Fundraising ist Friendraising

Bericht über die 8. Arbeitstagung des Verbandes schleswig-holsteinischer Kommunalarchivarinnen und -archivare (VKA) in Rendsburg am 28.3.2007 zum Thema Fundraising

Archivarinnen und Archivare sind zumeist kreative Menschen, die viele Ideen für die Entwicklung der Archive und die Verankerung von Geschichtsbewusstsein in der Bevölkerung haben. Allerdings fehlt häufig Zeit, Personal und Geld, um die Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Um sich neue Handlungsspielräume zu erschließen beschäftigten sich die Archive in Schleswig-Holstein auf ihrer Tagung mit dem Thema Fundraising.

Als ersten Dozenten begrüßt die Vorsitzende des Verbandes Schleswig-Holsteinischer Kommunalarchivarinnen und Archivare, Frau Briel, Uwe Hanf von der Fachhochschule Potsdam, der über \“Fundraising ist Friendraising – Strategische Aspekte eines erfolgreichen Finanzierungskonzepts\“ spricht. Herr Hanf weist eingangs darauf hin, dass die Archive einen bedeutenden Beitrag für die Kultur leisten, der jedoch zu wenig bekannt sei und daher nicht richtig gewürdigt werde. Wie der Titel bereits aussagt, beschränkt er sich auf die grundsätzlichen strategischen Ziele. Fundraising ist die kontinuierliche und strategisch geplante Beschaffung von finanziellen Ressourcen, Sachwerten, Zeit und Know-How zur Verwirklichung von gemeinnützigen Zwecken unter Verwendung von Marketingprinzipien. Auf die Strategische Planung und aufs Marketing geht er im Folgenden näher ein. Es ist ein ergänzendes Finanzierungsinstrument, ein Kommunikationsinstrument und ein Marketinginstrument. Um es erfolgreich einzusetzen, muss man sich in Denken und Handeln des Adressaten hineinversetzen. Das Gesamtbudget setzt sich zusammen aus Zuwendungen von öffentlichen Institutionen, selbsterwirtschafteten Mitteln (Verkaufserlösen), Spenden von Privatpersonen und Sponsoring von Unternehmern. Dabei müsse man sich bewusst sein, dass ein Unternehmen niemanden fördert, weil es die Einrichtung gut und wichtig finde, sondern weil er sich etwas davon verspreche, gespendet werde hingegen, weil man die Einrichtung und ihre Arbeit gut finde. Spendeneinwerbung erfordert ein anderes Konzept als Sponsoring. Zur Strategie gehöre, dass man sich entscheidet, was man wolle, man könne nicht alle vier Aspekte wahrnehmen. Bei der Kommunikation sei nicht die Frage, wie kommen wir an Geld, sondern wie können wir andere für unsere Ziele und Aufgaben interessieren. Das sei für die Archive schwer, u.a. weil viele nicht wüssten, was ein Archiv ist und durch die Medien u. a. in den Krimis immer noch das Bild des verstaubten Archivs vermittelt werde. Hier müsse man daher erst kommunizieren, was ein Archiv sei, andere Einrichtungen hätten es einfacher, weil sie bekannt seien. Fundraising heiße auch, ein Netzwerk von Freunden und Unterstützern aufzubauen. Die Archive müssen sich fragten, wer ihre Stakeholder (Personen, die irgendwie Interesse an unserer Arbeit haben – Ansprech- bzw. Interessengruppen der Institution) seien, wie man diese bewerte, also welche Erwartungen wir an sie stellen und welche Mittel wir von ihnen erwarten können. Wir müssen uns bewusst machen, welche Einflussmöglichkeiten wir auf sie haben. Die Beziehungen zu ihnen müssen kontinuierlich gestaltet, institutionalisiert werden, es reiche nicht, nur bei Bedarf Kontakt aufzunehmen. Dabei soll man die überlall vorhandenen Gelegenheiten aktiv für Kontaktpflege nutzen und konkrete Vorschläge für Unterstützungen machen können. Die Person und die persönliche Beziehung sei der Schlüssel zum Erfolg, betonte Herr Hanf.

