Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 3/2022

In der Ausgabe 3/2022 der „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ wird auf eines der liebsten Haustiere der Deutschen eingegangen, indem die erste „große Ausstellung von Hunden aller Rassen“ vor 120 Jahren in Gera in den Blick genommen wird. In weiteren Beiträgen wird an die Eingemeindungen von Ernsee und Unterröpisch vor 100 Jahren sowie die Eröffnung des Geraer Interhotels im Jahr 1967 erinnert, wie Christel Gäbler, die Leiterin des Stadtarchivs Gera, mitteilt.

Beiträge der Ausgabe 3/2022:

  • Die erste „große internationale Ausstellung von Hunden aller Rassen“ am 23. und 24. August 1902 in Gera
  • Die Eingemeindung von Ernsee und Unterröppisch vor 100 Jahren
  • Briefkasten der Heimatblätter: Wie kam Schloß Thallwitz bei Wurzen in reußischen Besitz?
  • Die Eröffnung des Geraer Interhotels vor 55 Jahren

Am 6. Oktober 1967 konnte die Eröffnung des Geraer Interhotels feierlich begangen werden. Entworfen und realisiert wurde der Gebäudekomplex durch das Architektenkollektiv Manfred Metzner, Günther Gerhardt, Günter Meißgeier, Wolfgang Fiedler, Fritz Sittel und Karlheinz Günther. Mit dem Bau des Gebäudes war der VEB Hoch- und Tiefbau Gera beauftragt worden. Aufgrund der räumlichen Begrenzung des Bauplatzes war das Hotel auf eine Länge von 100 Metern festgelegt, sodass es durchaus einiger guter architektonischer Überlegungen und Lösungen bedurfte diese Fläche optimal auszunutzen, denn neben den Hotelzimmern und den Aufenthaltsbereichen für die Gäste waren auch enorme Lagerkapazitäten erforderlich.

Die Rahmenbedingungen für ein solches Bauprojekt gestalteten sich unterdessen sehr günstig: Gera hatte sich in den 1960er Jahren zu einer thüringischen Großstadt entwickelt, die hinsichtlich der Bevölkerungszahl die Universitätsstadt Jena längst überholt hatte. Waren in der Stadt bis zum Zweiten Weltkrieg einige attraktive Hotels und Pensionen sowie Restaurants mit überregionaler Strahlkraft vertreten, so bereiteten insbesondere die Nachkriegsjahre der Hotel- und Gastronomiebranche einigen Abbruch. Den ehrgeizigen Ambitionen des Stadtvaters Horst Pohl die Attraktivität seiner Stadt mit einem repräsentativen Hotelkomplex zu steigern, spielte auch der Umstand in die Karten, dass der damalige Generaldirektor der „Vereinigung Interhotel der DDR“ unweit von Gera wohnte und zudem einen Standort für ein weiteres Hotel dieser Kette in Thüringen suchte.

Das Vorhaben glückte und die damalige Bezirksstadt Gera erhielt mit ihrem Interhotel ein sechsgeschossiges Bettenhaus, das insgesamt 400 Betten in Form von 280 Einbett- und 60 Zweibettzimmern für Gäste der Stadt bereitstellte. Darüber hinaus entstand ein dem Gebäude vorgelagerter Gaststättentrakt. Mit Blick auf das vergleichsweise hohe Preisniveau des Interhotels, vor allem auch für Speisen und Getränke, erhielt es von den Geraern rasch den Spitznamen „Hotel Bismarck“, was im Volksmund damit erklärt wurde, dass augenscheinlich „jeder Bissen eine Mark“ kostete.


Abb.: Das Geraer Interhotel im Jahr 1976 (Fotograf: Fritz Teichert; Quelle: Stadtarchiv Gera, M38 Nr. 11)

In den ersten 20 Jahren seiner Existenz von 1967 bis 1987 konnten 2.235.000 Übernachtungen von 1.500.000 Gästen im Interhotel Gera registriert werden. Der damalige Personalstamm umfasste 340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Jahr 1988 schloss das Hotelmanagement mit einem Netto-Gewinn von 6,5 Millionen und 850.000 Valuta-Mark (D-Mark) ab. Das nach der deutschen Wiedervereinigung angedeutete Ansinnen der Treuhandverwaltung die Interhotel-Kette zu retten, verkehrte sich rasch ins Gegenteil. Stattdessen geriet vorrangig der jeweilige Grundstückswert in den Blick, der die Rentabilität von Neuansiedlungen begünstigen sollte. Ein weiterer Aspekt, der für die Auflösung der Interhotel-Kette sprach, war, dass es in der Bundesrepublik bereits etablierte Hotelvereinigungen gab und zusätzliche Konkurrenz auf dem Markt vermutlich unerwünscht war. Fast genau dreißig Jahre nach der Eröffnung wurde am 4. Januar 1997 mit dem Abriss des Geraer Interhotels sowie der benachbarten, ehemaligen Teppichfabrik Halpert begonnen. Auf der dadurch entstandenen Freifläche wurden die heutigen Gera-Arcaden errichtet, welche am 11. November 1998 eröffnet werden konnten.

LinkNachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 3/2022

Kontakt:
Stadtarchiv Gera
Gagarinstraße 99/101
07545 Gera
Tel. 0365/838-2140 bis 2143
stadtarchiv@gera.de
www.gera.de/stadtarchiv

Im neuen Veranstaltungsprogramm der Villa ten Hompel bleibt Rechte Gewalt nach 1945 im Fokus

Das kostenlose Veranstaltungsprogramm der Villa ten Hompel für das zweite Halbjahr 2022 steht fest. Es verbindet – typisch für den Münsteraner Geschichtsort – die Vergangenheit mit zentralen Problemstellungen der Gegenwart. Thomas Köhler, kommissarischer Leiter der Villa ten Hompel, und Robert von Olberg, Vorsitzender des Villa-Fördervereins, sind vier thematische Aspekte des öffentlichen Bildungsprogramms besonders wichtig:

  1. Das Thema der rechten Gewalt nach 1945 prägte schon das Veranstaltungsprogramm im ersten Halbjahr und findet nun in den „Mittwochsgesprächen“ seine Fortsetzung. So berichtet beispielsweise der Kieler Anwalt Alexander Hoffmann am 16. November 2022 über sein Engagement als Nebenklagevertreter im NSU-Komplex.
  2. Im Format „Forum am Donnerstag“ rückt mit der Ukraine erneut ein Thema, das Vergangenheit und die unmittelbare Gegenwart umspannt, in den Mittelpunkt. Im Vortrag von Ricarda Vulpius am 10. November 2022 geht es um die Nationswerdungskonflikte und russisch-ukrainische Beziehungen im Wandel der Zeit.
  3. Die neue Sonderausstellung als „Gallery Walk“ direkt am Außenzaun der Villa beleuchtet ab September 2022 die Spuren von gewöhnlichen deutschen Polizisten, die in Polen zu Mördern wurden. Józefów, Majdanek oder Zamość – diese Orte sind weniger bekannt, aber nicht weniger wichtig für die Erinnerung an den Holocaust.
  4. Am 25. November 2022 ist der „Orange Day“, der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Die Villa ten Hompel wird deshalb in den Abendstunden orange beleuchtet sein, um ein sichtbares Zeichen gegen Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen zu setzen.

