Digitale Langzeitarchivierung im Gesundheitswesen

In Deutschlands Krankenhäusern, Arztpraxen, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen werden jedes Jahr rund 5 Milliarden neue Dokumente erzeugt, deren langfristige Archivierung geschätzte 2,5 Milliarden Euro jährlich kostet. Gesetzliche Vorgaben regeln, wie lange die Dokumente verfügbar sein müssen. Digital erfasste Daten werden seit einigen Jahren mit elektronischen Signaturen versehen, um ihre Rechts- und Revisionssicherheit zu gewähren.

Genau wie ihre Vorgänger in den Aktenschränken werden diese digitalen Unterlagen teilweise 30 Jahre und länger aufbewahrt und unterliegen dabei auch den gleichen Auflagen und Vorschriften. Prof. Dr. Paul Schmücker, Informatiker an der Hochschule Mannheim, erläutert die Probleme, die bei der Langzeitarchivierung digitaler Daten im Gesundheitswesen entstehen: \“Wir erzeugen elektronische Signaturen mit Hilfe so genannter kryptographischer Algorithmen, die ihre Sicherheitseignung relativ schnell verlieren können. Die Signaturen müssen immer wieder aufgefrischt werden, damit sie mit neueren Rechnern nicht manipuliert werden können. Signaturzertifikate müssen bei Zertifizierungsdiensteanbietern besorgt und gespeichert werden, weil die Zertifikate nur zeitlich begrenzt prüfbar sind. Gerade bezüglich der Signaturerneuerung und der Verifikationsdaten sind aber die verfügbaren Signaturstandards noch völlig unzureichend.\“

Im Rahmen des Forschungsprojekts \“ArchiSig\“ (www.archisig.de), an dem Prof. Dr. Schmücker für die Hochschule Mannheim als Projektpartner beteiligt ist, wurde eine wirtschaftliche Lösung zur automatisierten Verwaltung der digitalen Signaturen entwickelt, mit der die rechtliche Anerkennung der Daten langfristig gesichert werden kann. Die Herausforderung besteht nach Einschätzung Schmückers vor allem im gewaltigen Volumen der digitalen Dokumente und in ihrer Heterogenität: \“In den Krankenhäusern liegen inzwischen geschätzte 20 bis 40 Prozent der Patientendaten in digitaler Form vor und die Dateien decken praktisch das ganze Spektrum gebräuchlicher Formate ab. Unsere Lösungen müssen deshalb prinzipiell auf allen Oberflächen programmübergreifend einsetzbar sein.\“

Zu einer Fachkonferenz mit dem Thema \“Rechtssicherheit bei der elektronischen Archivierung\“ war die interessierte Öffentlichkeit am 13. Dezember 2005 ins Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Berlin eingeladen (Tagungsinfos als pdf-Download). Schwerpunkte der Konferenz waren neben aktuellen Entwicklungen im computergestützten Dokumentenmanagement und rechtlichen Aspekten in der digitalen Archivierung auch die Ergebnisse aus dem Projekt "ArchiSig" sowie aus den Nachfolgeprojekten, in denen beispielsweise Pilotsysteme für die Anwendung der Archivlösungen realisiert wurden. (z.B.Transidoc: \“Rechtssichere Transformation signierter Dokumente\“, ArchiSafe Langzeitarchivierung: www.archisafe.de).

Schmücker hebt insbesondere die wachsende Bedeutung von Standards für elektronische Signaturen im Gesundheitswesen hervor: \“Die Signaturen wurden erst seit 2001 überhaupt gesetzlich reguliert. Wir müssen jetzt dringend die Defizite in der Standardisierung beseitigen.\“ ArchiSig hat deshalb nationale und internationale Initiativen ins Leben gerufen, mit deren Hilfe diese Lücken geschlossen werden sollen.

Mit einer nicht-kommerziellen Plattform für den interdisziplinären Austausch von Erfahrungen auf allen organisatorischen Ebenen und in allen Bereichen der langfristigen elektronischen Datenverarbeitung und -speicherung gibt das "nestor"-Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung (www.langzeitarchivierung.de) Ärzten und Verwaltungsmitarbeitern aus dem Gesundheitswesen Gelegenheit, sich frühzeitig mit Anforderungen, Aufgabenstellungen und Lösungsmöglichkeiten bei der Langzeitarchivierung zu befassen.

Kontakt:
Die Deutsche Bibliothek
Hans Liegmann (Projektleiter nestor)
liegmann@dbf-ddb.de
Tel. 069 /1525-1141
www.langzeitarchivierung.de

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
Prof. Dr. Paul Schmücker
p.schmuecker@hs-mannheim.de
Tel. 0612 / 292-6206
www.informatik.hs-mannheim.de/aku

Quelle: Pressemitteilung, nestor – Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung, Frankfurt am Main, 14.12.2005

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