Ergänzend sprach Kai Kulschewski von der Fundraising Manufaktur Kiel über \“Freiwillige finden, fördern, führen\“ und \“Praktische Instrumente des Fundraising / Stiftungen in Schleswig-Holstein\“. Trotz des relativ geringen Fördervolumens von Stiftungen seien diese ein idealer Partner von innovativen Neuerungen. Sie seien mehr an der Förderung der Sache als an der Förderung des eigenen Erscheinungsbildes interessiert. Bevor man sich an Stiftungen wende, sollte man deren Förderrichtlinien und Programmschwerpunkte kennen und sich vorab erkundigen, ob das geplante Projekt überhaupt förderfähig sei. Nur Projekte, die genau ins Konzept der Stiftung passen, haben eine Chance. Vor der Antragstellung müsse auf jeden Fall eine Projektskizze vorliegen. Hier sollte u. a. dargelegt werden, welche Kompetenzen und Erfahrungen bei der beantragenden Organisation vorhanden sind, welche Kooperationspartner am Projekt beteiligt sind und wie die Gesamtfinanzierung aussehen solle.

Die Suche nach Freiwilligen für die Archivarbeit hat grundsätzlich Potential, denn 30 % der Bevölkerung ist an einem Engagement interessiert. Die Suche müsse gezielt und systematisch erfolgen. Die Zielgruppe sollte klar definiert werden, mit einem eventuell persönlich bekannten Vertreter dieser Zielgruppe sollte Kontakt aufgenommen werden, der dann unter Umständen auch nur als Multiplikator dienen könne. Interessierte müssten sich bei einer Werbung angesprochen fühlen. Sie müssten deutlich erkennen, welche Fähigkeiten Voraussetzung seien, wie viel Zeit investiert werden müsse und um welche Arbeiten es sich handele. Für die unterschiedlichen Wünsche der Ehrenamtler müssten Angebote mit unterschiedlich langem Arbeitseinsatz angeboten werden, neben langfristigen Aufgaben auch kurzfristige. Auch die Erwartungen der Freiwilligen seien zu berücksichtigen, Erfolgserlebnisse und Befriedigung, Weiterbildung oder soziale Kontakte können für sie im Vordergrund stehen. Auch Freiwillige müssten sich in den Arbeitsablauf integrieren und eine gewisse Verlässlichkeit bieten. Ein Bewerbungsgespräch eröffnet beiden Parteien die Möglichkeit zu klären, ob man zusammen passt. 

Frau Dr. Annette Göhres vom Nordelbischen Kirchenarchiv sprach über \“Hygiene und Arbeitssicherheit im Archiv (TRBA 240)\“. Das Nordelbische Kirchenarchiv widmet sich seit der Frühpensionierung eines Mitarbeiters aufgrund mangelnder hygienischer Zustände intensiv dem Thema. Dabei bereiten nicht die eigenen Archivalien das Problem, sondern die kontaminierten Archivalien aus den einzelnen Pastoraten, die im Nordelbischen Kirchenarchiv aufbereitet werden. Diese Archivalien seien häufig verschimmelt. Trotz aller Hemmnisse erhielt das Archiv eigene Räume zur Zwischenlagerung dieses Archivguts sowie eine Werkbank zur Säuberung desselben. Obwohl der Arbeitgeber in der Pflicht sei, die Beschäftigten über die Gefährdung zu unterrichten und entsprechende räumliche Maßnahmen zu treffen – Schutzmaßnahmen an den Personen wird erst nachrangig betrachtet – machte das Archiv die Erfahrung, dass die Bauabteilung, der betriebsärztliche Dienst und die Arbeitssicherheit nicht genügend informiert waren, so dass das Archivpersonal sich selbst erkundigen musste, um seine Rechte durchzusetzen. Außer den räumlichen Maßnahmen im Kirchenarchiv verfüge es jetzt über zwei Kisten, in denen notwendige Ausrüstungsgegenstände für die Außenmitarbeiter zusammengefasst seien wie Handschuhe, Haarnetz, Kittel, Atemmaske u. a. Dazu gehöre auch ein Staubsauger mit entsprechender Filterklasse. Auf die Nachfrage, ob kleinere Archiv auch die Werkbank nutzen können, sah Frau Dr. Göhres nur organisatorische Hemmnisse, die sich aber lösen ließen.

