»Päckchen von drüben«. Historische Dokumente aus beiden deutschen Staaten

Millionen von Bürgern beider deutscher Staaten beteiligten sich am deutsch-deutschen Austausch von Geschenken per Post. Im Jahr 1965 schickten je 100 Einwohner der Bundesrepublik Deutschland 87 Pakete und Päckchen in die DDR. Das bedeutet, dass jeder Einwohner der DDR im Durchschnitt drei Pakete aus der Bundesrepublik erhielt. Umgekehrt schickten je 100 Einwohner der DDR sogar 128 Sendungen in die Bundesrepublik. Damit entfielen auf 100 Bundesbürger immerhin 40 Pakete „von drüben“ [Elisabeth Pollack: Die Verkehrsbeziehungen zwischen der BRD und der DDR auf dem Gebiet des Post- und Fernmeldewesens. Diplomarbeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1967 (Bundesarchiv, B 257/21529)].


Abb.: Plakat zur Aktion „Dein Päckchen nach drüben“, Osthilfekreis, ca.1949/1969 (Foto: Bundesarchiv, Plak 005-048-048)

Während die Bundesrepublik den Postverkehr mit der DDR als Inlandsverkehr begriff, reglementierte die DDR Form und Inhalt der Pakete mit der „Verordnung über den Geschenkpaket- und -päckchenverkehr auf dem Postwege mit Westdeutschland, Westberlin und dem Ausland“ vom 5. August 1954. „Westpakete“ mussten durch die Aufschrift „Geschenksendung, keine Handelsware“ gekennzeichnet werden. Häufige Änderungen hinsichtlich zulässiger Inhalte und Mengen sowie unterschiedliche Auslegungen der Geschenkpaketverordnung sorgten für Irritationen bei den Versendern auf beiden Seiten.

Sender und Empfänger von Päckchen waren in steter Sorge, dass der Inhalt durch Post, Zoll und Staatssicherheit der DDR beanstandet werden könnte.


Abb.: DDR-Zoll bei der Kontrolle von Päckchen von oder nach „drüben“, [um 1960] (Foto: Bundesarchiv, DL 203 BILD-0046 (Ausschnitt) – Zollverwaltung der DDR)

Zugelassen waren zum Beispiel Grundnahrungsmittel wie Butter und Margarine sowie Genussmittel wie Kaffee und Schokolade, wobei bestimmte Höchstmengen festgelegt waren. Einschränkungen gab es beim Versand von Kleidung (Desinfektion), Medikamenten (durch einen Arzt in der DDR verschrieben) und Büchern (Literatur durfte aus DDR-Sicht weder „dekadent“ sein noch einen „antidemokratischen Charakter“ haben). Untersagt war es, Zahlungsmittel, Schallplatten, Landkarten und luftdicht verschlossene Behältnisse zu verschicken.

Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Kontrolle des Postversands zwischen der DDR und der Bundesrepublik durch die Deutsche Post der DDR ungenügend war, wurde sie im Juni 1952 dem Amt für Kontrolle des Warenverkehrs (seit 1954 Amt für Zoll und Kontrolle des Warenverkehrs) übertragen, wobei die Post mitzuwirken hatte. Hierfür wurden acht Kontrollpostämter eingerichtet.

In Zusammenarbeit mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv hat das Bundesarchiv Koblenz die virtuelle Ausstellung „Päckchen von drüben“ zusammengestellt, in der Dokumente von bundesdeutschen Behörden mit solchen von Stellen der DDR – darunter des Ministeriums für Staatssicherheit – in Beziehung gesetzt werden. Auf diese Weise wird es möglich, das Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Zwei Wochenschau-Beiträge geben zeitgenössische Stimmen und Stimmungen wieder.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Austausch von Päckchen und Paketen zwischen Privatpersonen in der Bundesrepublik und der DDR. Dabei werden besonders die Jahre zwischen 1950 und 1970 in den Blick genommen.

Was wurde in den Päckchen verschickt? Welche Hürden waren zu überwinden, bis das Geschenk den Empfänger erreichte? Welche politischen Implikationen waren mit den Sendungen verbunden?

Anmerkung:

  • Elisabeth Pollack: Die Verkehrsbeziehungen zwischen der BRD und der DDR auf dem Gebiet des Post- und Fernmeldewesens. Diplomarbeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1967 (Bundesarchiv, B 257/21529)

Literatur:

  • Konstanze Soch: Eine große Freude? Der innerdeutsche Paketverkehr im Kalten Krieg (1949-1989), Frankfurt/Main 2018
  • Josef Foschepoth: Überwachtes Deuschland. Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik, Göttingen 2012
  • Konstanze Soch: „Päckchen von drüben“ – Der Päckchen- und Paketverkehr als trennendes und verbindendes innerdeutsches Phänomen. Bundeszentrale für politische Bildung, Deutschland Archiv, 20.03.2017

Filme zum Thema:

Kontakt:
Bundesarchiv
Potsdamer Straße 1
56075 Koblenz
Tel.: 0261 / 505-0
Fax: 0261 / 505-226
koblenz@bundesarchiv.de

Quelle: Bundesarchiv, Aktuelle Meldungen, 29.05.2021; Virtuelle Ausstellung, „Päckchen von drüben“.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


  • Um AUGIAS.Net aktuell zu halten, würden wir uns auch über Ihre Mithilfe freuen: Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf, wenn Sie Neuigkeiten aus dem Archivwesen haben (Nachrichten, Literatur, Links, Termine etc.).
Top