Jahrhundertealtes Wissen im Mertinger Gemeindearchiv

Im Dachgeschoss der Antonius-von-Steichele Grundschule in Mertingen wird ein neues Gemeindearchiv aufgebaut. Seit 15 Monaten kümmert sich der ehemalige Pädagoge Dr. Franz Xaver Ries um die Dokumente des Gemeindearchivs und will „das Gedächtnis der Gemeinde sortieren“.

Seit seinem Rückzug in den Ruhestand ist der ehemalige Lehrer Archivpfleger. Nach und nach werden Akten aus dem Rathaus in die neuen Räume angeliefert, die die Kommune jetzt für den Aufbau des Gemeindearchivs geschaffen hat. Das Sortieren der Dokumente ist die Leidenschaft des 65-jährigen. „Ich habe mich schon immer für alte Schriften interessiert und historische Sprachwissenschaften studiert“, erzählt Ries. Neben der Katalogisierung soll der Bestand in einer Computerübersicht festgehalten werden. Nach der Sichtung im Rathaus erfolgt nun die Kennzeichnung mit einer Signatur, die Einordnung im Magazin und die Registrierung im PC „unter optimalen Bedingungen“.

Die ältesten Akten der Metrtinger Gemeinde stammen aus dem 18. Jahrhundert. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Bibliothek mit mittlerweile 1150 Titeln. In ihr befinden sich „überwiegend historische und geschichtswissenschaftliche Werke“, sagt der Archivar.

Die Bürger unterstützen ihn in seiner Arbeit und geben immer wieder alte Dokumente zu Aufbewahrung bei ihm ab. Loni Rusch ist eine davon. Erst kürzlich hat sie dem Archiv vier Bände aus dem Jahr 1819 hinterlassen. Darin geht es um die Geschichte des Klosters Heilig Kreuz in Donauwörth. „Diese Bände findet man vielleicht noch mit viel Glück in Universitätsbeständen“, schwärmt Ries.

Neben Forschungen zur Geschichte von Mertingen und seinen Ortsteilen Druisheim und Heißesheim, ist ein weiteres Projekt ein großes Anliegen des Archivars: das „Archiv der Erinnerungen“. Viele ältere Bürger der Gemeinde haben bereits die Möglichkeit genutzt, ihre Lebenserinnerungen zu erzählen. Die Gespräche speichert Ries zunächst auf einer CD, um sie dann zu bearbeiten. Mehrseitige Niederschriften sind so bereits entstanden. In diesem Zusammenhang ermuntert er dazu ihn im Archiv zu besuchen und Anfragen zu starten. Die Baugeschichte der Brauerei und die Erschließung des Baugebietes „Lotusblüte“ sollen ebenfalls dokumentiert werden.

Neben der Aufgabe als Gemeindearchivar ist Dr. Ries auch Heimatautor. Er hat mehrere Bücher über Mertingen verfasst. Dazu zählen besinnliche und witzige Texte aber auch Vorträge, beispielsweise über den Russlandfeldzug von 1812.

Quelle: Augsburger Allgemeine, 28.12.2012

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