Nach diesem vorgezogenen Beitrag stellten einige Archivarinnen und Archivare ihre eigenen praktischen Erfahrungen mit Projektfinanzierungen vor. In der Stadt Wedel wird dieses Jahr dem 400. Geburtstag des Barockdichters Johann Rist in einer umfassenden Veranstaltungsreihe gedacht. Frau Rannegger bat den Bürgermeister, bei seinen Terminen bei jeder passenden Gelegenheit auf Rist hinzuweisen. Als sehr förderlich erwies sich auch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die half, Kontakte zu den Firmen herzustellen. Mit der ZEIT-Stiftung konnte ein großer auswärtiger Sponsoren aquiriert werden.

Im Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe liegt seit 15 Jahren der unbearbeitete Bestand des Ahlsen-Zementwerkes. Ohne Schwierigkeiten erhielt das Archiv für die Aufarbeitung der Quellen von dem Nachfolgerbetrieb, mit einem Muttersitz in der Schweiz dessen Produktionsort nunmehr in einer anderer Gemeinde liegt, 10.000 Euro als Spende. Die Sparkassenstiftung sagte dagegen leider eine Förderung ab mit dem Hinweis, in Itzehoe werde bereits das Museum in diesem Jahr unterstützt.

Im Kreis Stormarn können noch relativ einfach Gelder eingeworben werden, da eine regionale Stiftung u. a. die Heimatkunde unterstützt. Insgesamt war aber deutlich, dass – wie bei den Vorträgen bereits gesagt wurde – der persönliche Kontakt sehr wichtig ist. Es ist entscheidend, den richtigen Ansprechpartner in einer Einrichtung/Firma zu überzeugen.

Aufgrund der verbliebenen Zeit kürzte Herr Watzlawzik vom Kreisarchiv Stormarn seine Ausführungen zu \“Archivportale – neue Herausforderungen und Chancen für die Erschließung\“. Das Kreisarchiv Stormarn ist jetzt auch in www.Findbuch.net vertreten. Neben einer Minimierung bei Beratungs- und Betreuungsaufwand sei es dadurch auch einfacher möglich, potentiellen Aktenlieferanten die Bedeutung des Archivs darzustellen. Für Archive, die noch keine Software haben, sei es wichtig darauf zu achten nur internetfähige Programme zu beschaffen. Außerdem müssten Mindeststandards bei der Verzeichnung erfüllt werden, damit der Weg zu einem gemeinsamen Internetportal offen steht. 

Ausführlich über die Tagung wird im Mitteilungsheft des VKA, das im Herbst 2007 erscheint, berichtet.

