Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln

In der Kölner Innenstadt ist am 3. März 2009 das Gebäude in der Severinstraße eingestürzt, in dem das Historische Archiv der Stadt Köln untergebracht war. Teilweise eingestürzt sind auch die beiden benachbarten Wohnhäuser. Die Berufsfeuerwehr wurde um 13:58 Uhr benachrichtigt und löste Großalarm aus. Der Einsturz des Historischen Archivs hatte sich durch Geräusche angekündigt, so dass alle Mitarbeiter und zwei mit Dacharbeiten beschäftigte Handwerker das Gebäude rechtzeitig verlassen konnten. Zwei Anwohner verloren beim Einsturz des Archivs ihr Leben, sie konnten erst nach mehreren Tagen aus den Trümmern geborgen werden.

Spendenkonto:
Für die Bergung, Sicherung und Restaurierung von Archivalien des Historischen Archivs der Stadt Köln werden Spenden erbeten auf das Spendenkonto der FREUNDE DES HISTORISCHEN ARCHIVS DER STADT KÖLN E.V. bei der Sparkasse Köln-Bonn, Konto-Nr. 19 00 45 89 59 (BLZ 370 501 98), Stichwort: Rettung Historisches Stadtarchiv

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Abb.: Schuttschichten mit Archivgut (Foto: Stadt Köln).

Seit dem frühen Nachmittag des 3. März waren Kräfte der Berufsfeuerwehr, der Polizei und der Hilfsdienste im Einsatz. Die Suche nach den beiden verschütteten Anwohnern gestaltete sich als schwierig. Der Kölner Feuerwehrchef Stephan Neuhoff erklärte dies mit den einsturzgefährdeten benachbarten Gebäuden des Historischen Archivs. Unter der Unglücksstelle liegt ein Hohlraum, wodurch ein Absacken des Erdbodens zu befürchten ist. Bei dem Hohlraum handelt es sich um ein Gleiswechselbauwerk, das für die U-Bahn erstellt wurde. Zur kompletten Verfüllung des Hohlraums wurde Beton in den Raum gepumpt, ein langwieriger Vorgang. Erst anschließend wurde ein gefahrloseres Betreten der Unglücksstelle möglich. Bevor mit der Suche nach den beiden Opfern begonnen werden konnte, hatten zunächst die Dachreste der Gebäude gesichert werden müssen, ebenso ein umsturzgefährdeter Baukran.

Im Umkreis der Unglücksstelle wurden alle Gebäude evakuiert. Die Bergungsarbeiten im Kölner Severinsviertel gestalten sich aber äußerst kompliziert. Den gesamten Donnerstag benötigten die Helfer, um einen Zugang für jenen Bagger zu legen, der von der Rückseite des Archivs aus den Trümmerberg abtragen soll. Zuvor musste sich das Gefährt Meter für Meter durch den von Schutt übersäten Innenhof graben. An der Unglücksstelle wurde am 5. März ein beschädigtes Nachbarhaus abgetragen. Eine neue Plane sollte den Regen abhalten.

Nach dem Auffinden der beiden Toten konzentrieren sich die Einsatzkräfte jetzt auf die Bergung der Reste der wertvollen Kulturschätze. Zehn Tage nach dem Einsturz suchen sie hauptsächlich in dem U-Bahn-Bauwerk vor dem Archivgrundstück nach Dokumenten. Unter anderem kam mittlerweile die zweite Handschrift des Albertus Magnus zum Vorschein. Jede Fuhre Trümmer, die ein Kran auf einen Lastwagen lädt, wird von Helfern zuvor gesichtet, um auszuschließen, dass sich Akten, Bücher oder andere Dokumente darunter befinden. Ihre Ladung bringen Lkw zu einer eigens angemieteten, 27.000 Quadratmeter großen Lagerhalle nach Porz. Weitere Lagerfläche konnte nach kurzer Suche in der Stadt bereit gestellt werden. Hier wird das Material ein zweites Mal nach Archivalien durchsucht, bevor der Schutt endgültig entsorgt wird. Es besteht Hoffnung, einiges zu retten.