Die Veranstaltungen sind je nach pandemischer Lage sowohl vor Ort als auch digital über Zoom geplant. Das Bildungsprogramm kann u.a. auf der Homepage der Villa ten Hompel heruntergeladen werden (https://www.stadt-muenster.de/villa-ten-hompel/veranstaltungen).


Abb.: Das neue Veranstaltungsprogramm der Villa ten Hompel für das zweite Halbjahr 2022 ist druckfrisch eingetroffen (Foto: Villa ten Hompel).

Kontakt:
Geschichtsort Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster
Tel. 02 51/4 92-71 01
Fax 02 51/4 92-79 18
tenhomp@stadt-muenster.de

100 Jahre Dietgard Meyer und 60 Jahre Pfarrerinnen in Kurhessen-Waldeck

Im März 2012 wurde mit einem Festakt im Landeskirchenamt Kassel „50 Jahre Pfarrerinnen in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck“ gefeiert. Das Landeskirchliche Archiv Kassel steuerte eine Ausstellung mit Katalog bei: Bettina Wischhöfer, Pfarrhelferin, Vikarin, Pfarrerin – Theologinnen in Kurhessen-Waldeck (Schriften und Medien des Landeskirchlichen Archivs Kassel 31), Kassel 2012.

Im Vorfeld fand ein langes, aufschlussreiches Zeitzeugengespräch mit Landespfarrerin i.R. Dietgard Meyer statt. Frau Meyer, die am 14. August 2022 ihren hundertsten Geburtstag feiert, hat dem Landeskirchlichen Archiv Kassel mit ihrem Vorlass wichtige Unterlagen und private Fotos zur Geschichte der Frauenordination, die sie maßgeblich miterlebt und geprägt hat, zur Verfügung gestellt.


Abb.: Dietgard Meyer betrachtet amüsiert ihr Biogramm in der Ausstellung „50 Jahre Pfarrerinnen“ im Landeskirchenamt 2012 (Foto: Wischhöfer).

Die Vorgeschichte
1908 erlangen Frauen in Preußen das Recht auf Zulassung zum Studium. Eine erste Interessenvertretung von Theologinnen manifestiert sich 1925 mit der Gründung des Verbands evangelischer Theologinnen in Marburg.

Die Theologin als Pfarrhelferin, Einsatz von Vikarinnen in der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit
Die Kirchenregierung der evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel definiert Vorbildung und Anstellung von Theologinnen in einem Beschluss von 1931 und einer Verordnung von 1932. Anzustellen sind Pfarrhelferinnen zur Unterstützung des Pfarramtes, bei Verheiratung scheidet die Pfarrhelferin aus.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 ändert sich die Lage. Durch die Einberufung vieler Pfarrer zum Kriegsdienst sind viele Kirchengemeinden verwaist – „weibliche Hilfskräfte für den Gemeindedienst“ werden bis in die unmittelbare Nachkriegszeit eingesetzt. Die Vikarinnen Bader, Doemich, Rühling und Staritz springen ein und übernehmen oft den gesamten Pfarrdienst.

Das Amt der Vikarin ab 1949
Nach Kriegsende diskutiert die Leitung der Landeskirche die Rechtsstellung der Vikarinnen neu. Gibt es 1947 fünf Vikarinnen in Kurhessen-Waldeck, wird der Bedarf 1948 für die nächsten fünf Jahre auf lediglich „zwei Theologinnen“ geschätzt. Kurhessen-Waldeck liegt hier im Trend, EKD-weit ist bis auf Württemberg, Pfalz und Berlin-Brandenburg kaum oder kein Bedarf vorhanden. Das Kirchengesetz über das Amt der Vikarinnen regelt 1949 in Kurhessen-Waldeck grundsätzliche Fragen. Der Dienst wird vornehmlich gegenüber Frauen und Kindern ausgeübt. Mit der Ordination wird der Vikarin grundsätzlich das Recht der Sakramentsverwaltung im Rahmen ihres Dienstes gewährt. Bei Heirat scheidet die Vikarin aus dem Amt aus.

Ordinationen von Vikarinnen finden ab 1952 in Kurhessen-Waldeck statt. Acht Ordinationen von Vikarinnen konnten bis 1961 für Kurhessen-Waldeck nachgewiesen werden, nicht alle, die qualifiziert waren, im Krieg eingesprungen sind und ordiniert werden wollten, kamen in den Genuss einer Ordination. Nicht selten wurde die Ordination hinausgezögert. Das Vikarinnen-Amt wird als Amt sui generis verstanden – Vikarinnen sind kein „weiblichen Pfarrer“ und können daher auch keine besoldungsrechtliche Gleichstellung mit den Pfarrern aus dem Grundgesetz ableiten. In Kurhessen-Waldeck erhalten die Vikarinnen 80 Prozent des Pfarrergehalts.

Das Weltbild der männlichen Vorgesetzten den Vikarinnen gegenüber ist 1954 klar geordnet: „Fräulein F. scheint mit einer Vikarin befreundet zu sein, die in Baden Dienst tut und die ihr nun irgendwie davon erzählte, dass sie als „Frau“ angesprochen wird, eine eigene Wohnung hat und wie ein Pfarrer frei schaltet und waltet. Das steht ihr nun etwas vor Augen und im übrigen ist sie Ihnen gram, weil Sie irgendwie eine Äußerung gemacht haben sollen, dass Vikarinnen-Probleme am besten durch die Ehe zu lösen seien.“

1958 sind neben vier Sprengelvikarinnen zeitweise weitere fünf Vikarinnen in der Landeskirche tätig. Die Frage der verbindlichen Form der Amtstracht für Vikarinnen ist noch offen. Auf eine Anfrage von Vertrauensvikarin Meyer empfiehlt Prälat Hilmes „bis zur Regelung dieser Frage ein dunkles Kleid“. 1959 gibt dann die Dienstkleidung für Vikarinnen in Kurhessen-Waldeck: Statt des Beffchens trägt die Vikarin „hemdblusenähnliche Ecken (Überschläge) zum Einknöpfen…“

Der Zeitungsbericht über Vikarin Fuchslocher „Nach acht Semestern „Frau Vikarin“ – Jugendstunden und Krankenbesuche spiegelt exemplarisch das Amt. Ihr Alltag ist geprägt durch die Krankenhausseelsorge an Frauen und Kindern in fünf Kliniken, den sie mithilfe eines Dienstfahrzeugs (Goggomobil) besser bewältigt.

