Olympische Winterspiele 1936 im Bundesarchiv

Es ist wieder so weit. Die XX. Olympischen Winterspiele werden ausgetragen, dieses Jahr in Turin. Zu diesem sportlichen Anlass hat das Bundesarchiv eine Bildergalerie mit Aufnahmen zu den IV. Olympischen Winterspielen vor 70 Jahren in Garmisch-Partenkirchen eingerichtet. Fotografien, Grafiken und Entwurfszeichnungen lassen die Spiele von 1936 lebendig werden. Sie zeigen Gebäude, Sportanlagen und herausragende Sportlerinnen und Sportler, verdeutlichen aber auch die politische Vereinnahmung der Spiele durch die Nationalsozialisten.

Die Wettkämpfe des Jahres 1936 waren die ersten Winterspiele, die aus dem Schatten der Sommerspiele heraustraten. Vom 6. bis zum 16. Februar 1936 präsentierten sich Athleten aus 28 Ländern einer halben Million Zuschauer vor Ort und einem großen Kreis Sportenthusiasten an den Radiogeräten und im Kino.

Die Bildergalerie bietet eine ersten Einblick in diese Zeit. Sie zeigt einen Ausschnitt von fast 500 Fotografien, Entwurfszeichnungen zu Emblemen und Sportabzeichen sowie Baupläne der Sportstätten, die das Bundesarchiv für seine Benutzerinnen und Benutzer zur Verfügung stellt.

Diejenigen, die sich vertieft mit den Ereignissen von 1936 beschäftigen wollen, können das Online-Findbuch zum Bestand Organisationskomitee der IV. Olympischen Winterspiele durchstöbern. Rund 600 Akten behandeln die Organisation der Spiele, die Errichtung von Sportstätten und die Veranstaltung der Wettkämpfe.

Mit Hilfe der interessanten Materialien des Bestandes können sowohl Fragestellungen zur Sportgeschichte als auch zur politischen Geschichte des Nationalsozialismus und seiner medialen Strategien bearbeitet werden.

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Bild: Hissen der Olympiaflagge (Olympiaflagge: Bundesarchiv, R 8076 BILD 0043)

Nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Olympischen Sommerspiele 1936 nach Berlin vergeben hatte, versuchten die Bürgermeister von Garmisch und Partenkirchen zu erreichen, in ihren Gemeinden in diesem Jahr die IV. Olympischen Winterspiele durchführen zu können. Im Juni 1933 war es dann soweit: Die beiden Gemeinden setzten sich innerhalb Deutschlands gegen die Konkurrenzstädte Braunlage und Schreiberhau durch. 

Traditionsgemäß standen die Olympischen Winterspiele an Bedeutung immer noch hinter den Sommerspielen zurück. Die IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen waren ein erster Schritt aus dem Schatten der Sommerspiele heraus. Vom 6. bis zum 16. Februar 1936 nahmen 646 Athleten aus 28 Nationen an 17 Wettkämpfen im Bobfahren, Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Ski alpin und Ski nordisch teil. Eisschießen und Militärpatrouille wurden als Demonstrationswettbewerbe durchgeführt.

Links:

Kontakt
Anke Löbnitz
Bundesarchiv Stabsstelle 
Finckensteinallee 63 
12205 Berlin 
Telefon: 0049/1888 7770 102 
Fax: 0049/1888 7770 111 
a.loebnitz@barch.bund.de

Vom All ins Archiv

Viele Gäste kamen zur fünften Geburtstagsfeier des publikumsoffenen Stadtarchivs Neu-Isenburg am 14. Februar 2006 (siehe Bericht). Erster Stadtrat Herbert Hunkel lobte das Stadtarchiv, das mit der Wahl seiner Ausstellungen stets den Nerv der Isenburger treffe.

Einmal mehr kann die Neu-Isenburger Stadtarchivarin Claudia Lack mit ihrem Team dieses Talent nun beweisen. Denn kaum hatte man erfahren, dass der Astronaut Thomas Reiter, voraussichtlich am 10. März 2006 wieder ins All fliegt – nach seiner Mission auf der Mir 1995/96 nun zu einer zweiten Langzeitmission auf die Internationale Raumstation ISS -, da plant das Archiv auch bereits eine Sonderausstellung über den Ehrenbürger Neu-Isenburgs.

