Salzburger Archivalien kehrten zurück

Nach jahrelangen Bemühungen konnte nun die Rückführung der Salzburger Archivalien, die während der Wirren der napoleonischen Zeit \“geraubt\“ und nach München oder Wien gebracht worden sind, abgeschlossen werden. Es sind nicht alle Akten im Original zurückgekehrt, dafür sind aber alle 19.000 Urkunden digitalisiert und stehen damit – was bei Originalen nicht einmal denkbar wäre – jedem interessierten Nutzer unmittelbar zur Verfügung. Hinzu kommt die Rückkehr der Salzburger Kammerbücher in sechs Bänden (2.500 mittelalterliche Urkunden) mit Inhalten zur Vermögens- und Finanzverwaltung des Erzbistums. Schließlich ist auch der bayerisch-salzburgische Archivalienaustausch, unter anderem anhand von Kostbarkeiten aus der Salzburger Landkartensammlung, nach 200 Jahren zu einem positiven Abschluss gebracht worden.

\“Was uns jetzt wieder vollständig zur Verfügung steht, ist so etwas wie die ‘DNA‘ des historischen Landes Salzburg: die an historischen Dokumenten festgehaltene rechtliche Substanz unseres Landes. Der eigentlichen vollständigen Entschlüsselung durch die historische Wissenschaft, die bisher nur fragmentarisch und mit viel Reiseaufwand möglich war, steht nun nichts mehr im Weg. Ganz im Gegenteil – einen besseren und breiteren Zugang zu den 19.000 Urkunden als deren Digitalisierung kann man sich gar nicht vorstellen. Wir dürfen also mit der Zeit einen kräftigen Schub landesgeschichtlicher Forschung erwarten und viele Antworten auf Fragen, die wir bisher noch gar nicht zu stellen wagten – insbesondere, weil die Dokumente fehlten\“, stellte Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller am 16. März 2009 in einem Informationsgespräch im Salzburger Landesarchiv fest.

Manchmal müsse man einfach ein bisschen Geduld haben. Nach rund 200 Jahren lösen sich die Probleme zwar noch immer nicht von allein. Aber wenn zur richtigen Mischung aus Sachverstand, Beharrlichkeit und Charme dann auch noch die berühmte Gunst der Stunde hinzukomme, dann könne ein wirklich großer Wurf wie dieser gelingen, so Burgstaller weiter, die sich beim Leiter des Salzburger Landesarchivs, Hofrat Dr. Fritz Koller, und seinen Mitarbeitern und zugleich auch bei den Verantwortlichen in München und Wien für deren Kooperationsbereitschaft bedankte.

Für die Landeshauptfrau ist der Abschluss der Rückführung der Salzburger Archivschätze einer der Höhepunkte des Gedenkjahres 2009: \“Es ist das formale und vor allem gute Ende von 200 Jahren der Verwirrung um die Aktenbestände des früher eigenständigen Landes Salzburg. Damit wird eine der längsten ‘Entlehnungen‘ der jüngeren Geschichte beendet. Vielleicht ist das sogar etwas für das Guinness-Buch der Rekorde.\“ 

Lösung in bestmöglicher Form verwirklicht

\“Nach dem Ende der Selbstständigkeit Salzburgs als eigenes Reichsfürstentum 1805 wurden die Schätze aus dem Archiv der Salzburger Fürsterzbischöfe teils nach Wien, teils nach München ‘verbracht‘. Umfangreiche Bestände blieben in Salzburg. 200 Jahre lang wurde nach einer Lösung für diese unbefriedigende Situation gesucht. Das Salzburger Landesarchiv hat sie nun in der bestmöglichen Form verwirklicht\“, erläuterte Hofrat Dr. Fritz Koller. 