Das Amt der Pfarrerin ab 1962
Ende 1959 gibt es in vier evangelischen Landeskirchen gesetzlich festgelegt „Pfarrerinnen“ bzw. „Pastorinnen“, die in vollem Pfarramt tätig sind: Lübeck, Anhalt, Pfalz und Hessen-Nassau. Die Besoldung ist – unabhängig von der Bezeichnung – bereits in zehn Landeskirchen angeglichen. Die Vertrauensvikarinnen aus den Landeskirchen der EKD, hier vertritt Dietgard Meyer Kurhessen-Waldeck, diskutieren schon seit längerem die „Theologinnenfrage“ und das sich langsam wandelnde Berufsbild. Die Broschüre „Die Vikarin“ solle neu aufgelegt werden und brauche einen neuen Titel, etwa „Die Pastorin“, so das Protokoll ihrer Tagung 1960 in Berlin-Spandau. Die nächste Vikarinnentagung wird unter dem Thema „Ehe und Ehelosigkeit der Theologin“ stehen. Der Vikarinnen-Ausschuß in Kurhessen-Waldeck mit „Frau Pfarrer Stehfen“ und Pfarrvikarin Meyer ist u.a. 1961 auf landeskirchlicher Ebene tätig. Es geht um die grundsätzliche Frage, ob die Landeskirche eine qualitative Gleichstellung des Pfarramts der Frau mit dem Pfarramt des Mannes anstrebt. So lehnt Kirchenrat Dr. Ritter kategorisch ab, sich von einer Frau das Abendmahl reichen zu lassen. Bei diesem Entschluß bleibe er auch in seiner Sterbestunde, er würde „dann leider auf das Abendmahl verzichten“. Anfang Dezember 1961 berät die Landessynode in Hephata die Vorlage für das Kirchengesetz über das Amt der Pfarrerin. Am Vorabend der Synode schreibt Vikarin Claudia Bader an Vikarin Dietgard Meyer: „Nun ist also morgen der entscheidende Tag für uns alle“. Sie spricht von einem „Kampf“, den sie nicht gesucht habe, als sie das Studium ergriffen habe. Obwohl Synodaler Ritter noch einmal ausführlich den „Gleichheitswahn der französischen Revolution, der in bedenklicher Weise auch in kirchlichen Gehirnen spuke“, anprangert, wird es ein „guter Tag“. Die Landessynode beschließt am 8. Dezember 1961 das Kirchengesetz über das Amt der Pfarrerin, das am 1. Januar 1962 in Kraft tritt. Wie ihre männlichen Kollegen werden Frauen nach einer entsprechenden Ausbildung nun zu Pfarrerinnen ordiniert und haben die Möglichkeit, ein Gemeindepfarramt zu übernehmen.

Die erste Ordination von Frauen zu Pfarrerinnen findet am 1. April 1962 in Wolfhagen gemeinsam mit fünf männlichen Kollegen statt. Die erste Frau, die im Juni 1962 in Kurhessen-Waldeck in ein Gemeindepfarramt eingeführt wird, ist Pfarrerin Specht in Hanau. Als erste Landespfarrerin wird im November 1963 Dietgard Meyer eingeführt.

Es sollte noch dreißig Jahre dauern, bis in jeder Hinsicht die volle Gleichstellung erreicht war.

Fünf Tage im Dezember 1961 – Vorlage, Lesung und Abstimmung Kirchengesetz über das Amt der Pfarrerin auf der Landessynode zu Treysa-Hephata

Am 4. Dezember 1961 schreibt Claudia Bader (1900-1974), ordinierte Theologin wie Dietgard Meyer und zu diesem Zeitpunkt Sprengelvikarin im Sprengel Marburg, an ihre Kollegin und Freundin Dietgard:


Abb.: Landeskirchliches Archiv Kassel, Bestand H Vorlass Dietgard Meyer Nr. 18 (Briefwechsel mit Claudia Bader).

Transkription:

M[ar]b[ur]g 4. Dez[ember] [19]61

Liebe Dietgard,

nun ist also morgen der „entscheidende Tag“ für uns alle auf dem harten Wege all der Jahre, die soviel & unnötige Kraft von uns gefordert haben, die anders besser angewandt worden wären. Aber wir haben ja diesen Kampf nicht gesucht, als wir das Studium ergriffen! – Ob es ein „guter Tag“ wird? Ob´s uns ein Stück dem Ziele näher bringt? Oder ob es zu einer Notlösung kommt? – Wir wollen´ s Gott befehlen. 3 meiner Gemeindeglieder, 3 meiner treusten wollen morgen – statt meiner zur Sitzung nach Treysa fahren und nehmen diesen Gruß mit. Ich hörte gern zu als Mäuschen“! – aber mein Tag ist voll besetzt, und es ist besser, wenn ich unsichtbar bleibe! – Grüßen Sie alle, die ich kenne dort. Ritter sah ich heute mit Köfferchen abreisen, aber er sah mich nicht! Wie wird er sich verhalten?

[… Ihre Claudia

Hoffentlich geht unsere Sache morgen wirklich „über die Bühne“? Hoffentlich!]

Am 8. Dezember 1961 weist der Vorsitzende der Synode, Oberamtsrichter Hans-Hartmann Freiherr von Schlotheim (Hofgeismar) darauf hin, dass mit Beginn der Dritten Lesung des Kirchengesetzes über das Amt der Pfarrerin nur noch zu der Vorlage als Ganzes gesprochen werden kann. Als erster ergreift Synodaler Kirchenrat D. Dr. Karl-Bernhard Ritter (Marburg) das Wort (Audio). Der Theologe lehnt die Einführung der Frauenordination entschieden ab.

Es folgt eine Stellungnahme von Bischof Wüstemann (Audio), der den vorliegenden Gesetzentwurf verteidigt.

Für die Frauenordination spricht Synodale Elisabeth Stehfen (Kassel) (Audio), Theologin und mit der Leitung des Amtes für kirchliche Frauenarbeit betraut.

Danach stellt der Vorsitzende das Gesetz über das Amt der Pfarrerin zur Abstimmung. Es wird mit 51 Stimmen bei 7 Neinstimmen und 2 Enthaltungen angenommen. (Audio)

Das Gesetz trat zum 1. Januar 1962 in Kraft. Die Amtseinführung von Claudia Bader in eine Gemeinde fand im Dezember 1962 in Marburg statt. Dietgard Meyer wurde 1963 zur ersten Landespfarrerin für kirchliche Frauenarbeit ernannt.

Landeskirchliches Archiv Kassel, AB 17 / 61, Verhandlungen der 2. Ordentlichen Tagung der 3. Landesynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck von Montag, den 4. Dezember bis Freitag, den 8. Dezember 1961 zu Treysa-Hephata. – Elfte Öffentliche Sitzung, Freitag, 8.12.1961, vormittags: Dritte Lesung des Kirchengesetzes über das Amt der Pfarrerin, S. 127 – 132. Die Tonbandaufnahmen der Synode konnten 2018 in das Archiv übernommen werden. Die vier Audio-Dateien geben den Verlauf der Dritten Lesung fast vollständig wieder.

Vita Dietgard Meyer
Dietgard Meyer, am 14. August 1922 in Berlin-Wilmersdorf geboren als Tochter eines Ministerialrats, begann 1945/46 ein Studium der Theologie und Jurisprudenz in Heidelberg. Nebenbei fertigte sie Übersetzungen und Schreibarbeiten bei und für Theodor Heuss und Hermann Maas. 1946/47 setzte sie das Theologiestudium in Göttingen fort. 1947 wirkte sie dort als Sozialreferentin im Asta und Asta-Vorsitzende. Sie studierte weiter in Marburg und Basel (Stipendium durch Karl Barth) und legte 1951 das Fakultätsexamen in Göttingen ab.

