Besonderheiten und "Highlights" der Archivarbeit.

„Schätze sind in jedem Archiv verborgen. Spannende Funde sind z.B. Auswandererbriefe, alte Ortspläne oder Fotos“, weiß Heike Sartorius zu berichten. „Immer interessant sind die ältesten Archivalien, oft Fleckenbücher, die das geltende Ortsrecht in vorigen Jahrhunderten enthalten.“ Aber auch Inventur- und Teilungsakten, die detailliert den Besitz der oft bettelarmen Einwohner verzeichnen, verraten viel Aufschlussreiches. Spannend sind und bleiben einfach die Details des Alltagslebens, die tatsächlich auch aus trockenen und mitunter staubigen Verwaltungsakten entspringen.

Besonders beeindruckend findet die Archivarin die Pflegrechnungen, die für Kinder oder Ortsabwesende geführt wurden, die nicht selbstständig handeln konnten. „Oder für diejenigen, die nicht selbständig handeln durften – wie zum Beispiel Frauen, für die damals noch Ehemänner oder Vormunde zuständig waren“, fügt Heike Sartorius hinzu. „Das sind Quellen, die natürlich die Gefahr bergen, dass man sich bei der Arbeit \’festliest\‘, was jedoch nicht immer im Sinne der Arbeit ist. Wie ja auch der Bäcker nicht alle seine Rosinenbrötchen selber essen darf“, schmunzelt sie.

„Erfreulich ist es stets, wenn man nach monatelanger Sisyphusarbeit wieder ein Archiv eingepackt, in schöner Ordnung und in archivtauglichen Räumlichkeiten verstaut bestaunen kann“, ergänzt Diplom-Archivarin Maria Hecht, die seit 2010 die zweite Archivpflegerstelle beim Enzkreis innehat. Dann nämlich sorgt ein gut strukturiertes Findbuch dafür, dass die Unterlagen auch genutzt werden können, denn das Gemeindearchiv darf nach Ablauf bestimmter Schutzfristen von jedem Interessenten eingesehen werden. „Und besonders erfreulich ist es, wenn man dann eine positive Rückmeldung von Archivnutzern oder Gemeindemitarbeitern bekommt, die das, was sie gesucht haben, dann auch fanden.“

Da trotz erkennbarer Tendenzen hin zum so genannten „papierlosen Büro“ auf den Rathäusern tagtäglich neue Unterlagen produziert werden, wird den Enzkreis-Archivaren die Arbeit nicht ausgehen. Dementsprechend sind sie auf Jahre hinaus ausgebucht. „Früher oder später aber“ – und da ist Konstantin Huber zuversichtlich, „werden dank unseres Dienstleistungsangebots alle Enzkreis-Gemeinden über geordnete Archive verfügen.“

Kontakt:
Kreisarchiv
Landratsamt Enzkreis
Konstantin Huber, Amt für Bildung und Kultur
Zähringerallee 3
75177 Pforzheim
Tel.: 07231 308- 9508
Fax: 07231 308- 9837
Konstantin.Huber@enzkreis.de
www.enzkreis.de

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung 283/2011, 21.9.2011

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