In der Restaurierungswerkstatt des Niedersächsischen Landesarchivs

Filmbeitrag im NDR Fernsehen

Schimmel und Säure sind der Alptraum aller Archivare. In der Restaurierungswerkstatt des Niedersächsischen Landesarchivs in Pattensen werden alte Dokumente vor der Zersetzung bewahrt.

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Abb.: Retten, was zu retten ist, NDR, 04.03.2016 17:14 Uhr Autor: Thomas Hans

Am Tag der Archive, dem 5. März 2016, hatte das Außenmagazin des Landesarchivs in Pattensen seine Türen geöffnet. Dort ist Platz für etwa 40 Regal-Kilometer Akten, Dokumente, Fotos und Urkunden aus Landesbeständen. Das Außenmagazin wurde in den 1970er Jahren erbaut, weil in der Stadt Hannover die Archive fast aus allen Nähten platzten. In Pattensen werden zum Beispiel alte Kabinettsunterlagen aufbewahrt, aber auch historische Urkunden. Die Temperatur in den Räumen beträgt genau 15 Grad, die Luftfeuchtigkeit liegt bei konstant 50 Prozent.

Der Lesesaal im Magazin Pattensen – Lüderser Weg 2, 30982 Pattensen, Tel. 0511/120-5301, Fax 0511/120-5302 – ist von Montag bis Donnerstag 9.00-16.00, am Freitag 9:00-13:00 Uhr geöffnet.

Kontakt:
Am Archiv 1
30169 Hannover
Telefon: (0511) 120-6601
Fax: (0511) 120-6699
Hannover@nla.niedersachsen.de

Gemeindearchiv Kressbronn wird zukünftig professionell betreut

Archivarin Antje Bemmer ist die „Frau der Akten“

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Da das Gemeindearchiv Kressbronn am Bodensee in der Vergangenheit im wissenschaftlichen Bereich nur bedingt betreut werden konnte, die Arbeit im Gemeindearchiv aber besonderer Kenntnisse bedarf und daher nur durch eine archivarische Fachkraft erfolgen sollte, hat die Gemeindeverwaltung in den letzten Monaten nach einer Pflege- und Betreuungsmöglichkeit gesucht.

Der Gemeinde Kressbronn a. B. ist es nun gelungen, mit dem Landratsamt Bodenseekreis einen Vertrag über die Pflege und Betreuung des Gemeindearchivs abzuschließen. Aus diesem Grund wird das Kreisarchiv des Bodenseekreises künftig das Gemeindearchiv, gemeinsam mit Rocchina Frabasile, in Teamarbeit pflegen und betreuen. Vom Kreisarchiv ist daher Frau Antje Bemmer (Foto) für das Gemeindearchiv abgeordnet worden.

Bereits im Sommer 2014 war die Historikerin bereits für mehrere Wochen in der Seegemeinde, um Ordner und Unterlagen zu sortieren.

Frau Bemmer wird immer montags im Gemeindearchiv sein und an diesem Tag auch nach Vereinbarung für Nutzeranfragen zur Verfügung stehen. Nutzeranfragen sind an archiv@kressbronn.de zu richten; die Mails werden voraussichtlich nur montags abgerufen werden können.

Kontakt:
Gemeinde Kressbronn
Archiv
Hauptstraße 19
88079 Kressbronn am Bodensee
archiv@kressbronn.de
frabasile@kressbronn.de

Quelle: Gemeinde Kressbronn, Pressemitteilung, März 2016; Britta Beier, schwaebische.de, 4.3.2016

Mobilität im Wandel – Ein Unfall auf leerer Straße

Archivale des Monats März 2016 im Staatsarchiv Ludwigsburg

„Mobilität im Wandel“ ist das Rahmenthema des diesjährigen Tags der Archive am 5. und 6. März. Das Landesarchiv Baden-Württemberg kann dazu reichhaltige Quellenbestände anbieten, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Wie rasch sich der Wandel hin zum Verkehr als Massenphänomen in den letzten hundert Jahren vollzogen hat, davon zeugen nicht zuletzt die reichhaltigen Fotobestände von Behörden, die sich mit dem Ausbau der Verkehrswege beschäftigt haben. Reichs- und Bundesbahn, die Wasser- und Schifffahrtsämter und die Straßenbauverwaltungen haben ihre Aktivitäten seit Ende des 19. Jahrhunderts vielfach auch fotografisch dokumentiert. Das Landesarchiv verwahrt in seinen verschiedenen Abteilungen Tausende solcher Bilddokumente. Besonders reichhaltig und zum größten Teil auch schon im Internet einsehbar sind die Bestände im Staatsarchiv Ludwigsburg.

