Hannover und die Hanse zur Zeit des Stralsunder Friedens 1370

Das Stadtarchiv Hannover hatte 2020 das 650. Jubiläum des Stralsunder Friedens zum Anlass genommen, Hannovers Verhältnis zur Hanse zu untersuchen. Die entstandene Ausstellung „Hannover und die Hanse zur Zeit des Stralsunder Friedens 1370“ konnte pandemiebedingt nur online gezeigt werden. Jetzt wird die Ausstellung, nun erweitert um originale Dokumente aus dem späten 14. Jahrhundert, analog präsentiert.

Die Ausstellung stellt die politischen Akteure und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor, zeigt Urkunden und Bücher der Verwaltung und sucht nach Spuren der Hanse in Hannover. Mit welchen Themen haben sich die Ratsherren um 1370 beschäftigt? Wie engagierte sich Hannover im Krieg um die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Ostsee? Welche Rolle spielte Hannover im Netzwerk der Hanse? Kannte und nutzte man die neuen Privilegien, die Lübeck und die Seestädte für das Hanse-Bündnis erkämpften?

Vor 650 Jahren schlossen die verbündeten Hansestädte mit König Waldemar IV. von Dänemark den Frieden von Stralsund. Die Hanse konnte ihre Vormachtstellung in der Ostsee behaupten und eine Bestätigung weitreichender Privilegien erkämpfen. Der Friedensschluss von Stralsund gilt als Höhepunkt der Hansegeschichte. Er ist auch deshalb bemerkenswert, weil hier eine kleine Städtegruppe einen Sieg erkämpfte, dessen Privilegien der ganzen Hanse-Gemeinschaft zugutekamen – und das fast 200 Jahre lang.

In den zehn Jahren der Auseinandersetzung waren Hannover und die anderen sächsischen Städte mit dem Ausbau der eigenen politischen und wirtschaftlichen Stellung beschäftigt. So konnte in Hannover der Mauerring nach dem Abriss der herzoglichen Burg direkt vor den Toren der Stadt endlich geschlossen werden. Dies erlaubte der Stadt eine rechtliche Abgrenzung, die Demonstration ihrer politischen Stellung und den Schutz vor feindlichen Überfällen. Der geschlossene Mauerring mit 32 starken Türmen war so wichtig, dass die spätere Stadtgeschichtsschreibung deshalb meinte, die „Aufnahme“ in die Hanse auf das Jahr 1371 setzen zu müssen.


Abb.: Das „rote Stadtbuch“, Stadtprotokollbuch (Stadtarchiv Hannover, I.AA.3 Nr. 8232)

Die Quellen aus der Stadtschreiberei belegen die für zentral angesehenen Schwerpunkte des städtischen Lebens: Eigentums- und Erbschaftsfragen, Dotationen an Kirchen und Altäre, Schuldverträge, Privilegien, die Verzeichnung der Neueinwohner*innen und Rechtsbelehrungen galten für so wichtig und erhaltenswert, dass sie auf teurem Pergament geschrieben wurden. Die ältesten Aufzeichnungen der Stadtverwaltung, zum Beispiel Einnahmen aus den städtischen Mühlen, stammen erst aus dem Ende des 14. Jahrhunderts und wurden dann auf Papier verzeichnet.

„Echt hansische“ Spuren finden sich auch heute noch im Alltagsleben der Stadt. Wie im gesamten Hansekulturraum wurde in Hannover mit Backstein gebaut und in Niederdeutsch kommuniziert. Auch in Hannover trainierten die Einwohner ihre Wehrtüchtigkeit durch das „Papageienschießen“. Den eigenen Einwohnern und fremden Kaufleuten wurde die Möglichkeit des Gebetes am Altar von St. Olav, dem Schutzpatron der Seefahrer, geboten.

Die Archivausstellung „Hannover und die Hanse zur Zeit des Stralsunder Friedens 1370“ ist ein Projekt des Stadtarchivs Hannover mit Unterstützung des städtischen Büros für internationale Angelegenheiten und Teil der Veranstaltungsreihe „Frieden 2020+. Verantworten – Bewahren – Machen!“.

Die Öffnungszeiten sind Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 9 bis 13 Uhr. Anmeldungen sind per Telefon oder Mail möglich.

Kontakt:
Stadtarchiv Hannover
Am Bokemahle 14-16
30171 Hannover
Tel.: +49 511 168-42173
Fax: +49 511 168-46590
stadtarchiv@hannover-stadt.de
http://www.hannover.de/stadtarchiv

Quelle: Stadt Hannover, Pressemitteilung, 16.11.2020; Stadt Hannover, Pressemitteilung, 22.11.2021

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