1953 absolvierte Meyer das Vikariat bei Dekan Karl Wessendorft (Hanau). Im September 1953 legte sie das Zweite Theologische Examen als Externe in Hofgeismar ab. Nach Hilfsvikarinnen-Tätigkeiten im Sprengel Hanau und im Sprengel Kassel wurde Meyer am 16. November 1955 in der Karlskirche in Kassel ordiniert. Ihr wurde die Stelle einer Vikarin im Sprengel Kassel verliehen.

1958 wurde sie Vertrauensvikarin in der EKKW gewählt, später zur Vertrauenspfarrerin für den Theologinnenkonvent (bis1968). 1960 erhielt Meyer eine Berufung durch den Rat der Landeskirche in die Theologische Kammer. 1964 bat sie darum, die Berufung zurückzunehmen wegen im Amt für kirchliche Frauenarbeit eingetretener zusätzlicher Belastungen.

1963 wurde Meyer zur Landespfarrerin für kirchliche Frauenarbeit ernannt. Von 1974 bis 1978 wirkte sie als Vorsitzende das Pfarrerausschusses im Sprengel Kassel. 1982 trat sie in den Ruhestand.

Die Geschichte der Frauenordination, die sie miterlebt und geprägt hat, ließ sie nie los. So gab sie 1999 zusammen mit Hannelore Erhart und Ilse Meseberg-Haubold einen ersten Dokumentenband über die Theologin und Pfarrerin Katharina Staritz heraus, der die Jahre 1903 bis 1942 umfasste. Band 2, herausgegeben von Ilse Meseberg-Haubold und Dietgard Meyer, dokumentiert die Jahre 1943 bis 1953 und erscheint pünktlich zum 100. Geburtstag von Dietgard Meyer.

(Bettina Wischhöfer)

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Landeskirchliches Archiv Kassel
Lessingstraße 15A
34119 Kassel
Tel.: (0561) 78876 – 0
Fax: (0561) 78876 – 11
archiv@ekkw.de

Kreisarchiv des Märkischen Kreises in Neubau umgezogen

Die Regale sind eingeräumt, die Büros bezogen und die Archivräume bestückt. Damit ist der Umzug des Kreisarchivs des Märkischen Kreises beendet. Seit dem 4.7.2022 sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski in dem neuen Standort an der Bismarckstraße 21 in Altena untergebracht. „Mit dem Gebäude ist für uns ein Traum wahr geworden. Von der technischen Ausstattung bis zu den notwendigen, modernen Räumen, die wir für unsere Arbeit benötigen, sind wir rundum zufrieden“ berichtet Dr. Christiane Todrowski.


Abb.: Das neue Kreisarchiv des Märkischen Kreises in Altena. In dem Neubau werden Dokumente vom 14. bis 20. Jahrhundert mit Einsatz modernster Technik wie Klimakammern gelagert. Am 21. August 2022 findet ein Tag der offenen Tür statt (Foto: Hannah Heyn / Märkischer Kreis)

Der Neubau mit fünf Geschossen hat die neueste Technik zum Verwahren von Dokumenten. Herzkammer des Kreisarchivs sind die unteren drei Etagen. „Hier befinden sich in den Magazinen zwei separate Klimakammern. Das ist eine Besonderheit des Neubaus. In der ersten Klimakammer lagern unsere ältesten Bücher mit Leder- oder Pergamenteinbänden – konstant gekühlt bei 16 Grad“, erzählt Dr. Christiane Todrowski. Damit können die Schätze aus den vergangenen Jahrhunderten – wie die Bugenhagen-Bibel von 1533 – fachgerecht gelagert werden.

Neuste Technik durch Klimakammern
Noch kälter benötigen es Filmrollen, Negative und Glasplatten. „Hierfür haben wir eine zweite Klimakammer. Bei einer Temperatur um die null Grad und trockener Luft schaffen wir perfekte Lagerbedingungen“, sagt Dr. Christiane Todrowski. Neben Filmrollen brauchen auch großformatige Glasplatten – eine Fotografietechnik aus dem 19. Jahrhundert, bei der die Aufnahmen auf Fotoplatten gebannt wurden – trockene Kälte. Insgesamt umfasst der Fotobestand des Kreisarchivs etwa 150.000 Stück.

Technisch ausgestattet sind alle Archivräume in den unteren Geschossen mit beweglichen Regalen auf Schienen. „Das funktioniert durch handbetriebene Kurbeln. Der Vorteil ist: Rollregale sparen Platz und erhöhen erheblich die Lagerkapazitäten“ fasst Dr. Christiane Todrowski zusammen.

Neben Akten der Kreisverwaltung sind hier auch Post- und Ansichtskarten, Pläne und Zeichnungen sowie Urkunden und Plakate untergebracht. Dazu gehört auch eine der größten Sammlungen von Schulwandkarten, Lehrmaterialien und Schulbüchern in NRW. Wie Schulkindern im Fach Biologie zum Beispiel der Kartoffelkäfer als Schädling oder das Verpuppen des Schmetterlings vermittelt wurden, zeigen Lehrschaukästen mit getrockneten Originalpräparaten. Im Unterschied hierzu ist die Partnerschaftsurkunde mit dem Landkreis Elbe-Elster aus dem Jahr 1997 geradezu „modern“. Für Todrowski sind dies nur Beispiele, „wie viele und welche unterschiedlichen historischen Schätze aus der Geschichte des Märkischen Kreises und der ehemaligen Grafschaft Mark in dem Neubau Platz finden“.


Abb.: Der neue Lesesaal hat wieder geöffnet. Nach vorheriger Anmeldung können Besucher kostenlos in Archivalien und Büchern recherchieren (Foto: Hannah Heyn / Märkischer Kreis)

Lesesaal geöffnet
Hoch über den Magazinräumen im Erdgeschoss befindet sich neben den Büroräumen der Lesesaal. „Wie zuvor können Besucherinnen und Besucher nach vorheriger Anmeldung kostenlos in Archivalien und Büchern recherchieren – mit einem ganz besonderen Fernblick von der anderen Lenneseite auf das Deutsche Drahtmuseum und Burg Altena“, berichtet Todrowski.

Wer digital recherchieren möchte, kann das weiterhin in der Mediendatenbank des Märkischen Kreises. „Ergänzt wird das Angebot durch den Buchscanner, mit dem wir Digitalisate aus der Landeskundlichen Bibliothek erstellen. Das Gerät haben wir erst seit September 2021. Jetzt ist es mit in unseren Neubau umgezogen“, fasst Dr. Christiane Todrowski zusammen. Offiziell eingeweiht wird das neue Kreisarchiv am Dienstag, 16. August 2022, durch Landrat Marco Voge.

