Stadtarchiv Düsseldorf erhält bedeutenden Familiennachlass

Stadt nimmt wichtige Dokumente zur Familie Statz entgegen, darunter auch Briefe von Leo Statz / Zudem gibt eine neuerschienene Tagebuchedition Einblicke in den vom Kriegsgeschehen geprägten Alltag von Adele Statz

Der Erste Weltkrieg hat in den letzten Jahren stark im Fokus der wissenschaftlichen Forschung gestanden. Doch bei fast allen Rückblicken auf diesen Krieg blieb weitgehend das unbeachtet, was nicht im direkten Kriegsgebiet, sondern in der Heimat geschah. Deshalb ist es nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, Quellen wie das Tagebuch der Düsseldorferin Adele Statz, geborene Biesenbach (1875-1934), Mutter des später von den Nationalsozialisten hingerichteten Leo Statz (1898-1943) zu veröffentlichen. Der ehemalige Leiter des Mannesmannarchivs sowie langjährige Vorsitzende des Düsseldorfer Geschichtsvereins, Prof. Dr. Horst A. Wessel, hat das Tagebuch mit Anmerkungen nun auf über 400 Seiten veröffentlicht.

Nachdem die Arbeiten an der Tagebuchedition beendet wurden, schenkte Dr. Tilman Pünder, der Enkel von Adele Statz und frühere Oberstadtdirektor von Münster, die Handschriften und weitere Materialien dem Stadtarchiv Düsseldorf. Darunter befinden sich auch zahlreiche Schriftstücke von Leo Statz, etwa sein letzter, am Tag der Hinrichtung (1. November 1943) verfasster Abschiedsbrief. Die Übergabe des Nachlasses fand am 29.5.2019 im Rahmen eines kleinen Empfangs statt.

Abb.: (V. l.) Stadtarchivleiter Dr. Benedikt Mauer, Dr. Tilman Pünder, Prof. Dr. Horst A. Wessel und Bürgermeister Friedrich G. Conzen (Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert)

Oberbürgermeister Thomas Geisel: „Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist Prof. Dr. Horst A. Wessel und Dr. Tilman Pünder zu tiefem Dank verpflichtet. Mit den Tagebüchern von Adele Statz steht der Forschung eine wichtige Quelle zur Geschichte des Ersten Weltkriegs aus Düsseldorfer Perspektive zur Verfügung. Und mit dem Familienarchiv Pünder/Statz verwahrt Düsseldorf einen weiteren historischen Schatz im Stadtarchiv.“

Abb.: Die Düsseldorferin Adele Statz, geborene Biesenbach, (1875 – 1934) (Foto: Stadtarchiv Düsseldorf)

Das Tagebuch von Adele Statz (1914-1923)
In insgesamt fünf Kladden hat Adele Statz mit nur wenigen Lücken Tag für Tag militärische, politische, gesellschaftliche und familiäre Ereignisse, Gefühle, Ängste und Hoffnungen, nicht zuletzt auch die Probleme mit der Beschaffung von Lebensnotwendigem niedergeschrieben. Der Leser erhält auch hier natürlich nur einen kleinen und subjektiven Ausschnitt der Geschichte – nämlich das, was der interessierte Blick einer sozial engagierten Vertreterin des gehobenen Bürgertums erfasste und was sie davon niederschreibenswert erachtete. Die Tagebücher geben einen Einblick in das kriegsgeprägte Geschehen in der Stadt, vor allem beleuchten sie, was sich in Düsseldorf als Lazarettstandort und wichtiger Durchgangsstation für Truppen-, Waffen- und Verwundetentransporte ereignete. Nicht zuletzt zeigen sie aber auch den mitfühlenden Blick einer Zeitzeugin auf den ungleich schwereren Alltag, insbesondere der Kriegerfrauen und Kriegerwitwen mit Kindern. Diese waren oft gezwungen, die unzureichenden öffentlichen Unterstützungsleistungen dadurch aufzubessern, dass sie Arbeiten übernahmen, die zuvor die Männer getan hatten. Wichtige Themen unmittelbar nach dem Krieg sind das Wahlrecht der Frauen sowie die Spartakusunruhen in Düsseldorf.

Die Edition der Tagebücher wurde durch Prof. Dr. Horst A. Wessel vorgenommen. Zahlreiche Abbildungen illustrieren Adele Statz‘ Wahrnehmungen und Reflektionen.

Das Familienarchiv Pünder/Statz
Prof. Wessel arbeitete für die Edition mit den Originalhandschriften, die Dr. Tilman Pünder, Enkel von Adele Statz, zu diesem Zweck zur Verfügung stellte. Nachdem die Arbeiten an der Tagebuchedition beendet waren, schenkte Dr. Tilman Pünder diese Handschriften und weitere Materialien dem Stadtarchiv Düsseldorf. Der Gesamtbestand umfasst vier Archivkartons und enthält vielfältiges Material zur Geschichte der Vorfahren von Dr. Pünder und deren Familien, die zum Teil in Düsseldorf lebten. Zeitlich reicht er vom 19. bis ins 21. Jahrhundert. Im Moment wird der Nachlass im Stadtarchiv verzeichnet und wird in Kürze der Forschung zur Verfügung stehen.

Abb.: Teil des Nachlasses sind auch zahlreiche Schriftstücke von Leo Statz, etwa sein letzter, am Tag der Hinrichtung (1. November 1943) fertiggestellter Abschiedsbrief (Foto: Stadtarchiv Düsseldorf)

Der prominenteste, zugleich tragischste Vertreter der Familie Statz dürfte der 1943 in der Strafanstalt Brandenburg-Görden hingerichtete, fest in Düsseldorf verwurzelte, Leo Statz sein. Er wurde vom Volksgerichtshof wegen angeblicher „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Von ihm finden sich unter anderem neben Fotos mehrere Briefe aus den 1920er- bis 1940er-Jahren im Nachlass, zudem Abschriften von Gedichten, die er während seiner Inhaftierung schrieb und schließlich seinen letzten, auf einen Briefumschlag geschriebenen Brief vom 31. Oktober 1943. Ein Nachtrag vom 1. November 1943, dem Tag seiner Hinrichtung, legt nahe, dass dies der letzte Brief ist, den Leo Statz hatte schreiben können. Auch eine Sammlung von Unterlagen zur Verurteilung und der Aufhebung des Urteils finden sich im Nachlass, sowie Dokumente zum Rechtsstreit seines Schwagers Dr. Josef Eitel mit dem ehemaligen Düsseldorfer Gauleiter Friedrich Karl Florian.

Abb.: Leo Statz, der Sohn von Adele Statz (Foto: Stadtarchiv Düsseldorf)

Adele Statz war eine geborene Biesenbach und Schwester von Elisabeth Biesenbach, verheiratete Klausener, deren Sohn Erich Klausener 1934 ebenfalls von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Bruder der beiden war der Düsseldorfer Rechtsanwalt Heinrich Biesenbach, der mehrere Bücher herausgab. Die vielfältigen Unterlagen des Archivs dokumentieren die familiären Bande, die Verdienste und das Leben dieser Familien.

Kontakt:
Stadtarchiv Düsseldorf
Worringer Strasse 140
40200 Düsseldorf
Tel. 0211- 8999230
Fax 0211- 8929155
stadtarchiv@duesseldorf.de
www.duesseldorf.de/stadtarchiv.html

Quelle: Valentina Meissner/Stadt Düsseldorf, Pressemitteilung, 29.5.2019

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