Almut Ueck

Berliner Landesarchiv verstärkt Zusammenarbeit mit Schulen

Seit einiger Zeit gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Landesarchiv und Berliner Schulen. Mit der Unterstützung der Archivare lernen die Schüler das umfangreiche Quellenmaterial vor Ort kennen, das dann auch in verstärktem Maße im Unterricht Verwendung findet. In einem der aktuellen Projekte haben 15 Abiturienten der Thomas-Mann-Oberschule in Berlin-Reinickendorf sich ein halbes Jahr lang mit den Lebenswegen jüdischer Bürger aus dem Bezirk Reinickendorf beschäftigt. Dabei forschten sie nicht nur im Archiv, sondern befragten auch Angehörige und Zeitzeugen. Die Ergebnisse ihrer Recherchen präsentierten sie am 31. Mai 2007 im Berliner Landesarchiv. Des Weiteren sollen ihre Nachforschungen dem Kölner Bildhauer Günter Demnig als Grundlage für die Verlegung neuer Stolpersteine dienen, mit denen er seit 1995 in zahlreichen deutschen Städten an Menschen erinnert, die von den Nazis deportiert wurden. Der 10 mal 10 Zentimeter kleine Betonwürfel ragt wenige Millimeter aus dem Boden heraus. Auf der Oberseite befindet sich eine Messingplatte, auf der eingraviert wurde \“Hier wohnte …\“, dann folgen Name, Geburtsjahr und das Datum der Deportation oder des Todes. Sie sollen überall dort ins Pflaster eingelassen werden, wo die betroffenen Personen einst lebten. Für sein Projekt STOLPERSTEINE erhielt Gunter Demnig am 4. Oktober 2005 sogar den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Kontakt:
Landesarchiv Berlin 
Eichborndamm 115 – 121 
13403 Berlin 
Tel.: 0 30 / 90264 – 0 
Fax: 0 30 / 90264 – 201 
info@landesarchiv-berlin.de 

Quelle: Berliner Zeitung, 31.05.2007

Archivportal Niedersachsen

Das Niedersächsische Landesarchiv und die Arbeitsgemeinschaft niedersächsischer Kommunalarchivare e. V. haben unter der Internetadresse www.archivportal.niedersachsen.de ein neues Internetportal für Nutzer und Nutzerinnen niedersächsischer Archive eröffnet.

Das \“Archivportal Niedersachsen\“ dient als zentraler Wegweiser zu allen Archiven in Niedersachsen. Es bietet jedem in Niedersachsen ansässigen Archiv Gelegenheit, sich und seine Bestände vorzustellen und über einen Link auf die eigene Homepage zu verweisen. Die Angaben der Archive können in vielfältiger Weise durchsucht werden. Der geographische Zugang erfolgt über eine Niedersachsenkarte und zeigt, welche Archive in jedem einzelnen Landkreis vorhanden sind. Zudem ist es möglich, einen Orts-, Archiv- oder Landkreisnamen, eine Archivsparte, die Bestände, Veröffentlichungen oder die Zuständigkeit als Auswahl- und Suchkriterium zu nutzen. Auch eine Suche über alle diese Bereiche ist möglich.

Außerdem bietet das Archivportal Niedersachsen eine Online-Datenbankrecherche in den frei zugänglichen digitalen Findmitteln von bisher sechs Kommunalarchiven sowie der sieben Staatsarchive des Niedersächsischen Landesarchivs. Die dabei ermittelten Archivalien können ebenfalls online zur Vorlage in dem betreffenden Archiv bestellt werden. 

Kontakt:
Dr. Sabine Graf
Niedersächsisches Landesarchiv
– Zentrale Archivverwaltung – 
Am Archiv 1
30169 Hannover
Tel: 0511 120 6685
Fax 0511 120 6639
Sabine.Graf@nla.niedersachsen.de