„Hier im Stadtarchiv haben wir das Modell der Raumstation Mir. Das hat uns der Vater von Thomas Reiter zur Verfügung gestellt“, erzählt Claudia Lack der Frankfurter Neuen Presse. „Und wir haben die Handschuhe, die Thomas Reiter bei einem seiner Flüge ins All getragen hat.“ Lack hatte für dieses Jahr ursprünglich andere Ausstellungspläne für das Stadtarchiv, „es kommt etwas überraschend“. Aber die ursprünglich vorgesehene Ausstellung über „vergessene Isenburger“ wird jetzt einfach ein bisschen verschoben …

Kontakt:
Stadtarchiv Neu-Isenburg
Beethovenstraße 55
D-63263 Neu-Isenburg
Telefon: 06102/249911 
claudia.lack@stadt-neu-isenburg.de

Quelle: Frankfurter Neue Presse, 16.2.2006

Nachlass Ernst Severin (1854-1920) in Arnsberg

In der Reihe der \“Arnsberger Archiv-Veröffentlichungen\“ hat das Stadtarchiv Arnsberg soeben das Heft 8 veröffentlicht. Unter dem Titel \“Nachlass Ernst Severin (1854-1920) und Nachfahren, Hüsten\“ bietet das Heft eine Übersicht zum umfangreichen, 47 Archivkartons umfassenden Firmen- und Familiennachlasses Severin. Die Bearbeiter Bärbel Köhler und Peter Scheiwe haben damit Unterlagen erschlossen, die gerade für die Hüstener Geschichte eine Fundgrube darstellen. Anhand dieses Findbuches kann sich jeder Interessierte nun über die vorhandenen Unterlagen informieren und sich diese dann im Original im Stadtarchiv zur Einsicht vorlegen lassen.

Mit der Veröffentlichung eines weiteren Findbuches über einen privaten Nachlass erfüllt das Stadtarchiv Arnsberg eine seiner zentralen Aufgaben: Die Geschichte der Stadt und der Arnsberger Region für die Zukunft zu dokumentieren. Das geschieht durch die dauerhafte Archivierung wichtiger Verwaltungsakten aber auch durch das aktive Sammeln privater Unterlagen, die die städtische Überlieferung ergänzen. Der Nachlass Severin bietet besonders für die Zeit des Ersten Weltkrieges und der 1920/30er Jahre interessante Dokumente. Zahlreiche Zeitungen, Zeitungsausschnitte, Prospekte, Plakate, Wahlunterlagen und politische Werbeschriften haben sich nur noch hier erhalten.

Das 190 Seiten umfassende Heft im DIN A 5-Format ist mit einigen SW-Abbildungen und einer Farb-Doppelseite versehen. Es verzeichnet rund 240 Akten und Mappen, die oft sehr heterogen zusammengesetzt waren und mit Schlagworten übertitelt wurden. Die Angabe der jeweiligen Laufzeit neben dem Titel informiert den Leser, welcher Zeitraum in der Akte dokumentiert ist. Eine weitere Hilfe zur Orientierung ist das 16seitige Schlagwortregister.

Info:
Bärbel Köhler/ Peter Scheiwe (Bearb.): \“Nachlass Ernst Severin (1854-1920) und Nachfahren, Hüsten\“ (Arnsberger Archiv-Veröffentlichungen Heft 8), Arnsberg 2005, ISBN 3-928394-19-3, Preis: 5,00 Euro zzgl. Versandkosten

Kontakt:
Stadt Arnsberg
Stadt- und Landständearchiv im Kloster Wedinghausen
Michael Gosmann
Klosterstraße 11
59821 Arnsberg
Tel.: 02932/ 2011859
stadtarchiv@arnsberg.de
http://www.arnsberg.de/archiv/

Quelle: Internet-Portal Westfälische Geschichte, 15.2.2006

Per Mausklick in die Nachkriegszeit: DVD Aufbau West

Die meisten Schüler finden Geschichte eher uncool. Bücher mit historischem Stoff sorgen oft für müdes Gähnen in den Klassenzimmern. Eine neue DVD des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) könnte auch Computerkids jetzt neu zum Lernen motivieren: 60 Jahre nach Kriegsende hat das Landesmedienzentrum des LWL gemeinsam mit dem Westfälischen Industriemuseum historisches Filmmaterial, Zeitzeugeninterviews, Dokumente und Fotos zum Thema Wiederaufbau zusammengestellt – unter anderem aus Dortmund, der Flüchtlingsstand Espelkamp im Kreis Minden-Lübbecke und Nordwalde im Kreis Steinfurt. Texte und ein Quiz ergänzen das Angebot.