Virtuelle Rekonstruktion des Urkundenarchivs der Fürsterzbischöfe

Im Österreichischen Staatsarchiv in Wien befinden sich mehr als 15.000 Salzburger Originalurkunden und mehr als 100 Handschriften. Juristische und finanzielle Gründe schließen eine Rückführung aus. Als bisher einziges Ergebnis der Vermögensverhandlungen zwischen dem Bund und dem Land Salzburg konnte erreicht werden, dass sich Bund und Land die Kosten von 50.000 Euro für eine Sicherheitsverfilmung dieser Archivalien teilen. \“Die Notwendigkeit von Sicherheitsverfilmungen wurde jüngst mit der Katastrophe von Köln verdeutlicht\“, so Hofrat Dr. Koller. Ohne Mehrkosten für das Land übernahm die private wissenschaftliche Organisation "Icarus" gleichzeitig eine Digitalisierung dieser Urkunden. \“Icarus\“ hat auch die zirka 1.000 Salzburger Urkunden in München und die zirka 2.500 Urkunden in Salzburg digitalisiert. Im Salzburger Landesarchiv werden diese insgesamt rund 19.000 Urkunden-Digitalisate mit Inhaltsangaben versehen und ohne Rücksichtnahme auf den heutigen Standort des Originals chronologisch gereiht. Damit entsteht eine virtuelle Rekonstruktion des vor 200 Jahren zerrissenen Urkundenarchivs der Salzburger Fürsterzbischöfe, in das jede Forscherin und jeder Forscher vom Bildschirm aus im Internet unter www.monasterium.net Einsicht nehmen kann.

Rückkehr aus Wien: Die Salzburger Kammerbücher

Was für den Salzburger Archäologen die Schnabelkanne vom Dürrnberg ist, sind für den Salzburger Archivar die \“Salzburger Kammerbücher\“. Sie waren das Herz vom Herzen des fürsterzbischöflichen Archivs. Die sechs Bände stammen aus dem Mittelalter und beinhalten die Abschriften von etwa 2.500 Urkunden, die vielfach nur in dieser Form erhalten sind. 1806 kamen sie nach Wien. Die Rückkehr der Kammerbücher im Original nach 200 Jahren ist mehr als ein Symbol. Besitzrechtliche Fragen wurden in Form einer Dauerleihgabe entschärft, führte der Leiter des Salzburger Landesarchivs aus. 

Bayerisch-salzburgischer Archivalienaustausch

Von 1810 bis 1816 bedienten sich die Bayern an den Resten des Alt-Salzburger Archivs. Sie nahmen mit, was sich auf die Erhebung 1809 gegen Bayern und Franzosen bezog und was für zukünftige Verhandlungen mit Österreich über Grenze, Salz und Holz brauchbar schien. Unter anderem kamen Kostbarkeiten aus der Salzburger Landkartensammlung nach München. Glücklicherweise \“vergaßen\“ die Bayern 1816 in Salzburg einige Bestände. 200 Jahre lang redete man über Nach- bzw. Rückforderungen. 2003 bis 2006 wurde mit dem bayerisch-salzburgischen Archivalienaustausch eine einvernehmliche nachbarschaftliche Lösung erreicht, mithilfe dieser konnten u.a. unersetzliche Originale historischer Karten nach Salzburg zurückgebracht werden.

Kontakt:
Landesarchiv Salzburg
Michael-Pacher-Str. 40
A-5020 Salzburg 
Tel.: 0662/8042/4521 oder 4527 
Fax: 0662/8042/4661
landesarchiv@salzburg.gv.at

Quelle: Land Salzburg, Pressemitteilung, 16.3.2009

Ansichten vom Rande des Kölner Kraters

Kölns Kulturdezernent Professor Georg Quander besuchte laut Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers (KSTA) vom 15. März 2009 die Einsturzstelle des Historischen Archivs der Stadt Köln in der Severinstraße am 14. März gemeinsam mit dem Direktor der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek – \“und zeigte sich erschüttert über das Ausmaß der Zerstörung\“. Gleichwohl werden Perspektiven zur baulichen Zukunft des Kölner Stadtarchivs benannt. Nach Einschätzung Quanders werde Köln frühestens in fünf Jahren ein neues Stadtarchiv haben können. Zunächst müsse ein Standort für den Bau gefunden werden, die Bauphase und die anschließende Austrocknung der Wände und Räume dauere ihre Zeit, so der Kulturdezernent.