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Abb.: Unfall eines Fahrzeugs des „Völkischen Beobachters“ auf der heutigen A 8 zwischen Hohenstadt und Merklingen, 1938 (StAL EL 75 VI a Nr. 2970)

Das hier gezeigte Foto stammt aus der Überlieferung des Landesamts für Straßenwesen und zeigt einen Verkehrsunfall auf der heutigen A 8 wenige Kilometer nach dem Albaufstieg. Dass es auf den neuen Schnellstraßen, die man in den dreißiger Jahren zu bauen begann und die zunächst kaum frequentiert waren, überhaupt zu durchaus spektakulären Unfällen kommen konnte, war damals noch eine so neue Erfahrung, dass die Autobahnbauer selbst sie offenbar im Bild festhalten zu müssen glaubten. Ausgefallene Motive in den Fotosammlungen, die ansonsten überwiegend die Erstellung der Verkehrswege dokumentieren, belegen, was zum Zeitpunkt ihrer Entstehung als außergewöhnlich galt und stehen damit gleichzeitig auch sinnbildlich für die Veränderungen im Zeitalter des Massenverkehrs.

Weitere Fotos findet man im Staatsarchiv Ludwigsburg in den Beständen EL 75 VI a-d (Autobahnen), EL 20/4 III a-d (Straßen), K 414 I-II (Eisenbahnen), K 423 (Neckar) und PL 723 (Eisenbahnen); die Übersicht über die Findbücher mit Digitalisaten findet man hier.

Kontakt:
Staatsarchiv Ludwigsburg
Arsenalplatz 3
D-71638 Ludwigsburg
Telefon: 07141/18-6310
Telefax: 07141/18-6311
staludwigsburg@la-bw.de

Stadtarchiv Schwerin digitalisiert die Akten

Archivbestand im „Gedächtnis der Stadt“ wuchs 2015 um 35 Meter

20160302Denn im Stadtarchiv Schwerin werden Urkunden, Amtsbücher, Akten und andere Dokumente verwahrt, angefangen vom 15. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit. Die Archivalien dokumentieren die Tätigkeit von Rat und Verwaltung und damit die Geschichte der Stadt. Das Stadtarchiv ist das Gedächtnis der Stadt und zuständig für die Aufbewahrung von historisch wertvollem Schriftgut sämtlicher kommunaler Fachdienste und Einrichtungen. Diese wichtige Archivarbeit ist aus gutem Grund eine kommunale Pflichtaufgabe, denn sonst würde uns eines Tages Gedächtnisschwund drohen.

„Im Laufe der Jahrhunderte ist hier einiges zusammen gekommen“, berichtet der Direktor des Schweriner Stadtarchivs Dr. Bernd Kasten bei der Vorstellung seines Jahresberichts 2015. Allein die Akten würden – zu 30-Zetimeter-Stapeln nebeneinandergelegt – eine Länge von 3,5 Kilometern erreichen. „Daneben verwahren wir bei uns im Hauptarchiv in der Johannes-Stelling-Straße 2 und in der Außenstelle in der Willi-Bredel-Straße 18 über 13.000 Fotos, mehr als 500 Karten, 2.000 Baupläne, Tausende von Plakaten und Broschüren in den Sammlungen zur Stadt- und Theatergeschichte.“

Im vergangenen Jahr haben 140 Nutzerinnen und Nutzer an 151 Tagen in der Außenstelle und 133 Nutzerinnen und Nutzer an 178 Tagen in der Hauptstelle Archivgut eingesehen. „Besonders hoch im Kurs standen Fragen zum Personenstandswesen – also Geburten, Taufen und Sterbefälle“, erläutert Bernd Kasten. „Insgesamt wurde hierzu im vergangenen Jahr 172 Mal nachgefragt. Gesucht wurden aber auch Schulzeugnisse, die verloren gingen, oder auch alte Bauakten und Baupläne, die bei der Sanierung denkmalgeschützter Häuser benötigt werden.“ Alte Klassenbücher finden sich dagegen nur in einer vergleichsweise kleinen Auswahl im Archiv. Für eine Komplettarchivierung ist ihr Umfang einfach zu groß und ihr historischer Aussagewert zu klein.