„Für den Geschichtsunterricht in der Mittel- und Oberstufe steht mit der DVD erstmals in dieser komplexen Form interaktives Lehrmaterial zur Verfügung“, erklärt Dr. Hermann-Josef Höper vom Landesmedienzentrum beim Testlauf der interaktiven Scheibe auf der Zeche Zollern II/IV. Dort zeigt der LWL noch bis zum 26. März die Ausstellung „Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder“, die Anlass für die Produktion war. 

Im Mittelpunkt steht die Geschichte der über zehn Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen, die zwischen 1945 und 1961 nach Westdeutschland kamen. Ebenso wie die Ausstellung erzählt die DVD, wie diese Menschen gemeinsam mit den Einheimischen den schwierigen Neuanfang in Nordrhein-Westfalen bewältigten und in Betrieben und Siedlungen zueinander fanden.

In ihrem 99-minütigen Videoteil bietet die DVD eine einführende Filmcollage und drei historische Filmdokumente: „Asylrecht – Report on the Refugee Situation“ (1949), „Stadt in Schutt und Asche – Dortmund“ (1951) und „Denn wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“ (1945).

Der DVD-ROM-Teil lehnt sich eng an die Ausstellung an. Sechs Kapitel – Osten, Flucht und Vertreibung, Ankommen, Einrichten, Aufbau und Integration und Spuren heute – ermöglichen einen thematischen Zugang zu Sachtexten, Filmclips und historischen Dokumenten wie Karten, Flüchtlingsausweisen und Fotos. Wie ein roter Faden ziehen sich Zeitzeugeninterviews durch diese sechs Kapitel. „Stellvertretend für die Millionen haben uns vier Menschen ihre Geschichte von Flucht, Aufbau und Integration zwischen Kriegsende und Mauerbau erzählt und lassen die sonst so nüchternen Zahlen und Fakten lebendig werden“, ergänzt Anja Kuhn vom LWL-Industriemuseum.

Das Anliegen der DVD ist es, die historische Entwicklung von Flucht und Vertreibung über Ankommen und Neuanfang bis zur Integration der Zuwanderer zu zeigen. „Diese Integration vollzog sich in Nordrhein-Westfalen auf Grundlage einer neuen, gemeinsamen Identität, in die auch Traditionen der Flüchtlinge und Vertriebenen eingeflossen sind“, so Höper. Die DVD rege damit Fragen an, die auch für die heutige Diskussion um Migration und Integration bedeutsam seien. 

Das Medium ist so strukturiert, dass es für den Geschichtsunterricht der Mittel- und Oberstufe genutzt werden kann. Ein Quiz ermöglicht zum Schluss, auf spielerische Weise das erworbene Wissen zu überprüfen. Auf der Zeche Zollern hat die DVD ihren Testlauf erfolgreich bestanden: Schüler der 8. und 10. Klasse der Droste-Hülshoff-Realschule in Dortmund-Kirchlinde und ihre Geschichtslehrer Heinz Höne und Volker Simon zeigten sich angetan vom Angebot.

Info:
Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder, DVD
19,90 € zzgl. Versandkosten 2,60 € (ohne das Recht zur öffentlichen Vorführung)

Kontakt für Bestellungen:
Westfälisches Landesmedienzentrum
Fürstenbergstraße 14
48133 Münster
medienzentrum@lwl.org 
www.westfaelisches-landesmedienzentrum.de