Kostenlose Aktionen beim Tag der offenen Tür am 21. August 2022
Um das Gebäude der Öffentlichkeit näher zu bringen, findet am Sonntag, 21. August 2022, von 11 bis 18 Uhr, ein „Tag der Offenen Tür“ statt (MZV-Nachbericht). Dazu gehören zum Beispiel kostenlose Mitmachaktionen:

• „Keinen Block dabei?“: Papier selbst schöpfen
• „Mit Tusche und Feder“: Mittelalterliche Schreibstube
• Gedächtnistraining im Archiv: Mit Archivalien Memory spielen

Selbstverständlich werden Führungen durch die modernsten Archiv- und Bibliotheksmagazine angeboten. Auch ein Buchantiquar schätzt den Wert von Büchern, die Besucher zur Begutachtung mitbringen. Zusätzlich stellt der Fachdienst BAföG und sonstige soziale Hilfen, in dem auch Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) bearbeitet werden, in Kurzvorträgen seine Aufgaben und Angebote vor. Der Fachdienst ist im Obergeschoss des Neubaus untergebracht. Live-Musik gibt es an diesem Tag von der mobilen Band „Eva´s Apfel“ – professionelle Musikerinnen, die am Kreisarchiv mit Showeinlagen in das Jahrzehnt der Goldenen Zwanziger entführen. Für das leibliche Wohl wird ebenfalls gesorgt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das Programm:

11.00 Uhr Begrüßung durch Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper (Foyer)

11.30 Uhr Führung durch die Archiv- und Bibliotheksmagazine (Treffpunkt Foyer)

11.45 Uhr Auftritt „Eva‘s Apfel“: Entführung in die Goldenen Zwanziger (überall)

12.00 Uhr Infovortrag: „Chancen für Kinder: Das Bildungs- und Teilhabepaket“ (Besprechungsraum 1. Obergeschoss)

12.30 Uhr Infovortrag: „Wenn Kinder groß werden: Ausbildungsförderung im Märkischen Kreis“ (Besprechungsraum 1. Obergeschoss)

13.00 Uhr Infovortrag: „Wer suchet, der findet“: Serviceangebote des Kreisarchivs und der Landeskundlichen Bibliothek (Lesesaal)

13.30 Uhr Führung durch die Archiv- und Bibliotheksmagazine (Treffpunkt Foyer)

14.00 Uhr Infovortrag: „Chancen für Kinder: Das Bildungs- und Teilhabepaket“

(Besprechungsraum 1. Obergeschoss)

14.30 Uhr Infovortrag: „Wenn Kinder groß werden: Ausbildungsförderung im Märkischen Kreis“ (Besprechungsraum 1. Obergeschoss)

15.00 Uhr Infovortrag: „Wer suchet, der findet“: Serviceangebote des Kreisarchivs und der Landeskundlichen Bibliothek (Lesesaal)

15.00- 17.00 Uhr „Wertvoller Schatz oder brüchiges Wrack?“ Antiquar Michael Melzer (Lüdenscheid) schätzt den Wert Ihrer Bücher (Zimmer 013)

15.15 Uhr Auftritt „Eva‘s Apfel“: Entführung in die Goldenen Zwanziger (überall)

15.30 Uhr Führung durch die Archiv- und Bibliotheksmagazine (Treffpunkt Foyer)

16.00 Uhr Infovortrag: „Chancen für Kinder: Das Bildungs- und Teilhabepaket“ (Besprechungsraum 1. Obergeschoss)

16.30 Uhr Infovortrag: „Wenn Kinder groß werden: Ausbildungsförderung im Märkischen Kreis“ (Besprechungsraum 1. Obergeschoss)

16.45 Uhr Auftritt „Eva‘s Apfel“: Entführung in die Goldenen Zwanziger (überall)

17.00 Uhr Führung durch die Archiv- und Bibliotheksmagazine (Treffpunkt Foyer)

Hintergrund zum Kreisarchiv
Seit dem Baustart im Mai 2020 ist neben dem Kreishaus II ein 17,10 Meter hoher Bau mit fünf Geschossen und einer Brutto-Grundfläche von 2.150 Quadratmetern entstanden. Das neue Kreisarchiv mit einem 11.800 Quadratmeter großen Grundstück bietet Platz für rund 3,5 Kilometer Akten, 150.000 Foto und Negative, 10.000 Post- und Ansichtskarten sowie 65.000 Bücher, darunter 5.000 alte Drucke und bibliophile Kostbarkeiten von 1510 bis 1850. Außerdem Hunderte Karten und Pläne, historische Zeitungen, Schulwandkarten, Schulbücher und vieles mehr.

Kontakt:
Märkischer Kreis
Kreisarchiv / Landeskundliche Bibliothek
Frau Dr. Todrowski
Bismarckstraße 21
58762 Altena
02352 / 966-7055
02352 966887055
c.todrowski@maerkischer-kreis.de

Quelle: Märkischer Kreis, Pressemeldung, 8.8.2022; come-on / MZV: Großes Interesse an dem Neubau an der Bismarckstraße, 22.8.2022

Vortragsreihe zur Geschichte Iserlohns – im 2. Halbjahr 2022

Soeben erschienen ist das neue Vortragsprogramm des Stadtarchivs Iserlohn für das zweite Halbjahr 2022. Bürgermeister und Kulturressortleiter Michael Joithe und Stadtarchivar Rico Quaschny stellten es am 9.8.2022 im Rahmen eines Pressegesprächs in der Alten Post vor. Nach dem Themenschwerpunkt zur jüdischen Geschichte im ersten Halbjahr 2022 widmen sich die neuen Vorträge verschiedenen Aspekten der Stadt-, Regional- und Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.


Abb.: Bürgermeister Michael Joithe (r.) und Stadtarchivar Rico Quaschny stellten im Stadtarchiv in der Alten Post das Vortragsprogramm für das zweite Halbjahr 2022 vor (Foto: Stadt Iserlohn).

Bürgermeister Michael Joithe freut sich über das neue Programm: „Es ist faszinierend, dass immer wieder neue Forschungen zur Geschichte unserer Stadt und unserer Region durch Vorträge einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.“ Und Iserlohns Stadtarchivar Rico Quaschny ergänzt: „Der besondere Reiz der stadtgeschichtlichen Vortragsreihe besteht in der Mischung aus überregionalen und heimischen Experten.“

Die stadtgeschichtliche Vortragsreihe beginnt am Dienstag, 23. August 2022, mit dem Iserlohner Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Dr. Walter Wehner. Er untersucht die Auswirkungen des deutschen Kolonialismus auf Iserlohn und zeigt vielfältige koloniale Spuren in der Stadtgeschichte auf, die bis in das Alltagsleben hineinreichen.

Der Theologe und Publizist Peter Bürger aus Düsseldorf, Mitbegründer des Christine-Koch-Mundartarchivs in Eslohe, geht am Dienstag, 13. September 2022, unter dem Titel „Das sauerländische Dreigestirn“ der Frage nach, wie sich die Dichterinnen Josefa Berens-Totenohl, Maria Kahle und Christine Koch im Nationalsozialismus verhalten haben und wie sie nach dem Kriegsende mit ihrer Vergangenheit umgingen. Dieser Vortrag war bereits für März 2020 geplant, musste aber Pandemie-bedingt verschoben werden.

