Die Reformation im Lübbecker Land

Vortragsreihe der Evangelischen Kirchengemeinden Bad Holzhausen und Börninghausen
November 2016 bis Oktober 2017

ref500luebDie Reformation im Lübbecker Land
Am 31. Oktober 1517 hat Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt und damit die Reformation ausgerufen. So oder so ähnlich steht es in jedem Schulbuch. Und trotzdem ist dieser Satz falsch: Luther hat keine Thesen an die Schlosskirche genagelt; die Luther-Zentrierung wird der historischen Wirklichkeit kaum gerecht. Der Thesenanschlag ist ein Produkt nachträglicher Erinnerungsstiftung und sollte dazu dienen, der Reformation ein Gesicht und ein Symbol zu geben. Aus historischer Sicht muss die Reformation demnach neu bewertet werden. Was heißt also Reformation? Wie verlief die Reformation im Lübbecker Land? Können wir überhaupt von der Reformation sprechen, oder müssen wir nicht eher eine große Vielzahl unterschiedlicher Ausprägungen und Verläufe annehmen? Diese und weitere Fragen sollen in der Vortragsreihe „Die Reformation im Lübbecker Land“ gestellt und – wenn möglich – beantwortet werden.

Die Vortragsreihe wird organisiert von den Kirchengemeinden Rahden, Börninghausen und Bad Holzhausen in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis Lübbecke und dem Stadtarchiv Lübbecke.

3. November 2016, Gemeindehaus Bad Holzhausen, 19.30 Uhr:
Prof. Dr. Werner Freitag: Die Reformation in Westfalen
Im 16. Jahrhundert war Westfalen ein territorialer Flickenteppich. Somit lassen sich ganz unterschiedliche Verläufe der Reformation erkennen. In seinem Auftaktvortrag zur Vortragsreihe „Die Reformation im Lübbecker Land“ wirft Prof. Freitag Schlaglichter auf die verschiedenen Formen der Reformation in Westfalen.
Prof. Freitag promovierte 1989 in Bielefeld mit einer Arbeit über Volks- und Elitenfrömmigkeit in der Frühen Neuzeit. 1995 habilitierte er sich in Bielefeld mit einer Arbeit über das Dekanat Vechta. Seit 2004 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Westfälische und Vergleichende Landesgeschichte an der Universität Münster und seit 2007 zudem Geschäftsführer des Instituts für vergleichende Städtegeschichte. Im Herbst 2016 erschien sein aktuelles Buch „Die Reformation in Westfalen“.

26. Januar 2017, Gemeindehaus Bad Holzhausen, 19.30 Uhr:
Dr. Christof Spannhoff: Fragen und Probleme der Reformationsgeschichtsforschung Westfalens
Unzählige Tagungen und Publikationen beschäftigen sich mit den Auswirkungen, Voraussetzungen und Errungenschaften der Reformation. Dabei werden ältere Forschungsergebnisse hinterfragt und kritisch überprüft. Anhand westfälischer Beispiele zeichnet Dr. Spannhoff diese Forschungsfragen nach.
Dr. Spannhoff promovierte 2013 im Rahmen des Münsteraner Sonderforschungsbereichs 496 „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme“ mit einer Arbeit zum Thema „Leben ohne die Toten.“ Seit 2013 ist Spannhoff wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für vergleichende Städtegeschichte und leitet dort seit 2016 das Projekt „Reformation in Westfalen“.

16. März 2017, Gemeindehaus Bad Holzhausen, 19.30 Uhr:
Dr. Christian Helbich: Zwischen „alter“ und „neuer“ Kirche. Die Reformpolitik der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg in der Grafschaft Ravensberg im 16. Jahrhundert
Die Kirchengemeinden Börninghausen, Holzhausen und Pr. Oldendorf gehörten ursprünglich zur Grafschaft Ravensberg. Die dortigen Landesherren, die Herzöge von Jülich-Kleve-Berg waren katholisch, schritten aber nur bedingt gegen die Reformation ein. Vielmehr betrieben die Herzöge in ihren Territorien eine humanistische Reformpolitik. Diesen westfälischen Sonderweg stellt Christian Helbich in seinem Vortrag vor.
Dr. Helbich promovierte 2011 in Münster mit einer Arbeit über „Erasmische Reformkonzepte, humanistisches Bildungsideal und städtische Kirchenpolitik in Dortmund, Essen und Bielefeld“. Außerdem forschte er zur Reformation in Dortmund. Derzeit arbeitet er als Historiker und Archivar in Braunschweig.