Im vergangenen Jahr lag das Hauptaugenmerk der Mitarbeiter in der Aufbereitung von Akten der Stadtverwaltung aus den Jahren 1945-1990 u. a. der Staatlichen Bauaufsicht und der Abteilung Umwelt, Wasserwirtschaft und Erholungswesen, um sie für die Bürgerinnen und Bürger nutzbar und einsehbar zu machen. Weitere Bereiche umfassten Schulen, Nachlässe sowie Vereine und Verbände. Neu hinzugekommen in den Bestand des Stadtarchives sind im vergangenen Jahr mehr als 35 laufende Archivmeter.

Auch die Digitalisierung von Archivbeständen schreitet voran. So konnte das seit 2010 übernommene Standesamtsregister im Umfang von ca. 19.000 Seiten durch eine Fachfirma digitalisiert werden. Das erleichtert die Nutzung dieser stark beanspruchten Bestände, weil jetzt nicht mehr bei jeder Anfrage auf die gebundenen Originaldokumente zurückgegriffen werden muss. Im September 2015 wurde das Hauptarchiv in der Johannes-Stelling-Straße mit einer 100 MB-Datenleitung ausgestattet. Sie erleichtert die Datensicherung und die Präsentation der gefundenen Dateien und Archivalien in den verschiedenen Archivportalen im Internet.
Für die Recherche steht den Nutzerinnen und Nutzern neben den Findbüchern, in denen die Archivalien nach Aufgabengebieten und Inhalten gegliedert sind, auch die zentrale Datenbank des Archivs zur Verfügung, in der durch Schlagwortsuche die schnelle Ermittlung der zu einem Thema vorhandenen Akten kein Problem mehr darstellt.

Um den Schwerinerinnen und Schwerinern die Stadtgeschichte näherzubringen, hat Stadtarchivar Bernd Kasten 2015 wieder zahlreiche Vorträge gehalten – über das Kriegsende 1945, die Person Anthony Fokkers , über Beisetzungen und Grablege der großherzoglichen Familie im Schweriner Dom oder die Darstellung der mecklenburgischen Landesgeschichte in den Schulbüchern. Besonderen Anklang fanden die Dokumentarfilme zu Schwerin und Mecklenburg aus dem Stadtarchiv, die anlässlich der Schweriner Kulturnacht gezeigt wurden. Auch in diesem Jahr sind wieder einige der beliebten Vorträge geplant, u.a. zur Befreiung und Besetzung Westmecklenburgs durch amerikanische Truppen im Mai 1945 und den NS-Euthanasieverbrechen auf dem Sachsenberg.

Geplante Vorträge 2016:

• 25. Mai 2016
Schleswig-Holstein-Haus, Historischer Verein Schwerin: Von Bangkok bis Wiligrad – Herzog Johann Albrecht zu Schwerin (1857-1920)

• 27. Mai 2016
Tagung der Stiftung Mecklenburg, „Befreiung und Besetzung Westmecklenburg durch amerikanische Truppen im Mai 1945“

• 13. Oktober 2016
Welterbe-Tagung zum Residenzensemble: Urbaner Wandel in Schwerin durch die Rückkehr der großherzoglichen Residenz im 19. Jahrhundert

• 21. Oktober 2016
Mecklenburgischer Geschichtsverein, NS-Euthanasieverbrechen in der Heil- und Pflegeanstalt Schwerin-Sachsenberg 1939-1945

Kontakt:
Landeshauptstadt Schwerin
Stadtarchiv
Johannes-Stelling-Str. 2
19053 Schwerin
Tel: 0385 5936243
Fax: 0385 55156944
bkasten@schwerin.de

Quelle: Stadt Schwerin, Pressemitteilung, 2.3.2016; SVZ, 3.3.2016

Kölner Materialen werden künftig in Düsseldorf bearbeitet

98 Prozent der Dokumente, die am 3. März 2009 mit dem Historischen Archiv der Stadt Köln in die KVB-Baugrube am Kölner Waidmarkt stürzten, gelten als geborgen. Allerdings sind die Akten und Bücher, die damals in 35 Kilometern Regalen lagerten, derart durcheinander geraten, beschädigt und zerfetzt worden, dass man nur noch von „Bergungsgut“ sprach. Mehr als ein Drittel, 600.000 Bergungseinheiten, sind bis Ende 2015 als „aufgefunden und wieder verfügbar“ in Listen eingetragen worden.