Quelle: LWL, Presseforum, 15.2.2006

Bad Mergentheimer Archivbilanz 2005

Das Stadtarchiv Bad Mergentheim ist immer wieder Anlaufstelle für Fragen zur Stadtgeschichte oder Themenschwerpunkten der Vergangenheit der Großen Kreisstadt im Mittleren Taubertal. Die Arbeit des Stadtarchivs Bad Mergentheim konnte im Jahr 2005 erfolgreich fortgesetzt werden. Insgesamt wurden 298 Akten neu verzeichnet, was Akribie bis ins Detail bedeutet. Diese Verzeichnungsarbeit bildet die Voraussetzung für die Recherchen im Archiv und soll als Findbuch später vorliegen. Ein weiteres bedeutendes Projekt der Stadtarchivarin im Jahr 2005 war die Erstellung einer Liste der jüdischen Bürger Bad Mergentheim (348 Personen) und Edelfingen (99 Personen) von 1933 bis 1945 und ein Spezialinventar aller Akten zur Geschichte der Juden. 

Im Lesesaal des Archivs stehen alle Unterlagen interessierten Nutzern zur Verfügung. Von diesem Angebot haben 218 Leser, wissenschaftliche Anwender, Schüler und Heimatfreunde, Gebrauch gemacht. Ihnen wurden dazu 900 Akten vorgelegt. Die Hauptthemenschwerpunkte waren dabei die Geschichte des Kreiskrankenhauses, die militärhistorische Entwicklung sowie „Weinpressen im historischen Franken“ als Dissertationsthema. Zusätzlich konnten 91 schriftliche und mündliche Anfragen in 2005 bearbeitet werden. Dabei spielte sowohl das 150-jährige Jubiläum der IHK Heilbronn-Franken als auch die Kuraufenthalte von Friedrich Ebert eine Rolle, der vom 27.5. bis 25.6.1921 und vom 18.4. bis 6.5.1924 zur Kur in Bad Mergentheim weilte. 

Die Dokumentation historischer Persönlichkeiten ist für die Arbeit im Stadtarchiv immer wieder von Bedeutung. So wurden für den Internetauftritt der Stadt Lebensläufe zu Hans Heinrich Ehrler, Franz Gehrig und Wolfgang Schutzbar genannt Milchling recherchiert. Außerdem verfasste das Stadtarchiv für die 14-tägige Serie der Tauberzeitung „Historische Persönlichkeiten“ mehrere Berichte historischer Bürger der Stadt Bad Mergentheim. 

Im Ganzen besteht die Arbeit der städtischen Archivarin aber nicht nur aus Archivierung, Recherche und Dokumentation, sondern auch Präsentation des Stadtarchivs wie zum „Tag der Archive“ am 6. Mai 2006. Als historische Bildungsarbeit konnte einer Kindergartengruppe von Wachbach im Archiv Wachbach die Entwicklung der Schrift, des Schreib- und Beschreibstoffes anschaulich und kindgerecht erklärt werden. 

Kontakt:
Stadtarchiv Bad Mergentheim
Hans-Heinrich-Ehrler-Platz 35
97980 Bad Mergentheim
Tel.: 07931/57208
christine.schmidt@bad-mergentheim.de

Quelle: Pressemitteilung Stadt Bad Mergentheim, 8.2.2006

Facharbeit füllt weißen Fleck im Stadtarchiv Neumarkt

Der Stadtarchivar von Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, weis den Wert von Schülerfacharbeiten zu schätzen. Mittlerweile besitzt das Archiv zehn bis zwölf Leitzordner mit Arbeiten, die ein Stück unbearbeiteter Heimatgeschichte, aber auch aktuelle Themen behandeln. Sämtliche Facharbeiten mit lokalem Bezug werden archiviert. 

Jetzt erhielt der Bestand Zuwachs: Katharina Wittmann, 25-jährige Schülerin der Neumarkter Berufsoberschule, übergab ihre im Fach Religion angefertigte Facharbeit dem Stadtarchiv Neumarkt. Sie schlug mit ihrer Arbeit über ein 1942 bis 1945 bestehendes Durchgangslager für osteuropäische Zwangsarbeiter in Schafhof ein Kapitel Stadtgeschichte auf, das den meisten Neumarktern nicht mehr bekannt ist.

Katharina Wittmann skizziert in ihrer 19 Seiten langen Facharbeit die Entwicklung „Von der Erbauung der Baracken bis hin zur Entstehung des Mahnmals“: 1942 kamen die ersten deportierten Zivilpersonen aus von der Wehrmacht besetzten Ländern, hauptsächlich aus Polen und der Ukraine, am Neumarkter Bahnhof an. Sie wurden in 33 Holzbaracken, die auf dem Waldgelände einen Kilometer von Schafhof entfernt lagen, gebracht. Die Baracken dienten als Verteilungslager der Osteuropäer zum Arbeitseinsatz im nordostbayerischen Raum. 