Einblicke in die Entwicklung der südwestfälischen Kettenindustrie geben am Donnerstag, 6. Oktober 2022, im Haus Letmathe Prof. Dr. Hiram Kümper aus Mannheim und Daniele Toro aus Bielefeld. Ihr Vortrag beleuchtet die jahrhundertelange Geschichte der sauerländischen Kettenproduktion von ihren Ursprüngen im spätmittelalterlichen Handwerk bis zur heutigen globalen Industriewirtschaft. Die Forschungsergebnisse basieren auf dem im letzten Jahr von den Referenten publizierten Buch „Bindekräfte: Fünf Jahrhunderte südwestfälische Kettenproduktion“. Hiram Kümper und Daniele Toro sind auch Herausgeber der geplanten neuen Ortsgeschichte von Letmathe.

Ein besonderes Jubiläum ist Anlass für den Vortrag über Ernst Danz am Dienstag, 18. Oktober 2022. Der Geburtstag des bekannten Iserlohner Ehrenbürgers und Lehrers jährt sich am Folgetag zum 200. Mal. Über seine schulischen Verdienste hinaus erwarb er sich als Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Verschönerungs-Vereins und als Initiator der Gründung der Iserlohner Abteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins hohes Ansehen. Stadtarchivar Rico Quaschny wird in seinem Vortrag Leben und Wirken von Ernst Danz in Iserlohn nachzeichnen, der „unermüdlich um die Verschönerung der Stadt und ihrer Umgebung bemüht“ war.

Zum Abschluss der Vortragsreihe geht der Historiker Peter Trotier aus Letmathe am Donnerstag, 10. November 2022, auf ein bisher kaum beachtetes Kapitel des Hauses Letmathe ein. Er stellt die Familien Pütter, Ebbinghaus und Overweg als bürgerliche Besitzer des einstigen Adelssitzes zwischen 1812 und 1918 vor. Geschildert wird unter anderem, wie die Familien das Schicksal des Hauses Letmathe, des Dorfes und der beiden Kirchengemeinden mitbestimmten.

Als bewährte Kooperationspartnerin der Vortragsreihe tritt die Volkshochschule Iserlohn auf, die alle Angebote in ihr Herbst-Programm aufgenommen hat. Neu ist bei dem aktuellen Programm, dass bei zwei Vorträgen Stadtarchiv und VHS „Juniorpartner“ sind. Die beiden Vorträge in Haus Letmathe werden vom Geschichtskreis Letmathe (Heimatverein Letmathe e.V. und Förderkreis Haus Letmathe e.V.) veranstaltet. Sie sind deshalb eintrittsfrei.
Die anderen Vorträge finden im Fanny-van-Hees-Saal der VHS im Stadtbahnhof statt, da dieser Raum mehr Platz bietet als das Stadtarchiv Iserlohn in der Alten Post. Der Eintritt kostet jeweils sechs Euro, Ermäßigungsberechtigte zahlen drei Euro.

Das Faltblatt mit der Terminübersicht und kurzen Informationen zu den einzelnen Vorträgen liegt im Stadtarchiv Iserlohn, bei anderen Kulturinstituten, in der Stadtinformation im Stadtbahnhof und im Rathaus am Schillerplatz aus. Es wird auf Wunsch gern zugesandt und ist im Internet abrufbar unter www.archiv-iserlohn.de.

Die Veranstaltungen im zweiten Halbjahr 2022 im Überblick; alle Vorträge beginnen um 18.30 Uhr:

Dienstag, 23. August: Der deutsche Kolonialismus und seine Auswirkungen in Iserlohn
Vortrag von Dr. Walter Wehner, Iserlohn
VHS Iserlohn (Fanny-van-Hees-Saal), Bahnhofsplatz 2, 58644 Iserlohn

Dienstag, 13. September: Das sauerländische Dreigestirn. Die Dichterinnen Josefa Berens-Totenohl, Maria Kahle und Christine Koch im Nationalsozialismus
Vortrag von Peter Bürger, Düsseldorf
VHS Iserlohn (Fanny-van-Hees-Saal), Bahnhofsplatz 2, 58644 Iserlohn

Donnerstag, 6. Oktober: „Ketten knüpfen“ – Die Geschichte der westfälischen Kettenproduktion vom Handwerk zur Industrie
Vortrag von Prof. Dr. Hiram Küper, Mannheim, und Daniele Toro, Bielefeld
Haus Letmathe (Gewölbekeller), Hagener Straße 62, 58642 Iserlohn

Dienstag, 18. Oktober: „Unermüdlich um die Verschönerung der Stadt und ihrer Umgebung bemüht …“ – Zum 200. Geburtstag von Professor Ernst Danz
Vortrag von Rico Quaschny, Iserlohn
VHS Iserlohn (Fanny-van-Hees-Saal), Bahnhofsplatz 2, 58644 Iserlohn

Donnerstag, 10. November: Die Familien Pütter, Ebbinghaus und Overweg als Besitzer des Hauses Letmathe zwischen 1812 und 1918
Vortrag von Peter Trotier, Iserlohn
Haus Letmathe (Gewölbekeller), Hagener Straße 62, 58642 Iserlohn

Kontakt:
Stadtarchiv Iserlohn in der „Alten Post“
Theodor-Heuss-Ring 5
58636 Iserlohn
Tel.: 02371 / 217-1921
Fax: 02371 / 217-2982
archiv@iserlohn.de
www.archiv-iserlohn.de

Quelle: Stadt Iserlohn, Pressemitteilung, 10.8.2022

Filmdokumente des Ottensteiner Vereinslebens fürs Stadtarchiv Ahaus

Der FC Ottenstein hat sein Filmarchiv dem Stadtarchiv Ahaus übergeben. Es umfasst vor allem Filmdokumente des Vereinslebens (Ferienfreizeiten, Turniere, u. ä.), teils mit Ton, aus der Zeit von etwa 1975 bis 1990.


Abb.: v.l.: Stadtarchivar Max Pfeiffer, Beigeordneter Werner Leuker, Helmut Haveresch, Frank Lefering vom FC Ottenstein (Foto: Stadt Ahaus)

Besonderheiten sind Filmdokumente der Jubiläumsfestwoche „700 Jahre Ottenstein 1292-1992“ mit Aufnahmen aus dem Festzelt, des Festumzugs und des Festprogramms. Dazu kommen Aufnahmen von Ottenstein aus den Jahren 1953/1954 und ein Film des Schützenfestes von 1938, der zum Teil Farbaufnahmen enthält und damit zu den ältesten erhaltenen Farbfilmen Westfalens zählt.

Die Filme sollen nun digitalisiert werden, um die analogen Originale vor Gebrauch zu schonen. Sie werden anschließend im Archiv der Stadt Ahaus zur Nutzung vorgehalten werden.

Den Kontakt zum Stadtarchiv suchte der ehemalige Vorsitzende des FC Ottenstein, Frank Lefering, da der Verein eine langfristige Lösung für sein Filmarchiv brauchte. Es sollte auf Dauer nicht mehr in privaten Kellern lagern müssen.