21. Juni 2017, Kirchen Bad Holzhausen und Börninghausen, Beginn: 18.00 Uhr Kirche Bad Holzhausen
Sebastian Schröder M. A.: Reformation in Holzhausen und Börninghausen. Führung und Exkursion durch die beiden Kirchen
Auf Gemeindeebene weichen die Reformationsverläufe und Frömmigkeitspraktiken oftmals von den Vorgaben der Territorialherren ab. Es stellt sich die Frage: Gab es vor Ort eine Reformation? Wie verlief diese? Und schließlich: Gibt es Hinterlassenschaften und Spuren aus dieser Zeit?
Die Führung beginnt um 18.00 Uhr in Holzhausen. Wer möchte, kann dann mit dem Fahrrad (oder mit dem Auto) nach Börninghausen fahren, wo gegen 19.00 Uhr der zweite Teil der Exkursion mit der Darstellung der Börninghauser Reformationsgeschichte startet. Anschließend laden die Kirchengemeinden Bad Holzhausen und Börninghausen zum Grillen im Börninghauser Albert-Schweitzer-Haus ein.
Sebastian Schröder M. A. studierte in Bielefeld und Münster Geschichte und Wirtschaftswissenschaften und schloss sein Studium 2016 mit einer Masterarbeit über die Lübbecker Markenherrschaft ab. Seit 2014 ist er studentische Hilfskraft und Mitarbeiter am Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Westfälischen Landesgeschichte, insbesondere dem Minden-Ravensberger Land. Derzeit bereitet er sein Promotionsvorhaben vor.

12. September 2017, Gemeindehaus Bad Holzhausen, 20.00 Uhr:
Sebastian Schröder M. A.: Alter Glaube und neue Lehre. Wie rein war das Wort nach der Reformation im Lübbecker Land?
Die jüngere Geschichtswissenschaft hat die Auswirkungen der Reformation relativiert; im Vordergrund stehen nicht mehr zwei sich gänzlich widersprechende Konfessionen, sondern Gemeinsamkeiten werden in den Blick genommen. Dabei zeigt sich: Die Frömmigkeitspraxis in den Gemeinden wich oftmals erheblich von den lutherischen Normen ab und enthielt viele Elemente des alten Glaubens.

28. September 2017, Gemeindehaus Bad Holzhausen, 20.00 Uhr:
Pfarrer Steffen Bäcker: Die „Täufer“ der Reformationszeit und ihre Nachfahren. Ein (konfessionskundlicher) Blick auf andere evangelische Kirchen und Gemeinden, die in der Reformationszeit wurzeln
Die evangelischen Landeskirchen sind Kinder der Reformation. Aber es gibt auch noch die ganz anderen Kirchen und Gemeinden, die in der Reformationszeit entstanden sind und auf die Täufer der Reformationszeit zurückgehen. Zu ihnen gehören vor allem die Mennoniten. Sie wurden oft von den evangelischen und katholischen Landesherren und ihren kirchlichen Amtsträger hart verfolgt und mussten Mitteleuropa verlassen. Manche sind in unserer Zeit zurückgekehrt. Bei der Veranstaltung wird es um Leben und Lehre der heutigen Nachfahren dieser vor allem täuferischen Kirchen und Gemeinden auch in unserer Region gehen.
Steffen Bäcker, Pfarrer in Bad Holzhausen und Börninghausen, ist vom konfessionskundlichen Institut des Ev. Bundes in Bensheim ausgebildeter Berater für Konfessionskunde.

5. Oktober bis 20. November 2017,
Altes Rathaus Lübbecke: Ausstellung zur Reformation (Stadtarchiv Lübbecke)

12. Oktober 2017, Andreas-Gemeindehaus Lübbecke, 20.00 Uhr:
Sebastian Schröder M. A.: Reformationsjubiläen im Kirchenkreis Lübbecke
Seit Jahrhunderten feiern und erinnern sich Protestanten an die Reformation. Was und woran erinnert wird, ist dabei einem historischen Wandel unterworfen. Vor 200 Jahren wurden die Reformationsfeierlichkeiten anders als heute begangen. Somit drücken Jubiläen auch viel von ihrer eigenen Gegenwart aus und verdeutlichen, wie die Menschen ihre eigene Geschichte wahrnehmen und mit ihr umgehen.
Der Vortrag findet im Rahmen der Ausstellung zur Reformation im Alten Rathaus in Lübbecke in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Lübbecke statt.

Kontakt und Information:
Ev. Kirchengemeinden Bad Holzhausen und Börninghausen
Pfr. Steffen Bäcker, Tel 05742-2366
Steffen.Baecker@kirchenkreis-luebbecke.de

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