Gründungsversammlung des Fördervereins Karlsruher Stadtgeschichte

Das 300-jährige Stadtjubiläum von Karlsruhe im Jahre 2015 wirft seine Schatten voraus. Wie bei den früheren Stadtjubiläen soll die Stadtgeschichte eine zentrale Rolle spielen. Das Institut für Stadtgeschichte bereitet sich schon jetzt auf dieses Ereignis vor und will zur Unterstützung seiner Arbeit einen \“Förderverein Karlsruher Stadtgeschichte\“ gründen. Ihre Beteiligung haben u. a. der ehemalige Rektor der Musikhochschule Prof. Siegfried Schmalzriedt und Regierungspräsidentin a. D. Gerlinde Hämmerle zugesagt. Der Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte an der Karlsruher Universität, der renommierte Zeithistoriker Prof. Peter Steinbach wird bei der Gründungsversammlung am 31. Mai 2007 nach der Begrüßung durch Bürgermeister Ullrich Eidenmüller einen Grundsatzvortrag \“Warum Stadtgeschichte?\“ halten, der Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Dr. Ernst Otto Bräunche, die aktuellen und geplanten stadtgeschichtlichen Aktivitäten, Prof. Siegfried Schmalzriedt die Aufgaben des Fördervereins vorstellen. Zur Gründungsversammlung um 16 Uhr im Neuen Ständehaus, Ständehaussaal, Ständehausstraße 2, sind alle an der Stadtgeschichte Interessierten herzlich eingeladen.

Kontakt
Institut für Stadtgeschichte
Markgrafenstraße 29
76124 Karlsruhe
Tel.: 0721 / 133 – 4225
Tel.: 0721 / 133 – 4231 
Fax: 0721 / 133 – 4299
archiv@kultur.karlsruhe.de

Quelle: Karlsruhe: Kultur/ Stadtgeschichte

Carl Zeiss Archiv Jena birgt über 160 Jahre Unternehmensgeschichte

Das Carl Zeiss Archiv gewährt Einblick in die Biographien von Carl Zeiss und Ernst Abbe sowie in die über 160-jährige Unternehmensgeschichte. Es werden dort ca. vier laufende Kilometer Originaldokumente und Akten, 150.000 Fotos, 100.000 Druckschriften, darunter Patente, Kataloge und Gebrauchsanweisungen und -muster sowie Technische Dokumentationen und Geräte aus der Geschichte von Carl Zeiss in Jena aufbewahrt. Ein Teil der Dokumente kann online recherchiert werden, so dass alle an der Zeiss-Geschichte Interessierten auf diese Weise bereits Auskunft über so manche Archiv-Schätze erhalten. Die Produkte, die Carl Zeiss vor 1945 hergestellt hat, sind außerdem in einem virtuellen Museum zu besichtigen. Leiter des Carl Zeiss Archivs ist seit gut zehn Jahren Dr. Wolfgang Wimmer. Neben der eigentlichen Archivarbeit sowie Recherchen für Forschungs- und Publikationsvorhaben, müssen er und seine Mitarbeiter jeden Monat noch ungefähr 150 Anfragen aus aller Welt bearbeiten, die sich unter anderem auf Personen und Ereignisse während der gut 160-jährigen Firmengeschichte sowie auf Alter und Funktionsweise alter Zeiss-Geräte beziehen. Gewünscht werden aber auch Reproduktionen von Fotografien zur Geschichte von Carl Zeiss, Kopien von Werbematerialien, Gebrauchsanweisungen und anderen Druckschriften. Dr. Wolfgang Wimmer erreichen aber auch Anfragen von Museen zum Verleih von alten Geräten für Ausstellungen. 

Kontakt
Carl Zeiss Archiv
Dr. Wolfgang Wimmer
Carl-Zeiss-Promenade 10
07745 Jena
Tel.: 03641 / 64 – 2759
Fax: 03641 / 64 – 2207
wimmer@zeiss.de

Quelle: Lydia Psurek, Ostthüringer Zeitung, 25.5.2007

Vorerst kein Neubau fürs Brandenburgische Landeshauptarchiv

Der Neubau für das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Wie Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage sagte, wurde der Bau zugunsten dringender Baumaßnahmen zurückgestellt. Über den Zeitpunkt des Baubeginns werde "in Abhängigkeit von den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln" entschieden. 

Wanka räumte ein, dass der beabsichtigte Neubau des Archivs am Standort Potsdam-Bornim deutlich mehr Komfort für Nutzer und Mitarbeiter bringen würde. Ein Architektenwettbewerb für das Bauprojekt hat bereits stattgefunden und kostete laut Wanka 166.000 Euro. Eine Umsetzung des Entwurfs würde das Land 36,5 Millionen Euro kosten. Auch in den jetzigen Archivgebäuden sei das Archivgut entsprechend den Gesetzen sicher gelagert, sagte sie. Schon heute verfüge das Archiv über eine Brandmeldeanlage, die direkt mit der Feuerwehr verbunden sei.