Schwierigkeiten bereitet nicht nur ein realer Neubau, zu Komplikationen scheint auch der Aufbau eines virtuellen Kölner Stadtarchivs führen zu können. Auf Initiative des Vereins \“Prometheus – Das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung & Lehre e.V.\“ wurde einige Tage nach dem Einsturz des Archivs das \“digitale Historische Archiv Köln\“ (www.historischesarchivkoeln.de) ins Netz gestellt. Ehemalige Kölner Archivbenutzer werden gebeten, im Zuge eigener Forschungen erstellte Reproduktionen und Exzerpte von Archivgut aus dem Stadtarchiv nunmehr online zu stellen, um die Rekonstruktion der Bestände zu unterstützen. Die Kopien und Abschriften sollen nach Möglichkeit entsprechend der Systematik des Archivs hochgeladen werden. Dass das \“digitale Historische Archiv Köln\“ nach eigener Auskunft \“dem öffentlichen Anspruch auf \’freien Zugang\‘ (Open Access)\“ folgt, stößt nicht nur auf Gegenliebe. Die Direktorin des Kölner Stadtarchivs, Dr. Bettina Schmidt-Czaia, verweist laut KSTA beispielsweise auf das Problem, dass die Stadtarchivbenutzer etwaige Kopien von Kölner Archivalien lediglich zur eigenen Nutzung erhalten hätten, nicht aber zur Weiterverbreitung, z.B. im Internet. \“Besser wäre es, uns diese Kopien zur Verfügung zu stellen\“, appelliert sie daher an die Forscher.

Letztlich muss sichergestellt werden, dass das Historische Archiv der Stadt Köln möglichst umfänglich wieder in den Besitz des eigenen Archivgutes gelangt – physisch und virtuell. Hierzu bedarf das Kölner Stadtarchiv auf Jahre hinaus der Unterstützung breiter Kreise der (Fach-)Öffentlichkeit und der Solidarität der Zunft. – Schmidt-Czaia selbst forderte am 15. März in der WDR-Fernsehsendung West.art am Sonntag, dass sofort mit der Planung eines Archivneubaus begonnen und ein Digitalisierungszentrum eingerichtet werden müsse.

Die Beurteilung der unübersichtlichen Lage in den ersten Tagen nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs war von Spekulationen über Ursachen und Ausmaß der Katastrophe ebenso geprägt wie von eiligen und voreiligen Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen. Auch mussten gute und gut gemeinte Solidaritätsaktionen und Hilfsmaßnahmen in rechte Bahnen gelenkt werden. Das berechtigte öffentliche Interesse nach Erklärungen zu und Erkenntnissen aus den Kölner Ereignissen ist nach wie vor groß.

Gleichzeitig sollte aber zunehmend die Sachlichkeit bei der Aufarbeitung des Geschehens die Oberhand gewinnen. Die Bergung des Archivgutes wird noch Wochen und Monate dauern; sie konnte erst nach dem Auffinden der beiden verschütterten Anwohner intensiviert werden und muss zugleich unter größter Vorsicht geschehen, da die Einbruchstelle schwer abzusichern ist. Meinungsäußerungen vom Rande des Kraters sind angesichts der Bestürzung, die dessen Eindruck weiterhin hinterlässt, nicht immer sachdienlich.

Der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln hat tragischerweise zwei Todesopfer gefordert. Wie viel mehr Opfer hätten beklagt werden müssen, wenn nicht das Archiv, sondern das gegenüberliegende Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in den Krater des U-Bahn-Baus gerutscht wäre! Die Stadt Köln hat einen Teil ihrer Vergangenheit verloren, glücklicherweise aber nicht ihre Zukunft.

Links:

Kontakt:
Historisches Archiv der Stadt Köln
Telefon: 0221-22124455 oder 0221-22128746 (nur in dringenden Fällen)
claudia.tiggemann-klein@stadt-koeln.de
monika.frank@stadt-koeln.de

Jens Murken, Bielefeld

Populäre Kellerkinder und die bleibenden Werte

In einer Reportage über das regionale Archivwesen und das Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut in Ludwigsburg nimmt sich die Badische Zeitung vor dem Hintergrund des Kölner Archiveinsturzes der Bedeutung der Archive als "Gedächtnisse" der Gesellschaft an: "Ein Archiv sagt die Wahrheit", es lüge nicht und sei geduldig. Nach der Katastrophe von Köln genießt das Archivwesen zudem besonderes mediales Interesse: "Deutschlands Kellerkinder, die Archivare, [sind] plötzlich populär". Wohl mit Blick auf die Archivpädagogik wird Archivdirektor Dr. Clemens Rehm zitiert: \“20 Jahre haben wir uns die Hacken abgerannt für mehr Aufmerksamkeit, und dann so etwas".

