Das Wolfsburger Modell einer reflexiv-konstruktiven Archivdidaktik

Das Stadtarchiv Wolfsburg wurde Ende der 1970er Jahre zu einem funktionsfähigen Kommunalarchiv ausgebaut. Die 1938 zur Produktion des Volkswagens gegründete \“Stadt des KdF-Wagens\“, so ihr Name bis 1945, hatte damals gerade die 100.000er-Einwohner-Grenze zur Großstadt überschritten. Das Wolfsburger Stadtarchiv umfasst heute rund 12.000 historische Akten; ein Zwischenarchiv und umfangreiche Sammlungsbestände ergänzen das Archiv, in dem zwei Vollzeitkräfte (Leitung und Historische Dokumentation), drei halbe Kräfte sowie zwei Magaziner tätig sind.

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Die besonders kurze und zugleich besondere Geschichte Wolfsburgs als "NS-Reißbrettidyll" mag ausschlaggebend dafür sein, dass das Stadtarchiv Wolfsburg andere Prioritäten in seinen Betätigungsfeldern setzen kann als andere Archive. "Vermitteln geht vor Verzeichnen!" lautet zugespitzt die Herangehensweise des Stadtarchivs. Das Archiv versteht sich damit – wohl im Unterschied zur Mehrheit in der archivischen Zunft – "in erster Linie als Bildungszentrum", wie es in der anregenden Publikation "\’Ran an die Quellen!\‘ Theorie und Praxis der Archivdidaktik – Das Wolfsburger Modell" heißt, die die Wolfsburger Stadtarchivleiterin Birgit Schneider-Bönninger unter Mitarbeit von Anita Placenti in diesem Jahr herausgegeben hat und die dokumentiert, warum Wolfsburg zum Austragungsort der nächsten ANKA-Jahrestagung (28./29.3.2006) gekürt worden ist (siehe Bericht vom 26.6.05).

In Wolfsburg stellt der "archivdidaktische Service" Schwerpunktbereich und Kernaufgabe der stadtarchivischen Praxis dar. Engagiert und selbstbewusst vertreten die Autorinnen das "Wolfsburger Modell", das auf mittlerweile fünfjährigen Erfahrungen fußt, die mit problemorientiertem Unterricht und durch Versuche der Förderung von reflektiertem Geschichtsbewusstsein gemacht werden konnten. Karl-Ernst Jeismann, Wolfgang Klafki und Uwe Uffelmann stehen nachweislich Pate für die Wolfsburger Konzeption einer "reflexiv-konstruktiven Archivdidaktik", die die Selbstorganisation der Lernenden zum Prinzip erklärt und letztlich das "Demokratie-Lernen" ermöglichen soll. Der Feldversuch des "aktiven didaktischen Archivs" habe bereits mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche für die lokalgeschichtliche Spurensuche motiviert. Der Erfolg ermuntert die Stadtarchivleiterin Schneider-Bönninger zu einem Plädoyer für eine "didaktische Wende im Archivwesen".

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Das "didaktische Primat" im Aufgabenkanon des Stadtarchivs Wolfsburg stellt sich als Erfolgsgeschichte dar, die der Einrichtung nicht nur einen "enormen Imagegewinn" einbrachte, sondern auch Besucherrekorde, einen Zugangsboom im Bereich der Sammlungen und Nachlässe, eine hohe Akzeptanz im städtischen Bildungsbereich, einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad in der Öffentlichkeit sowie zusätzliche interne und externe Fördermittel und Sponsoren.

Info:
Birgit Schneider-Bönninger unter Mitarbeit von Anita Placenti:
"Ran an die Quellen!" Theorie und Praxis der Archivdidaktik – Das Wolfsburger Modell,
Herausgeber: Stadt Wolfsburg, Stadtarchiv
Herstellung: Ruth Printmedien GmbH, Braunschweig; 36 Seiten; © 2005 Stadt Wolfsburg

Kontakt:
Stadtarchiv Wolfsburg
Dr. Birgit Schneider-Bönninger (Leiterin des Stadtarchivs)
Goethestraße 10a
38440 Wolfsburg
Tel. 05361/2757-39
Fax 05361/2757-57
birgit.schneider-boenninger@stadt-wolfsburg.de

(Abbildungen aus dem bespr. Band, Seite 32f.)

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