Kontakt:
Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Zum Windmühlenberg
14469 Potsdam
Tel.: (0331) 5674-0 (Zentrale)
Fax: (0331) 5674-212
poststelle@blha.brandenburg.de

Quelle: Ad Hoc News, 26.5.2007; FAZ, 29.5.2007, 41

Auszeichnung für Kulturstrolche in Münster

Grund zum Feiern hatten die Kulturstrolche aus vier münsterschen Grundschulen. Im Festsaal des Rathauses nahmen sie am 29. Mai 2007 einen Pokal entgegen – Auszeichnung für die Kulturstrolche Münster als \“Ausgewählter Ort im Land der Ideen 2007\“. Christoph Wintgen von der Deutschen Bank Münster und Münsterland überreichte den Pokal. Erste Gratulantin war Münsters Schul- und Kulturdezernentin Dr. Andrea Hanke. \“Kulturstrolche\“ ist ein Ämter übergreifendes Projekt des Dezernates für Bildung, Familie, Jugend, Kultur und Sport (siehe Bericht vom 24.4.2006). Während einer dreijährigen Pilotphase beteiligen sich 200 Kinder aus der Bodelschwinghschule, Grundschule Kinderhaus-West, Martinischule und Paul-Gerhardt-Schule. Ziel des Kulturstrolche-Projektes: Bis zum Ende der Grundschulzeit lernt jedes Kind alle städtischen Kultureinrichtungen kennen. Unabhängig vom Geldbeutel und den Interessen der Eltern entdecken die Kinder \“herumstrolchend\“ die Einrichtungen. Sie erleben Theater- und Konzertproben, befragen Künstler, schauen hinter die Kulissen, studieren spannende Geschichtsdokumente oder stöbern im Archiv. Bei ihren Besuchen lernen die Drittklässler von vier Grundschulen im Klassenverband oder in kleineren Gruppen jedoch nicht nur die Kulturstätten, sondern auch die dort arbeitenden Menschen kennen. Ob Stadtmuseum oder Bürgerfunk: Kultur macht Kinder klug, sensibel, tolerant und neugierig. Und auch die Kulturschaffenden müssen sich ob der neugierigen Kinderfragen mal wieder in Frage stellen. Obendrein gibt es für jeden Besuch in einer Einrichtung noch einen Sticker fürs Kulturstrolche-Sammelheft. 

Kulturpartner sind: Stadtarchiv Münster, Stadtbücherei, Stadtmuseum und Städtische Bühnen sowie Musikschule, Villa ten Hompel, Volkshochschule, Ausstellungshalle und Begegnungszentrum Meerwiese. Die Federführung liegt beim Amt für Schule und Weiterbildung. Die Kulturstrolche Münster hatten sich als einer von mehr als 1.500 \“Orten\“ am Wettbewerb \“365 Orte im Land der Ideen\“ beteiligt, der gemeinsam von der Deutschen Bank und der Standortinitiative \“Deutschland – Land der Ideen\“ durchgeführt wurde. Die Deutsche Bank ermöglicht als Partner der Initiative diese Aktion. \“Mit \’365 Orten im Land der Ideen\‘ entsteht ein Netzwerk von Leistungskraft, visionärem Denken, kreativer Leidenschaft und unternehmerischem Mut in Deutschland\“, so Christoph Wintgen. Schirmherr der Standortinitiative ist Bundespräsident Horst Köhler. 