Feuerwehrleute und Kräfte des Technischen Hilfswerks spannten zunächst ein provisorisches Zelt über dem Trümmerberg. Zusätzlich zur Plane soll es die historischen Kostbarkeiten vor dem Regen schützen. Die Feuerwehr baute anschließend auf 50 Metern Länge eine provisorische Dachkonstruktion zum Schutz der Archivalien auf.

Die Stadt Köln bittet um Verständnis, dass aus Sicherheitsgründen derzeit keine privaten Unterstützungsmaßnahmen im Bereich der Baustelle durchgeführt werden können. Angebote von personeller Hilfe durch Archivare und Restauratoren werden zentral organisiert: Archivare richten ihre Hilfsangebote rwwa@koeln.ihk.de, Restauratoren an bert.jacek@fh-koeln.de. Die Hilfsangebote sollten nach Möglichkeit zentral als Dienststellen- oder bei größeren Archiven als Abteilungsmeldung abgegeben werden. Benötigt werden dazu folgende Angaben: Name, Vorname, Dienststelle, Ort, Telefonnummer, Email-Anschrift, Dauer des Einsatzes (Excel-Tabelle).

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Abb.: Mit dieser Darstellung erläuterte der Leiter der Berufsfeuerwehr Köln, Stephan Neuhoff, den Ablauf des Unglücks: Der Boden unter dem Gebäude des Stadtarchivs rutschte in den Bereich des U-Bahn-Bauwerks unter der Severinstraße ab. In den entstandenen Krater rutschte das Archivgebäude. Dem von unten drückenden Grundwasser wird mit tausenden Tonnen Beton entgegen gewirkt (Abb.: Stadt Köln).

Zur Ursache des Unglücks gibt es noch keine abgesicherten Hinweise. Die Untersuchungen laufen. Nach dem bisherigen Kenntnisstand hat ein Erdrutsch in dem Gleiswechselbauwerk unterhalb des Archivs dazu geführt, dass das Gebäude eingestürzt ist. Mitte 2007 entstanden im Historischen Archiv im Zuge des Schildvortriebs im Rahmen der Bauarbeiten für die U-Bahn Risse im Bereich einer Gebäudedehnungsfuge. Es erfolgte eine Begutachtung durch ein unabhängiges Sachverständigenbüro, das Schäden feststellte, aber zu dem Ergebnis kam, diese seien statisch nicht relevant. Es wurde vereinbart, das Schadensbild unter Beobachtung zu halten.

Ein zusätzlich eingeschalteter unabhängiger Statiker kam bei einer Begehung im Dezember 2008 ebenfalls zu dem Ergebnis, dass keine Gefahr für das Gebäude bestehe. Das Ergebnis des Gutachtens: \“Die entstandenen Risse sind unbedenklich. Das Gebäude ist im jetzigen Zustand in statischer Hinsicht ausreichend standsicher. Sicherungsmaßnahmen müssen nicht getroffen werden.\“ Ein unabhängiger Sachverständiger des Büros Zorn resümierte in einer Pressekonferenz der Stadt Köln, dass nach derzeitigem Kenntnisstand die damals begutachteten Schäden nicht ursächlich für das Unglück gewesen sein können.

Kontakt:
Historisches Archiv der Stadt Köln
Severinstr. 222-228
50676 Köln
Telefon: 0221-221-22329
Telefax: 0221-221-22480
HistorischesArchiv@stadt-koeln.de

Quelle: Jürgen Müllenberg, Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Pressemitteilung 1, Pressemitteilung 2, 3.3.2009, Pressemitteilung, 8.3.2009, Pressemitteilung, 12.3.2009, Pressemitteilung, 13.3.2009; Thorsten Moeck und Tim Stinauer, Kölner Stadt-Anzeiger, 5.3.2009.

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