Das Medieninteresse wird vermutlich bald nachlassen, die Rekonstruktion des Historischen Archivs der Stadt Köln hingegen Jahre und Jahrzehnte dauern, mit derzeit noch ungewissen Erfolgsaussichten. Frieder Kuhn und seine dreißig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut rechnen damit, beizeiten von den Kölner Kollegen um Hilfe bei der Wiederherstellung der geborgenen Archivalien gebeten zu werden.

Kuhn leitet das Ludwigsburger Institut, eine Abteilung des Landesarchivs Baden-Württemberg, das im mittelalterlichen \“Arsenal\“, einem früheren Waffenlager, untergebracht ist. Von der Buchbinderei mit Pinseln, Pressen und Prägestempeln bis zum Digitalscanner unterm Dach birgt Kuhns Haus alles, was man braucht, um Kostbarkeiten dem Zahn der Zeit zu entreißen und der Nachwelt aufzuheben. Der Zahn der Zeit – das kann Tintenfraß sein, welcher eine Originalpartitur von Bach durchlöchert, so dass man bald nicht mehr sagen kann, ob der Meister halbe oder ganze Noten gemeint hat. Das kann auch selbstzerstörerisches Papier sein, welches seit etwa 150 Jahren für viele Druckschriften benutzt wird. Es bildet Säuren und zersetzt sich. Der Zahn der Zeit kann aber auch von außen am Dokument nagen, per Sonnenlicht, Feuchtigkeit, Feuer, Wasser, Holzwürmern oder Schimmel. Alles Organische zerfällt, das steht fest. Aber fest steht auch, dass Kuhns engagierte Truppe den Ehrgeiz hat, dem Zerfall die Arbeit so schwer wie möglich zu machen.

Ein Landesrestaurierungsprogramm von 1986, das jährlich knapp 900.000 Euro bereithält, finanziert die Arbeit des Instituts für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut. – Da die "Langzeitarchivierung" digitaler Daten längst noch nicht zuverlässig ist, schwört Chefrestaurator Kuhn weiterhin auf die Sicherheitsverfilmung: Auf acetatfreien 35-Millimeter-Film werden im Dachgeschoss seines Instituts in großer Zahl Dokumente fotografiert. Manche der Dokumentenseiten, die im Zuge systematischer Sicherungsverfilmung auf die Filme kopiert werden, kann man bereits mit bloßem Auge entziffern. "Wer diese Streifen nach, sagen wir, fünfhundert Jahren aus der Tonne holt\“, verspricht Frieder Kuhn, \“der braucht nur eine Lampe und eine Lupe, um sie zu lesen.\“ Einen Ersatz für die zu schützenden und gegebenenfalls – wie im Kölner Fall – auch massenhaft aufwändig zu restaurierenden \’Originale mit Wahrheitsgehalt\‘ stellen sie gleichwohl nicht dar.

Kontakt:
Landesarchiv Baden-Württemberg
Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut
Frieder Kuhn, Abteilungs- und Institutsleiter
Schillerplatz 11
D-71638 Ludwigsburg
Telefon: 07141/18-6622
Fax: 07141/18-6699
frieder.kuhn@la-bw.de

Quelle: Stefan Hupka, Badische Zeitung, 11.3.2009

NRW überprüft Sicherheitsstandards für Archive

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs werden die Sicherheitsstandards für Archivgut in Nordrhein-Westfalen auf den Prüfstand gestellt. Das kündigte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers am 10. März 2009 nach einer Kabinettssitzung in Düsseldorf an. Geprüft werde laut einer Pressemitteilung des Landes eine schnellere Digitalisierung von Archivgut und eine Verschärfung des Archivgesetzes. Die Landesregierung NRW will den Gesetzestext bis zum Jahresende novellieren. Mit 300.000 Euro Soforthilfe aus der Landeskasse werden zudem die Restaurierungsarbeiten in Köln unterstützt.

