Ehemaliger Direktor des Stadtarchivs Dortmund verstorben

Thomas Schilp (Foto: privat)

Am 28. September 2019 verstarb Prof. Dr. Thomas Schilp, ehemaliger Direktor des Stadtarchivs Dortmund, im Alter von nur 65 Jahren. Die Stadt Dortmund würdigte ihn in einem Nachruf (2.10.2019): Thomas Schilp studierte Geschichte, Germanistik, Politikwissenschaften und Philosophie an der Universität Marburg. Im Anschluss an die Promotion 1981 absolvierte er das Archivreferendariat in Marburg. Es folgten berufliche Stationen am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen und am Hauptstaatsarchiv Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Seit 1987 war er am Stadtarchiv Dortmund tätig, zuletzt als dessen Direktor. Im Jahr 2014 trat er in den Ruhestand.

Während seiner langjährigen Tätigkeit erwarb sich Thomas Schilp als ausgewiesener Fachmann der Geschichte Dortmunds in der Vormoderne große Anerkennung. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Geschichte Dortmunds vor der Industrialisierung wieder stärker im historischen Gedächtnis der Stadt präsent ist.

Sein Interesse an der Erforschung und Vermittlung von Geschichte zieht sich wie ein roter Faden durch seine Berufsjahre und die Zeit des Ruhestands. In Publikationen, Vorträgen und Ausstellungen hat er den Menschen dieser Stadt, aber auch seinen Kolleginnen und Kollegen in der Fachwissenschaft sein umfassendes Wissen näher gebracht.

Zahlreiche Projekte und Publikationen
So gestaltete er 1989 anlässlich der Eröffnung des neuen Rathauses die Ausstellung „Zeiträume. Aus der Geschichte einer Stadt“. Es folgten zahlreiche Forschungsprojekte und Buchpublikationen zur mittelalterlichen Geschichte Dortmunds, wie „Himmel, Hölle, Fegefeuer“ (1996), „Reinoldus und die Dortmunder Bürgergemeinde“ (2000), „Der Berswordt-Meister und die Dortmunder Malerei um 1400“ (2002) oder die Reihe der „Dortmunder Mittelalter-Forschungen“ mit inzwischen 14 Bänden. Im Jahr 2006 zeigte das Museum für Kunst und Kulturgeschichte die vielbeachtete Ausstellung „Ferne Welten, freie Stadt. Dortmund im Mittelalter“, die Thomas Schilp maßgeblich mitverantwortet hatte. Auch der 2017 erschienene Band „Dortmund“ im „Deutschen Historischen Städteatlas“ entstand unter seiner Mitwirkung.

Daneben widmete er sich auch der jüngeren Stadtgeschichte, wie der Zeit des Wiederaufbaus und der Dortmunder Nachkriegsarchitektur. Dazu erschien 2014 das Buch „Das neue Dortmund – das Dortmunder Gesundheitshaus von Will Schwarz“. Schilp war auch Mitveranstalter der jährlich im Wintersemerster stattfindenden Vorlesungsreihe „Bild und Klang“ in der Stadtkirche St. Reinoldi.

Doch Thomas Schilps wissenschaftliche Interessen weisen über Dortmund weit hinaus. Neben der Landesgeschichte Westfalens widmete er sich besonders der mittelalterlichen Mentalitätsgeschichte, der Memoriaforschung und der Geschichte religiöser Gemeinschaften. 1994 wurde er an der Universität Duisburg habilitiert und lehrte seitdem als außerordentlicher Professor an den Universitäten in Duisburg, Essen und Bochum.

Thomas Schilp war unter anderem langjähriges Mitglied im Vorstand des Historischen Vereins für Dortmund und Grafschaft Mark e.V., der Conrad-von-Soest-Gesellschaft und der Dortmunder Reinoldi-Gilde. Seit 2001 war er ordentliches Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen.

Wer Thomas Schilp persönlich kannte, schätzte ihn für seine profunden Fachkenntnisse, seine Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft, die Motor zahlreicher wissenschaftlicher Projekte waren. Nicht weniger zeichneten ihn sein freundliches, zugewandtes Wesen, sein Humor und seine stete Hilfsbereitschaft aus. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung Dortmund haben mit ihm nicht nur einen geschätzten Kollegen, sondern einen lieben Freund verloren.

LEBENSLAUF (s. RUB Bochum)
seit 1999
apl. Prof. 2014 Umhabilitation an die Ruhr-Universität Bochum

1994
Habilitation an der Universität Duisburg mit einer Arbeit zur Aachener Institutio sanctimonialium des Jahres 816, Venia legendi im Fach Mittelalterliche Geschichte

1987-2014
Stadtarchiv Dortmund, zuletzt als Ltd. Stadtarchivdirektor

1985-1987
Archivrat am Hauptstaatsarchiv Düsseldorf

1983-1985
Wissenschaftlicher Angestellter, Max-Planck-Institut für Geschichte, Göttingen

1981-1983
Archivreferendariat, Archivschule Marburg

1981
Promotion mit einer Arbeit über die Reichsburg Friedberg im Mittelalter in Marburg

1972-1978
Studium der Geschichte, Politik und Germanistik in Marburg

Geboren 1953
in Friedberg in der Wetterau. 1972 Abitur in Michelstadt

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