Zwangsarbeit in Duisburg

Praktisch kein deutsches Unternehmen, keine Gärtnerei, keine Kommune, ja noch nicht einmal die Kirchen in Deutschland kamen während des Zweiten Weltkrieges ohne die Zwangsarbeit von zivilen ausländischen Arbeiterinnen und Arbeitern aus. Zur damaligen Situation in der Stadt Duisburg hat jetzt der Historiker Michael Kanther ein knapp 500 Seiten dickes Werk vorgelegt. Im Frühjahr 2000 hatte er vom Rat der Stadt Duisburg den Auftrag erhalten, das Thema Zwangsarbeit in der Ruhrstadt aufzuarbeiten.

Kanther macht in seinem Buch zwei grundsätzliche Feststellungen: 1.) Duisburg gehörte nicht zur Hauptregion des Zwangsarbeiter-Einsatzes in Deutschland. In der Landwirtschaft und in der Kriegswaffen-Endproduktion gab es die großen Massen ausländischer Zwangsarbeiter. 2.) Trotzdem haben fast alle Branchen in Duisburg nach und nach neben Kriegsgefangenen auch zivile Zwangsarbeiter eingesetzt. Im Spätsommer 1944 habe man in Duisburg etwa 34.000 Zwangsarbeiter gezählt, die in mehr als 200 Lagern quer über die Stadt verteilt lebten. Es sei daher leichter, die unbeteiligten Branchen in Duisburg (Tabak-Industrie und Brauereien) zu benennen, als diejenigen, die sie verwendet haben.

Info:
Michael A. Kanther, Zwangsarbeit in Duisburg 1940-1945, Duisburger Forschungen Bd. 49. Hrgs. Stadtarchiv Duisburg, Mercator-Verlag, 22 Euro

Quelle: Stefan Endell, NRZ, 22.7.2004

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