Mehr als 20 Archive zwischen Freiburg und Schleswig nahmen jahrelang die Hälfte des Bergungsguts auf. Nun wird es in Düsseldorf im ehemaligen Landesarchiv zusammengefasst. Die letzten sechs Asylarchive müssen noch dieses Jahr geräumt werden.

Die andere Hälfte des Bergungsguts lagert in Köln im Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum der Stadt. Was aus dem Grundwasser gezogen und danach eingefroren wurde, ist inzwischen so weit behandelt, dass es nicht verschimmeln kann. Nun ist der alkalische Betonstaub aus den zerriebenen Bauteilen des Archivs, der größte Feind des Papiers. Das gilt auch für die etwa zwei bis drei Millionen Papierschnipsel, die nun mit einer Spezialsoftware zusammengepuzzelt werden sollen, wie die Kölnische Rundschau berichtet. Sie machen etwa zwei oder drei Prozent des Gesamtbestandes aus.

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Am 24. Februar 2016 sind beispielsweise die letzten Kartons mit Dokumenten des Kölner Stadtarchivs aus dem vorübergehenden Lager in Freudenberg abtransportiert worden. Schon wenige Tage nach dem Einsturz des Archivgebäudes am 3. März 2009 hatte der Stadtarchivar der Fachwerkstadt Freudenberg, Detlef Köppen, den Kölner Kolleginnen und Kollegen seine Hilfe angeboten. Unentgeltlich stellte er in seinem Magazin Raum für die geborgenen Archiv-Materialien zur Verfügung. Seit August 2009 lagerte die Kölner Stadtverwaltung etwa 380 so genannte laufende Meter Archivgut in dem südwestfälischen „Asyl“-Archiv ein.

Die Direktorin des Kölner Historischen Archivs würdigt die Unterstützung in Freudenberg: „Ich danke der Bürgermeisterin der Stadt Freudenberg, Nicole Reschke, und dem Stadtarchivar Detlef Köppen herzlich für Ihre wertvolle Hilfe. Es war für die Mitarbeitenden des Historischen Archivs der Stadt Köln und der Stadt Köln insgesamt von entscheidender Bedeutung, nach dem Einsturz rasch und unbürokratisch Hilfe aus der Archivwelt zu erhalten. Das unentgeltliche Bereitstellen wertvoller Magazinfläche hat uns ganz praktisch geholfen, aber auch ideell unterstützt und die Solidarität der Archive untereinander demonstriert.“

Die 30 kleinen und 1106 großen Kartons sowie 38 Sonderobjekte waren in Freudenberg in zwölf Reihen untergebracht. Sie gelangten vom 15. bis 24. Februar 2016 mit sieben Transporten auf 81 Paletten ins ehemalige Landesarchiv in Düsseldorf, um dort erfasst zu werden. Dort hat das Historische Archiv Köln schon seit März 2015 Räume zur Lagerung und Sortierung von Archivgut angemietet. Von den ursprünglich 20 „Asyl“-Archiven sind noch sechs belegt, die nach und nach ebenfalls geräumt werden müssen. Dazu gehören das Stadtarchiv Bonn, das Historische Archiv des Erzbistums Köln, das Landesarchiv NRW in Münster, das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum Brauweiler, das Militärarchiv Freiburg und das Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig.

In den lokalen Medien in Südwestfalen fand die Beherbergung der Kölner Archivalien in Freudenberg auch nach der Einlagerung 2009 immer wieder Beachtung. So berichtete beispielsweise „Der Westen“ 2014 über das Kölner Archivgut, aber auch anlässlich des Tags der Archive 2012 wurde die Thematik aufgegriffen.

Quelle: Manfred Reinnarth, Kölnische Rundschau, 29.2.2016; Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Pressemitteilung, 24.2.2016; Tagesschau, 29.2.2016

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