Kölner Archiveinsturz: Ursache steht fest

Fast zehn Jahre, nachdem am 3. März 2009 das Historische Archiv der Stadt Köln einstürzte und beim gleichzeitigen Einsturz benachbarter Gebäude zwei Menschen starben, kam das vor dem Landgericht Köln geführte Verfahren gegen ursprünglich sieben Angeklagte mit dem Urteil vom 12.10.2018 zu einem vorläufigen Ende. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Einsturz des Stadtarchivs auf einen gravierenden Fehler bei der Herstellung der Schlitzwand für das Gleiswechselbauwerk Waidmarkt zurückzuführen sei, andere Einsturzursachen seien sicher ausgeschlossen.

Abb.: Schuttschichten mit Archivgut des Historischen Archivs der Stadt Köln, 2009 (Foto: Stadt Köln)

Dieses Urteil im Strafprozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs sei ein fatales Signal, meint Frank Überall in seinem Kommentar auf WDR 5 (Morgenecho), in dem er zwar ein unpassendes Bild für seinen Vergleich wählt, aber zurecht ausspricht, dass die Verantwortlichen nicht gleichsam ungestraft davon kommen dürften: „Es geht um erwachsene Menschen in verantwortungsvollen Positionen. Sie haben viel Geld verdient mit ihren Posten, die ihnen Macht und Einfluss gegeben haben. Sie trugen die Verantwortung für eine Baustelle, die gefälligst professionell organisiert werden sollte. Aber was ist passiert? Da wurde gepfuscht, verschleiert, gelogen! Mit der Liebenswürdigkeit des alltäglichen Kölschen Klüngels hatte das nichts mehr zu tun. […] Die Straffreiheit und die eine milde Mini-Strafe sind ein fatales Signal: Man kann also eine Baustelle mitten in einer Millionenstadt so chaotisch und verantwortungslos organisieren, dass Leichen als Bagatellschaden in Kauf genommen werden. Man darf pfuschen, verschleiern, lügen – und bekommt dafür Urteile, die von vielen nicht als gerecht empfunden wird.“

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärt zum Urteil: „Mit dem Urteil ist die Einsturzursache nun zweifelsfrei festgestellt worden. Ich hoffe, dass dies zur Aufarbeitung der Geschehnisse beiträgt und zerstörtes Vertrauen wieder aufbaut.“ Henriette Reker betont: „Der 3. März 2009 war einer der dunkelsten Tage in der jüngeren Geschichte der Stadt Köln. Der Einsturz des Historischen Stadtarchivs hat zwei Menschen das Leben genommen. Er hat das Zuhause vieler Menschen zerstört, er hat Köln im Mark erschüttert. Die Wunde im Herzen unserer Stadt ist auch nach Jahren noch nicht verheilt. Das Unglück hat nicht nur sichtbar im Stadtbild, sondern auch im Gedächtnis der Stadt eine tiefe Narbe hinterlassen und viel Vertrauen zerstört. Wir brauchen jetzt einen Ort des Gedenkens, der zugleich ein zukunftszugewandter und ansprechender öffentlicher Aufenthaltsort ist und die Stadtgesellschaft zur vielseitigen Nutzung einlädt. Wir brauchen einen Ort, der dem Quartier am Waidmarkt, das noch heute unter dem Einsturz und seinen Folgen leidet, wieder ein neues Gesicht gibt. Das sind wir den Menschen, die am Waidmarkt zu Tode kamen, ihren Familien und allen vom Einsturz Betroffenen schuldig.“

Das nunmehr endende Verfahren vor der 10. Großen Strafkammer fügt sich in eine Reihe von Verfahren ein, die derzeit vor dem Landgericht Köln im Zusammenhang mit dem Einsturz des Stadtarchivs anhängig sind. So ist gegenwärtig ein weiteres Strafverfahren vor der 20. Strafkammer des Landgerichts Köln gegen einen Oberbauleiter der ARGE Los-Süd anhängig. Daneben sind auch die zivilrechtlichen Verfahren im Hinblick auf Schadensersatzansprüche der Stadt Köln zu berücksichtigen. Insbesondere sind hier zwei selbständige Beweisverfahren zur Ursache des Einsturzes und zur Schadenshöhe anhängig.

Quelle: Stadt Köln, Pressemitteilung, 12.10.2018; WDR 5, Morgenecho, Kommentar, 13.10.2018

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