Kontakt
Kulturstrolche in Münster 
Klemensstraße 10 
48127 Münster 
Tel : 0251 / 4924071

Quelle: Pressemeldung Stadt Münster, 29.5.2007; Kulturstrolche-Fest, 29.5.2007

500 Jahre Protestanten im Rheinland

Kein Thema ist heute so aktuell wie der Dialog zwischen den Religionen. Diese Gespräche setzen die Kenntnis der eigenen Identität und Geschichte voraus. Pünktlich zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln erscheint nun das Standardwerk zu 500 Jahren Protestanten im Rheinland.

\"Glaube,

Der bekannte Kölner Autor Klaus Schmidt erzählt zum ersten Mal die farbige und bewegende Geschichte der Protestanten im Rheinland von den Anfängen bis in die jüngste Gegenwart. Sein Blick wendet sich dabei nicht in erster Linie auf Institutionen, sondern auf die Menschen. So finden sich in dem Werk zahlreiche Portraits evangelischer Rheinländerinnen und Rheinländer vom Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch über die Theologin Dorothee Sölle, Bundespräsident Gustav Heinemann, den Gründer des Diakoniewerks Kaiserswerth Theodor Fliedner und den Liederdichter Joachim Neander („Lobe den Herrn“) bis zum Kölner \’Jahrhundertgenie\‘, der Wissenschaftlerin Anna Maria Schürmann (1607-1678).

Die zahlreichen Lebensgeschichten zeigen die Vielfalt des protestantischen Lebens im katholisch dominierten Rheinland. Beim Lesen wird überraschend deutlich, wie stark der Einfluss von bekannten und unbekannten Protestanten im Rheinland auf Wirtschaft, Kultur, Politik, Wissenschaft, Medizin, Sozialarbeit und alle weiteren Gesellschaftsbereiche war. Beispielhaft dafür steht der couragierte Jurist Gustav Heinemann, der vom christlichen Widerstand gegen das NS-Regime zum friedenspolitisch aktiven Minister und Bundespräsidenten wurde.

Immer wieder rückt die Suche nach Gerechtigkeit und Frieden in den Mittelpunkt der Darstellung, ohne zu vernachlässigen, dass sich auch die evangelische Kirche seit Luthers Zeiten an der Unterdrückung und Ausgrenzung von Menschen mit abweichenden Positionen beteiligt hat.

Der umfangreiche Band erzählt vom Leben und den Konflikten der \’großen\‘ und der \’kleinen Leute\‘ und den Stärken und Schwächen der Kirche. Damit bietet er der evangelischen Kirche ebenso wie den Menschen im Rheinland anregendes Material zur Selbstvergewisserung und Positionsbestimmung: insgesamt also ein anregendes Lesebuch und eine farbige Sammlung unterschiedlichster Lebensgeschichten.

Der Autor:
Klaus Schmidt, geboren 1935, ist Theologe und Historiker und bekannt durch Sachbücher und historische Biographien u. a. über Franz Raveaux, Andreas Gottschalk und Franz Vonessen und das mit Günther van Norden herausgegebene Buch „Sie schwammen gegen den Strom“ über die Evangelische Kirche im Rheinland während der NS-Diktatur (alle im Greven Verlag Köln). 

Info:
Klaus Schmidt:
Glaube, Macht und Freiheitskämpfe. 500 Jahre Protestanten im Rheinland
416 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag
Greven Verlag, Köln 2007
19,90 Euro
ISBN 978-3-7743-0385-0

Atlas zur Historiographiegeschichte im 19. und 20. Jahrhundert

Wann und an welchen Universitäten in Europa wurden die ersten Lehrstühle für Geschichtswissenschaften eingerichtet? In welchem europäischen Land arbeiteten wann wo wie viele Historiker? Zu welchem Zeitpunkt und in welcher Region Europas wurden Archive, Museen und Geschichtsvereine gegründet? Welche Rolle spielte die Geschichtswissenschaft bei der Entstehung der Nationalstaaten und der Ausbildung nationaler Identitäten in Europa? Mit diesen Fragen beschäftigen sich vom 1. bis 2. Juni 2007 an der Universität Trier Geschichtswissenschaftler aus Deutschland, Italien, England, Frankreich, Litauen, Lettland, Griechenland, Rumänien und Belgien. Die Historiker folgen einer Einladung von Prof. Lutz Raphael, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Trierer Universität, und seiner italienischen Kollegin Prof. Ilaria Porciani, Universität Bologna.