Insgesamt 128.000 Menschen durchliefen innerhalb der drei Jahre während des Zweiten Weltkriegs das Lager, mehr als tausend starben. Nach 1945 führten die Überlebenden ein fast autonomes Lagerleben: „Viele beantragten eine Ausreise nach Amerika oder Australien, weil sie nicht mehr in die mittlerweile kommunistische Heimat zurück wollten“, erklärte Archivleiter Dr. Präger. Auch dieses Kapitel sei bisher noch nicht bearbeitet, weil es kaum Quellen gebe. Ab 1949 dienten die Baracken den Heimatvertriebenen aus Schlesien und dem Sudetenland als Notunterkunft. Heute stehen noch drei Baracken, seit Frühjahr 2005 erinnert ein Friedenskreuz als Mahnmal an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des Krieges.

Kontakt:
Stadtarchiv Neumarkt i.d.OPf. 
Bräugasse 1
92318 Neumarkt 
09181 / 26 16 63
stadtarchiv@neumarkt.de

Quelle: Mittelbayerische, 13.2.2006

Stabwechsel im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft

Prof. Dr. Eckart Henning M.A. (66), seit 1984 Direktor des Archivs zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft und Professor an der Humboldt-Universität, übergibt die Leitung des Archivs an seinen Amtsnachfolger, Dr. Lorenz Beck (37), bisher Bereichsleiter beim Hauptstaatsarchiv in Dresden.

Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften unterhält neben ihren Berliner Forschungsinstituten auf dem Gelände ihrer Rechtsvorgängerin, der 1911 gegründeten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, im \“deutschen Oxford\“ in Dahlem seit 1973 ein eigenes Archiv. Es ist im markanten Gebäude des Instituts für Zellphysiologie des Nobelpreisträgers Otto Warburg an der Boltzmannstraße untergebracht. Warburg, \“Kaiser von Dahlem\“ genannt, hatte das Haus 1930 nach eigenen Vorstellungen und dem Vorbild eines märkischen Gutshauses errichten lassen. Heute ist es, gegenüber dem Henry-Ford-Bau der Freien Universität, eine Dahlemer Sehenswürdigkeit.

Das MPG-Archiv verwahrt die Überlieferung der z. Zt. 78 Institute der MPG, die Akten der alten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und zahlreiche Nachlässe namhafter Forscher. Es ist mit inzwischen sechzehn Beständen und Sammlungen das größte Nobelpreisträgerarchiv in Deutschland. Das Haus verfügt ferner über eine komfortabel erschlossene wissenschaftshistorische Spezialbibliothek, für das 20. Jahrhundert eine der besten in Berlin.

Henning, seit 1984 Archiv-Direktor, beendete zum 31. Januar 2006 eine erfolgreiche Amtszeit. Er hat die wertvollen Bestände entscheidend vermehrt, nach archivwissenschaftlichem Grundsatz neu geordnet und das Archiv zu einem geachteten Haus im internationalen Archivwesen gemacht. Dazu gehörte 1999 auch der aufsehenerregende Umbau des \“Turms der Blitze\“ des alten Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik, in dem die ersten Versuche zur friedlichen Nutzung der Kernspaltung stattfanden, zu einem modernen Archivmagazin. Hier ist noch bis etwa zum Jahr 2010 Platz für die neu zugehenden Archivbestände. Forscher v.a. aus dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte aus dem In- und Ausland besuchen regelmäßig und zahlreich den Lesesaal des Archivs. Nicht zuletzt nimmt das Archiv selber mit seinen Publikationsreihen und zahlreichen Veranstaltungen am wissenschaftlichen Diskurs teil, darunter den \“Dahlemer Archivgesprächen\“, die im Otto-Warburg-Haus Wissenschaftshistoriker aus Ost und West vereinen. Über die Arbeit und die Bestände des Archivs informiert der 2003 in 2. Auflage erschienene Archivführer (Band 17 der Veröffentlichungen des Archivs).