\“Wir erwarten auch von der Bundesregierung finanzielles Engagement, denn die Kölner Archivalien sind von großer Bedeutung für die Kultur ganz Deutschlands und Europas\“, sagte Rüttgers. \“Jetzt muss gerettet werden, was zu retten ist.\“ Besonders gefreut habe ihn, dass in Köln inzwischen erste Bände aus dem Nachlass des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) und Handschriften von Albertus Magnus aus den Trümmern gerettet werden konnten, sagte Rüttgers. Die Frage, ob der U-Bahn-Bau in der Domstadt weiterbetrieben werden sollte, wollte er nicht kommentieren. \“Das ist in der Zuständigkeit der Stadt Köln.\“

Insgesamt seien derzeit aus dem Landesarchiv NRW, den Landschaftsverbänden und der Kölner Bergungsmannschaft 60 Mitarbeiter im Schichtdienst im Einsatz, sagte NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. Zusätzlich gebe es zahlreiche Hilfsangebote aus anderen Bundesländern, berichtete Rüttgers. Jetzt werde eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Landesarchivs, des Kölner Stadtarchivs und der Landschaftsverbände eingerichtet, die Rettungsmaßnahmen koordiniert und eine Prioritätenliste für die Restaurierung erstellt.

\“Eine solche Katastrophe darf sich nicht wiederholen\“, sagte der Ministerpräsident. Deswegen werde eine Expertenanhörung zur Sicherheit von Archivgut angesetzt. Dazu gehöre auch die Frage, ob bestimmte Archivalien nicht im Tresor aufbewahrt werden müssten. Darüber hinaus würden umgehend die Sicherheitsstandards des geplanten Landesarchiv-Neubaus in Duisburg überprüft.

Nach seinen Angaben gibt es in NRW rund 1.400 nicht-staatliche Archive, unter anderem der Kommunen, der Kirchen und Parteien. Seit 2005 habe das Land 96 Millionen Euro für öffentliche Archive aufgewendet.

Quelle: Land NRW, Pressemitteilung, 10.3.2009

Die Urkunden des Stifts Buchau

Das im späten 8. Jahrhundert gegründete adlige Damenstift Buchau am Federsee ist eine der bedeutendsten Einrichtungen der Reichskirche in Oberschwaben. Der vorliegende Band "Die Urkunden des Stifts Buchau. Regesten (819) 999–1500" erfasst erstmals den gesamten Urkundenbestand des Stifts von den Anfängen bis in das Jahr 1500 und erschließt ihn in ausführlichen Regesten. Eine Einleitung mit einem umfangreichen Tafelteil führt in die Geschichte des Stifts ein.

Somit bildet das Werk künftig nicht nur eine unverzichtbare Arbeitsgrundlage für die Erforschung der mittelalterlichen Kirchengeschichte Südwestdeutschlands, sondern auch für die Orts- und Landesgeschichte Oberschwabens.

Zu den Autoren: Dr. Rudolf Seigel war zuletzt Professor für Geschichte an den Pädagogischen Hochschulen Reutlingen und Weingarten. Dr. Eugen Stemmler (+) war Leiter des Staatsarchivs Sigmaringen. Dr. Bernhard Theil ist Referatsleiter im Landesarchiv Baden-Württemberg – Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

Die Publikation kann über den Buchhandel oder direkt über den Verlag W. Kohlhammer in Stuttgart bezogen werden. 

Info:
Die Urkunden des Stifts Buchau. Regesten (819) 999–1500
Bearbeitet von Rudolf Seigel, Eugen Stemmler (†) und Bernhard Theil
Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg, Band 36
728 Seiten mit 25 Abbildungen, fester Einband/Fadenheftung
ISBN 978-3-17-020783-7
€ 56,-

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Neue Publikationen, 11.3.2009

Kölner Webseite zum Archiv in Trümmern

In einem Weblog unter der Adresse www.archiv-in-truemmern.de wurden rund eine Woche nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln Bilder und Informationen über das Ereignis im Internet zur Verfügung gestellt. Die Webseite, die auf der Internetpräsenz des Historischen Archivs im Rahmen des NRW-Verbundarchivportals beworben wurde und für die laut Impressum die Kölner Stadtarchivleiterin verantwortlich zeichnete, wurde am 19. März heruntergefahren. Domaininhaberin ist offensichtlich nicht die Stadt Köln. Das Hosting erfolgte durch ein Münsteraner IT-Unternehmen.