Die beiden Wissenschaftler koordinieren ein Forschungsvorhaben zur Entwicklung der Geschichtsschreibung zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Fachdisziplin und zu ihrer Bedeutung für die Entstehung der Nationalstaaten. Im Rahmen dieses Forschungsverbundes sammeln Wissenschaftler aus insgesamt 40 europäischen Staaten Daten zu den Institutionen, die sich mit nationaler Geschichte befassen, so z.B. zu Universitäten, Archiven oder Museen, Geschichtsvereinen und -zeitschriften. Diese Informationen bilden die Grundlage für die Erstellung einer gemeinsamen Publikation, den Atlas zur europäischen Historiographiegeschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Das Kartenwerk wird in englischer Sprache im Verlag Palgrave Macmillan in Großbritannien im Jahr 2009 erscheinen. Mit dem Atlas soll ein Grundlagenwerk vorgelegt werden, in dem erstmals für alle Staaten Europas die institutionellen Rahmenbedingungen für die Professionalisierung und Verwissenschaftlichung der Geschichtsschreibung im 19. und 20. Jahrhundert dokumentiert werden. 

Das europäische Kooperationsprojekt ist Teil des von der Europäischen Wissenschaftsstiftung (ESF) geförderten Großprojektes \“Darstellung der Vergangenheit. Das Schreiben nationaler Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert\“ (Representation of the Past: The Writing of National Histories in Nineteenth and Twentieth-Century Europe (NHIST)). Nach Treffen in Bologna und Salamanca setzen die Wissenschaftler die Diskussion über die Konzeption und Umsetzung des Atlasbandes in Trier fort, der von der Kartographieabteilung des Faches Geschichte in Verbindung mit dem DFG-Projekt \“Atlas zur europäischen Historiographiegeschichte\“ an der Universität Trier federführend erstellt wird. Ziel der Zusammenkunft ist die Vorstellung erster Kartenentwürfe und die Diskussion der bisherigen Forschungsergebnisse. 

Kontakt:
Universität Trier
FB III – Neuere/Neueste Geschichte
Yvonne Rommelfanger
DM-Gebäude, Raum DM 229
54286 Trier
Tel.: 0651 / 201 – 3309
Fax: 0651 / 201 – 3293
romm3201@uni-trier.de 

Quelle: Pressemitteilung Universität Trier, 25.5.2007

Neue Auflagen der Bottroper »Geschichtsstunden«

Die vom Stadtarchiv Bottrop herausgegebenen Hefte zu verschiedenen Themen der Bottroper Stadtgeschichte, die unter dem Titel „Geschichtsstunde“ erscheinen, erfreuen sich großer Beliebtheit. Nun sind zwei der eine Zeitlang vergriffenen Publikationen neu aufgelegt worden. Ab sofort sind die Hefte „Kohle, Öl und Chemie. Das ehemalige ‚Hülsgelände‘ in Bottrop-Boy im Wandel der Zeit“ und „Der Wandel vom Dorf zur Stadt. Baurat Albert Lange legt die baulichen Grundlagen für ein städtisches Bottrop“ (beide von Wilfried Krix verfasst) wieder im Stadtarchiv Bottrop zum Preis von je 2,50 Euro erhältlich. 

Kontakt
Stadtarchiv Bottrop
Blumenstraße 12-14
46215 Bottrop
Tel.: 02041 / 70 – 3754
Fax: 02041 / 70 – 3833
stadtarchiv@bottrop.de 

Quelle: Pressemeldung Stadt Bottrop, 25.5.2007