150 Jahre Landesarchiv Schleswig-Holstein

Von der Urkunde bis zur E-Akte.

1870 wurde das preußische Staatsarchiv Schleswig gegründet. Aus diesem Anlass zeigt das Landesarchiv Schleswig-Holstein noch bis zum 28. Mai 2021 die Ausstellung „150 Jahre Landesarchiv Schleswig-Holstein – Von der Urkunden bis zur E-Akte“.


Abb.: 150 Jahre Landes Schleswig-Holstein (Atelier & Werkstatt Bokelmann, Schleswig)

Sie stellt die Aufgaben des Archivs heute, seine Geschichte und die zukünftigen Herausforderungen im Zeitalter der Digitalisierung dar. Das Landesarchiv sorgt dafür, dass die wichtigsten schriftlichen Erzeugnisse aus Verwaltung, Justiz, Politik und Gesellschaft aufbewahrt werden. Die Archivarinnen und Archivare wählen die archivwürdigen Unterlagen aus und stellen sie präzise erschlossen und sorgfältig verpackt für die Nutzung zur Verfügung. Bei Bedarf werden sie auch kundig restauriert.

Die Spannbreite der in Schleswig liegenden Archivalien reicht von der ältesten Urkunde aus dem Jahr 1059 über Papierakten, Karten und Pläne bis hin zu Fotos, Filmen und digitalen Unterlagen. Wichtiger Bestandteil des Landesarchivs ist auch die Bibliothek, die gedruckte Quellen verwahrt und die nötige Forschungsliteratur zur schleswig-holsteinischen Geschichte zur Verfügung stellt. Die Sicherungsverfilmung bewahrt Archivalien auf Mikrofilm, damit diese auch im Katastrophenfall für die Nachwelt überliefert werden. Daneben bietet das Landesarchiv im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit Ausstellungen, Vorträge und Publikationen an.
Vieler dieser Aufgaben sind historisch gewachsen. Georg Hille etablierte das Staatsarchiv als erster Leiter von 1871 bis 1911 in Schleswig im Hattenschen Hof neben dem Dom.

1923 konnte der lang ersehnte Umzug in die Hauptstadt Kiel erfolgen, um die Kooperation mit Regierung und Wissenschaft zu intensivieren. Im „Dritten Reich“ erfuhr die Arbeit im Landesarchiv besondere Aufmerksamkeit: Menschen mussten anhand von Archivquellen nachweisen, dass sie keine jüdischen Vorfahren hatten („Ariernachweise“). Im Zweiten Weltkrieg konnten die meisten Archivalien vor den Bombardierungen gerettet werden, indem sie vor allem in Bergwerke ausgelagert wurden. Das Gebäude in Kiel wurde jedoch zerstört.
Nach dem Krieg wurde das Staatsarchiv 1947 in Landesarchiv umbenannt und fand eine neue Unterkunft in Schleswig im Schloss Gottorf.

Was als Provisorium gedacht war, musste nun für mehrere Jahrzehnte halten. Um das Archiv angemessen unterzubringen, wurde vom Land Schleswig-Holstein das Schleswiger Prinzenpalais aus dem Jahr 1700 angekauft, restauriert und mit einem eigens errichteten archivischen Zweck- und Magazinbau versehen. 1991, also vor 30 Jahren, erhielt das Landesarchiv dort seine neue Bleibe.

Die Zukunft des Landesarchivs Schleswig-Holstein mit ihren zahlreichen Herausforderungen wird im dritten Teil der Ausstellung dargestellt. Im Vordergrund steht die Digitalisierung der Gesellschaft, im Rahmen derer zum Beispiel die Akte aus Papier durch die E-Akte oder digitale Fachverfahren ersetzt wird, sodass neue Wege der dauerhaften Speicherung erforderlich sind.

Von der Urkunde bis zur E-Akte muss das Landesarchiv die Zeugnisse der Vergangenheit heute für die Zukunft bewahren. In der Ausstellung wird anhand von historischen Archivalien ein anschaulicher Einblick in die Gegenwart, die Geschichte und die Zukunft des Landesarchivs Schleswig-Holstein gewährt: Das Urteilsbuch von Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf, in dem alle Urteile festgehalten sind, die er als oberster Richter seines Landesteils von 1544 bis 1570 gesprochen hat, zeigt beispielhaft, wie wichtig dessen Aufbewahrung im Archiv ist. Ein Gutachten aus dem Jahr 1980 bezeugt die problematische Unterbringung des Landesarchivs im Schloss Gottorf – es bestand Einsturzgefahr! Anhand von Lochkarten und anderen Datenträgern sowie der E-Akte werden die zukünftigen Herausforderungen für das Landesarchiv benannt und oft gestellte Fragen beantwortet.

Geplant war, die Ausstellung von einem breit gefächerten Vortragsprogramm zu begleiten. Aufgrund der aktuellen Situation mussten bzw. müssen jedoch Vorträge entfallen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Ein Flyer gibt einen kurzen Überblick über die Ausstellung und die eigentlich geplanten Veranstaltungen.

Kontakt:
Landesarchiv Schleswig-Holstein
Prinzenpalais
24837 Schleswig
Tel.: 04621 / 8618-00
Fax: 04621 / 8618-01
landesarchiv@la.landsh.de

Quelle: Landesarchiv Schleswig-Holstein, Veranstaltungen, Ausstellung Archivjubiläum; Wikingerstadt Schleswig, Veranstaltungen

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