Beck wird sich in seiner Amtszeit der weiteren Erschließung der wertvollen Archivbestände und ihrer Präsentation im Internet zu widmen haben. Die Sicherung der Langzeitverfügbarkeit steht für die Bestände weiterhin auf dem Programm. Zu ihr gehören die bauliche Weiterentwicklung des Standorts ebenso wie wirksame Maßnahmen gegen das bekannte Phänomen des Papierzerfalls. Gänzlich neue Aufgaben, wie überall in der Archivwelt, stellen sich mit der dauernden Sicherung der elektronischen Überlieferung, darunter zahlreiche Datenbanken der verschiedenen Max-Planck-Institute, der elektronische Geschäftsverkehr der Generalverwaltung und nicht zuletzt der Internetauftritt der MPG.

Die feierliche Amtsübergabe fand am 1. Februar 2006 im Lesesaal des Archivs in Anwesenheit des Stellvertretenden Generalsekretärs und weiterer namhafter Persönlichkeiten der MPG sowie zahlreicher Vertreter der Berlin-Brandenburgischen Archivlandschaft statt.

Kontakt:
Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft
14195 Berlin-Dahlem
Boltzmannstraße 14
Tel. 030/8413-3701,
Fax 030/8413-3700
mpg-archiv@archiv-berlin.mpg.de
www.archiv-berlin.mpg.de

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft, Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft, Pressemitteilung 1/2006, 31.1.2006

Praxis Archivpflege in Kurhessen-Waldeck

Das Landeskirchliche Archiv Kassel hat die Fachaufsicht über das Archivwesen und die Archivpflege in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Dem Praxisteil „Wie ordne und verzeichne ich ein Pfarrarchiv?“ mit Anleitung, Rechtsquellen und einer Preisliste für archivtaugliches Verzeichnungs- und säurefreies Verpackungsmaterial, das das Archiv (nicht nur) an Kirchengemeinden zum Selbstkostenpreis abgibt, ist deshalb ein konzeptioneller Teil vorangestellt, der Auskunft gibt über die zahlreichen Aktivitäten des Archivs auf dem zentralen Gebiet der Archivpflege. Hier finden sich statistische Auswertungen zu wahrgenommenen Archivpflegeterminen, zu Fortbildungen, die das Archiv seit 1997 regelmäßig für Archivpflegerinnen und Archivpfleger anbietet, zu übernommenen und erschlossenen Pfarrarchivbeständen und zu dem Volumen der vermittelten Restaurierungsaufträge aus Kirchengemeinden.

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Vier historische Karten hat das Landeskirchliche Archiv inzwischen erstellt. Sie erklären die Struktur und Entwicklung der kurhessischen und waldeckischen Kirche seit 1832 und finden sich hier erstmalig zusammen abgedruckt. Die Karten sollen Archivpflegerinnen und -pflegern den Einstieg in die historischen Strukturen der Landeskirche anschaulich erleichtern.

Die vorliegende Broschüre richtet sich an Archivpfleger und Archivpflegerinnen, solche, die es werden wollen, aber auch an die Kirchengemeinden und Kirchenkreise, die Träger der Archive, die nach der Archivpflegeordnung verpflichtet sind, kirchliches Kulturgut zu erhalten, zu sichern und für die kirchliche Arbeit und die Forschung zu erschließen. Das Landeskirchliche Archiv Kassel hilft bei der Erfüllung dieser Aufgaben. Alle Aktivitäten auf dem Gebiet der Archivpflege dienen dem Ziel, kirchliche Identität vor dem Vergessen zu bewahren.