Im Stadtarchiv Ahaus wird das Filmarchiv nach der Digitalisierung durch einen Dienstleister dauerhaft aufbewahrt werden.

Der FC Ottenstein wurde 1920 als Fußballklub „FC Tapfer Ottenstein 1920“ gegründet.

Kontakt:
Stadtarchiv Ahaus
Herr Max Pfeiffer
Rathaus (Raum 152)
Rathausplatz 1
48683 Ahaus
Tel. 02561 – 72328
Fax: 02561 – 7281328
m.pfeiffer@ahaus.de

Quelle: Stadt Ahaus, Pressemitteilung, 9.8.2022

Ausstellung über die Arbeit des Gesundheitsamtes im Altkreis Steinfurt

„Geschichten aus dem Kreisarchiv Steinfurt“.

„Die Geschichte des Kreisgesundheitsamtes wartet darauf erforscht zu werden“, sagt Steinfurts Kreisarchivar Jannik Schröder und spricht damit eine Einladung an alle Interessierten aus, im Archiv des Kreises Steinfurt zu stöbern – digital oder analog. Der 26-Jährige geht neue Wege und hat eine Online-Ausstellungsreihe entworfen: „Geschichten aus dem Kreisarchiv Steinfurt“. Aktuell ist der vorwiegend von Jannik Schröder aus den Jahren 1814 bis 1988 neu erschlossene Bestand des Gesundheitsamtes des Altkreises Steinfurt zu sehen. Es ist ein Rückblick auf verschiedene Aspekte der Arbeit des Gesundheitsamtes im 19. und 20. Jahrhundert – von der Zulassung von Apotheken, über die Bekämpfung ansteckender Krankheiten, bis hin zur Mütterberatung.


Abb.: Die Ausstellung umfasst Einzelstücke wie beispielsweise dieses Plakat zu Diptheriebekämpfung aus dem Jahr 1934 (Foto: Kreisarchiv Steinfurt). 

„Spannende Einzelstücke aus den Jahren 1836 bis 1964 bieten einen abwechslungsreichen Einblick in die damaligen Aufgabenbereiche und die Entwicklung des Gesundheitswesens“, verspricht Jannik Schröder. Sein Anliegen: „Wir möchten den Menschen mit dieser Ausstellung dauerhaft unser vielfältiges Archivgut präsentieren und Lust auf mehr machen. Interessierte können sich online wie auch vor Ort kostenlos informieren.“ Vor Ort ist die nur wenige Meter vom Eingang des Kreisarchivs entfernte Vitrinen-Ausstellung im Foyer des Steinfurter Kreishauses während der üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Diese wird regelmäßig neu bestückt.

Online ist die Ausstellung zu sehen unter https://tinyurl.com/y7ozda5y

Das Kreisarchiv Steinfurt ist montags bis donnerstags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.

Kontakt:
Kreisarchiv Steinfurt
Jannik Schröder (Archivleitung)
Tecklenburger Str. 10
48565 SteinfurtTel: 02551 69-1043
Fax: 02551 69-91043
jannik.schroeder@kreis-steinfurt.de

Quelle: Kreis Steinfurt, Pressemitteilung, 5.8.2022

Die Nordhäuser Siegelsammlung

Gemeinschaftsprojekt zur digitalen Erschließung von rund 7.000 Objekten.

Am 27.8.2022 wird das Stadtarchiv Nordhausen/Harz mit seinen Partnern aus Leipzig und Mannheim gemeinsam mit dem Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein e.V. sein Online-Projekt „Wieder da. Die Nordhäuser Siegelsammlung: wiedergefunden – digital verfügbar – bürgerwissenschaftlich erschlossen…“ in Form einer offenen Werkstatt mit Web-Präsentation vorstellen.

Erst 2017 konnten große Teile der seit langem verloren geglaubten Siegelsammlung der Stadt Nordhausen/Harz wiederaufgefunden werden. Sie machten 1876 einen wesentlichen Grundstock der seit damals bestehenden Städtischen Museen aus und waren jahrzehntelang vergessen.

Rund 7.000 Objekte – und damit über 9.000 Siegel – wurden vom Stadtarchiv Nordhausen/Harz übernommen, mit viel bürgerschaftlichem Engagement gereinigt, konservatorisch gesichert, inventarisiert, provisorisch verpackt und komplett hochauflösend fotografiert. Die Siegel aus vielen Sammlerhänden sind äußerst verschieden in Erhaltungszustand, Material, Bildprogrammen und Überlieferungsform. Die erforderlichen umfangreichen Maßnahmen zur Erhaltung, Reinigung und kompletten Digitalisierung der neu aufgefundenen Objekte konnten in den Jahren 2018/2019 geschehen. Eine erste Sonderausstellung in 2020 und eine Pilot-Lehrveranstaltung an der Universität Mannheim 2020 belegten die Vielfalt der Sammlung.

Es fehlte aber an nachhaltiger digitaler Infrastruktur zur Nutzbarmachung der riesigen Überlieferung. Der stadt- und landeshistorisch bedeutende Archivfund musste für akademische Recherche und Lehre sowie bürgerschaftliche Heimatforschung online aufbereitet und dauerhaft zugriffsfähig werden. Es brauchte ein stabiles Vermittlungs- und Erschließungsangebot für alle Siegelinteressierten. Doch das Stadtarchiv allein konnte schon die konventionelle Grunderschließung nicht stemmen. Dennoch bleiben die Siegel nicht vergessen und unbenutzbar. Denn dank potenter Förderer und bereitwilliger Partner kann die Siegelsammlung nun online bürgerwissenschaftlich erschlossen werden.

Ab Ende August 2022 können alle Siegelobjekte dank der freilich noch stärker zu entfachenden Zusammenarbeit von interessierter Bürgerschaft und akademischer Forschung bequem von zuhause aus online begutachtet und beschrieben werden.

Die 1. Nordhäuser Siegelwerkstatt mit Web-Präsentation findet am 27.8.2022 in der „Herzschlag-Jugendkirche Nordhausen“ statt, der ehemaligen Zisterzienserinnenklosterkirche bzw. evangelischen Pfarrkirche Altendorf. Der Gebäudekomplex, umstanden von anderen ehemaligen Klostergebäuden in unterschiedlichem Zustand, wurde vor wenigen Jahren aufwendig saniert und für eine zeitgemäße Umnutzung hergerichtet.

Links:

Kontakt:
Stadtarchiv Nordhausen
Markt 15
99734 Nordhausen
Tel. 0 36 31 / 69 64 50
Fax. 036 31 / 696 87 450
stadtarchiv@nordhausen.de
https://nordhausen.mitteldeutschearchive.de/

Aschaffenburgs Stadtarchiv Mainzer Zeit wird digitalisiert

Drei Förderungen aus Würzburg, Berlin und Bonn für den Weg ins digitale Zeitalter.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg für die Jahre 2023 und 2024 Fördermittel in Höhe von knapp 117.000 € zur Verfügung gestellt. Hiermit soll der für die Aschaffenburger Stadtgeschichte vom 15. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts grundlegende Archivbestand Stadtarchiv Mainzer Zeit komplett digitalisiert werden.


