Unterlagen und Dateien jetzt im Kreisarchiv Enzkreis nutzbar.
Vier Jahrzehnte widmete sich die Arbeitsgemeinschaft Ortschronik Kieselbronn der Erforschung und Bewahrung der lokalen Geschichte. Entstanden war sie 1986 auf Initiative der Theaterwissenschaftlerin Bärbel Rudin, die im Rahmen eines Volkshochschulkurses geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger zusammenbrachte. „Was zunächst als kleiner Kreis begann, hat sich zu einem beeindruckenden Langzeitprojekt ehrenamtlicher Geschichtsforschung entwickelt“, lobt der Leiter des Kreisarchivs Enzkreis, Konstantin Huber.

Abb.: Die Mitglieder der AG Ortschronik, Gretel Scheffelmaier und Susanne Lehmann (hinten, von links) sowie Christel Mann, Monika Sutter und Isolde Theilmann (vorn) mit Kieselbronns Bürgermeister Heiko Faber (links), Konstantin Huber und Sebastian Schmidt (rechts) vom Kreisarchiv (Foto: Enzkreis / Nicole Sickinger).
Schnell machte die AG mit mehreren ortsgeschichtlichen Ausstellungen auf sich aufmerksam. Es entstanden Präsentationen wie „Kieselbronn im Wandel der Zeit“ (1987), „Weber, Bauern, Goldarbeiter – Schule und Beruf im alten Kieselbronn“ (1988) sowie „Landleben oder die Sprache des Scheunentors“ (1989). Besonders eindrücklich war 1991 die Ausstellung „Wieder 40 Ostflüchtlinge – Kieselbronn in der Nachkriegszeit“, die auf zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen beruhte. 2015 folgte mit „Ich lebe ja in Feindesland“ eine Ausstellung über Spätheimkehrer des Ersten Weltkriegs.
Im Jahrbuch des Enzkreises erschienen mehrfach Beiträge der Arbeitsgemeinschaft. Exponate der Ausstellung zur Nachkriegszeit fanden später sogar Eingang in die Berliner Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ und wurden damit Teil der bundesweiten Erinnerungskultur.
Nach den öffentlichkeitswirksamen Ausstellungen wandten sich die Aktiven einer besonders anspruchsvollen Aufgabe zu: der systematischen Auswertung historischer Quellen aus dem Gemeindearchiv. Kaufbücher, Heirats- und Nachlassinventare, Schulakten und Steuerbücher wurden über Jahre hinweg gesichtet, entziffert, abgeschrieben und digital erfasst. Dadurch entstanden wertvolle Grundlagen für die Bevölkerungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte Kieselbronns.
Digitale Abschrift der alten Quellen
Das größte Projekt war die digitale Abschrift der Inventuren und Teilungen. Insgesamt 29 historische Folianten wurden akribisch ausgewertet, die den Zeitraum von 1693 bis 1810 umfassen. Das Ergebnis: eine umfangreiche Datei von 255 Seiten. Auch ein Flurnamen-Kataster für das alte Kieselbronn entstand auf Grundlage der Kaufbücher. Die AG-Mitglieder, darunter Monika Sutter, Christel Mann, Irma Sperl, Manfred Schönthaler, Gretel Scheffelmaier, Susanne Lehmann und Isolde Theilmann, trugen mit großer Ausdauer und Fachkenntnis zur Erschließung der Quellen bei. 2023 starb die für ihr Engagement mit der Heimatmedaille Baden-Württemberg ausgezeichnete AG-Leiterin Bärbel Rudin. Damit kam die weitere Arbeit zum Erliegen und die geplante Veröffentlichung der Inventuren und Teilungen konnte nicht mehr verwirklicht werden. Auf Initiative von Konstantin Huber wurde ein Großteil der Arbeit im Landratsamt gesichert: 2025 übergaben Monika Sutter und Christel Mann die Unterlagen und Dateien dem Enzkreis. Sebastian Schmidt, Mitarbeiter im Kreisarchiv, erschloss das Vermächtnis der Arbeitsgemeinschaft in einem Verzeichnis. „Ein Schatz für die Forschung und eine Einladung an alle, die wissen möchten, wie sich Geschichte im Alltag Kieselbronns entfaltete“, wie Archivleiter Huber sagt.
Kontakt:
Enzkreis – Stabsstelle Kreisarchiv
Östliche Karl-Friedrich-Straße 58
75175 Pforzheim
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Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung, 19. August 2026.