Die ersten Einträge auf der Webseite www.archiv-in-truemmern.de berichteten von den Hilfsaktivitäten vor Ort durch Restauratoren- und Archivschüler sowie über Bergeerfolge. Unter anderem hatten mehrere mittelalterliche Handschriften, Ratsprotokolle, Akten aus dem Bestand Adenauer (902) und stark beschädigte Archivalien aus dem Architekten-Nachlass Schneider-Wessling geborgen werden können.

Sondersitzung des Kölner Rates nach dem Einsturz des Historischen Archivs

Nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln hat Oberbürgermeister Fritz Schramma eine Sondersitzung des Kölner Rates einberufen. Auf der Sitzung am 11. März 2009 wurde das Stadtparlament über die aktuelle Situation nach dem Einsturz des Historischen Archivs und benachbarter Gebäude unterrichtet. Dazu haben Vertreter der Kölner Verkehrsbetriebe und am aktuellen Einsatzgeschehen Beteiligte, darunter der Chef der Berufsfeuerwehr, den Politikern Bericht erstattet. Zu der Sitzung lagen verschiedene Anträge und Anfragen von Ratsfraktionen vor.

Oberbürgermeister Schramma bewertet den Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln als eine kulturelle Katastrophe, die weit über die Grenzen der Stadt und des Bundeslandes NRW hinaus reiche. Das Historische Archiv der Stadt Köln war das größte und bedeutendste kommunale Archiv nördlich der Alpen.
Neben dem menschlichen Schicksalsschlag sei ein immenser kulturgeschichtlicher Schaden zu beklagen: der Verlust und die Beschädigung von unersetzbaren historischen Originalzeugnissen. Es gehe um Kulturgut von nationaler Bedeutung. Die Rettung dieses Kulturgutes sei eine nationale Aufgabe – eine vielleicht noch größere Anstrengung als seinerzeit bei der Herzogin Anna Amalia Bibliothek oder der Dresdner Frauenkirche.

Quelle: Stadt Köln, Pressemitteilung 1, 11.3.2009; Pressemitteilung 2, 11.3.2009

Halle als Zwischenlösung für das Historische Archiv der Stadt Köln gefunden

Für eine längere Lagerung und Behandlung von geborgenem Archivgut hat die Stadt Köln eine entsprechende Halle durch Aufruf in der Presse gesucht. Die Reaktion war enorm. Nunmehr scheint eine Halle gefunden zu sein, die den besonderen Anforderungen für die Lagerung des Archivgutes entspricht und auch hinsichtlich der logistischen Kette in der Behandlung des Bergegutes des Stadtarchivs Köln geeignet ist.

Quelle: Stadt Köln, Pressemitteilung, 9.3.2009

Archivreferentenkonferenz zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs

Die Archivverwaltungen des Bundes und der Länder haben am 10. März 2009 auf ihrer Konferenz in Münster-Coerde zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs wie folgt Stellung genommen:

1. Die Archivverwaltungen des Bundes und der Länder sind tief betroffen über den Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln und dem damit verbundenen Verlust von Menschenleben. Ihr Mitgefühl gilt allen von diesem Unglück Betroffenen und ihren Angehörigen.

2. Bundesarchiv und Landesarchive bieten den Kölner Kolleginnen und Kollegen ihre solidarische Hilfe bei der unmittelbaren Sicherung und Bergung des Archivguts an. Diese Hilfe wird von Köln aus koordiniert.

3. Darüber hinaus wird zur Restaurierung des geretteten, aber beschädigten Archivguts die Hilfe aller deutschen Archive benötigt. Die Archive von Bund und Ländern werden auch hierbei Köln nach Kräften unterstützen.

4. Die Katastrophe von Köln hat die hohe Bedeutung von geeigneten Notfallplänen für die Archive verdeutlicht. Sie müssen bundesweit und flächendeckend zur Regel werden und dürfen nicht an Verwaltungsgrenzen scheitern.

5. Die Archive, deren großer Wert für die Grundlagen unseres Gemeinwesens nach der Katastrophe allen klar geworden ist, müssen künftig in der Katastrophenprävention von Staat und Gesellschaft noch stärker unterstützt werden, z.B. durch Sicherungsverfilmungen.

6. Die vorhandenen Standards für bestehende und noch zu errichtenden Archivbauten müssen standortbezogen auf ihre Einhaltung überprüft werden, insbesondere, wenn sich bauliche Rahmenbedingungen im Umfeld der Archive ändern. Hierzu sind alle Archivträger aufgerufen.