Abb.: Reisen und Übernachten um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Aus einem Verzeichnis der Schildwirtschaften mit festgesetzten Preisen für Übernachtung für die Zimmer und Verköstigung sowie Stallgeld für Pferde, vom 10. August 1749 (Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Bestand Stadtarchiv Mainzer Zeit, Nr. 32)

Geplant ist danach auch die umfassende Online-Verfügbarmachung, wie der zuständige Referent, Bürgermeister Eric Leiderer, betont: „Das Stadtarchiv Mainzer Zeit ist ganz grundlegend für die Erforschung der Stadtgeschichte. Neben dem historischen Stiftsarchiv, das bereits seit einiger Zeit – aufgrund einer Förderung des Freistaats Bayern – teilweise digital im Portal bavarikon verfügbar ist, ist das Stadtarchiv Mainzer Zeit der zweite bedeutende historische Altbestand, der in absehbarer Zeit überall online abrufbar und nutzbar sein wird.“ Leiderer verweist dabei auch auf die früheren finanziellen Unterstützungen für das Stadtarchiv Mainzer Zeit: „Der Bezirk Unterfranken hat über die Unterfränkische Kulturstiftung die Basis gelegt, indem die inhaltliche Aufbereitung gemeinsam mit der Stadt Aschaffenburg gefördert worden ist; die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts hat die konservatorische Vorbehandlung des Stadtarchivs mitfinanziert. Ich danke in beiden Fällen sehr herzlich für diese Unterstützung.“

Wie Aschaffenburgs Archivdirektor Dr. Joachim Kemper ausführt, seien die Erschließung und konservatorische Bearbeitung des Stadtarchivs Mainzer Zeit Voraussetzungen gewesen, um den Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft überhaupt stellen zu können. Kemper: „Der DFG-Antrag war nach wissenschaftlichen Kriterien und mit Blick auf Fragen der Informationswissenschaft in einem mehrmonatigen Prozess im letzten Jahr erarbeitet worden. Wir danken den Unterstützer*innen des Antrags sehr, die im Verlauf des Projekts letztlich auch Kooperationspartner sein werden – angefangen von verschiedenen universitären Lehrstühlen und Professor*innen in Mainz, über Forschungsinstitute, bis hin zu Archiven. Aschaffenburg war vor seiner bayerischen Zeit eine bedeutende Residenzstadt der mächtigen Mainzer Kurfürsten. Es ist ein großes Glück und angemessen, dass die historische Überlieferung der Residenzstadt Aschaffenburg durch die Digitalisierung gesichert und digital verfügbar gemacht werden wird!“

Zum Hintergrund:
Das Projekt „Digitalisierung eines historischen Kernbestandes: Das „Stadtarchiv Mainzer Zeit (SMZ)“ wird seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Programm „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ gefördert. Die Digitalisierung wird in den Jahren 2023 und 2024 erfolgen. Die DFG ist die größte fachübergreifende Förderinstitution für die Wissenschaften in Deutschland. Der Etat beträgt jährlich über 3 Milliarden Euro. Die DFG wird größtenteils über die Bundesrepublik Deutschland sowie anteilig auch über Ländermittel finanziert.

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
Telefon: +49 6021 4561050
Telefax: +49 6021 29540
stadtarchiv@aschaffenburg.de

Quelle: Stadt Aschaffenburg, Pressemitteilung, 4.8.2022

Notfallverbund Würzburg gegründet

Eine Vereinbarung zum sogenannten „Notfallverbund Würzburg“ haben die Träger der vier großen Würzburger Archive im Wenzelsaal des Würzburger Rathauses unterzeichnet. Dabei handelt es sich um das Bistum Würzburg für seine Einrichtung Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg, den Freistaat Bayern, vertreten durch die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, für das Staatsarchiv Würzburg, die Stadt Würzburg für das Stadtarchiv Würzburg sowie die Universität für das Universitätsarchiv Würzburg.


Abb.: (Nicht nur) Würzburger Archivarinnen und Archivare bei der Unterzeichnung der Vereinbarung – von links: Dr. Marcus Holtz, Leiter des Unversitätsarchives, Dr. Jürgen Vorndran, Generalvikar der Diözese Würzburg, Dr. Margit Ksoll-Macron, Generaldirektorin der staatlichen Archive Bayerns und Achim Könneke, Kulturreferent der Stadt Würzburg (Foto: Christian Weiß)

Mit diesem Schritt erklären die Beteiligten unter Beibehaltung ihrer rechtlichen, institutionellen und inhaltlichen Eigenständigkeit, wie es in der Vereinbarung heißt, im Notfall ihre personellen und sachlichen Ressourcen zu bündeln und die zum Schutz des Kulturgutes zu leistenden Aufgaben in gegenseitiger Unterstützung zu bewältigen.

Im Jahr 2007 wurde, befördert durch den Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, ein erster Notfallverbund in Weimar gegründet, dem in den Jahren darauf nicht zuletzt unter dem Eindruck des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs 2009 zahlreiche weitere Verbünde in ganz Deutschland folgten.

Zielsetzung dieser Verbünde ist die gegenseitige personelle, materielle und technische Unterstützung bei außerordentlichen Schadensereignissen durch Wasser, Brand, Unwetter, technische Defekte, äußere Gewalt und andere unvorhersehbare Geschehnisse, die mit eigenen Mitteln nicht mehr bewältigt werden können.

Dafür sind auch beim „Notfallverbund Würzburg“ regelmäßige Treffen vorgesehen, um sich gemeinsam präventiv auf einen Notfall vorzubereiten. Hierzu wird der Austausch zu einrichtungsspezifischen Notfallmaßnahmen ebenso gehören wie die gemeinsame Durchführung von Notfall- und Bergungsübungen mit den Gefahrenabwehrbehörden vor Ort.

Viele Träger und Verbände von Bibliotheken sind nicht wirklich auf Katastrophen wie den Brand der Herzogin Amalia Bibliothek in Weimar oder den Einsturz des Archivs in Köln vorbereitet, so Achim Könneke, Kulturreferent der Stadt Würzburg: „Es wird höchste Zeit, planvoll Strukturen für präventiven Kulturgutschutz zu entwickeln.“ Denn Archive wie beispielsweise das Stadtarchiv fungieren als Gedächtnis der Stadt und Stadtgesellschaft.

So werde die überaus bewegte Geschichte Würzburgs beispielsweise als Residenzstadt des Hochstifts erfahrbar gemacht. Viele der Archivalien tragen dabei einzigartige Informationen in sich und zeichnen sich durch besondere Materialien oder Kunstfertigkeit aus. Deshalb zählt die Bestandserhaltung der Archive zu ihren wichtigsten Aufgaben. „Mit der Vertragsunterzeichnung wurde hier ein weiterer wichtiger Schritt getan.“

Quelle: Stadt Würzburg, Aktuelle Pressemitteilung, 31.7.2022