Info:
Bettina Wischhöfer (unter Mitarbeit von Sabine Dietzsch-Uhde, Kerstin Langschied und Ralf Bansmann) Praxis Archivpflege in Kurhessen-Waldeck (Schriften und Medien 20 des Landeskirchlichen Archivs Kassel) , Kassel 2006 
ISBN 3-939017-01-9, 52 Seiten, farbig, 3,- €

Bezug:
Landeskirchliches Archiv Kassel
Lessingstraße 15 A
34119 Kassel
Tel. 0561 / 78876-12
Fax: 0561 / 78876-11
archiv@ekkw.de
www.ekkw.de/archiv

Uneins über Güstrower Archivnamen

Heinrich Friedrich Carl Benox, der 1884 als städtischer Beamter in der Güstrower Stadtverwaltung angestellt wurde, war als Ratsregistrator und Stadtsekretär ein halbes Jahrhundert im Dienste der Stadt Güstrow tätig. Nebenberuflich vollbrachte Benox außerordentliche Leistungen für das Stadtarchiv, um das er sich auch nach seiner Pensionierung 1932 noch zwei Jahrzehnte lang ehrenamtlich kümmerte. Die von seiner Familie hinterlegten Dokumente sind wichtige Quellen zur Stadtgeschichte und der bürgerlichen Lebensweise der Güstrower Einwohner. 2005 bestückte der Nachlass von Heinrich Benox die Ausstellung "In größter Hochachtung" im Stadtarchiv Güstrow.

Aus dem Ausschuss für Jugend, Schule, Kultur und Sport kam jetzt der Vorschlag, das Güstrower Stadtarchiv zu Ehren von Heinrich Benox mit dessen Namen auszustatten. Dies wurde bei einer Abstimmung im Hauptausschuss der Stadt mit der Begründung abgelehnt, dass es sich beim Stadtarchiv, das nach seiner Auslagerung 1945 im Jahr 1949 wieder eingerichtet und mit Personal besetzt wurde, um eine offizielle Einrichtung einer Behörde handele. \“Es ist ja nicht Herrn Benox‘ Archiv, sondern das der Stadt \“, führte Gerhard Jacob (GWB) aus. Es soll allerdings eine andere Möglichkeit der Ehrung Heinrich Benox‘ gefunden werden. 

Kontakt:
Stadtarchiv Güstrow
Markt 1
18273 Güstrow 
Tel. 03843/769/160, /161 
Fax: 03843/769540 

Quelle: Eckhard Rosentreter, Güstrower Anzeiger, 9.2.2006; Güstrower Stadtanzeiger, Mai 2005, 19

Gescheiterte Entnazifizierung in Bremen 1945-1953

Der Bremer Historiker Hans Hesse hat die Entnazifizierung in Bremen und Bremerhaven untersucht. Fazit seiner Dissertation \“Konstruktionen der Unschuld\“: Mit dem Thema wollte sich damals kein guter Bremer befassen; es gab eigentlich keine Täter. Bremen sei ein Beispiel dafür, dass die "Entnazifizierung in Deutschland weitgehend gescheitert ist", so der Autor des als Band 67 der Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen erschienenen Buches. 

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Gekoppelt an die Ausgabe von Lebensmittelkarten mussten 400.000 Bremerinnen und Bremer ab Mai 1947 die Meldebögen nach dem so genannten \“Befreiungsgesetz\“ ausfüllen. Nach Auswertung von 50.000 Karteikarten und 700 Einzelfallakten habe es in Bremen weitaus mehr Mitläufer und Entlastete als Belastete gegeben. Für die Verfahren vor den Spruchkammern blieben etwas mehr als 16.000 Fälle übrig. 1950 waren es im Lande Bremen nur knapp 1.000 Betroffene, die als Hauptschuldige (25), Belastete oder Minderbelastete eingestuft waren. Die übrigen \“Mitläufer" sahen sich fast immer als unschuldige Opfer.

Zwischen 1950 und 1953 wurden zwar in einer so genannten Abschlussphase noch einmal alle Bremer Fälle der ersten beiden Kategorien – Hauptschuldige und Belastete – untersucht. Aber bis auf drei belastete KZ-Wachmänner, die wegen mehrfachen Mordes zu der Zeit schon eine langjährige Schwurgerichtsstrafe absaßen, wurden auf Vorschlag von Justizsenator Theodor Spitta alle Belasteten zu Mitläufern zurückgestuft. Bürgermeister Wilhelm Kaisen und Theodor Spitta haben 1953 die Akten geschlossen.

Info:
Hans Hesse: \“Konstruktionen der Unschuld. Die Entnazifizierung am Beispiel von Bremen und Bremerhaven 1945-1953\“ (Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen; 67), Bremen 2005, 520 S. 30,- Euro ISBN 3-925729-46-1 

Quelle: taz Bremen, 4.2.2006, 27

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