7. Die Archivverwaltungen des Bundes und der Länder sind zuversichtlich, dass trotz der erheblichen Verluste das Historische Archiv der Stadt Köln eine Zukunft als Kulturinstitution von nationalem und europäischem Rang haben wird. Sie sind davon überzeugt, dass sich die Stadt Köln der Verantwortung stellen wird, das Stadtarchiv zu erhalten und wieder aufzubauen.

Münster, den 10. März 2009

Für die Archivreferentenkonferenz des Bundes und der Länder
Prof. Dr. Wilfried Reininghaus
Präsident des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen
derzeitiger Vorsitzender der Archivreferentenkonferenz des Bundes und der Länder

Kontakt:
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
Fachbereich Grundsätze
Dr. Andreas Pilger
Graf-Adolf-Str. 67
40210 Düsseldorf
Tel. 0211 – 159238201
Fax. 0211 – 159238111
andreas.pilger@lav.nrw.de

Quelle: Pressemitteilung der Archivreferentenkonferenz des Bundes und der Länder, Erklärung der Archivreferentenkonferenz des Bundes und der Länder (ARK) zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs, 10.3.2009

Unterrichtsmappe anhand Radiosendung aus Maulbronn von 1934 gestaltet

Geschichte anhand von Ereignissen erlebbar machen, die vor Ort geschehen sind. Das ist der Ansatz des Landratsamts Enzkreis und einiger Lehrer, die Unterrichtsmappen mit Texten einer 1934 in Maulbronn aufgezeichneten Radiosendung an alle weiterführenden Schulen in Pforzheim und dem Enzkreis verteilt haben.

Die Idee entstand, als vor knapp einem Jahr im Ötisheimer Archiv eine Kopie des Manuskripts einer Radiosendung auftauchte. Das Original der Sendung, die am 15. März 1934 im Rahmen der Sendereihe \“Land in Not – Notstandsgebiete in Württemberg\“ ausgestrahlt worden ist, existiert nach Angaben aus dem Landratsamt nicht mehr. \“Das Manuskript spiegelt den Alltag der Menschen wider\“, sagt Karl Mayer vom Kreisarchiv. Wirtschaftliche Not und Arbeitslosigkeit werden in Interviews dargestellt.

\"Eine

Abb.: Eine neue Unterrichtsmappe mit CD haben die Lehrer Annedore Wittum und Sebastian Sicheneder sowie Karl Mayer und Jürgen Hörstmann vom Landratsamt (von rechts) erarbeitet (Foto: Enzkreis/Pforzheimer Zeitung)

Die Befragten sind neben Landrat und Bürgermeistern, Bürger aus Ötisheim, Maulbronn, Sternenfels, Enzberg oder Knittlingen. Unter ihnen der neunjährige Heinz Walter. Der Maulbronner hat sich beim Kreisarchiv gemeldet. Mayer hat die Lebensgeschichte des heute 84-Jährigen aufgeschrieben und als einen Teil des Hintergrundmaterials wie Wahlergebnisse, Bilder oder Unterrichtsfragen in die Mappe eingefügt. 

Sebastian Sicheneder, Lehrer am Gymnasium in Remchingen, hat an der Erarbeitung der 30-seitigen Mappe und einer CD mit allen Materialien mitgewirkt. Schüler seien in der Regel motivierter, wenn sie mit bekannten Namen und Orten arbeiten können, sagt Sicheneder. Annedore Wittum von der Dr. Johannes Faust-Schule in Knittlingen erhofft für sich und andere Lehrer, dadurch Geschichts- und Gemeinschaftskundeunterricht \“greifbarer\“ gestalten zu können. Landrat Karl Röckinger sieht in seinem Vorwort ein \“realistisches Bild\“ der damaligen Situation gezeichnet. Und zieht mit Blick auf Firmenpleiten in Folge der Weltwirtschaftskrise Parallelen zur heutigen Situation.

Kontakt:
Landratsamt Enzkreis
– Kreisarchiv –
Postfach 10 10 80
75110 Pforzheim
Kreisarchiv@enzkreis.de
www.enzkreis.de/output/La1/141.99/141.140.html

Quelle: Nadine Schmid, Pforzheimer Zeitung, Ausgabe Mühlacker, 10.3.2009